Große Scheiße!

Mein treuer Kommentator Wahlberliner hat mich darauf aufmerksam gemacht:

Süddeutsche Zeitung – Grapscher stehen gelassen, Job verloren

Laut dieser Pressemeldung wurde eine Kollegin im bayrischen Deggendorf sexuell belästigt, hat dennoch die Fahrt bis zum Ende durchgezogen (!) und dann Anzeige erstattet. An dieser Stelle gehen schon einmal Props an die Kollegin raus. Sie hätte das nicht tun sollen oder müssen, aber alleine ihr Pragmatismus und ihre Rationalität nötigen mir Respekt ab. Die Contenance haben wenige und ich gehöre definitiv zu den Leuten, die ihr einen beherzten Tritt in die Weichteile des Fahrgastes gegönnt hätten. Danach ist sie zur Polizei und hat den Typen angezeigt.

Nun wurde ihr scheinbar gekündigt, weil sie zufällig abermals auf jenen Kunden traf und ihn dann stehen ließ.

WTF?

Noch besser: selbst die Polizei sieht das offenbar nicht als Verletzung der Beförderungspflicht.

Was für eine Arschgranate ist bitte eine Chefin, die diese Umstände nicht anerkennt und der noch in der Probezeit fahrenden Kollegin kündigt, anstatt ihr Unterstützung zukommen zu lassen?
Im Ernst: Wer glaubt, irgendwer müsse bei einem beschissenen einstelligen Stundenlohn auch noch immun gegen sexuelle Belästigung sein, hat doch wohl nicht alle Tassen im Schrank und sollte besser überhaupt keine Menschen beschäftigen.

Natürlich braucht man zum Taxifahren – wie in jedem anderen Job auch – gewisse Qualifikationen und/oder Fähigkeiten. Die so gerne geforderte „Härte“, die „Coolness“ und das „Taffsein“, was man jetzt von o.g. Chefin hört, sind indes meist nichts als billige Ausreden dafür, dass irgendwelche Zustände untragbar und widerlich sind. Hier, in Form eines strafbaren Übergriffs glücklicherweise wenigstens nachvollziehbar nicht rechtens.

Meiner Meinung nach hat besagter Chefin zwar schon wer ins Hirn geschissen, einen weiteren Shitstorm muss sie jetzt trotzdem aushalten. Soll ja aber auch ’ne ganz Harte sein …

39 Kommentare bis “Große Scheiße!”

  1. flippah sagt:

    die Toughness hat die Frau ja wohl schon mehr als bewiesen, als sie die erste Fahrt zuendegeführt hat.

  2. Frau Hilde sagt:

    Danke, du hast das in Worte gefasst, was ich beim Lesen des Artikels dachte.
    Da bleibt einem wirklich die Spucke weg.
    „Die Taxiunternehmerin, der selbst schon einmal eine Waffe an den Kopf gehalten worden sein soll“ – ach so, ist das jetzt das Kriterium für eine Einstellung als Taxifahrerin? Motto: Nur die Harten komm‘ in‘ Wagen?

  3. Dom sagt:

    Wenn man im Taxi Pfandflaschen abgeben könnte, wäre das so eine „Pfandbon unterschlagen? KÜNDIGUNG“-Chefin. Das ist jetzt noch mal ’ne Ecke härter. Der Chefin würd ich gern mal begegnen…

  4. Cliff sagt:

    Deggendorf, Niederbayern. Ja, da sind die ganz Harten. Ich kenne die Gegend ein wenig. (Ist ja quasi um die Ecke, bin Oberpfälzer.)

    Aber mal ’ne Frage an Sash:
    In einer Stadt mit gerade mal knapp 32.000 Einwohnern wird sich wohl bald rumsprechen, wer die Chefin ist. Andererseits gibt es da wohl mehr als nur ein Taxiunternehmen. Wie stehst du in diesem Fall zum Thema Boykott? So in der Hinsicht: Schadet man der Chefin damit wirklich, oder trifft es letztendlich nur die Fahrer?

    Ich wünsche der Fahrerin auf jeden Fall viel Glück vor dem Arbeitsgericht, und dass ihr eine ordentliche Abfindung zugesprochen wird. (Dass die nicht auf Wiedereinstellung klagt hätte die SZ nicht extra zu schreiben brauchen…)

  5. Taxi 123 sagt:

    Verstehe schon nicht, warum sie die erste Fahrt bis zum Ende durchgezogen hat, entweder schmeißt man so eine Gestalt selber raus oder es gibt da so ein kleines Knöpfchen, da werden dann ganz still ein paar freundliche Kollegen herbeigerufen und die kümmern sich dann ganz „nett“.
    Die Begründung für die Kündigung ist natürlich genial – mal sehen, was das Arbeitsgericht dazu sagt. Hoffentlich kommt da in der Zeitung irgendwann eine Fortsetzung.

  6. Tom sagt:

    @cliff: Das Arbeitsgericht wird doch nicht aktiv, wenn sie nicht auf Wiedereinstellung klagt – oder liege ich da falsch?

  7. dingens sagt:

    Du bist Unternehmerin, du hast genug Bewerber für den Job, du hast eine Angestellte in der Probezeit, die bereits zweimal Ärger mit einem Kunden hatte (warum auch immer): Was macht man? Wir haben hier jetzt nur die Aussagen der Taxifahrerin selber, aber jetzt mal angenommen, es hat vorher jahrelang bei anderen Fahrern nie Ärger mit grabschenden Kunden gegeben: Warum sollte man in der Situation und Postition nicht „Der nächste Kandidat bitte“ sagen?
    Wir wissen einfach zu wenig über den Fall. „Problemmenschen“ gibt es halt nicht nur unter den Fahrgästen und niemand von uns wird sich so weit aus dem Fenster lehnen, zu sagen „Es ist auf gar keinen Fall vorstellbar, dass die Fahrerin völlig überreagiert hat und für den Job wirklich ungeeignet ist“. Wir kennen sie nicht, aber auch solche Menschen gibt es erfahrungsgemäß..
    So, das war jetzt mal ne krasse Sichtweise.
    Damit das klar ist: Normalerweise bin ich auch der Meinung, dass man sich bei Übergriffen von Kunden als Arbeitgeber eindeutig auf Seiten des Arbeitnehmers stellen sollte. Ganz besonders bei sexuellen Übergriffen. Aber dafür muss man seine Arbeitnehmer halt auch kennen und einschätzen können, genau dafür ist die Probezeit ja da. Fakt ist: Sie hatte in der Probezeit zweimal Ärger mit einem Kunden. Das kann man nicht positiv auslegen.

  8. Lars sagt:

    Man sollte beide Seiten kennen bevor man auf die Chefin einschlägt. Wer den Artikel gelesen hat, sollte auch die Kommentare lesen. Ich kopier mal den letzten hier rein.


    In Deggendorf erzählt man sich eine andere Variante dieser Geschichte.
    Ja, die Fahrerin wurde von diesem Herrn begrapscht. Das hat er auch schon bei anderen Taxlerinnen gemacht. Meine Meinung: Der Herr gehört bei Minus 10 Grad an der Landstraße ausgesetzt! Allerdings reagiert er bei den anderen auf harsche Ansprache und behält dann seine Pfoten peinlich berührt bei sich.
    Dagegen soll die Taxlerin bereits mehrfach andere Fahrgäste aus den unterschiedlichen Gründen stehen gelassen haben. Dafür hat sie von ihrer Chefin zu Recht mehrere Abmahnungen erhalten. Taxifahren erfordert Courage, da man regelmäßig mit schwierigen oder betrunkenen Fahrgästen zu tun hat. Sie ist selbst zur Erkenntnis gekommen, dass sie dafür nicht geeignet ist.
    Bei Kündigung des Arbeitsverhältnisses gilt eine Sperrfrist für das ALG 1 bei der Arbeitsagentur. Daher hatte sie mit ihrer Chefin vereinbart, dass diese die Kündigung ausspricht um die Sperrfrist zu umgehen.
    Jetzt die Öffentlichkeit zu missbrauchen und sich als Opfer von Fahrgästen und Chefs zu stilisieren ist fast so charakterlos wie das Begrapschen von Frauen.
    Die Taxlerin sollte sich schämen und die SZ nochmal nachrecherchieren, welche Variante der Geschichte denn wirklich stimmt.

  9. Lyra sagt:

    Auf der Seite der SZ wurde ein Kommentar geschrieben, der eine andere Sicht der Dinge wieder gibt:

    deggendave vor 2 Stunden

    In Deggendorf erzählt man sich eine andere Variante dieser Geschichte.
    Ja, die Fahrerin wurde von diesem Herrn begrapscht. Das hat er auch schon bei anderen Taxlerinnen gemacht. Meine Meinung: Der Herr gehört bei Minus 10 Grad an der Landstraße ausgesetzt! Allerdings reagiert er bei den anderen auf harsche Ansprache und behält dann seine Pfoten peinlich berührt bei sich.
    Dagegen soll die Taxlerin bereits mehrfach andere Fahrgäste aus den unterschiedlichen Gründen stehen gelassen haben. Dafür hat sie von ihrer Chefin zu Recht mehrere Abmahnungen erhalten. Taxifahren erfordert Courage, da man regelmäßig mit schwierigen oder betrunkenen Fahrgästen zu tun hat. Sie ist selbst zur Erkenntnis gekommen, dass sie dafür nicht geeignet ist.
    Bei Kündigung des Arbeitsverhältnisses gilt eine Sperrfrist für das ALG 1 bei der Arbeitsagentur. Daher hatte sie mit ihrer Chefin vereinbart, dass diese die Kündigung ausspricht um die Sperrfrist zu umgehen.
    Jetzt die Öffentlichkeit zu missbrauchen und sich als Opfer von Fahrgästen und Chefs zu stilisieren ist fast so charakterlos wie das Begrapschen von Frauen.
    Die Taxlerin sollte sich schämen und die SZ nochmal nachrecherchieren, welche Variante der Geschichte denn wirklich stimmt.

    Wie weit das nun richtig ist, kann ich aber auch nicht beurteilen. Ich habe nur keine anderen Artikel über den Vorfall gefunden außer den bei der SZ.

  10. Lyra sagt:

    Ach ja kann es sein dass der q-Tag nicht wirklich gut funktioniert bzw. anders gestyled ist?

  11. Cliff sagt:

    @Sash, soweit ich weiß kann man auch auf Abfindung klagen, wenn eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht zumutbar wäre, und das ist hier wohl der Fall (aber IANAL).

    @Lyra, was man sich in Dörfern so „erzählt“, halte ich zunächst einmal immer für zweifelhaft. Ich finde auf die Schnelle jetzt die Deggendorfer Zeitung nicht, der die Fahrerin die Geschichte zuerst erzählt hat, aber ich hatte den Artikel noch online gelesen. Die Süddeutsche hat das nur übernommen. Im Originalartikel steht auch, dass die Fahrerin zunächst zögerte, sich an die Presse zu wenden.
    Und es gibt zwei Sachen, die mir die Story unglaubwürdig erscheinen lassen:
    – „mehrere Abmahnungen“: In der Probezeit gibt es maximal eine, dann ist Feierabend.
    – „Sperrfrist umgehen“: Ja, wenn das der Inhalt des Deals war, warum wendet sie sich dann an die Presse? Dann müsste ja alles in Ordnung sein.
    Außerdem, warum meldet sich keiner der von ihr angeblich stehen gelassenen Fahrgäste bei der Zeitung bzw. recherchiert die Zeitung nicht genauer? (Okay, Letzteres ist bei Regionalzeitungen nicht so üblich, weiß ich…) — Und warum hat keine von den anderen Fahrerinnen Strafanzeige erstattet? Bei minus 10 Grad aussetzen ist nämlich auch keine weise Lösung. Hoffentlich wird der feine Herr aufgespürt und diese „anderen Fahrerinnen“ haben wenigstens die Courage, als Zeuginnen vor Gericht auszusagen.
    Bei Dorferzählungen achte ich übrigens immer fein auf die Quelle, ob der Ursprung des Gerüchts nicht z.B. im näheren Freundeskreis der Chefin zu finden ist…

  12. Sash sagt:

    @Cliff:
    Also ich würde vermuten, dass ein Boykott den Fahrern mindestens genauso weh tut.

    @Taxi 123:
    Naja, jeder geht mit akuten Stresssituationen anders um. Steht halt auch nicht jeder auf eine sofortige Konfrontation. Ich kann das durchaus nachvollziehen …

    @dingens:
    Hey, sie hat einen Kunden wegen einer Straftat angezeigt – und dann quasi Ärger mit exakt selbigem. Hätte der Typ beim ersten Mal von außen Steine aufs Auto geworfen, bin ich sicher, wäre auch die Chefin anderer Meinung, oder?

    @Lars und Lyra:
    Ich bin nicht wirklich der Meinung, dass der Kommentar da irgendwas ändert. Da steckt doch im Grunde bloß die Aussage drin:
    „Jaja, der Typ ist halt so, da hätt‘ se sich halt wehren müssen … haben alle anderen doch auch geschafft!“
    Und das ist ja wohl wirklich ein geschmackloser Witz.
    Inwiefern die Kollegin ansonsten ihre Arbeit gemacht hat, kann ich natürlich nicht sagen. Mit einem Verweis auf eben dieses Geschehen zu kündigen geht trotzdem überhaupt nicht!
    PS: Keine Ahnung bzgl. des Quote-Tags, sorry.

  13. obscurum sagt:

    PS: Keine Ahnung bzgl. des Quote-Tags, sorry.

    Obscurum spamt einfach mal das Blog voll, indem er den

    -Tag testet.

  14. obscurum sagt:

    Okay, das hat nicht so gut geklappt, aber dafür weiß ich jetzt, dass irgendwas auch halbe Tags parst — Sorry, Sash.

  15. Aro sagt:

    Eine Chefin, die sich in solche Situationen nicht hinter die eigene Fahrerin stellt, ist einfach ätzend.

  16. Cliff sagt:

    Probier'n wir's halt mal mit dem code-Tag
    Geht?

  17. Cliff sagt:

    Na ja, hübsch ist anders, aber geht. Ich ziehe die Zitierweise mit den spitzen Klammern
    > nach
    > wie
    > vor
    vor.

  18. Cliff sagt:

    Und im Übrigen stimme ich @Aro zu:
    > Eine Chefin, die sich in solche Situationen nicht hinter die eigene Fahrerin stellt, ist einfach ätzend.
    Jawoll!

  19. Sash sagt:

    @all:
    Ach bitte … 🙁
    Es war eine Heidenarbeit, das WP-Theme anzupassen. Meine Lust, an der Machbarkeit von irgendwelchen Codes in den Kommentaren zu wurschteln, ist mehr als nur gering. Ich bin froh, dass das Ding gut aussieht und gut läuft, meine Zeit verwende ich lieber für’s Schreiben und Taxifahren.

    @Aro:
    Ja, das ist mehr als ätzend!

  20. dingens sagt:

    Wenn die Taxifahrerin den Typen innerhalb weniger Tage zweimal als Kunden bekommt, dann scheint der wohl bei dem Taxiunternehmen Stammkunde sein. Das bedeutet auch, dass die anderen Taxifahrer mit dem Typen klarkommen. Der ist der Unternehmerin also wohl bekannt und hat quasi seine „Probezeit“ als Kunde offensichtlich bestanden.
    *Das* steht für mich nach dem Lesen des Artikels zweifelsfrei fest. Jemand anderer Meinung? Ich lass mich gerne überzeugen.

    @sash: Der Vergleich mit dem Steinewerfen kann ja nicht einmal hinken!
    Es geht auch nicht ums „Wehren“, sondern um eine frühe Ansage, dass man keinen Bock auf Anfassen hat.
    Der Kerl scheint von der Beschreibung her nicht der notgeile, aggressive Fummler zu sein, der kein „Nein“ akzeptiert. Es gibt unter besoffenen Männern (und nicht nur unter denen) halt auch die Sorte „Der ist harmlos und will nur spielen“, die nur dann wirklich zudringlich wird, wenn man die ersten harmlosen Berührungen nicht entsprechend ablehnt. Leute mit menschlicher Sehnsucht nach fremder Haut, bei denen man die durch Alkohol gesenkte Hemmschwelle durch rechtzeitige klare Ansagen ersetzen muss …und auch kann! Schließlich konnte der Typ auch auf der ersten Fahrt noch nach Hause gefahren werden. Das gebt beim *richtigen* Fummler nicht.
    Ich sag jetzt definitiv nicht „Selber schuld, wenn du befummelt wirst“, aber es gibt nun einmal Situationen, die man mit Menschenkenntnis rechtzeitig entschärfen kann, was man in dem Job tun können sollte. Und es gibt auch definitiv die übersensible Sorte Frau, für die Männer wirklich Schweine sind und die hinter *allem* eine sexuelle Belästigung vermutet.

    Man sollte zumindest mal in Betracht ziehen, dass nicht jeder Mensch als Taxifahrer geeignet ist. Es wird über den Job fiel gelästert, aber Ortkenntnis macht halt nur einen Teil der notwendigen Qualifikation aus.

    @Aro: Wir wissen doch alle gar nicht, wie „Die Situation“ nun genau aussah! Üblicherweise bin ich auch der Meinung, dass sich eine Chefin gerade bei sexuellen Übergriffen vor ihre Mitarbeiter stellen sollte. Aber jetzt mal angenommen, der Kerl ist seit Jahren Stammkunde bei dem Unternehmen, ohne dass es Probleme gab: Sollte man sich auch in der Situation bedingungslos hinter eine neue Fahrerin in der Probezeit stellen, die man nicht kennt?

    Festzuhalten gilt:
    Nicht immer ist automatisch der Kunde schuld!
    Manchmal bewerben sich auch Leute auf den Job als Taxifahrer, die dafür nicht geeignet sind, weil sie nicht mit Menschen umgehen können. Und ich werde den Verdacht nicht los, dass es in diesem Fall vielleicht so war.

  21. Lutz sagt:

    @dingens
    Nur weil die Nachbar die Graffitis auf ihren Häusern hinnehmen, muss ich das also auch tun?
    Jemanden befummeln, ohne das die Person explizit zugestimmt ist _immer_ falsch! Egal wie sehsüchtig oder besoffen die Personen sind.

    Ich werde den Verdacht nicht los, das du zwar schreibst, „das sage ich jetzt nicht“, aber das doch genau so meinst – und davon auch noch überzeugt bist. Vielleicht weil du dich da selber beschreibst?

  22. Nirven sagt:

    @dingens: Befummeln ist eine sexuelle Belästigung wenn der befummelte es nicht will. Egal ob schon laut „Nein“ gesagt wurde oder nicht.
    Sonst könnte ich ja einfach jeden Befummeln, bzw. müsste jedem der mir begegnet „Nein“ entgegen schreien, rein auf Verdacht er oder sie könnte mich befummeln wollen.
    Es ist nicht die Aufgabe des Opfers, dafür zu sorgen das der oder die andere sich benimmt, sonder die des oder der anderen.

  23. elder taxidriver sagt:

    Der Fahrgast-Übergriff fängt nicht erst dann an, wenn der Fahrgast oder die Frau Fahrgästin den oder die Taxifahrer/in berührt.

    Der fängt zum Beispiel schon dann an, wenn er oder sie ohne zu Fragen am Radio rumfummelt oder an Dingen, Kugelschreiber, Stadtplan, die im Handbereich liegen, aber keinen als den Taxifahrer etwas angehen. Bei der Bundeswehr in anderen Armeen auch, gilt die Regel zu fragen, wenn zum Beispiel an der Kleidung etwas gerichtet werden soll: ‚Darf ich Sie anfassen?‘

    Abgesehen von der Unschicklichkeit, muss man bei solchen Leuten ja doch gleich damit rechnen, dass es ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr werden könnte. Und da hört es eben echt uff. Egal ob es sich um den stadtbekannten angeblich harmlosen Dorftrottel handelt oder nicht. Ob die Taxifahrerin ‚geeignet‘ ist oder nicht, ist vielleicht momentan eine Frage zuviel. Vielleicht sollte sie nach Berlin kommen?
    ( Aber erst nachlesen wie schwer Sash der Taxi-Schein fiel..)

    (Mir ist das sehr selten passiert, aber es ist immer das was man ein ‚ schweres Zeichen‘ nennt.. Also eine Handlung
    mit hohem wohl negativ-prognostischen Aussagewert.)

  24. dingens sagt:

    Leute, kommt mal klar! Nicht jede Berührung ist Fummeln! Am Arm berühren, die Hand kurz auf die Schulter legen: Völlig normal. Wenn dann die Hand dort dann bleibt, dann macht man kurz klar, dass man das nicht will. Wenn man allerdings die Hand da akzeptiert, dann sendet man damit ein Signal aus und man muss sich dann nicht wundern, wenn die irgendwann anfängt zu wandern. So, wie es vermutlich jedem schon mal wohlwollend mit einer Begleitung im Kino passiert ist.

    Aber ich seh schon: Hier haben die Frauen das berühmt-berüchtigte „Opferabo“
    Eigentlich weiss man nichts, aber man meint trotzdem sicher zu wissen:
    Die Frau ist im Recht und der Typ ein Sittenstrolch.
    …aber warum die anderen Taxifahrerinnen mit ihm klarkommen erklärt eure simple Sichtweise nach wie vor nicht.
    Vermutlich lassen die sich alle viel mehr gefallen als sie eigentlich müssten, denn dass *diese eine Fahrerin* vielleicht wirklich nicht für den Umgang mit Kunden geeignet ist, kann ja schließlich gar nicht sein.
    Durch einen Taxischein wird man nicht zum Heiligen!

  25. dingens sagt:

    @elder taxidriver: Und du zeigst jeden an, der sich an deinem Radio vergreift? Du lässt Leute stehen, die deine Kugelschreiber angefasst haben?
    Ich vermute mal, mit der Einstellung würdest du keine Probezeit überstehen.

  26. Lutz sagt:

    @dingens
    Das Hand-auf-die-Schulter-legen-und-liegenlassen mag gerade noch grenzwertig sein (bei Bekannten, nicht beim Taxifahrer!) – das wandern dann aber definitiv nicht mehr.

    Danke, das du meine Einschätzung von deiner Persönlichkeit so umfassend bestätigst.

  27. elder taxidriver sagt:

    Also dingens :

    Jetzt aber bitte hier nicht grotesk werden. Und nicht mit abstrusen Ideen querulieren.

    Es gilt immer ‚die Psychologie des Augenblicks‘. Und es gibt Regeln.

    Um es mal hier mit einem Witz zu erzählen, viele kennen den schon:

    Ein Wiener Taxifahrer wird vom Fahrgast plötzlich von hinten an der Schulter gepackt und erschrickt sich
    kolossal .
    Und der Fahrgast: ‚Sie san aber schreckhaft‘.
    Und der Taxifahrer: Joa, I foahr sunst an Leichenwogn, heut nur Aushilfe auf’m Taxi.

    Das war es von mir, zu diesem Thema.

  28. Lutz sagt:

    @elder

    Das Problem ist, das er das noch nicht mal für grotesk hält.
    Wenn Frau nicht laut und deutlich nein sagt, hält er das für ein JA!.

  29. Sash sagt:

    @dingens:
    Vielleicht merkste’s ja selber: da haste Dich ein bisschen zu weit aus dem Fenster gelehnt. Da kannste noch so supi-anti-pc Unwörter des Jahres krähen, das macht’s nicht besser!

  30. MsTaxi sagt:

    @dingens

    Ich hab mir gestern hin und her überlegt: Kommentierst du oder nicht? Jetzt tu ich es einfach….

    Wir haben da doch recht unterschiedliche Auffassungen meines Jobs und meiner Aufgaben. Grundsätzlich gehört – trotz Unterschreitung der Intimdistanz im Taxi – eine gewisse Unberührbarkeit meiner Person dazu. Im Taxi genauso wie beim Arzt oder in Reichweite einer Boutiquenverkäuferin. Ich mag nur angefasst werden, egal wie harmlos, wenn vorher verbal oder nonverbal meine Zustimmung eingeholt wurde.

    In kleinen Gemeinden – und Deggendorf scheint von Größe und Taxenanzahl meiner vergleichbar zu sein – gibt es natürlich immer „Sonderkunden“ der unterschiedlichsten Arten, auch solche mit „Der will doch nur spielen, der schnauzt alle so an“-Status. Für Bestandsfahrer vllt ok, für Neulinge im Revier kann das anders aussehen. Mir begegnete so ein Typ in meiner zweiten Woche, der hatte als Sonderzeichen, dass er sich über vermeintliche Fahrfehler mehr aufregen konnte als das HB-Männchen. Da ich nicht genau an der Stelle wendete, wo er dachte, sondern 50m weiter, regte er sich sich 1,5km lang fürchterlich auf, bis ich sagte, entweder fände er jetzt sofort zu der in Mitteleuropa üblichen Höflichkeit zurück oder aber er könne die letzten 1,5km Strecke bei -3°C laufen. Mir wäre egal, wie häufig er mit unserer Zentrale fahren würde, mit mir spräche er so nicht. Der Rest der Strecke verlief im Schweigen und alle Folgefahrten von ihm mit mir zeichneten sich durch höfliches Miteinander aus.

    Wäre der Typ Stammkunde der Chefin der begrabschten Fahrerin, wäre es noch mehr an der Chefin gewesen, entweder die neue Kollegin darauf hin zu weisen, dass der Typ so einer ist, wie du meinst, Dingens, oder aber noch besser, den Stammkunden darauf hinzuweisen, dass er gefälligst seine gewaschenen W..hsgriffel bei sich behält, es gäbe eine neue Fahrerin im Revier. Ich bin – und auch alle anderen FahrerInnen sind – keine atmende Plastikpuppe, die sozusagen im Fahrpreis inbegriffen ist, wenn man Stammkunde ist.

    Frau Klier, die geschasste Kollegin, ist lt. Zeitungsartikel seit 7 Jahren Taxifahrerin, in der Zeit dürfte ihr ne Menge unqualifizierte Anmache untergekommen sein. Wenn sie also immer noch als Taxifahrerin arbeiten will, scheint sie so empfindlich, wie die Chefin sie hier darstellen will, nicht zu sein. Und wenn ich bedenke, dass sie den Typen bei seiner Attacke nicht sofort irgendwo ausgesetzt hat in seinem besoffenen Kopp, sondern sogar noch nach Hause fuhr, zeigt sich für mich da sogar eher eine besondere Professionalität in ihrer Einstellung. Dass sie sich so ein Drama aber kein 2. Mal geben will, kann ich nur unterstützen – und wie die anderen über die Chefin nur den Kopp schütteln.

    @Sash

    sorry, war mal wieder ein langer Kommentar *schäm*

  31. Luci sagt:

    @ Ms Taxi
    wären wir Facebook, hättest du ein riesiges Like mit Sternchen von mir 🙂

    Mal abgesehen von der Situation im Taxi, gibt es sicher noch jede Menge anderer Situationen, in der *Frau* (wobei ich davon überzeugt bin, dass sowas auch bei Männern passiert) aus welchen Gründen auch immer nicht laut „Griffel weg du Vollpfosten“ kreischt. Denn wie in so vielen Situationen: Wenn man den Gegenüber nicht kennt, weiß man nicht, wie er reagiert. Und wenn man den Kerl nicht kennt, woher will man dann wissen, dass er verschämt die Hände zurück zieht und sich nicht noch irgendwie angestachelt fühlt? Da draußen laufen sicher viele Frauen rum, die in der Situation nach Augen zu und durch verfahren. Denen per se zu unterstellen, sie hätten ja anders reagieren können und sind somit selber Schuld… Das passt zur Übernahme des Wortes Opfer-Abo in den eigenen Wortschatz.

  32. Sash sagt:

    @MsTaxi:
    Wieso „schäm“?
    Es ist nicht so, dass es dazu nicht einiges zu sagen gäbe und ich finde es gut, wenn Menschen wie Du das machen. Dann muss ich das nicht alleine tun. Mal abgesehen davon, dass dein Kommentar mal wieder ins Schwarze trifft und dabei wie immer für das heikle Thema angenehm gelassen und sachlich ist. Ich schließe mich Luci beim Verteilen von Likes an!

  33. dingens sagt:

    @MsTaxi: Ich versteh leider nicht so ganz, wo du da eine völlig andere Berufsauffassung des Taxifahrers bei mir siehst. Ich find dein Verhalten in dem Fall doch absolut okay. Du hast dem Kerl ne klare Ansage gemacht und damit war das Thema erledigt. Und genau um die Sorte Mensch geht es mir. Nicht um die wirklich Boshaften, die ganz bewusst nerven und ätzen und es als Erfolgserlebnis ansehen, wenn sich jemand über sie ärgert. Sondern um die Leute, denen es einfach nur -allgemeiner Charakterfehler oder Ergebnis von Alkohol – an Empathie fehlt, einzuschätzen, wie ihr Verhalten auf andere wirkt.
    Solche Leute sind darauf angewiesen, dass man ihnen Bescheid gibt, wenn sie Grenzen überschreiten und sind dafür letztendlich auch dankbar, weil sie halt eigentlich nicht nerven wollen und ihnen das vielleicht sogar peinlich ist.

    „dass sie den Typen bei seiner Attacke nicht sofort irgendwo ausgesetzt hat in seinem besoffenen Kopp, sondern sogar noch nach Hause fuhr“
    Also von „Attacke“ war bisher nie die Rede und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Taxifahrer seinen Fahrgast nach einer „Attacke“ noch nach Hause fährt und erst nach Schichtende(!) dann zur Polizei.
    Vielleicht sollte man wirklich bei dem bleiben, was man wirklich sicher über den Fall weiss:
    Ein Stammgast hatte Ärger mit einer Taxifahrerin in Probezeit.
    Mehr wissen wir eigentlich nicht.
    Ich bin wie du der Meinung, dass ein Taxiunternehmer neue Mitarbeiter auf vermeintliche „Problemgäste“ hinweisen sollte.

  34. MsTaxi sagt:

    @Dingens

    Ich sehe es sehr wohl als Attacke an, wenn mich ein Typ erst begrabscht und ich nach Abschluss dieses Grabschens, das erst auf meine deutliche Ansage hin erfolgt, nicht sofort raeumliche Distanz zu dem Vollpfosten herstellen kann. Die instinktive Reaktion auf solche bedraengende Handlungen hin ist Distanz herstellen, was im Beispielfall durch Beifahrertuer oeffnen und Idiot an die Frischluft entsorgen , geschehen koennte.

    Dass die Kollegin nicht sofort zur Polizei fuhr und mit der Anzeige nach Schichtende wartete, ist mir ebenfalls erklaerlich. Ruhe zumindest ansatzweise wieder gewinnen, Gedanken klaeren und sich ueberlegen, ob oder doch nicht anzeigen, kann etwas dauern.

  35. Der Banker sagt:

    Sagen wir so: wenn die anderen Taxifahrerinnen den Knilch kennen und wissen, wo bei ihm der Ausknopf ist, heißt das nicht, dass eine Fremde den auch sofort findet. Die anderen haben es nach Versuch und Irrtum herausgekriegt und/oder sich untereinander ausgetauscht.
    Je nach Situation werte ich einen ersten Übergriff auf meine Person auch als Versehen und ahnde den nicht. Ich möchte auch nicht als überempfindlich dastehen – oder im schlimmsten Fall den anderen brüskieren, indem ich etwas misinterpretiere und ein bis dato neutrales bzw freundliches Verhältnis kippen.
    Nun sehe ich in einem Auto die MIttelkonsole als Grenze, die nicht überschritten wird – zumal in einem Taxi. Langt da einer rüber, ist das kein Missverständnis mehr.

    Ich habe auch einen Kunden, der meint, immer nur mit mir gäbe es jedesmal Ärger. Was nur komisch an der Sache ist;: wieso immer genau dieser Kunde und sonst keiner? Man kann sich manchmal einfach nicht ab, und die Erwartungshaltung macht die Sache dann auch nicht besser.
    Von da her ist es schon etwas zweifelhaft, den Ärger mit immer demselben Kunden jeweils als Einzelfall zu zählen.

  36. dingens sagt:

    @Mstaxi: Wir wissen immer noch nicht, was genau vorgefallen ist. Ich hab keine Ahnung, woher du diese Kenntnisse über den Vorfall herhaben willst. Wenn der Typ wirklich zu „Attacken“ neigen würde und gleich aufs übelste losfummelt: In dem Fall fände ich es allerdings auch kriminell von der Taxifahrerin, einen aggressiven, notgeilen Triebtäter einfach bis zum Ende der Schicht herumlaufen zu lassen (oder ihn vielleicht zu seiner armen Frau zu kutschieren).
    Stammkunde und keine Notwendigkeit, gleich die Polizei zu rufen: Ich seh hier mehrere Indizien dafur, dass die Sache nicht so unglaublich schlimm war, wie sie sich hier manche zusammendichten wollen.
    Vielleicht hat der Kerl auch gar nichts gemacht. Vielleicht wurde sie sogar von ihrer Chefin auf mögliche Fummelversuche seinerseits hingewiesen und sie wusste jetzt ganz genau, dass der Typ sich aufgrund seines schlechten Rufs nicht gegen ungerechtfertigte Übergriffsvorwürfe wehren kann.
    *achselzuck*
    Wenn man nur genug Willen aufbringt kann man bei der dürftigen Ausgangslage jedem alles unterstellen.

  37. Cliff sagt:

    > Es war eine Heidenarbeit

    Du diskriminierst Atheisten? Das merkel ich mir!

  38. Oni sagt:

    @dingens Wenn ich deine Kommentare lese wird mir schlecht. Du hast ein klares Problem mit dem nötigen Respekt gegenüber anderen Menschen. Es ist völlig egal ob der Mann Stammkunde ist oder sowas öfter vorkommt oder er bei „Hör auf“ aufhören würde. Wer andere Menschen ungefragt befummelt ist ein Sexualstraftäter. Da gibt es nichts dran zu rütteln. Wenn du deine Begleiterin im Kino befummelst ohne sie vorher zu fragen und sie sagt sie wollte das nicht bist du ein Sexualstraftäter. Die einzige Möglichkeit sicher zu gehen, dass sie es will ist: Fragen! Alles andere ist ein Vabanquespiel.

  39. Sash sagt:

    @Cliff:
    Wenn du meinst … 🙂

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