Als das Taxi noch als Käfer kam

Ich habe schon viele schlechte Berichte, Dokus, Tests usw. usf. übers Taxifahren gesehen. Vom gelesenen Schund ganz zu schweigen. Wegen der WDR-Doku „Als das Taxi noch als Käfer kam“ habe ich aber schon jetzt so viele Hinweise bekommen, dass ich mir das ansehen musste. Und die Hinweisgeber hatten Recht: Es ist eine schöne Dokumentation.

Zum einen muss ich gestehen, dass ich selbst auch einiges gelernt habe. Gerade die kurze Geschichte der Trennwand hat mich interessiert – und wie auch bei meiner Rezension zu „Ich bin Taxifahrer“ war es auch dieses Mal natürlich die geschichtliche Komponente, die mich gereizt hat: Taxifahren in den 60ern des letzten Jahrhunderts. Was für eine fremde Welt!

Es werden viele traurige und schlimme Geschichten erzählt, aber auch viel einzigartiges und liebenswürdiges. Ergo: Ja, es ist eine verdammt gute Sendung! Nicht, dass ich jetzt alles total toll fand – aber es ist eine erstklassige Doku, um über irgendwelche Fragen zu diskutieren. Gerade aus heutiger Sicht. Wer Lust und Zeit hat, sollte sich die 44 Minuten nehmen, ganz ehrlich. Und wer Fragen hat, der kommentiert einfach. Ich bin mir sicher, dass sich aus der Sendung viel rausholen lässt, und ich beantworte gerne (als Kommentar oder gar eigenen Beitrag) Fragen und Diskussionsansätze. Ich würde mich freuen, wenn ein paar von euch sich dafür interessieren.

Und, liebe Kollegen: für unsereins sollte das sowieso Pflicht sein. 🙂

WDR.de – Als das Taxi noch als Käfer kam

PS: Links bei den ÖR-Anstalten lösen sich gerne schnell auf – Stichwort: Depublizieren – deswegen möglichst bald ansehen!

13 Kommentare bis “Als das Taxi noch als Käfer kam”

  1. Werner sagt:

    Danke für den Link. Das waren noch Zeiten! An die Diskussion um die Trennscheibe kann ich mich noch gut erinnern.

  2. Wahlberliner sagt:

    Haha, ein „Kitzelbüdchen“, der war gut! Rheinischer Humor eben…
    Ansonsten ist mir noch das „Taxifahrergarn“ aufgefallen. Sash, da Du ja auch so manchmal von den Kollegen erzählst und was die alles schon für tolle Fahrten oder Ergebnisse am Tag hatten, wer weiß ob da wirklich so viel dran ist? Vielleicht machst Du ja den besten Schnitt und keiner der Kollegen will es zugeben? 😉

  3. elder taxidriver sagt:

    Sehr gute Dokumentation. Patente Typen, die Taxifahrer die da interviewt wurden, besonders die charmant-resolute Taxifahrerin im Ruhestand, die meinte, jetzt ginge das Leben an ihr vorbei..
    Und die Sache mit der Gaspistole, als ein Taxifahrer dem Fahrgast mit dem Messer gegenübersteht. Es bringt nichts, bloß bewaffnet zu sein wie er so richtig sagte. Die anderen, die Kriminellen sind viel entschlossener und rücksichtsloser. Da gilt der alte chinesische Spruch .
    ‚Spanne den Bogen und Du wirst es bereuen‘.

    Glücklicherweise hat sich das massiv zum Besseren verändert mit den Überfällen. Neulich ist ein 74 jähriger Taxifahrer der drei junge Drogen-Typen in der Joachimstaler geladen hatte überfallen worden , oder sie haben es versucht, clevererweise ist er sofort zum Bundepolizeiwache an der Rücke am Bhf Zoo gefahren. Hoffentlich ist er gleich falsch in die Einbahnstraße rein, damit alle es sofort mitbekommen dass Gefahr im Verzuge ist.

    Aber da habe ich gedacht: Das wäre mir nicht passiert in der Joachimstalerstraße , , Kudorf , Maxim , First und so, ganz üble Gegend, drei junge Männer zu laden , das muss ja nun nicht sein, und dann auch noch nachts.. Die stehen meist schon frech mitten auf der Straße, da kann man sich doch denken wie es weitergehen könnte. Aber manchmal bremst man eben auch aus alter Gewohnheit ganz reflexmässig bei jedem.. Die Kraft ist nicht mehr da zu entscheiden, nach x-Stunden Fahrt.
    So, jetzt ist Schluss , muss noch etwas übrig bleiben , was ich meinem Frisör erzähle, einer Anregung zufolge, die früher öfter über Funk gegeben wurde.. Ihn erst mal fragen ob er weiß, was ‚Kitzelbüdchen heißt.. (Meiner Frau gefällt es nicht..)

  4. elder taxidriver sagt:

    VW-Käfer (Normalversion) hatten in den 60 er Jahren in Amerika manchmal einen Aufkleber hinten auf der Motorhaube:

    ‚MADE BY DER DWARFS FROM DER BLACK FOREST‘..

  5. Sash sagt:

    @Wahlberliner:
    Den allerbesten Schnitt mache ich sicher nicht. Ich verzichte auf den Funk, hab nur wenige Stammkunden und fahr nicht wie blöde jeder Veranstaltungsmeldung hinterher. Aber das weiß ich ja. Im Gegensatz zu den meisten Kollegen, die wesentlich besser verdienen – oder gar denen, die sich das einreden – bin ich wenigstens meistens zufrieden und nicht genervt.

    @elder taxidriver:
    Ja, glücklicherweise!
    (und ohne Trennscheibe)
    Die Überfälle sind mir zwar immer noch nicht selten genug, meist geht es ja aber selbst dabei nur um ein paar Euro. Und ich bin guter Dinge, obwohl ich ja zu denen gehöre, die allerlei schräge Gestalten ins Auto lassen. Die Zeiten ändern sich – und in diesem Fall kann man auch sehr froh darüber sein.

    PS: Das mit dem Käfer-Aufkleber ist geil! 🙂

  6. Reinhold sagt:

    Das ist eine interessante Dokumentation mit herrlichen, alten Bildern. Als Taxler aus München ist mir bei der Beerdigung des Kollegen in Bonn ein schwarzes Taxi aufgefallen. Im Schiebedach des Taxis steht ein Taxifahrer mit einer Fahne. Auf dem Kühlergrill steht >München<. Die Fahne ist von unserem Lohnkutschergehilfenverein von 1749 !!!. Das Prachtstück hängt keine zwei Kilometer von mir im Schlafzimmer eines Kollegen, und wird bis heute immer noch zu (leider) traurigen Anlässen getragen.
    Noch zwei Beständigkeiten:
    – Die 10 Mark, die manchmal 100 Mark werden können, wenn ein Taxifahrer in ein Etablissement bringt.
    – Ich habe mich während meiner ersten Taxifahrerjahre auch immer gefragt wie die Kollegen die Umsätze erreichen. Ich wollte herausfinden was die soviel anders machen als ich Frischling.
    Da hat sich während der letzten 50 Jahre an Rhein und Isar nicht viel getan. An der Spree wird’s genauso (gewesen) sein.

  7. Bernd sagt:

    Das ist eine wirklich schöne Dokumentation! Der WDR mag das von seiner Seite nehmen, das Internet vergisst jedoch nicht…

  8. Maik aus Wilhelmshaven sagt:

    Danke, danke, danke!

    Hab mir das eben auch mal angeschaut, absolut genial. Und die „Interviewten“, das sind echte Taxifahrer!
    Und viele nette Anekdoten dabei.
    Was ich am besten fand, mir als Käfer-Fan waren bis eben die Viertürer unbekannt.

    Hab ich schon Danke für den Tipp gesagt?
    So, daß Bett ruft, morgen früh darf ich ja auch wieder 😉

  9. Sash sagt:

    @Maik aus Wilhelmshaven:
    Schön, wenn es Dir gefallen hat. Ich war ja selbst auch erfreut. 🙂

  10. Sven-Erik sagt:

    Schlimm die Zahlen aus den 60er Jahren, da möchte ich kein Taxifahrer gewesen sein.
    Das ständig Fahrgäste gegen die Trennscheibe geknallt sind, verwundert mich allerdings sehr.
    Heutzutage unmöglich, außer man schnallt sich nicht an.

  11. Sash sagt:

    @Sven-Erik:
    Wohl wahr! Aber mal ganz ehrlich: bei den Zahlen an Verkehrstoten zur damaligen Zeit hätte man auch besser überhaupt nicht auf die Straße gehen sollen … 😉

  12. Dreas684 sagt:

    Tja schade. Das Internet vergisst wohl doch – jedenfalls die schönen Dinge. Die Reportage ist nach einer Woche gelöscht:-(

  13. Bernd sagt:

    Dreas684: Klick halt mal auf meinen Nick 🙂

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