Heinrich! Mir graut’s vor Dir.

…und da saß sie nun in meinem Auto und wollte in die Heinrichstraße. Ich hatte zwar zunächst eine Idee, verwarf sie aber wieder, als mir mein Navi bedeutete, es gäbe eine zweite Straße dieses Namens. Kein allzu seltenes Problem.

„In welchen Stadtteil müssen Sie denn jetzt? Ich hätte Rummelsburg und Lichterfelde anzubieten.“

„Ähm, ich, ich glaube Lichterfelde.“

„Nur kurz zur Info: Rummelsburg liegt in Lichtenberg. Nicht, dass Sie mir das verwechseln!“

„Lichter …, Lichten …, Friedrichshain?“

„Nee, nicht wirklich, sorry. Lichtenberg liegt zwar direkt neben Friedrichshain-Kreuzberg, aber ob es deswegen das ist, was sie suchen?“

Abermals musste jemand telefonieren, um das Ziel zu ermitteln. Nur ging – Kunststück um 3 Uhr nachts – niemand ran. Wir hättem das Problem noch eine Weile weiter besprechen können, dann entschied sich meine Fahrgästin jedoch resolut für Lichtenberg. So denn. Zudem hatte sie angesagt, dass sie ggf. eben doch auch nach Lichterfelde mit mir fahren würde. Des Geldes wegen hätte ich um einen Irrtum beten sollen.

War dennoch richtig. Und irgendwie bin ich auch trotzdem froh drum.

Bleibt nur, abermals zu sagen: Wenn ihr in Berlin seid, dann merkt euch bitte auch den Stadtteil!

11 Kommentare bis “Heinrich! Mir graut’s vor Dir.”

  1. elder taxidriver sagt:

    Goethe, Faust, der Tragödie zweiter Teil, Margarete: siehe Überschrift..
    Deutsch-Leistungskurs oder allg. Bildungssediment?

  2. Sonnenfeind sagt:

    Das ist doch eigentlich kein dauerhafter Zustand. Hab heute im Wikipediaartikel über Münchens Straßen gelesen:
    „Durch die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgten Eingemeindungen kamen viele Straßennamen doppelt vor und mussten geändert werden. Dafür wurden zum Teil eigene Kommissionen ins Leben gerufen, z. B. 1890 für Neuhausen und Schwabing.“ [http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_Münchner_Straßennamen] Warum ist das in Berlin nicht auch passiert. Wie sieht das denn aus wenn man die Postleitzahl weiß, weißt du dann daraus welche Straße gemeint ist?

  3. Bernd K. sagt:

    Im Straßenverzeichnis des Falk-Plans z. B. ist zu jeder Straße die Postleitzahl angegeben. Ich behaupte mal, das sollte mindestens 90 % der Mehrfachnamen klären(?)
    Die größte „Eingemeindung“ in Berlin war 1920 und bedeutete mehr als eine Verzehnfachung der Fläche und Verdoppelung der Bevölkerungszahl. Die Kommission würde wahrscheinlich heute noch tagen…

    http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9F-Berlin#Gro.C3.9F-Berlin-Gesetz

  4. Sash sagt:

    @elder taxidriver:
    Deutsch-Leistungskurs. Ich gestehe 😉

    @Sonnenfeind:
    Im schlimmsten Fall gar nicht. Ist einfach so hier in Berlin. Allerdings ist es in der Realität dann doch meistens so, dass man jemanden anrufen kann. Hab ich auch schon über mein privates Handy gemacht, wenn nichts anderes ging. Die Geschichte mit den Straßennamen ist zwar ärgerlich, aber in gewisser Weise gewöhnt man sich dran und bloggt halt gelegentlich drüber …

    @Bernd K.:
    Wobei ich persönlich mit Postleitzahlen auch nicht allzu viel anfangen kann, während ich die Stadtteile alle noch zusammenkriege …

  5. ednong sagt:

    Zeigt das Navi denn nicht die Postleitzahl an? Wäre doch sinnvoll. Zumindest bei der Auswahl der Straßennamen. Jedenfalls verstehe ich es auch nicht, dass es Berlin nicht auf Reihe bekommt, Straßennamen nur einmalig zu haben. Hab mich damals auch verfahren weil ein Straßennamen viermal vorkam. Allerdings war die vierte – und richtige – Fundstelle erst auf der nächsten Seite des Straßenverzeichnis angegeben. Natürlich auf einer geraden Seite – also auf der Rückseite der Seite, auf der die drei Fundstellen waren, die ich erst angefahren habe …

  6. Marco sagt:

    @elder taxidriver: Laut Wikipedia ist es ein Zitat aus der Tragödie erstem Teil.

  7. elder taxidriver sagt:

    @ Marco:
    Natürlich! Nicht nur bei Wikipedia sondern sogar auch in meinem Reclam-Bändchen. ( Letzte Seite ganz unten..)

  8. elder taxidriver sagt:

    Faust, der Tragödie erster Teil beginnt ja mit : ‚Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten‘. Wäre auch eine
    Überschrift für einen guten Teil der Fahrgäste über die man hier lesen kann..
    Marco sei Dank sehe ich, dass man doch eine Menge Zitate daraus kennt, ohne zu wissen woher die eigentlich sind, z.B.:
    ‚Ihr Mann ist tot und lässt Sie grüßen‘.

  9. Marco sagt:

    @elder taxidriver: In der Tat, die Überschrift wäre häufig passend 🙂

    Und man (sogar ich, obwohl ich Faust nie gelesen habe) kennt in der Tat einiges daraus. Des Pudels Kern , ‚Hier steh ich nun ich armer Tor,…‘ usw.

  10. Sash sagt:

    @elder taxidriver:
    Das wäre in der Tat häufiger eine Überlegung wert 😉

  11. Christian sagt:

    Hier in Shanghai wird das so gelöst, dass man immer die Straßenkreuzung ansagt, nicht nur eine Straße. Hilft auch bei gelegentlichen Verständnisproblemen – gibt einige ähnlich klingende Straßen hier.

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