Einstiegspreis …

Ich hatte es angedeutet: Ich hatte eine Diskussion um den Einstiegspreis im Taxi. Der ist natürlich doof. Hey, 3,20 € (hier in Berlin) auf der Uhr, noch bevor der Taxifahrer sich überhaupt bewegt hat? Was is‘ dat denn?

Klar, als Kunde verstehe ich das. Ehrlich. Das ist ja auch irgendwie … kacke. Oder? Ich meine, wer würde sich das Geld nicht gerne sparen?

Aber ja, ganz so grundlos ist das alles natürlich nicht. Denn, das hab ich auch dem Kunden erklärt, ich war ja bislang nicht untätig. Das Geld ist keine ominöse Spende an meinen Chef oder gar eine unverantwortlich blöde Gebühr, für die die Regierung verantwortlich ist, sondern lediglich ein Ausgleich für die Arbeit die erbracht wurde, bevor der Kunde ins Taxi steigt.

Denn anstatt gemütlich im Wohnzimmer vor dem Fernseher oder dem PC zu sitzen, stellen wir Taxifahrer uns bereit. Entweder wir halten an einem Taxistand oder wir fahren irgendwohin, wo wir glauben, dass dort Kundschaft sein könnte. Sicher: Mal fahren wir nur 20 Meter leer (ohne Kundschaft) vor uns hin, bis ein Winker uns Arbeit verschafft – anderenorts fahren wir aber auch mal 10 Kilometer, um uns dann eine Stunde an eine Halte zu stellen, bevor wir einen Auftrag kriegen.

Aber was ist der Mehrwert für den Kunden?

Nun, so komisch es klingt: Dass wir da sind. Dass wir entweder Samstag Nacht um 2.54 Uhr direkt vor dem Club stehen oder dass wir am Dienstag Mittag um 13.32 Uhr nur drei Minuten bis zum  entsprechenden Hotel brauchen. Meist haben wir Taxifahrer bereits vor der Fahrt Arbeitszeit investiert, um Euch abzuholen. Nicht immer geplant, natürlich. Manchmal haben auch wir Glück und bekommen einen Auftrag nach einer Minute oder vor dem nächsten Haus. Im Durchschnitt aber warten wir auf eine Tour. Fahrend oder stehend. Und damit wir nicht z.B. Kunden benachteiligen, die in Vororten wohnen, erheben wir nicht z.B. zwölfmal 10 Cent, achtmal 1,40 €, zweimal 6,10 € und einmal 23,40 €, sondern die Pauschale von 3,20 €. Die Zahlen sind erfunden und passen sicher nicht, aber sie erklären das Prinzip ganz gut. Vielleicht bietet sich auch ein Vergleich mit Versandkostenpauschalen im Einzelhandel an: Schließlich weiß jeder, dass ein kleines Päckchen keine 6 € kostet. Wenn aber mal eines per Luftpost nach Timbuktu fällig ist, kann der Versender das mit der Pauschale ausgleichen.

Dass Taxen vor Ort verfügbar sind, ist nunmal kein Hexenwerk, sondern die Arbeit der Taxifahrer. Auch wenn sie ausnahmsweise (und die Berliner City mag manchmal wie eine einzige Ausnahme erscheinen) immer überall und zahlreich zur Verfügung steht.

Mein Kunde hat das wie folgt kommentiert:

„Egal, ist trotzdem doof!“

Der Meinung kann man sein. Ich fand den entsprechenden Kunden ja zum Beispiel auch ganz nett, nach der Aussage aber trotzdem, ja, ähm … doof.

Sondergebühren

Da hatte ich mit einem Fahrgast erst die Diskussion darüber, weswegen man für ein Taxi schon so viel „Gebühren“ zahlt, wenn man einsteigt – und dann bringt mir mein Tagfahrer zum Funkkurs überraschend ein zweifelhaftes Geschenk mit:

Die jährlichen Parkgebühren waren wieder fällig, Quelle: Sash

Die jährlichen Parkgebühren waren wieder fällig, Quelle: Sash

Hmpf. Na prima. Ich meine, selbst wenn die Uhrzeit nicht mehr in meiner Schicht liegt, komme ich da nicht mehr raus. Vor allem wäre es „geringfügig“ fies meinem Tagfahrer gegenüber. 😉
Und ich hab’s ja getan. Ich hab total böse auf einer Sperrfläche geparkt. Das sind halt gleich mal 25 €, und damit – das ist rückblickend betrachtet das eigentlich ärgerliche – rund 90% von dem, was ich während der mies gelaufenen Drittel-Schicht an dem Tag verdient habe. Ich bin also im Grunde rausgefahren, um das Geld zu verdienen, das ich jetzt eben überwiesen hab. Irgendwie hatte ich mir das mit der Arbeit und der Entlohnung anders vorgestellt …

Eigentlich sollte das jetzt ja eher ein „Ich hab halt Mist gebaut und steh jetzt auch dazu“-Text sein. Aber ich möchte doch ganz gerne mal jene Sperrfläche zeigen:


Größere Kartenansicht
Ich hab direkt neben dem letzten legalen Platz geparkt. Nachts ist der riesige Parkplatz seit etwa einem Jahr ziemlich voll, weil jenseits der Straßenbahnschienen (weiter rechts) gebaut wird und viele Autos von dort jetzt auch diese Plätze belegen. Gerade auf dem ersten „Platz“ der Sperrfläche ragt man kein Bisschen in den Verkehrsraum, dank flacher Schnauze des Opels blockiert man weit weniger Sicht als z.B. ein Bus auf einem der regulären Parkplätze. Ich finde sie gelinde gesagt ziemlich überflüssig – ebenso wie die zwei bis drei freien Plätze gegenüber (auch rechts). Neben dem Mini parken auch ständig Leute, laut meinem Tagfahrer eine Stunde nach Zettelverteilung auch an diesem Tag – ohne Wisch an der Scheibe.
Ist keine Sperrfläche, schon klar. Das Parken auf (auch nur de facto) offener Straße ist also offenbar nach Ansicht der Polizisten vor Ort nicht zu bemängeln. Ich hasse diese ganzen Verschwörungstheorien zur Geldmacherei, aber liegt’s vielleicht daran, dass man bei der Sperrfläche gleich ein „richtiges“ Ticket, nicht bloß so eine 10€-Lappalie austeilen kann?

Aber gut, der Quatsch ist jetzt erledigt. Also vorerst.

Bislang ist mir nämlich noch nicht eingefallen, wie ich meinen Tagfahrer wenn ich bereits im Bett bin informieren kann, dass ich das Auto zwei Ecken weiter geparkt habe. Er nutzt keine SMS und hat kein Internet. Schätze, die 25 € muss ich als Kommunikationspauschale werten.

Nächstes Mal fahre ich einfach mehr Geld ein. Für nur 10 € mehr kann ich nämlich in die Parkplatzsuche auch Fußwege und Feuerwehreinfahrten miteinbeziehen. Oder die Straßenbahnschienen. Was aber ein bisschen unpraktisch ist, da ich mit der Bahn immer heimfahre.

Funkkurs die zweite (2)

Ja nun, da war er also, der zweite Kurs. Dieses Mal für den Würfel-Datenfunk. Meine Kritik am ersten Kurs vor 5 Jahren (als es um den WBT-Sprachfunk ging) kann ich so nicht stehen lassen. Es ist selbstverständlich etwas anderes, Kursteilnehmern eine komplexe Software zu erklären, als immer wieder zu erzählen, dass man das Wort „Taxe“ vor der Konzessionsnummer sagen muss, schon für den Fall, dass die Übertragung am Anfang des Satzes noch nicht steht.

Insgesamt muss ich trotzdem ein lauwarmes „so lala“ als Wertung abgeben.

Axel ist ein guter Lehrer und er hat auch so ziemlich alles erklärt, was es zu erklären gab. Auch wenn ich mit ihm beispielsweise bei MyTaxi nicht einer Meinung bin, richtet sich die Kritik nicht gegen ihn. Er hat das richtige Tempo gefunden und tatsächlich wie versprochen durch wiederholten Humor ein bisschen Spaß ins an sich furchtbar öde Thema gebracht. Aber da sind wir beim Punkt: Es gibt keine Möglichkeit, diesen Kurs wirklich vernünftig zu gestalten.

Trotz nur sieben Funkschein-Aspiranten fanden sich im Raum P-Schein-Anwärter, erfahrene Hasen und Hardcore-Sprachfunker wieder, die alle – inklusive mir – Zeit und Muße hatten, dieses oder jenes blöd zu hinterfragen. Die Neulinge verstanden viele Dinge nicht, weil sie noch nie im Taxi saßen, die Sprachfunker verstehen bis jetzt nicht ganz, dass der Platz an der Halte keine Rolle mehr spielt und ich frage mich, wie irgendwer eine an sich auf wenige Funktionen beschränkte Software so kompliziert aufgebaut werden muss, damit sie ja keiner versteht, der sie nutzen will oder soll.

Ich weiß, das ist ein bisschen überspitzt formuliert, aber die vielen „das gibt es hier eh nicht“, „da müsst ihr nie draufdrücken“ und „das überspringe ich, weil es in der Praxis keine Rolle spielt“ verstehe ich ja bei komplexen Programmen für verschiedene Benutzergruppen – aber bei einem Programm, das einzig dazu dient, Aufträge für Taxifahrer abzuwickeln?

Wie kann es denn bitte passieren, dass bei so einem Anwendungszweck ein Notruf nur abgesetzt werden kann, wenn man sich davor in ein Untermenü begibt?

Ja, eierlegende Wollmilchsäue gibt es nicht. Man muss immer Kompromisse machen. Aber wie kann man an der Usability sparen, wenn es Leute gibt, die es nutzen sollen und noch nicht einmal eine eMail-Adresse haben? Aber schön, dass zwischen Aufträgen und unsicheren Anfragen unterschieden wird; dass man sich in Sektoren bewegen kann, nicht jedoch einloggen muss; dass man auch Zielsektoren angeben kann, in denen man vielleicht einen Folgeauftrag kriegen kann, wenn man als einziger die richtigen Angaben im Fahrerprofil erfüllt. Und ebenso schön, dass sich manche Sachen unterscheiden, je nachdem, ob man einen PDA oder ein DBGtouch benutzt.

Und schön, dass man das alles in zwei Stunden erklärt bekommt, obwohl es für manche Mitstreiter notwendig ist, dass man die Bedeutung von grünen Feldern mit Häkchen und roten Feldern mit einem X nochmal erklärt.

Am Ende bleibt trotzdem offen, was passiert, wenn man „Hund“ im Fahrerprofil angekreuzt hat, es beim Kunden aber plötzlich zwei Hunde sind, die zu groß fürs Auto erscheinen. Ein bisschen weniger all-in-one hätte der Sache gut getan, denn auf alle Eventualitäten des Jobs kann einen sowieso keine Software vorbereiten.

Fazit:

Der Kurs ist lustig, ganz ehrlich. Hat mir Spaß gemacht.
Und trotz meiner bösen Worte: Ja, der Datenfunk funktioniert und ist in vielen Dingen dem Sprachfunk überlegen. Das ist toll und die Entwicklung in die Richtung ist sinnvoll. Ganz allgemein gesprochen. Dinge wie z.B. die Notrufgeschichte sind extrem grenzwertig.
Ich werde meinen Funk wohl auch weiterhin ausgeschaltet lassen. Dann bin ich zwar nicht Teil eines Unternehmens, das mir vorschreibt, „hilfsbereit“ im Profil anzukreuzen, aber ich werd’s einfach weiterhin trotzdem sein. Das passt für mich schon.

Funkkurs die zweite …

Juhu!

Genau genommen hab ich mir eher „WTF, hä?“ gedacht, als mein Chef mir letzte Woche mitteilte, heute wäre ein Funkkurs angesagt. Aber gut, ich bekomme ein „neues“ Auto und das hat in dem Fall einen anderen Funk drin. Wir in Berlin haben ja im wesentlichen zwei große Zentralen, zudem gibt es bei beiden noch Sprach- und Digitalfunk. Mir perönlich könnte es egal sein, ich bin Funkmuffel. Überhaupt nehme ich meine Aufträge am liebsten von der Straße aus an. Ich will nicht sagen, dass ich dafür besonders gute Gründe hätte, aber es ist halt so und ich bin damit bislang nicht schlecht gefahren. Natürlich gibt es Kollegen, die mehr Geld einfahren und den Funk anhaben – aber es gibt eben alles. Und während ich hier einen Funkauftrag nicht kriege, kriege ich andernorts die Fehlfahrten nicht. Es funktioniert glücklicherweise beides in Berlin.

(Und je nachdem, welchen Kollegen ihr fragt, werdet Ihr erfahren, dass sein Weg der bessere ist, so ist das halt.)

Mein Interesse am Funkkurs heute (den ich ab 17 Uhr haben werde), hält sich also in Grenzen. Was vielleicht auch daran liegt, dass mein erster Funkkurs vor nicht ganz 5 Jahren eine eher kuriose Veranstaltung war.

In meinem (natürlich unbedingt zu kaufenden!) eBook „Papa, ich geh zum Zirkus!„, schrieb ich passenderweise folgendes:

„Einen Funkschein sollte man in einem Funktaxi besitzen, die Zentrale sieht
es gerne, wenn man nachweisen kann, dass man die Regeln kennt. Zentralen
gibt es in Berlin zwei, ich wählte eine nach dem Zufallsprinzip aus und
stellte fest, dass dieser Schein der größte Witz seit der Erfindung der
Homöopathie war: Zwei Stunden lang wurden Lächerlichkeiten erörtert, die
Dreijährige mit Bauklötzen hätten darstellen können. Am Ende gab es einen
Test, dessen Schwierigkeitsgrad nochmals gesenkt wurde, indem jegliche
Form von Notizen ausdrücklich erlaubt war. Nur zu logisch, denn natürlich
sollte niemand abgeschreckt werden, hier den Funkschein zu machen, so
lange es noch die konkurrierende Zentrale gab, die ja ebenso auf der Suche
nach zahlungskräftigen Taxifahrern war.
Konkurrenz durch gegenseitige geistige Abrüstung: Ein Prinzip, das Schule
machen könnte.

Ich vermute nicht, dass sich viel daran geändert hat. Deswegen wollte ich der Veranstaltung eigentlich auch instinktiv lieber fernbleiben. So sehr mich der Reiz, neues zu lernen, auch immer wieder packt.

Aber dann traf ich Axel zufällig an der Tankstelle meines Vertrauens, und der wird den Kurs halten. Axel ist der Mann, der mich durch die Ortskundeprüfung gebracht hat, gibt das für alle Prüfungsanwärter empfehlenswerte Standardwerk „Spezialatlas“ heraus und ist abgesehen davon, dass er manchmal etwas lauter als nötig ist, mit einer gesunden Portion Ironie und vernünftiger Weltanschauung gesegnet – auch wenn wir nicht in allem übereinstimmen …
Naja, ich hab das Versprechen von Axel, dass der Kurs auch lustige Einschübe hat, das ist neben der ein oder anderen neuen Erkenntnis der Grund, weswegen ich da heute sitzen werde. Ich bin gespannt und werde berichten. 🙂

Zwillingsauto

So, das mit der 1925 ist Geschichte. Sie steht derweil noch in der Stadt rum, was mit ihr genau passiert, weiß ich selbst nicht. Ob sie ausgeschlachtet oder doch verkauft wird … so ganz genau schienen meine Chefs das Anfang der Woche auch noch nicht zu wissen. Ich vermute aber nicht, dass ich sie nochmal sehen werde und zum Nachfragen, ob ich mir vielleicht ein oder zwei Teile sichern dürfte, bin ich nicht einmal gekommen bisher. Ich vermute also nicht, dass da noch etwas draus wird. Zumal ich meinen Schlüssel heute bereits weggegeben habe.

Das neue Fahrzeug für den Dauereinsatz ist derzeit noch belegt, übergangsweise fahre ich nun dieses Wochenende voraussichtlich mit der 1078. Und die wirkt, nun ja: nicht unvertraut:

"1925, bist Du es?" Quelle: Sash

„1925, bist Du es?“ Quelle: Sash

Auch das kommende Fahrzeug wird noch einmal ein B-Zafira werden, aber in Details unterscheiden sich Autos dann ja doch. Jetzt bei der 1078 hab ich aber noch keine Unterschiede ausmachen können. Außer, dass sie deutlich weniger Macken hat und – wie man auf dem Bild sehen kann – sogar die Stoßstange vorne gerade trägt. Fahrzeugtechnisch ist das Auto bis hin zu Taxameter und Funkgerät mit meiner alten Kiste identisch. Selbst der Kilometerstand ist ähnlich, allzu sehr lieb gewinnen sollte man dieses Taxi also auch nicht mehr:

Die 1925 hatte gerade mal 8.700 km mehr runter. Quelle: Sash

Die 1925 hatte gerade mal 8.700 km mehr runter. Quelle: Sash

Gefahren hat sich das Auto wirklich gut, auch wenn ich kleine Unterschiede festgestellt hab beim Beschleunigen oder bei der Kupplung natürlich. Ähnlicher Kilometerstand bedeutet natürlich auch ähnliche Probleme. Der Teppich der 1078 ist genau dort notdürftig geflickt, wo er es auch bei der 1925 war, auch an diesem Auto fangen die Türschweller an zu rosten etc. pp.
Endlos machen die kleinen Opels das halt auch nicht mit. Was mich eigentlich am meisten beschäftigt hat während der paar wenigen Touren letzte Nacht: Dass natürlich Radio und Navi komplett anders eingestellt waren. Ich tippe auf einen Tagfahrer mit Hang zu klassischer Musik. Wieso sonst sollte jemand die Höhen lauter als die Bässe und das Navi auf die schnellste anstelle der kürzesten Route einstellen? In meinem nächsten Leben werde ich Detektiv. 😉

Zwei oder drei schöne Schichten werde ich mit diesem Zwilling der 1925 sicher hinter mich bringen, dann mal schauen, was die etwas jüngere 72 zu bieten haben wird.

Eine neue 1925 gibt es im Übrigen bereits wieder. Ob sie schon fährt, weiß ich nicht. Den Gerüchten nach handelt es sich tatsächlich um den ganz neuen Zafira Tourer – ich hab sie aber noch nicht gesehen. Ich gebe zu, es hätte mich sehr gefreut, dieses Auto mal auszuprobieren. Aber dazu wollte ich auch noch ein paar Worte verlieren: Ich weiß, Ihr hättet alle gerne, dass ich einen Neuwagen bekomme und die 1925 sowieso am besten behalte. Wie gesagt: Der Gedanke sagt mir auch zu, aber das ist natürlich nicht das einzige, worauf meine Chefs Rücksicht nehmen müssen. Zum einen will das alles organisiert sein, zum anderen haben meine Chefs mich zweifelsohne gern – aber ich bin de facto nur noch eine Halbtagskraft. Es gibt andere Teams im Unternehmen, die deutlich mehr Kohle einfahren. Außerdem sind weder mein Tagfahrer noch ich diejenigen, die am lautesten und am ausdauerndsten jammern, wenn es um neue Autos geht. Ich fahre gerne noch eine Weile B-Zafira. Wenn dafür ein anderer Kollege vor lauter Glücksgefühlen in seinem Neuwagen zwei Hunderter mehr Umsatz im Monat einfährt, dann ist das schon ok, denn ich würde das nicht machen.

Ich arbeite nur halb so viel wie in meinem Arbeitsvertrag steht und habe trotzdem ein festes Auto mit Abstellplatz in der Nähe. Andere werden eben häufiger mal als Springer auf verschiedenen Wagen eingesetzt, wenn sie nur am Wochenende fahren. Glaubt also nicht, ich lasse mich bei dem Auto über den Tisch ziehen. Ich hab mit meinen Chefs nur andere Vereinbarungen als die Kollegen, die jetzt einen neuen Wagen haben. Und das ist für mich in Ordnung, denn ich hab das nicht anders gewollt.

Schließlich hätte GNIT von einem neuen Auto eher weniger, wenn ich dafür wieder Vollzeit ran müsste. 😉

Zu viel Verkehrsberuhigung?

Das mit der Verkehrsberuhigung ist so eine Sache. Eine eigentlich eindeutige: Wenn sie funktionieren soll, dann muss sie Autofahrer stören. Meine eigene Bequemlichkeit als Autofahrer mal zum Maß erklärend kann ich das unterschreiben. Ich bin zwar kein Raser, aber natürlich bremse ich ungern unnötig. Und, um ehrlich zu sein: Ich teste auch gerne manchmal, was möglich ist.

Die in der Bouchéstraße ausgelegten Holperschwellen zum Beispiel: Die sind zwar fies, weil ich da mit meinem Opel Zafira bei 30 km/h ziemlich derbe Schläge kassiere, die dem Auto sicher nicht gut tun. Also bremse ich ab und rolle im Schritttempo drüber? Muss ich persönlich – obwohl sonst gerne vorbildlich – leider verneinen. Wenn es drei Uhr morgens ist, kein Mensch auf der Straße und keine Kundschaft im Auto, dann fahr‘ ich da einfach 45 km/h. Das ist zwar nicht legal, funktioniert dank der Trägheit aller beteiligten Fahrzeugkomponenten aber so super, dass ich es mir nur schwer verkneifen kann. Denn dann merke ich von den Schwellen gar nix mehr und komme auch noch schnell voran …
Ist jetzt halt nicht gerade das, was die Leute sich dort beim Bau gedacht haben, das ist mir schon klar. 😉

Da sind die deutlich höheren Schwellen am Lausitzer Platz schon besser. Ja, sie nerven wirklich extrem – aber dafür fahre ich dort halt entweder extrem langsam oder – sicher noch besser für die Anwohner – vermeide die Durchfahrt nach Möglichkeit.

Letzteres scheint im Wedding irgendwie geplant zu sein. Die dort verteilten erhöhten Steinplatten (die hatten doch auch so eine schöne Eigenbezeichnung: „Weddinger Kissen“ oder so …) erfüllen überwiegend ihren Zweck, vereinzelt allerdings schießen sie ein bisschen übers Ziel hinaus. In der Utrechter Straße z.B. komme ich öfter mal vorbei – berufsbedingt halbwegs notwendigerweise – und da setzte die 1925 bislang immer mit der Schnauze auf. Selbst wenn ich nur alleine im Auto war und sehr langsam fuhr.
Das ist nicht schlimm, es geht hier nur um eine Gummilippe unterhalb der Stoßstange, wirklich zu Schaden kam dabei nix. Aber mein Auto ist nun wirklich recht geländetauglich gewesen von der Bauform her. Die Überhänge hatten eine moderate Länge und der Zafira lag auch nicht wirklich tief auf der Straße. Mit anderen Worten: Wenn ICH da schon an die Grenze kam, dann ist die Straße für wahrscheinlich einen Großteil der anderen Fahrer da draußen nicht befahrbar.

Wenn DAS das Ziel ist, dann macht man das richtig! Man könnte dort eine Fußgängerzone oder eine reine Fahrradstraße einrichten. Die Straße ist ohnehin zu klein, um wirklich wichtig zu sein. Aber was für einen Sinn gibt es bitte, eine Straße für Tempo 30 freizugeben, wenn sich jeder zweite dort das Auto beschädigt? Ich als Ortskundiger kann die Straße meiden, mich muss das nicht jucken. Aber wenn ich dort jemanden besuchen wollte und mein Navi würde mir die Route vorschlagen … na herzlichen Dank auch, Berlin!

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

(Keine) Verarsche

Ich hatte es heute am Stand noch mit einem Kollegen darüber: Wie viel man wohl so im Laufe der Zeit an Umsatz verliert durch die Leute, die nicht zahlen können/wollen, etc.
Statistisch erfasse ich solche Fehlfahrten gar nicht. Aber ich weiß, dass sie selten sind, weil ich jedes Mal darüber blogge und sie deswegen fast alle noch irgendwie im Kopf habe. Mein Score diesbezüglich liegt bei unter 100 € – und das, obwohl schon die erste Fahrt damals glatte 21 € ausgemacht hat. Allzu häufig ist das also zumindest bei mir nicht – und ich bin schon der Deppchef, der die ganzen Chaoten einsammelt, die sonst kein Fahrer mitnehmen will …

Und dann springt mir in Prenzlauer Berg ein wirklich ziemlich junger und ziemlich betrunkener Kerl vors Auto. Er fragt mich, was es zum S-Bahnhof Hohenschönhausen kosten würde.

„So etwa 15 €. Ich will mich nicht auf zwei Euro hin oder her festlegen, aber es werden sicher keine 25 und andersrum reicht ein Zehner sicher auch nicht.“

„Allet klar. Machen wa!“

Ja, denkste! Eine Minute später meinte er:

„Mach doch ma’n Fünfer und dit Ding da aus!“

„Und was hab ich davon?“

„Na, is doch ejal!“

„Nö. Isses nicht.“

Ich war wie immer viel zu nett und hab das Gespräch gesucht. Ich hab gesagt, dass ich ja verstehen könnte, dass das teuer sei, aber ich eben auch nur wenig verdienen würde und es dann einfach nicht mehr lustig finde, wenn jeder dritte versucht, mich auch dabei noch nach unten zu handeln. Da hat er geknickt zugestimmt und gemeint, er könne das gut verstehen. Das klappt erstaunlich oft und ich bin mir sogar sicher, dass er nicht unbedingt gelogen hat. Wer versteht sowas schon nicht? Aber der Alkohol, die dadurch um sich greifende Vergesslichkeit, eine Prise Egozentrik – und zack, schon wird die Fahrt zur nervigsten der ganzen Woche. (Ich bin mit der Woche noch nicht ganz durch, aber die Wette gehe ich ein!)

Nach seinem ersten Schub hab ich mich gleich versichert, ob er genug Geld dabei hätte. Hatte er nicht, er wollte es bei sich holen. Nichts, was mich bei so einem Gesprächseinstieg erfreut, aber er bot mir großzügig Ausweis und Handy als Pfand an.

Nichtsdestotrotz ging es 5 Minuten später wieder los:

„Mach doch das Taxameter aus!“

„Nein! Und ich hab schon erklärt, wieso.“

„Is‘ doch Scheiße. Machen wir’n Zehner, dit is doch ok!“

„Nein, isses nicht! Ich hab Dir gesagt, dass es um die 15 € werden. Da fange ich jetzt keine Spielchen an!“

„Ach komm, das macht doch keinen Unterschied …“

„Haste Recht, also bleibt’s bei den 15 €.“

„Hä?“

„Ja, hast doch selbst gesagt: Macht keinen Unterschied. Und ich will 15 € haben. Im Ernst: 10 reichen nicht.“

„Sicher reichen 10! Schon hundertmal gefahren die Strecke.“

„Junge, wir sind bei 9,20 € und erst in Weißensee …“

„Ja und? Fahr zu mir, ich geh hoch und hol Dir den Zehner. Mehr hab ich ja eh nicht.“

Irgendwann ist auch mal gut. Ich hab den Blinker gesetzt und an einer kleinen dunklen Nebenstraße angehalten. Er schien nicht sonderlich begeistert zu sein:

„HÄÄÄ? Was’n jetzt?“

„Du steigst jetzt hier aus!“

„Aber … ich hab doch kein Geld …“

„Das hab ich verstanden. Verpiss Dich gefälligst!“

„Ey Alter, so wollte ich das aber nicht!“

„Ach, auf einmal?“

„Ey, ich verarsch‘ Dich doch nicht. Ich zahl ja den Zehner!“

„Wenn Du einen Zehner zahlen willst, steigst Du hier aus. Ende!“

„Aber ich kann doch gar nicht bezah…“

„Junge, verzieh Dich einfach! Jetzt kann ich hier noch wenden und wieder in die Stadt zurück. Da finde ich dann Leute, die mich auch bezahlen.“

„Aber, Alter, Du checkst dit nich: Ich verarsch‘ Dir nicht! Ich bezahl‘ Dir!“

„Nein. DU checkst es nicht: 10 € statt 15 SIND Verarsche. Also hau ab und schönen Heimweg noch!“

Da stand er dann reichlich bedröppelt rum und moserte:

„Ey, ohne Witz: SO wollte ich das nicht, echt jetzt!“

„Ach, Du denkst, ICH wollte das?“

Das Ende vom Lied? Ich hab 9,80 € Fehlfahrt zu verbuchen. Die kickt mein Chef aus dem System und ist damit technisch quasi nie passiert. Der Depp hatte noch gut 4 Kilometer heimwärts zu wanken. Entweder er hat es gepackt oder noch einen Kollegen gefunden. Der Preis dürfte von dort aus auch noch etwa einen Zehner betragen haben. Optionslos war er also nicht. Keine Frage, dass ich ihm den Fußweg eher gönne. 😉

Und ich? Hab gewendet und noch vor seinen Augen Winker aufgenommen. Total lustige Tour für 12,20 € plus Trinkgeld nach Mitte. Und von da an lief es wie am Schnürchen weiter. Selbst mein Kilometerschnitt ist heute bombig gewesen, ganze 1,20 €. Ich schlag mir doch mit so einem Vollhonk nicht für ein paar Euro fünfzig die Nacht weiter um die Ohren, wenn es Leute gibt, die meine Arbeit honorieren und mit denen ich zudem Spaß haben kann.