Sash = glücklich?

„So, dann wären wir bei genau 7,80 €.“

„Du hast Glück: Du kriegst mein ganzes Kleingeld!“

Sprachs und schüttete ihr Portemonnaie in meine Hand um. Ergebnis: 7,90 €.

Seltsame Definition von Glück. 0.o

Was sich so alles lohnt …

War ja eigentlich ’ne ganz nette Truppe heute morgen. Ich bin mir jetzt nicht sicher, wer da wen wirklich gemocht oder gehasst hat und was nur Spielchen waren – aber abgesehen von den folgenden Dialogen hatte ich durchaus Spaß. Es waren am Ende einfach drei junge Leute Anfang 20, die nach einer ziemlich umfänglichen Partynacht um 6 Uhr morgens noch eine Tour in den alleräußersten Nordosten Berlins für mich hatten.

Wir waren kaum losgefahren, da meinte der Typ neben mir schon:

„Mach mal 20 glatt und dann die Uhr aus.“

„Nö. Mach ich sicher nicht.“

„Jetzt komm! Auf’m Hinweg waren’s genau 28,80 €.“

„Ähm ja, ein Grund mehr, die Uhr nicht bei 20 € auszumachen.“

„Nee nee, Rest kriegste so. Haste mehr von.“

„Lass mal.“

Die Fahrt war entsprechend lange und er kam immer wieder drauf zurück:

„Nee, jetzt im Ernst – mach die Uhr doch aus. Dann musste’s deinem Chef nicht geben!“

„Vergiss es.“

„Warum denn nicht, sollst doch auch von was leben!“

„Das tue ich ja und ich hab nix davon, wenn mein Chef pleite geht, oder?“

„Des is‘ doch jetzt gar nicht das Thema!“

„Doch, isses.“

„Ach komm, Du hast doch eh nachher ’ne Leerfahrt zurück …“

„Ja, umso mehr gibt das keinen Sinn!“

An der ersten Adresse stiegen seine Kumpels aus. Die Uhr stand bei  26 €.

„Jetzt mach doch endlich die Uhr aus!“

„Nee – und jetzt komm: Jammer wegen der zwei Euro nicht rum!“

„Aber des sin‘ ja noch 5 bis bei mir!“

„Ach? Dann kommt das mit den 28,80 € aber nicht so wirklich hin …“

„Ja, weiß ja auch nicht.“

Ende der Fahrt. Endlich. Aalglatte 31 € auf der Uhr.

„Machste 35.“

„Danke.“

Was hat sich nun mehr gelohnt? 😉

So weit normal nervige Festpreisverhandler. Geht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Umso mehr an Tagen wie gestern, an denen bei mir der Umsatz ohnehin passt. Interessant wird die Geschichte im hier ausgesparten Mittelteil. Denn dort outete er sich als Mitarbeiter einer Firma, die viel (sehr viel!) mit dem Taxigewerbe zu tun hat:

„Und für wen arbeitest Du? Ach warte, müsste ja hier – ah genau! – was? Domek und Habel! Is‘ ja geil! Die kenn‘ ich sogar! Einer deiner Chefs war mal auf einer Veranstaltung mit mir. Ey, Du hast echt Glück, is’n korrekter Typ. Da hab ich schon ganz andere kennengelernt. Coole Sache, ey! Nee, kannste froh sein, dass es noch solche Leute gibt im Gewerbe. Genau die Leute, mit denen ich auch echt gerne zusammenarbeite …“

Ist das noch dumm oder sind da schon Anzeichen für eine Spaltung der Persönlichkeit erkennbar?

Nicht das Geld allein …

macht eine gute Fahrt aus. Insbesondere, wenn man mal betrachtet, was man bei so einer normalen Fahrt verdient. Nee, also ich für meinen Teil muss da nebenbei schon noch ein nettes Gespräch führen, was neues kennenlernen, irgendwas halt, das sich nicht nach stupider Arbeit anfühlt. Ich glaube, das ist der Unterschied zu den dauernd grummeligen Kollegen. Würde ich immer nur Euro und Minuten sehen, dann wäre Taxifahren wirklich ein außergewöhnlich beschissener Job und ich würde hier den ganzen Tag nur Rumranten und mich bedauern.

Aber, seien wir mal alle froh, is‘ ja nicht so!

Ein bisschen albern bin ich ja manchmal beim kürzesten Weg. Ich fahre hier und da wirklich gerne mal die Schleichwege, die der ein oder andere Kollege ignoriert und stattdessen die Hauptstraßen nimmt. Das ist rein kohlemäßig zwar eher kontraproduktiv, verträgt sich dafür aber hervorragend mit der Taxiordnung und der Kundenlaune.

So auch bei der Frau, mit der ich umgehend ins Quasseln gekommen bin. Dies und das, tolle Taxi-Erlebnisse, bla keks. Und dann standen wir plötzlich vor ihrer Türe.

„Oh! Äh, ich mein, äh, wow!“

„Was ist?“

„Ja, äh, gut gefahren!“

„Danke?“

„Ey, ich wusste ja, dass das nicht so weit ist – aber dass es die kurze Strecke gibt …“

Und ganz ehrlich: Es lässt sich drüber streiten, ob das schon die kürzeste und/oder sinnvollste war.  Aber natürlich hab ich das Lob gerne angenommen. Ebenso wie die 2,20 € Trinkgeld. Das ist zwar – wie eingangs erwähnt – nicht alles, aber schlechter werden die Fahrten durch die Kohle dann halt auch auf keinen Fall. 🙂

Zeit- und Magenmanagement

Bestellungen von euch Lesern sind immer angenehme Touren gewesen. Rein statistisch kommt zwar sicher mal ein Psychopath auf die Idee, mir persönlich zu sagen, wie scheiße er mich findet, aber bislang hatte ich da Glück. 🙂
So gesehen ist das Schöne schon einmal, dass ich mir bei den Fahrgästen sicher bin, meist kommen auch noch ganz ansehnliche Strecken oder gutes Trinkgeld zusammen. Im besten Fall läuft es wie am Samstag, da traf auf eine Fahrt, die ich schon zum zweiten Mal gemacht hatte, alles oben genannte zu.

Nun haben aber auch die schönsten Dinge Schattenseiten – und bei Leserfahrten bedeutet das, dass es eben meist vorbestellte Touren sind. Und die haben die Angewohnheit, deutlich mehr Zeit zu kosten als sie eigentlich dauern: man kriegt einfach selten punktgenau eine Fahrt zum entsprechenden Zeitpunkt in die entsprechende Richtung.

Der Samstag lief ja blendend. Es war ziemlich schnell klar, dass die Leser-Tour um 4 Uhr meinen Umsatz in extremen Höhen landen lassen würde, denn davor gab es kaum Pausen. Als die Uhr 3.10 Uhr anzeigte, war mir trotzdem klar, dass die nun folgende Fahrt die letzte davor sein würde, danach wäre es einfach zu eng. Dann stand es plötzlich vor mir, das junge Pärchen, und wollte nach Hellersdorf.
Ich hab mit mir gerungen, denn die Tour versprach gegensätzlichstes: zum einen war es insbesondere der Wetterlage wegen eine ziemlich abenteuerliche Vorstellung, vom Ostbahnhof nach Hellersdorf zu fahren und von dort ans Kottbusser Tor – in 50 Minuten. Zum anderen gab das aber ziemlich genau die Kohle, die ich noch brauchen würde, um mein Wochenziel zu erreichen und nach der langen Leserfahrt ins Umland nach 10 bis 11 Stunden Feierabend zu machen.

Manchmal siegt der Geldbeutel übers ungute Gefühl – ich hab sie eingeladen.

Sie eine resolute junge Frau mit blondem Kurzhaarschnitt und Lippenpiercing, er eher so ein bisschen im Britpop-Stil unterwegs, dank Alkohol jedoch eher weniger eloquent und selbstsicher. Aber das war ok. Sie machte die Ansagen und lästerte darüber, dass er etwas viel getrunken hätte. Er spielte das Spiel mit, gut gelaunt.
Während ich mich durch ein paar kleinere Nebenstraßen in Richtung Landsberger Allee durch den Schnee kämpfte, zog es plötzlich kalt an meinem Rücken, ich merkte, dass er das Fenster runterkurbelte. Beinahe zeitgleich rief ich „FUCK!“ und trat die Bremse durch (was dank vereistem Boden ein extrem angenehmes Anhalten war) während Madame fragte: „Alles ok, Schatz?“ und selbiger mehr gewollt als gekonnt aus dem Fenster spuckte.

Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, aber es ist recht wichtig, dass er noch nicht ernsthaft kotzte. Da kam zwar was hoch, aber er hat daraufhin das Fenster aufgemacht, um es einfach auszuspucken. Hat halbwegs geklappt, einen einzelnen kleinen Fleck an der Scheibe konnte ich gleich entfernen. Aber es war ja klar, dass das nicht alles gewesen sein würde, wenn wir die Fahrt einfach fortgesetzt hätten. Ich hab ihm die Tür aufgemacht, ihn rausgelassen und das Auto am Straßenrand in eine Lücke manövriert. Der Kollege, der sich an mir vorbeizwängte, sah mich fragend und mitleidsvoll an, ich hab den Daumen gereckt und gegrinst.

War ja nix passiert. Mein Fahrgast stand auf dem Gehsteig und versuchte, beim Kotzen die Balance zu halten. Hat geklappt, sah aber irre komisch aus. 🙂
Mit der Freundin hab ich über meinen Zeitplan gesprochen, sie aber auch beruhigt, dass ich schon wesentlich peinlicheres erlebt habe. Und ich hab angeraten, dass er ruhig alles rauslassen sollte, weil sie nicht wissen will, was ich an diesem guten Abend für ein vollgekotzes Auto für eine Rechnung ausstellen würde. Neben meiner Ansprache hab ich ihm Tücher angeboten und als er abgelehnt hat, hab ich gefragt, ob er wenigstens ein Bonbon gegen den Geschmack haben wolle. Er nahm an und formulierte seinen Dank wie folgt:

„Also schbin ja jetz – oh, sdess peinlich! – schier mit kotzn unn so, nee! Aber weissu: Du bis mal echt der wirklich voll total netteste Tassifahr, den ich jejeabtab!“

Ich hab’s etwas sachlicher beantwortet:

„Hey, ich will genauso wie ihr, dass wir die Fahrt ohne Probleme über die Bühne bringen, klar?“

Die Zeit eilte mir davon, der Minutenzeiger lag bereits im unteren Viertel des Ziffernblattes. Wir haben uns trotzdem die Minute genommen, ihm zu erklären, warum ich ihn nicht mehr an der Tür mit Kindersicherung sitzen haben will und dass er gefälligst nicht dran denken soll, ob ein Stopp peinlich wäre – sondern allenfalls, ob notwendig.

Dann ging’s auf die Landsberger, die restliche Fahrt ging bis auf einmal Abbiegen immer nur geradeaus. Das hat sicher geholfen. Mir saß ein wenig die Angst im Nacken, obwohl ich  ihn nun beobachten konnte. Wie alle Alkoholopfer, die sich von ihrem Mageninhalt überraschen lassen, war er nämlich ein fertiges, zittriges Häufchen Elend, bei dem man nie so genau wusste, ob er am einnicken oder wegkippen war. Da werden 10 Kilometer verdammt lang. Natürlich hab ich mich ein bisschen verflucht dafür, die Fahrt angenommen zu haben – aber jetzt, in dem Zustand, konnte ich die beiden gleich dreimal nicht irgendwo rauslassen. Also gute Miene zum bösen Spiel und am Ende ein immerhin recht schnelles Absetzen direkt vor der Haustüre. Keine Sekunde zu früh, direkt aus dem Wagensitz hat er nochmal eine Ladung nachgeschoben. Aber brav nach draußen. Wenigstens zurechnungsfähig war er am Ende dann doch.

Etwas missmutig hab ich am Ende festgestellt, dass auch der wirklich voll total netteste Tassifahr eine Tour von 25,40 € auf den Cent genau bezahlt bekommen kann. 🙁

Inzwischen hatten wir 3:43 Uhr. Da half alles nichts. Also hab ich telefonisch dazu angeregt, die Lesertour auf 4:10 Uhr zu verschieben. Dank extrem gutem Timing haben wir uns schon 4:09 Uhr getroffen und der Weg für die Abschlusstour war frei. Nochmal 20% Umsatz und 50% Trinkgeld auf die bisherige Schicht obenauf, wichtiger allerdings: eine nette Tour ohne jeden Ärger mit viel Spaß. Und danach hab ich Feierabend gemacht. Bei meinem Glück hätten mich dieses Mal auf dem Rückweg die selben Töffel wie damals angehalten und das wäre mir echt zu viel gewesen …

Kurzstrecke, is klar!

Es freut mich ehrlich gesagt oft, wenn Kunden von sich aus auf die Idee kommen, Kurzstrecke zu fahren. Nicht wirklich, weil ich darauf stehe, weniger Geld zu verdienen, sondern weil dann zumindest nicht mitten während der Fahrt noch der Einfall kommt. Dann kann ich schließlich das Taxameter nicht mehr umstellen und das Geschrei ist mitunter groß.

Jetzt aber stieg mir an der Greifswalder Straße einer ein, etwa Höhe Christburger. Und wollte zum Friedrichstadtpalast …

Ich hätte die Entfernung jetzt nicht auf Anhieb genau einschätzen können, aber dass es deutlich mehr als zwei Kilometer waren – um das zu erkennen, braucht man wahrlich nicht den Stadtplan auswendig lernen.

„Das wird nicht reichen.“

„Na ja, probier’s mal.“

„Ehrlich, das ist deutlich länger!“

„Is‘ ok. Ich hab auch noch mehr Geld.“

Er hat dann offenbar sein Smartphone gepackt und meinte irgendwann:

„Boah Fuck Digger! Das sin‘ ja echt noch vier Kilometer!“

Sag ich doch. 🙂

Also war die Kurzstrecke irgendwann zu Ende, das Taxameter piepte zweimal binnen 300 Metern (einmal bei 4,00 und einmal bei 7,00 €) und am Ende war die Chose mit unter zehn Tacken erledigt. Gab am Ende sogar noch gutes Trinkgeld, will mich also keinesfalls beschweren …

Mitnehmen

„Moin! Kann’s mich Richtung Friedrichshain ’n Stück mitnehmen?“

„Klar, natürlich. Ich kann Dich auch bis direkt dahin bringen.“

„Nee, des is‘ ja dann auch ‚bisschen blöd …“

„Wieso?“

„Na, ich hab ja gar kein Geld mehr …“

„Dann is‘ natürlich auch mit Mitnehmen schwierig.“

„Nur so’n bisschen?“

„Nee. Aber wir können gern noch an ’ner Bank Geld holen z.B.“

„Na, da is‘ ja auch nüscht mehr.“

„Dann musste wohl mit der Bahn fahren …“

„Aber die braucht so lange …“

„Könnte ich über dieses Gespräch auch sagen …“

„Ey, sag mal: mach Dich hier nicht lustig über mich! Was glaubst Du eigentlich, wer Du bist!?“

„Ähm, ein Taxifahrer, der’s eilig hat, würde ich sagen. Ciao.“

Ist über zwei Wochen her – jetzt darf ich mich hoffentlich wieder lustig machen. 🙂

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Netto

Also zuerst mal muss ich was über die Umfrage gestern sagen:

Faszinierend, dass sich über 60% dazu entschieden haben, Deko zu sein. 😀
Ich sollte wohl beim Formulieren etwas weniger witzig sein …

Große Stories hab ich nicht mehr rumliegen, außerdem tut mir das Tippen gerade etwas weh, weil ich mir – hier dürfen alle Beteiligten lachen – den Fingernagel am rechten Zeigefinger eingerissen hab. Die Rahmenbedingungen könnten also besser sein für einen langen Blogeintrag. Aber was kurzes zwischendurch:

Das mit der Wegfindung ist in manchen Ecken ja etwas schwieriger. Vor allem, wenn man zwar sein Navi nutzen kann, aber nicht einmal eine Hausnummer vom Fahrgast kriegt. Der, den ich vor ein paar Tagen im Auto hatte, hat sich der Informationspreisgabe durch sofortiges Einschlafen entzogen. Die Ecke in Pankow kannte ich nur so mittel, einen Kilometer vor dem Ziel wollte ich mich dann nicht mehr auf den elektronischen Helfer verlassen und hab das schnarchende Etwas geweckt:

„Hier gleich links?“

„Nee, erst beim Netto.“

Mist, find mal einen Netto nachts. War aber auch egal. Er schlief wieder ein und mein Navi korrigierte die Route auf drei Kilometer Rest. Hmm, sollte ich umdrehen? War mir dann aber egal – wahrscheinlich war das der Weg am Netto vorbei, was soll’s!

Bis ich bei ihm in der Straße stand, kam kein Netto mehr. Also vermutete ich den Netto direkt an seinem Haus IN der Straße. Hmm, auch nicht. Hab ihn dann nochmal wachgerüttelt und nach der Nummer gefragt. Er hat gesehen, dass wir schon vorbei waren – mit Wenden lag der Umweg am Ende wirklich locker bei drei Kilometern. Hab ich in dem Fall nicht an die große Glocke gehängt. Zeitlos schön dann der Abschlussdialog:

„Dann wären wir bei 20,40 €.“

„Nur? Mach mal 25.“

„Oh, danke. Eine Frage hätte ich aber noch: Wo ist bitte hier ein Netto?“

„Netto? Hier? Meine Freundin wohnt bei ’nem Netto, aber das ist in Weissensee. Wieso?“

Ach, unwichtig … 🙂