Ganz frisch in der Birne hat der Typ nicht mehr gewirkt, der mich an der Frankfurter Allee unweit des Centers angehalten hat. Ich hab mich gefreut, für die Tour dorthin bin ich ewig am Ostbahnhof gestanden. Da passte mir eine zweite Tour ganz gut rein.
„Sachma, bringste mich nach Kaulsdorf?“
„Klar.“
„Für’n Zehner?“
„Nee, das wird etwas mehr kosten.“
„Aber es regnet. Mehr hab ich nicht. Machste oder machste nicht?“
Er ist schon mal zielstrebig auf die Türe hinten links zugegegangen in der Erwartung, sich gleich hinsetzen zu können. Festpreisanfragen sind das eine. Aber es dann auch noch als Selbstverständlichkeit auffassen, dass der Fahrer einwilligt? Nicht mit mir, sorry.
„Nö.“
„Nö?“
„Nö.“
„Ähm… is zum Bahnhof. Bahnhof Kaulsdorf.“
„Aber nicht für’n Zehner!“
„Nö?“
„Nö.“
„Ja, äh…“
„Ich wünsche dennoch einen schönen Abend.“
„Äh… ok. Dir auch.“
Ja, vielleicht kann man mal eine die Regel bestätigende Ausnahme machen. Aber ich sage es mal so: Es ist nicht so, dass ich nicht auch für manche Fahrten gerne das doppelte des Tarifs nehmen würde. Darf ich nicht, kann ich nicht, mach ich nicht. Nicht an beschissenen Montagen und auch nicht an Silvester. Deswegen bin ich auch relativ kaltherzig bei den gefühlten 30% der nächtlichen Fahrgäste, die der Meinung sind, ihre einzige Taxifahrt in 3 Jahren müsste ich jetzt aber selbstverständlich mit irgendeinem Rabatt belohnen.
Ganz abgesehen von der vielleicht auch manchmal recht unschönen rechtlichen Seite: Ich mach den Job ja gerne und ich bemühe mich, ihn auch gut zu machen. Aber ganz ehrlich: Ich muss auch ein bisschen Geld damit verdienen.