Als ich die Tage nach langer Zeit mal wieder ein Taxi als Fahrgast genutzt habe, konnte ich nachvollziehen, warum einige Kunden denken, wir wären alles komische Käuze. Der Fahrer war sehr schnell da, wartete vor der Tür und der Hitze wegen waren alle Fenster geöffnet. Ich nannte die Adresse, sagte vorsichtshalber ein paar umliegende Straßennamen dazu, da es eine eher kleinere war.
„Ach ja, dann ist das ja da hinten bei dem runden Haus!“
Na, äh gut. Wieder was gelernt. Er war nett und der Weg war kein noch so kleines Bisschen zu beanstanden. Selbst dass die Fahrt unter 10 € blieb, schien ihm irgendwie nicht ernstlich wehzutun. Ich hab mal offen eingestanden, dass ich – wenngleich Kollege – die Straße auch nicht gekannt hätte. Das war dann der Start in einen seltsamen Dialog, der mehr ein Monolog seinerseits wurde.
Früher war alles besser – gut, das war abzusehen. Dann war es irgendwie schlimm, dass man heute nicht mehr die ganze Stadt kenne, wobei das natürlich auch mit der Teilung Berlins zu tun hätte, die Stadthälften wären einfach nicht so zusammengewachsen, wie er sich das gewünscht hätte. Und das würden sie wohl auch nicht mehr.
Was an diesem Punkt noch nach einem in sich konsistenten Weltbild klingt, wurde dann ad absurdum geführt, als er sich darüber echauffierte, wie er nun zweieinhalb Stunden warten musste und alles was der Zentrale eingefallen wäre, wäre ihm eine Tour mit dem Ziel Urban-Krankenhaus anzubieten. Ich schluckte kurz, denn das ist gut und gerne eine 25€-Strecke, was will man bitte mehr?
„Na guck Dir die Gegend da doch an! Da fahr ich gar nicht mehr hin, Drecksecke!“
Ich hab ihn gut gelaunt (wie man halt drauf ist, wenn man zum Zahnarzt fährt) seine Brabbeleien gegen die Zentralen und die schlimmen Zeiten abfeuern lassen, am Ende war es für mich schon ok. Mich hat er prima abgelenkt. Als unwissender Kunde möchte ich den Knaben allerdings auch nicht unbedingt als Dienstleister erwischen …