Sitze kaputt…

Ich mag den Kollegen Yusuf eigentlich sehr gerne. Er ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass es beileibe nicht „die Ausländer“ sind, die so schlimm sind als Taxifahrer. Die unschönen Negativbeispiele kenne ich natürlich – was man sich da unter Kollegen oder zwischen Fahrgast und Taxifahrer alles erzählt… – aber das sind Verallgemeinerungen. Natürlich gibt es diese „Du zeigen, ich fahren!“-Beispiele. Aber Kundenservice und Freundlichkeit hängen nun einmal nicht ursächlich mit der Nationalität zusammen.

Yusuf ist noch nicht lange im Geschäft, 3 Monate jetzt etwa. Natürlich verwendet er (wie ich im übrigen auch) sein Navi desöfteren, aber er macht seinen Job, soweit ich das anhand von Gesprächen bewerten kann, gut. Zwei Monate hat es nur bei ihm gedauert, bis er der Saga vom grenzenlosen Umsatz abgeschworen hat, und inzwischen sieht er die schlechten Tage wesentlich gelassener als ich es am Anfang konnte.

Aber er hat sich im Rahmen dessen eine ganz eigene Unart mitangeeignet, die unter den Großraumfahrern in Berlin schon seit einiger Zeit grassiert: Das Nicht-Großraum-Fahrer-Sein.

In Berlin sind ja eine Menge Taxifahrer mit ähnlichen Autos unterwegs wie ich. Gerade Opel Zafira und VW Touran werden von einigen Firmen wegen der zusätzlichen Sitze gerne genommen. Und das kann ich verstehen. Wir fahren normale, kleine PKW mit entsprechendem Spritverbrauch und unauffälligem Äußeren. Die Autos werden am Stand nicht per se verschmäht, was einigen Busfahrern durchaus passiert, weil die Mär vom Großraumtarif in Berlin nicht totzukriegen ist.

Dabei macht es die Berliner Taxitarifordnung den Fahrgästen wirklich nicht schwer:

Es gibt nur einen Tarif!

Das Sonderphänomen Kurzstrecke ist so eingeschränkt, dass es den normalen Kunden nicht betrifft, beziehungsweise es ist am Stand, wo man sich die Autos aussuchen kann, sowieso unwichtig. Alles weitere wird in Berlin mit Zuschlägen geregelt. Das ist auch ganz praktisch, denn Zuschläge werden auf dem Taxameter gesondert ausgegeben, und so kann man nachfragen, für was man gerade extra bezahlt. Wir haben keinen Großraumtarif, keinen Nachttarif und keine Mondscheinpauschale. Taxen kosten nicht mehr, wenn Weihnachten ist und das Taxameter zählt nicht schneller, wenn Weltspartag ist.

Da die Großraumtaxenbesitzer ihren zweifelsohne vorhandenen Mehraufwand (Anschaffungskosten, Verbrauch, Reinigung, Zeitaufwand etc.) natürlich dennoch vergütet haben wollen – und Großraumtaxen werden eben manchmal gebraucht – werden hier in Berlin 1,50 € Zuschlag für jede zusätzliche Person verlangt, die über 4 Fahrgäste hinaus zusteigt.

Und da wird ein Auto wie der Zafira interessant: Während wir also „normale“ PKW fahren, können wir eben doch hier und da mal 1,50 oder gar 3,00 € Zuschlag kassieren. Für einen Mückenschiss an Spritkosten und einmal Sitze ausklappen. Super!

Zugegeben: Die Sitze sind eng. Aber meine Kundschaft – die Clubgänger in den frühen Morgenstunden – ist da nicht wählerisch.

Und nun – da kommen wir langsam wieder zum Anfang der Geschichte zurück – gibt es aber einen Haufen Fahrer, die diese Möglichkeit nicht (mehr) nutzen wollen. So auch Yusuf.

Das Dumme ist: Die tun das nicht ohne Grund. Größere Gruppen sind potenziell natürlich auch anstrengender. Wer sich mal mit vier betrunkenen Jugendlichen über den Taxipreis gestritten hat, legt wahrlich keinen Wert darauf, mit sechsen davon auch noch über zusätzliche Zuschläge zu diskutieren. Desweiteren ist ganz hinten der denkbar schlechteste Platz, wenn einer kotzen muss. Da kommt keiner ohne Hilfe und mal eben schnell aus dem Auto. Außerdem bekommt man von den Leuten kaum was mit als Fahrer. Neben den Diebstählen von irgendwo hinten gelagerten Dingen kommen auch immer wieder ziemlich sinnlose Vandalismusschäden zusammen. Einem Kollegen wurde mal tatsächlich eine Flasche Motoröl ins Auto gekippt!

Ja, und so sieht sich manche Gruppe von 5 oder 6 Leuten inzwischen an den Taxiständen um und findet kein Großraumtaxi – wenngleich ein paar davon rumstehen. Vor ein paar Tagen stand ich dann am Ostbahnhof im Gespräch mit Yusuf und Manfred. Beides wirklich nette Kollegen – ihr wärt froh, wenn ihr sie als Fahrer erwischen würdet. Dann kam eine Truppe von 5 Leuten an und sondierte gekonnt deren Autos (die ersten in der Reihe) als Großraumwagen. Sie fragten an, ob 5 Leute in Ordnung wären. Yusuf wandte sich an Manfred:

„Du nehmen? Weisstu, isse meine Sitze kaputt.“

„Wat kiekste mir an? Ick nehm keene Fünfe.“

Also, was blieb? Klar… 😉

„Na kommt mit! Mein Auto steht da drüben. Aber ich muss noch kurz den Sitz ausklappen!“

Dann folgte der pädagogische Teil. Zunächst hab ich natürlich meinen Fahrgästen – wie euch auch – versucht, klarzumachen, weswegen die eigentlich netten Kollegen keine Großgruppen mehr mitnehmen. Die beiden hatten übrigens tatsächlich jeweils schon dreistellige Summen Verlust gemacht, weil ihnen Zeug geklaut und beschädigt wurde.
Dann hab ich das natürlich mit der Bitte verknüpft, mir keinen Grund zu geben, in Zukunft auch so zu handeln.

Das haben sie natürlich auch nicht. Ihre Fahrt hat etwa 15 € gekostet – plus den Zuschlag eben. Darauf gab es dann noch generöse 3,50 € Trinkgeld für meinen netten Service, der eigentlich hauptsächlich aus der Selbstverständlichkeit bestand, sie mitzunehmen.

Anschließend hab ich natürlich die beiden Kollegen wieder aufgesucht, um ihnen den Fünfer Mehreinnahmen genüsslich unter die Nase zu reiben und ihnen dafür zu danken. Und hey, eigentlich sollte ich mich nicht beschweren: So eine Fahrt kriegt man dann doch eher selten als 13. in der Schlange 😀

Ist schon ein komisches Gewerbe, ganz ehrlich…

Selbstbeweihräucherung

Ist zeitlich ein diffiziles Timing mit diesem Artikel…

Aber irgendwann im Umfeld der letzten oder nächsten zwei Stunden hat gestern-nacht-im-taxi.de dann die 100.000 Besucher-Grenze (nach der Zählweise von blogcounter.de) überschritten. Nach nur 6 Monaten!

Überhaupt: 6 Monate. Ein halbes Jahr also. Ich weiss, ich schreibe gerade nicht viel auf meinem privaten Blog – aber mal ehrlich liebe Kritiker von damals: Ist es nicht auch hier halbwegs gemütlich geworden? Also ich finde, dass es gerade eigentlich super läuft. Und meine Zeit und Lust zu schreiben hat schon immer ein wenig geschwankt.

Ich bin ehrlich gesagt stolz. Ich hoffe, das nimmt mir niemand übel. Aber gut, eigentlich ist hier ja Platz für Taxi-Content. Und den schreibe ich jetzt mal besser…

Unentschlossen

Als sie mir am Ostbahnhof ins Auto stiegen, wirkten sie wie ein Vorzeige-Pärchen. Waren sie gewissermaßen auch. Nur anders. Sie gab gleich den Kurs an:

„In die Oranienstraße bitte!“

Alles klar. Eine der üblichen  7€-Touren am Ostbahnhof. Einmal über den Fluss und gut is.

Im Fond begann sich aber der männliche Teil zu regen, tuschelte dann sogar mit ihr, und letztlich meinte sie genervt:

„Dann sag du doch!“

Das tat er auch:

„Ja, ähm… wir fahren dann in die Lichtenberger Straße xy.“

OK, das ist vom Anfang her die gleiche Richtung, nur geht es gar nicht erst bis über den Fluss. Eher so die Größenordnung 5 €. Es wäre gelogen zu behaupten, ich sei begeistert gewesen, aber so ist das Leben. Ich hab dann noch kurz klären wollen, wo die xy genau liegt. Alles kann man ja auch nicht wissen.

„OK, wo liegt die xy denn genau?“

„Ist gleich das große Haus da vorne.“

„Ah, dann fahr ich also am Besten über die Holzmarktstraße?“

„Ja.“

Das ist nun wirklich kein Weg. Links, rechts, links, fertig. Also setze ich den Blinker und…

„Nein! Hier rechts!

Also doch nicht über die Holzmarkt. Wieso frage ich eigentlich? Ich bin also der Straße gefolgt, und hab mich schon halbwegs gefreut, weil das – wenn es wirklich das Haus sein sollte – ein ziemlicher Umweg sein müsste.
Meine Fahrgäste zankten sich inzwischen. Es ging irgendwie darum, warum sie jetzt nicht mit dem Taxi nach Kreuzberg fahren würden. Er wollte anscheinend selber fahren, sie wollte aber nicht mit ihm fahren. Ich war gerade dabei zu überlegen, ob es geschäftsbelebend wäre, mich auf ihrer Seite in die Diskussion einzumischen – da schrie es von hinten plötzlich:

„Links! Hier links!!!“

Also durch die Lange Straße? Hat das blöde Haus etwa einen Hintereingang?

„Entschuldigung! Aber wir streiten uns gerade ein bisschen…“

Ich hab also so mehr oder weniger gewendet und mich auf den Dienstleistungsgedanken zurückbesonnen:

„Das stört mich nicht, ich brauche bloß etwas Zeit, um auf eine Ansage zu reagieren.“

Ob das angekommen ist, weiss ich nicht. Die Diskussion auf der Rückbank ging gnadenlos weiter. Da ich an der nächsten Kreuzung aber wieder einen Richtungswechsel erwartete, hab ich mal besser vorher nachgefragt, ob ich rechts abbiegen soll.

„Nein, hier können sie uns rauslassen.“

Hier? Das bedeutet also, die Gesamtstrecke betrug etwa einen Kilometer, und die letzten 200 Meter laufen sie lieber. Manchmal verstehe ich meine Kunden nicht, ganz ehrlich. Aber gut, es gab ja letztlich noch ein Happy End. Also für mich. Bei den beiden bin ich mir nicht so ganz sicher.

„Stimmt so.“

meinte er und reichte mir einen Zehner nach vorne. Einen Zehner. Es gibt so Momente, da muss man das Erstaunen nicht einmal spielen. Super! Zu guter Letzt noch der Abschiedsspruch von ihr:

„Tut mir echt leid. Wir wollten dich nicht nerven!“

Äh? Ja. Wegtreten!

Kuriose Summe

Eine nette Kundin hatte ich zweifelsohne. Auch ihr Mann war mir sehr sympathisch, und die Tatsache, dass die Fahrt 22 € Umsatz brachte, machte die Sache dann endgültig angenehm. Nach einer relativ langen, wenn auch oberflächlichen Unterhaltung stehen wir dann bei den beiden vor der Türe und ich stoppe das Taxameter:

„So, dann wären wir bei genau 22 €.“

„So, hier… oder soll ich es ihnen lieber klein geben?“

„Klein ist immer super! Also wenn es keine Umstände macht…“

„Nein nein, hier!“

Sie reichte mir einen „Stapel“ Fünfer und gab mir dann 3 € Kleingeld hinzu. Ich hab mich für das Trinkgeld bedankt. Nicht überschwänglich, zugegeben. 1 € ist bei einer so langen Fahrt unter dem Durchschnitt, und damit – so schön Trinkgeld auch jedes Mal wieder ist – unter dem, was ich – insbesondere nach so einer Fahrt – erwartet habe.

Ich hab die Scheine gleich weggepackt. Mein Wechselgeld war ja nach wie vor komplett, und für den Fall aller Fälle ist nie mein ganzes Geld im Portemonnaie. Soweit, so normal. Ich hab die Tour gedanklich abgehakt, und mich weiter der Schicht gewidmet. Als ich allerdings meine Einnahmen irgendwann durchgesehen habe, bin ich auf 5 Scheine zu 5 € gestoßen – und das war die einzige Fahrt, die mir so bezahlt wurde.

Nun würde mich doch interessieren, ob ich bewusst 6 € für die Tour gekriegt habe, oder ob sich die werte Frau bei der Anzahl der Scheine ebenso vertan hat wie ich.

Im Übrigen war das wahrscheinlich das erste Mal im gesamten letzten Jahr, dass ich einen Haufen Scheine einfach eingesteckt habe, ohne genau nachzuzählen.

Zufälle gibt es…

Vorsicht, eklig!

Für alle fantasielosen Leser (ja, ich kümmere mich selbstverständlich auch um die Minderheiten!) wollte ich hier nochmal ein kleines Foto vom „Unglück am frühen Samstagmorgen anbringen:

Happy Hochwürging! Quelle: Sash

Happy Hochwürging! Quelle: Sash

Lasst euch nicht den Tag verderben. Ich hab es auch nicht getan 🙂

Nicht mehr mein Problem…

Die Neuigkeiten zu den Auswurf-Spezialisten vom frühen Samstagmorgen sind natürlich noch überschaubar. Heute stand dann erst einmal auf dem Programm, was für mich als Angestellten dann doch irgendwie unabdingbar ist:

Ich hab meinen Chef informiert.

Im Grunde wollte ich eigentlich nur nachfragen, wie sie mir im Zweifelsfalle den Rücken stärken könnten, bzw. auch um überhaupt mal was zu sagen – schließlich hab ich ja für den Fall, dass die Typen sich einer Zahlung weiterhin verweigern, eine nicht gerade kleine Fehlfahrt von 70 € auf der Uhr.

Nun ist mein Chef bei der ganzen Kotz-Thematik allerdings ganz anders drauf als ich. Ich sehe den Leuten ihren übermäßigen Alkoholkonsum gerne nach und sogar Kotzen bewerte ich als zwar ärgerliche Sache, nicht aber als Kapitalverbrechen. Natürlich setze ich voraus, dass ich entschädigt werde, wenn ich im Abendessen von Alkoholleichen umherfische anstatt einfach nette Kunden zu befördern – aber wenn das geklärt ist, dann sind mir die Leute nicht mal zwingend unsympathisch.

Mein Chef hingegen vertritt nicht nur die Meinung, dass Kotzen mit das Übelste ist, was uns Fahrern passieren kann – er hat beim letzten Weihnachtsfest auch die gesamte Nachtfahrerschaft gegen sich aufgebracht, als er die Meinung vertrat, angetrunkene Kundschaft sollte man gar nicht befördern, und man könne die solche auch tatsächlich in der Praxis umgehen.
Er hat also entsprechend noch keinen derartigen Zwischenfall als Fahrer gehabt und uns ans Herz gelegt, auf jeden Fall die Autos danach für schlappe 400 € professionell reinigen und desinfizieren zu lassen, die Rechnung zum Kunden schicken und Ende.

Ich gebe zu, da stimme ich ihm nur bedingt zu. Dass die Kunden im Zweifelsfall eine solche Maßnahme dulden – und damit zahlen – müssen: D’accord! Nach Möglichkeit handhabe ich es allerdings dennoch so wie ausgerechnet der unsympathischste Typ am Samstag gesagt hat:

„Selber mit’m Lappen drüber!“

Natürlich geht das nicht schnell, weil man es gründlich machen muss – und natürlich spart man sich damit trotzdem nicht den Verdienstausfall. Aber die Rechnung für den Kunden wäre ja schnell 4-stellig geworden, wenn ich die Kiste übers Wochenende hätte stehen lassen, mein Tagfahrer ebenso, und wir dann am Montag nochmal einen halben Tausender für die Reinigung aufschlagen. Da ist dann in meinen Augen trotz mancher Arschgeige die Verhältnismäßigkeit nicht mehr gegeben – zumindest wenn man wie ich relativ pragmatisch mit den Körperflüssigkeiten anderer Leute umgehen kann.

Da ich aber eigentlich gar keine große Lust habe, diesen Ärger auf meine eigene Schulter zu nehmen, war ich dennoch positiv überrascht, als mein Chef kurz und knackig verkündete:

„Du musst da gar nix machen! Die verklagen wir und da schlagen wir die höchstmögliche Entschädigung für dich raus!“

Also mal sehen. Die wichtigsten Fakten hab ich ihm schon gemailt, jetzt muss ich auch abwarten.

Abschließend möchte ich noch sagen: Ja, das ist hart. Meinetwegen hätte es so nicht laufen müssen. Ich hab – wirklich lächerliche – hundert Euro gefordert. Ein

„Sorry, wir haben nur 80!“

hätte mir vielleicht gereicht und ich werde bei entsprechenden Vorkommnissen auch in Zukunft erst mal darauf setzen, dass man sich einigt. Ich will dabei nicht draufzahlen und vielleicht ein nettes Trinkgeld als Entschädigung – um mehr geht es nicht, und ich finde meine Haltung gerechtfertigt. Aber wenn statt einer Entschuldigung meine Arbeit herabgewürdigt wird, ich beleidigt werde und ich dann auch noch auf  Geld verzichten soll – dann ist es vielleicht ok, wenn es so läuft wie jetzt. Ich kann die Helden der Nacht echt nur beglückwünschen zu allem, was jetzt kommt…

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Fiskaltaxameter-Versuch

Wie der Tagesspiegel gerade online berichtet hat, ist in Berlin ein Pilotversuch mit Fiskaltaxametern angelaufen. Zu diesem Artikel hier ein Kommentar. Ich möchte vorweg anmerken, dass ich über die Geräte nur sehr grob Bescheid weiß, also sicher nicht alle Vor- und Nachteile mal eben benennen kann.

Worum geht es überhaupt?

Steuerhinterziehung ist im Taxigewerbe eine weit verbreitete Problematik, natürlich auch in Berlin. Wenn man den Medien glauben kann, dann weit mehr als in anderen Branchen. Ob das den Tatsachen entspricht, kann ich schlecht bewerten. Aber ja: Es gibt Unternehmer, die ihre Fahrer schwarz arbeiten lassen und auf dem ein oder anderen Weg ihre Einnahmen am Fiskus vorbei mogeln. Welche Möglichkeiten es da gibt, kann ich nicht mal aufzählen, dazu bin ich wohl zu ehrlich 😉
Der Tagesspiegel bringt jedenfalls einmal mehr die ominöse Schätzung eines „zweistelligen Millionenbetrags“, in der Vergangenheit war oft von 50 Millionen Euro die Rede, die im Berliner Taxigewerbe an Steuern hinterzogen wird.

Ich persönlich vermute, diese Zahl ist Bullshit. Ich kenne nicht alle Zahlen, aber schon alleine, wenn man diesen Betrag auf die 12.000 Fahrer in Berlin umlegt, bescheisst JEDER den Staat um durchschnittlich 4.000 Euro im Jahr. Das liegt schon weit entfernt dessen, was ein durchschnittlicher Fahrer überhaupt an Steuern zahlen muss, wenn er legal arbeitet. Und die einzelnen Genies im Gewerbe, die ihre 4.000 bis 6.000 € Umsatz pro Monat machen, werden die Statistik kaum derart verfälschen. Aber gut, das nur als Rahmeninformation. Ungeachtet des Betrages ist und bleibt Schwarzarbeit ein Problem in der Branche – da gehe ich mit dem Autor des Artikels durchaus konform.

Fiskaltaxameter sollen dabei (in absehbarer Zukunft gesetzlich vorgeschrieben) eine Lücke schließen, die bisher existiert hat: Die Manipulation der Einnahmen. Das Grundprinzip der Steuerhinterziehung ist ja stets das Gleiche: Man rechnet seine Einnahmen herunter. Fiskaltaxameter sorgen nun dafür, dass die Daten (also die Umsätze und Strecken) „manipulationssicher“ auf einen Server übertragen werden, wo sie von den Behörden abgeglichen werden können mit den Angaben, die die Unternehmer beim Finanzamt machen. Im Grunde ist das eine gar nicht so dumme Idee, und sie dürfte tatsächlich dem ein oder anderen Betrüger das Wasser abgraben.

Ein bisschen dürftig fällt im Tagesspiegel die Kritik an den Geräten aus. Sie wird dort ausschließlich in folgendem Absatz angedeutet:

„Zum Einbau sind aber bei weitem nicht alle Unternehmen oder Alleinfahrer bereit. Auf Schwarzarbeit und Manipulationen sei man angesichts der dürftigen Einkommen mehr oder weniger angewiesen, heißt es im Gewerbe ziemlich offen.“

Nun, das finde ich doch ein wenig oberflächlich. Ich bin wie gesagt grundsätzlich dafür, aber natürlich würde die Einführung gewisse Probleme bereiten. Vielleicht keine dramatischen oder unlösbaren, aber immerhin.

Zum einen ist die Annahme, die Daten seien „manipulationssicher“ in jedem Fall ein Euphemismus. Das mag im Alltagsgebrauch stimmen, aber man muss kein Computerspezialist sein, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Daten – insbesondere wenn sie auf einem Server gelagert werden – immer von irgendwem manipuliert werden können. Zudem stellt sich natürlich die Frage, inwiefern der Datenschutz gewährleistet ist.

Die direkte Manipulation des Taxameters ist auch heute schon technisch versierteren Leuten vorbehalten und wird wahrscheinlich nicht flächendeckend betrieben. Viel problematischer ist im Alltag sicher, dass auf das Einschalten des Taxameters gleich ganz verzichtet wird.

Und – auch wenn es Erbsenzählerei sein mag: Was passiert mit all den Fehlfahrten? Es kommt vor, dass man als Fahrer mal den falschen Knopf drückt. Zack, und schon sind 3,20 € auf der Uhr! Oder mal 50 ct Zuschlag. Oder Kunden zahlen nicht. Muss man auf diesen gar nicht gemachten Umsatz in Zukunft Steuern zahlen?

Aber das sind nur ein paar Überlegungen von der Fahrerseite aus.

Im Übrigen finde ich es unschön, zu behaupten, „im Gewerbe“ werde die Manipulation „ziemlich offen“ verteidigt. Alle Taxiverbände und alle Unternehmer ohne Dreck am Stecken sind eindeutig dagegen. Es gibt diese Stimmen, zweifelsohne. Aber das Gewerbe repräsentieren die sicher nicht.