Bauchgefühle …

„Können wir bei Ihnen mit Karte zahlen?“

„Leider nicht.“

Ich hab den Kollegen hinter mir noch schnell gefragt, der hatte leider auch keinen Card-Reader.

„Wir haben nur noch 20 €, deswegen …“

„Wo müssen Sie denn hin?“

„Nach Marzahn, Poelchaustraße. Ecke Allee der Kosmonauten.“

„Das kriegen wir hin, steigen Sie ein.“

Als ob ich wirklich gewusst hätte, ob es reicht. Tatsache ist eigentlich nur, dass ich jedes Mal überrascht bin, wie günstig meine Taxifahrten nach Hause sind. Vom Ostbahnhof kommt man mit einem Zwanni nach Marzahn, die Frage ist halt, wie weit …
Trantütig, wie ich ja auch manchmal sein kann, hab ich zudem beim ersten Hören des Ziels an die Ecke Poelchau/Märkische gedacht. So kamen mir unterwegs dann doch Zweifel. Und das, obwohl ich großspurig verkündet hatte, dass das mit 19,50 € sicher machbar wäre. Ein bisschen Mäßigung täte manchmal wohl not. Auf der anderen Seite war eine 20€-Tour nun ja nicht der schlechteste Fang – und soweit ich mich erinnere, hab ich seit mindestens einem Jahr kein einziges Mal die Uhr früher ausgemacht. Für die berühmte regelbestätigende Ausnahme kam doch ein Rentnerpärchen mit schwerem Gepäck gerade recht …

Pustekuchen: Inklusive am Ziel wenden und zu einem Hinterhaus zu fahren waren es 19,40 €.

Es raushaben, ohne das zu wissen: Auch eine Art unterschätzte geheime Superkraft. 🙂

Wie die Parties heute losgehen …

„Passen hier fünf Leute rein?“

„Ja, Moment.“

Ein Großraumtaxi ist halt doch eine feine Sache. Auch wenn der Raum in der letzten Sitzreihe alles andere als groß ausfällt. Dieses Mal waren es nicht interessierte Kunden am Stand, sondern wagemutige Winker, die mich in Mitte aus einem Strom hellelfenbeinfarbener Wagen herausgezogen haben. Die Geräumigkeit der Zafiras scheint inzwischen bekannt zu sein. Obwohl der Wagen manchmal als sehr klein wahrgenommen wird

Naja, ich hab jedenfalls einen der beiden Zusatzsitze ausgeklappt und in der Truppe befand sich sogar eine recht kleine Person, die freiwillig hinter ihren Kumpels in den tiefsten Tiefen der 1925 verschwand. Die Zieladresse war zunächst eine kleine Straße in Friedrichshain, die mir natürlich auf Anhieb nichts sagte – obwohl ich an ihr sicher an die dreitausendmal vorbeigefahren bin in den letzten Jahren. Selektive Wahrnehmung kann ich.

Dort angekommen wollte ich wissen, wer nun aussteigt – da sich die allgemeine Aufbruchstimmung in Grenzen hielt.

„Niemand. Es kommt noch einer.“

„OK, also alle …“

„Nein, es …“

„Ich hab schon verstanden. Aber es müssen alle von der Rückbank, damit ich den zweiten Sitz hinten noch ausklappen kann.“

Erleichterung.

„Und dann? Wo soll es dann hingehen?“

„Zum Berghain.“

Viel Spaß mit einer Gruppe aus sechs Leuten an einem Tag, an dem die Schlange bis 50 Meter vors Gelände reicht …

Aber zunächst mussten wir auf Juan warten. Den hatte niemand fünf Minuten vor Ankunft angerufen, wie das so die Idee der meisten Leute ist. Stattdessen durfte ich bezahlt vor der Türe warten, wärend im Taxi von der überwiegend weiblichen Belegschaft bereits diskutiert wurde, ob sie ihn überhaupt reinlassen – also zumindest, wenn er „nicht heiß ist oder das Taxi zahlt“. Ich mag Menschen mit dieser Prioritätensetzung nicht unbedingt, aber erfrischenderweise war das verstrahlte Etwas, das nach zwei weiteren Minuten mit komplett derangierter Frisur aus dem Haus stolperte, in den Augen der Damen heiß. Geld hatte er jedenfalls nach eigenem Bekunden keines dabei.

Davor sollte es noch an eine Bank gehen. Die Sparkasse am Bersarinplatz sollte es nicht sein – also schlug ich den klitzekleinen Umweg zur Volksbank in der Warschauer vor. Wurde angenommen. Etwas irritiert muss ich kurz darauf auf die Frage reagiert haben, ob es eine Bordtoilette gäbe. Selbstverständlich aus der allerhintersten Reihe – was dann dafür sorgte, dass auch beim Bankstopp – obwohl nur eine noch Geld holen wollte, wiederum alle aussteigen mussten. Wohin sich die gute Frau dann an der Warschauer Straße genau zum Pinkeln zurückgezogen hat, will ich besser gar nicht wissen.

Für die 3,00 € Zuschläge hab ich dieses Mal ziemlich oft die Sitze umgeklappt. Immerhin hab ich ein wenig Mitleid bekommen, mit Trinkgeld sah es dagegen ziemlich mau aus.

Am Ende will ich aber nicht meckern. Von der Torstraße zum Berghain für knapp 22 € ist immerhin auch was, was man ohne eine solche Truppe legal niemals zusammenbekommen würde. 😉

Rekorde, Rekorde …

So, ich blogge mal wieder Sonntag morgens zum Feierabend. Natürlich nicht grundlos. Hinter mir liegt ein durchaus denkwürdiger Arbeitstag. Dass ich insgesamt elfeinhalb Stunden auf der Straße war, ist dabei nur das kleine i-Tüpfelchen.

Angefangen hat alles vor viel mehr Stunden. Bereits zur frühen Nachmittagszeit bin ich gestern zum Ostbahnhof getuckert, weil dort – nach langer Vorplanung – endlich mal der Maskierte zu mir stieß. Zum Zwecke einer Familienfeier angereist befand sich seine Maske wie versprochen nicht auf Position – was uns wahrscheinlich unangenehme Aufmerksamkeit ersparte. Die Fahrt führte weit in den Süden, ungelogen nach JWD, genaue Ortsangaben verbieten sich der Identität wegen. Selbst meinen Tracker hab ich rechtzeitig deaktiviert …

Ich hoffe, der IT-Master himself hat sich nicht durch die aufschaukelnde Stimmung in den Kommentaren hier genötigt gefühlt – tatsächlich hat er aber die Marke fürs höchste Trinkgeld noch einmal nach oben verschoben. So langsam kommen wir in Bereiche, in denen es selbst mir unangenehm wird, Summen zu nennen, deswegen sei nur gesagt, dass er mir nur einen Schein gab und sich der Betrag auf „unvernünfzig“ reimt. 😉

Die Fahrt war über alle Maßen angenehm, ich hab – obwohl bei dichtem Regen auf der Autobahn am Steuer – kaum mitbekommen, wie die Kilometer verflogen sind und selbst die 1925 hat sich an geeigneten Stellen widerstandslos auf Geschwindigkeiten beschleunigen lassen, die ich sonst eher von sehr weit unten sehe als Stadtfahrer. Wir eilten von Thema zu Thema, von Ausfahrt zu Ausfahrt – und am Ende waren wir plötzlich da. BÄM! Irgendwie immer ein bisschen schade.

Nach der Tour, die mich mit An-, Hin- und Rückfahrt fast vier Stunden Zeit gekostet hat, bin ich erstmal für drei Stunden ins Bett gefallen. Arg viel mehr hatte ich davor nämlich auch nicht geschlafen und in Kombination mit frühem Aufstehen (war genau genommen noch morgens!) verträgt sich das mit einer Samstagsschicht so gut wie illegale Drogen: Kein Bisschen.

Was dann kam, war ernüchternd. Und zwar nicht nur, weil ich in Gedanken noch bei der äußerst angenehmen Tour während des Tages war. Für einen Samstag lief es grottig und lange Zeit sah es so aus, als würde nicht einmal des maskierten Retters Trinkgeld ausreichen, meinen diesbezüglichen Schichtrekord einzuholen. Was außerordentlich absurd war.

Aber fast alle Fahrgäste im Laufe der (dank Mittagsschlaf) recht kurzen Schicht haben sich überaus knauserig gezeigt, selten hatte ich mehr Tips zwischen 10 (!) und 70 Cent. Deswegen sei hier noch schnell die letzte Tour erwähnt, denn deren Protagonisten haben dafür gesorgt, dass ich am Ende wenigstens centgenau auf dem bisherigen Rekord gelandet bin. Komplettiert wird der Witz nur noch durch eines: Es waren Schwaben. 🙂
Als wir uns voreinander geoutet haben, schallte mir von hinten noch folgendes entgegen:

„Sammoal, gibt des’n Rabadd?“

Am Ende beglich eine deutlich schweigsamere Mitfahrerin die Rechnung, indem sie um mehr als drei Euro aufrundete und meinte:

„M’r senn ja ned elle gleich!“

Abgesehen von den vorzeigbaren Finanzen (insgesamt lag ich am Ende immer noch unter dem Umsatz, den ich mir erhofft hatte) war es aber einfach auch eine tolle Schicht. Eine Menge erwähnenswerte und doch durch die Bank nette Leute im Auto, viel Spaß, eine Menge chilliges Rumcruisen und trotz langer Arbeitszeit das Gefühl, irgendwie entspannt zu sein.

Thumbs up!

Dazu natürlich allerbeste Grüße an den Maskierten, sowie die Bitte an Euch, seinem Blog mal einen Besuch abzustatten. Ein sehr sehr netter Mensch – und das sage ich nicht nur als Taxifahrer!

PS: Inzwischen ist auch des Maskierten eigener Text zur Fahrt mit mir raus und es freut mich ungemein, dass ich offenbar auch nicht zu nervig war. 🙂
Und ja, es lag am Grinsen!

Ende gut, alles gut!

Was ich öfter mal in Leserzuschriften und Kommentaren zu hören bekomme, ist, dass es für andere unvorstellbar ist, dass man als Taxifahrer nie so genau weiß, was man am Tagesende verdient haben wird. Das ist verständlich, schon alleine, weil es eine ziemliche Besonderheit ist. Wobei die Exotik dank zahlreicher Bonussysteme in anderen Bereichen ja durchaus Grenzen kennt. Was uns aber sogar noch von den in vielerlei Hinsicht finanziell ähnliche geschundenen Gastronomie-Mitarbeitern abgrenzt, ist wohl die Tatsache, dass es (zumindest hier in Berlin) nicht einmal einen noch so absurden Grundlohn gibt.

Aber, und das werde ich trotz aller Frechheit unserer Bezahlung nicht müde zu sagen: Dass im Laufe der Zeit wenigstens irgendwas passiert, ist im Grunde garantiert. Sicher, es gibt die ober-mega-hammer-miesen Schichten, von denen jeder Kollege am Stand erzählen kann, die Wahrscheinlichkeit lässt sich am Ende nicht austricksen. Das Beste aber ist: Man gewöhnt sich dran und geht viel schneller davon aus, dass eine Schicht scheiße läuft, als dass sie der Hammer wird. Mit dem Ergebnis, dass man – ok, zugegeben: vielleicht spreche ich hier nur von mir – viel öfter positiv überrascht wird als negativ.

Und da können wir zur Tour kommen. Die Schicht am vergangenen Freitag war ja alles andere als wirklich grottig verlaufen. Ein paar Touren sind schon zusammengekommen und auf einen normalen Werktag wäre ich mit den 140 €, die ich grob in der Kasse hatte, ja ganz zufrieden gewesen. Zumal viele Kollegen in den Stunden zuvor über schlechtere Ergebnisse gejammert hatten. Für einen Freitag war es natürlich alles andere als toll, insbesondere da ich – obwohl erst 4.30 Uhr – so langsam mit einem Feierabend in näherer Zukunft liebäugelte. Das Übliche „Na komm, eine Tour noch, dann reicht es auch mal!“.

Wider Erwarten wurde ich ausgerechnet am U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße rangewunken. Da ist zwar recht viel los in der Nacht, schließlich liegen dort im Umfeld einige Clubs verteilt – im Gegenzug sind dort aber auch massig Taxis unterwegs und obwohl ich dort immer auf Verdacht vorbeifahre, passiert so gut wie nie etwas.

„U-Bahnhof Leinestraße!“

„Kein Problem!“

In der Tat scheint es ziemliche Häufungen bei der Nennung von Bahnstationen als Ziel zu geben, die es erlaubt, irgendwann die meisten Anfragen mit „Kein Problem!“ zu beantworten, auch wenn man kaum 10% der Stationen wirklich kennt.

Eine Tour für vielleicht 12 €, schätzte ich grob. Mit Vergnügen nahm ich aber zur Kenntnis, dass das Pärchen sich in Überlegungen erging, auch ihre Heimreise – offenbar wohnte nur der junge Mann in Neukölln – mit dem Taxi anzugehen. Und das Fahrtziel Lichterfelde war zwar richtungsmäßig ziemlich genau das Gegenteil von Feierabend, die rund 30 € bis dorthin klangen im Gegenzug nach gutem Schichtabschluss.

Und das war es dann auch. Wenngleich ich mich einmal mehr gefragt habe, wieso Menschen eigentlich immer lügen müssen. Für 30 € hinkommen war kein Problem – da war sogar noch Platz für 2,40 € Trinkgeld. Aber was dieses „Mehr als 30 € hab ich aber nicht!“ soll, wenn man am Ende mit zwei Zwanzigern zahlt, das geht einfach nicht in meinen Kopf.

Aber sei es drum. War eine nette Tour, dank der netten Tour eine nette Schicht und gelogen wird ja so oder so immer.

Die 100%-Tour

Es gibt Dinge, die passieren einem als Taxifahrer nur sehr selten bis gar nie. Etwas leichter hat man es, wenn man nebenher schreibt und einen Haufen Leser hat, die wissen, was man mag und was nicht. Von so einer – zu 100% perfekten Tour – handelt dann wohl dieser Eintrag.

Die Uhr wehte frisch und der Wind stand auf kurz nach halb eins. Oder so. Ich stand am Ostbahnhof, dritte Rücke, die nächste Fahrt so in etwa einer halben Stunde in Aussicht. Am Samstagabend sind die toten Stunden zwischen 0 und 2 Uhr nicht ganz so extrem, aber immer noch spürbar. Ich schaute ein wenig um mich, als mein Blick an einem bekannten Gesicht hängen blieb. Und das bei meiner Gesichtsblindheit! Aber ich hatte mich nicht vertan, denn das bekannte Gesicht blickte erfreut zurück und der zu dem bekannten Gesicht gehörige Mund formte betont beiläufig folgende Worte:

„Na, wir kennen uns doch!“

Allerdings.

Christian, seines Zeichens Anwalt aus der Nähe von Hamburg, saß schon einmal bei mir im Taxi und ist Blogleser und (Selten-)Kommentator der ersten Stunde. Das konnte kein Zufall sein!

War es auch nicht. Zwar hat die Bestellung bei myTaxi nicht geklappt, da uns beiden ungefähr zeitgleich das Programm abgeschmiert war – aber dank meines Trackers (dafür hab ich den also!) hat er – und das ist etwas Neues – sich extra in die Bahn gesetzt, um zu mir zum Taxi zu fahren.

„Ich bin zufällig in Berlin und wenn’s Dir recht ist, dann würde ich vorschlagen, wir fahren ein bisschen rum, gehen bei laufender Uhr einen Döner essen und Du bringst mich danach irgendwann ins Hotel zurück. Wäre das ok?“

Ob das ok wäre? Na, aber hallo!

Und dabei bin ich zunächst noch davon ausgegangen, dass wir nur mal eben nach Kreuzberg rüber zum nächsten Döner gurken. Stattdessen interessierte sich Christian aber für so allerlei Blog-spezfische Plätze und schlug vor, ich könne ihm auch gerne meinen Heimatbezirk Marzahn zeigen. Stopp an einer Bank und an einem Döner allerdings obligatorisch!

Ich hab mich anfangs ein bisschen schwer getan damit. Ziellos durch die Gegend fahren ist nun wirklich so ziemlich das Letzte, in dem man irgendwie Übung hat nach viereinhalb Jahren im Taxi. Immer geht es nur um die kürzeste Strecke, den schnellsten Weg und das letztendliche Ziel. Und nun das. Ich hab mir aus dem Ärmel eine immer noch relativ geradlinige Route nach Marzahn einfallen lassen und ihm nebenbei die Abstellplätze des Autos und alles auch nur halbwegs interessante gezeigt. Aber im Grunde war sogar das nebensächlich, denn wir haben uns vor allen Dingen gut unterhalten.
Am Ende haben wir tatsächlich im Eastgate Geld geholt und beim Döner vor meiner Haustüre gemütlich was gegessen und getrunken. Und uns weiter unterhalten. (Gemeinsamer Buchtipp übrigens: Oliver Sacks – Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte)

„Ich wusste, dass es gut wird. Aber dass es SO gut wird …“

Da konnte und kann ich auch jetzt noch nur beipflichten!

Und all das, während die Uhr in der 1925 weiter vor sich hintickte. Wenngleich die Auslegung meiner Bestellung seitens des Personals beim Döner etwas abenteuerlich war, hatten wir also unsere Unterhaltung und führten diese bis zum Ende der üppigen Portionen fort. Selbst eine Raucherpause gestand mir mein Fahrgast noch zu, während ich immer noch nicht wirklich loslassen konnte von meiner Sorge, dass ich doch wenigstens dafür die Uhr kurz … ich bin wahrscheinlich wirklich unverbesserlich.

Auf dem Rückweg nahmen wir noch ein paar Eindrücke aus Marzahn, Lichtenberg und Friedrichshain mit – und nach ein bisschen Club-Sightseeing standen wir ungefähr eindreiviertel Stunden nach unserer Begegnung vor seinem Hotel und haben uns ausdauernd verabschiedet. Die Uhr zeigte knapp über 65 € an und ich nenne den Betrag nur, damit man ungefähr eine Vorstellung hat, was folgender Satz beim Bezahlen zu bedeuten hat:

„Ich weiß ja, Du magst keine großen Scheine. Aber wenn ich sage ‚Stimmt so!‘, dann geht das hoffentlich …“

Ja, es ist wahr. Die Truppe lustiger Jugendlicher mit ihrem Mördertrinkgeld haben in der Schicht leider nur den zweiten Platz gemacht. Dass mir an diesem Tag nichts mehr die Laune verderben konnte, ist wahrscheinlich verständlich, oder? 🙂

Kleines PS:

Das ist natürlich ein Erlebnis, das ich nicht meinem Beruf als Taxifahrer zu verdanken habe. Christian hat sich ausdrücklich für mein regelmäßiges und gutes Schreiben bedankt, was ich sehr zu schätzen weiß. Und ich möchte auch den Eindruck zerstreuen, das sei für mich einfach ein tolles Geschäft gewesen. Natürlich ist so eine Tour der Hammer und unter dem Gesichtspunkt hab ich’s hier natürlich auch runtergetippt. Aber übers Finanzielle hinaus war es einfach ein netter Break, eine kleine Pause im wuseligen Wochenendbusiness, ein bisschen Erholung nebst viel Spaß. Christian möchte ich zu diesem Anlass natürlich besonders danken, aber es ist ja nicht das erste nette Erlebnis mit Euch Lesern. Und ich glaube sagen zu können, mit allen von Euch Spaß gehabt zu haben.

„Ist gut, ehrlich!“

Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob das ein Versehen war. Aber nichts spricht dafür.

Ich muss dazu sagen, dass ich am vergangenen Samstag eine fantastische Schicht hatte. Was insbesondere damit zusammenhing, dass mich gleich drei Leser aufgespürt haben. Zumindest eine der Touren werde ich gesondert erwähnen müssen, die war nämlich auch abgesehen von den mehr als nur ausgeglichenen Finanzen einfach geradezu eine entspannende Pause in einer sonst doch eher hektischen Wochenendschicht.

Nun will ich aber erst einmal das Feld von hinten aufrollen und eine der letzten Fahrten ins Visier nehmen.

Ich erhoffte, nach gutem Umsatz und noch besserem Trinkgeld, mit gutem Gewissen ein kleines Päuschen an meiner Stammhalte einlegen zu können. Ich kam auf dritter Position zu stehen, einer vor mir fuhr gleich weg, dann bekam ich aber doch noch die Gelegenheit, auszusteigen und eine Zigarette zu rauchen. Diese war noch nicht einmal zur Hälfte beendet, da wurde ich von einer Gruppe junger Leute gefragt, ob mein Auto ein Großraumtaxi sei. Ich bejahte, verwies aber auf den recht knappen Platz in der letzten Reihe.
Für diese fand sich aber problemlos eine junge Dame, der Rest ging dann schnell. Fünf Leute saßen im Auto und arbeiteten eine Route mit drei Stopps aus. Hervorragend, hatte ich doch zum Erreichen meines finanziellen Ziels allenfalls noch 7 € offen.

„Erstmal Flughafenstraße.“

Damit wäre das mit dem Geld erledigt.

Die darauffolgenden Stopps reihten sich wie Perlen auf einer Schnur, im Wesentlichen fuhr ich einen sehr an ein Rechteck angelehnten Halbkreis. Die Leute waren alle total umgänglich, ich hätte ihnen zudem im Vorbeigehen Nüchternheit attestiert. Freundschaftliche Atmosphäre, nettes Gepläkel beim Aussteigen, alles super. Die Uhr kam bei 18,60 € zum Stehen und ich verkündete der letzten Mitreisenden aus reinem Spaß an der Freude:

„Das wären dann 18,60 €. Und wegen der 1,50 € Zuschlag für die fünfte mach ich heute auch keinen Terz.“

Ich hatte kurz davor bemerkt, dass ich den Zuschlag noch nicht gedrückt hatte – und ich wollte jetzt einfach nicht noch sagen: „Da kommen aber noch …“ Manchmal siegen Faulheit und Bequemlichkeit, und wann, wenn nicht an einem Tag wie diesem, ist das mal ok?

Meine verbleibende Fahrgästin kramte in ihrem Portemonnaie und reichte mir ihren Fund weiter:

„Vielen Dank. Stimmt so.“

Ich war verunsichert. Ich wollte schon einfach die Kohle einsacken, beinahe hätte ich es selbst übersehen. Ich hielt ihr meine Hand mit dem Geld noch einmal hin:

„Ähm, ganz ehrlich: Sind Sie sicher? Wir waren bei 18,60.“

Sie bejahte und versicherte noch einmal:

„Glauben Sie mir, das ist gut so.“

Also hab ich das Geld eingesteckt. Die ganzen 33 €.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

JWD-Warten

Die letzte Woche lief umsatzmäßig irgendwie nicht so richtig. Das ganze Wochenende hab ich durchschnittlich gefühlt eine Stunde auf jede Fahrt gewartet. Realistisch wird’s immer noch eine halbe gewesen sein. Und dann kamen Touren zwischen 4,40 € und 11,20 € dabei raus – also zumindest mal nichts, was die Zeit wieder ausgleicht. So gesehen war ich dann außerordentlich erfreut, dass zwei Mädels eingestiegen sind und vom Ostbahnhof bis nach Tempelhof gebracht werden wollten. Immerhin mal so 15 bis 18 €!

Über die Fahrt gibt es auch gar nicht viel zu sagen, es war die durchschnittlichste Durchschnittstour mit unspektakulärem Smalltalk, mittelprächtigem Trinkgeld und langweiligen Verkehrsbedingungen. Nur solche Touren, dann wäre GNIT tot.

Aber das Leben ist ja bekanntlich eines der tollsten, so bekam ich auf dem Rückweg nach nur wenigen Metern Winker. Vier Jungs um die 25, und obwohl zweifelsfrei angetrunken sehr angenehme Kundschaft. Nicht nur erträglich, sondern sogar nett und im Gegensatz zu vielen Betrunkenen sogar ohne nervige Stammtisch-Niveau-Diskussionen.
Sie fragten mich, ob es ein Problem wäre, wenn wir an drei Adressen halten würden, zumal es – ach wie schlimm! – am Ende sogar bis nach Großbeeren rausgehen würde. Na, holla die Waldfee! Ich war schon verzückt, ohne zu wissen, dass das am Ende tatsächlich eine 30€-Tour werden würde. Schließlich kenne ich mich im Berliner Umland allenfalls ein bisschen besser aus als in London. Was wohl daran liegt, dass ich in London noch gar nicht und im Berliner Umland nur recht selten war.

Einen nach dem anderen hab ich die Jungs in den südlichen Stadtteilen rausgelassen, bis mein Beifahrer letztlich alleine bei mir saß und mir den Weg nach Großbeeren wies. Freiwillig. Ich hätte das Navi ja angeschmissen, aber er wollte mir die Strecke gerne zeigen. Seine gute Laune war leicht getrübt, denn er war rund eine Stunde später unterwegs als erwartet und er fürchtete, dass seine Freundin ihm das nicht so ohne weiteres durchgehen lassen würde …
Das aber war nicht das Einzige. Noch dazu hatte er kein Geld dabei, das würde ich erst bekommen, wenn er sich mit einem Kumpel trifft, der – warum auch immer – im Besitz seiner Bankkarte sei. Aha. Im Gegensatz zu vielen Kollegen finde ich sowas zwar mitunter erstaunlich und komisch, nicht aber schlimm.

Das Ganze verzögerte sich noch, weil der Kumpel uns wohl irgendwie entgegenfuhr, am Ende warteten wir vor der Bank im Ort. Der Heils- und Geldbringer sollte gleich kommen, also lehnte ich mich zurück. Die Uhr stand mittlerweile bei 29 € und ich sah dem Kommenden relaxt entgegen. Noch zwei bis drei Minuten Wartezeit – besser als alles, was zeitgleich in Berlin passierte, da war ich mir sicher. Und dann:

„Willste die Uhr nicht mal ausmachen?“

Trotz dieser über alle Maßen lukrativen Tour bin ich da ein bisschen allergisch. Ich werde nur nach Umsatz bezahlt und in der Zeit, in der ich nicht bezahlt werde, möchte ich machen können, was ich will. Inklusive lauter Musik, rumcruisen oder gepflegt einen Furz in die Sitzpolster drücken. Was ich natürlich nicht mache, wenn Kundschaft anwesend ist.

(Wobei einige insbesondere letzteres durchaus verdient hätten 😉 )

Auf der anderen Seite war er halt bislang auch wirklich nett, eine Minute warten ist eh umsonst und zwei weitere würden ohnehin nur knapp einen Euro bringen. Allerdings, so muss ich auch anmerken: Ein Preis knapp über 30 € wäre schon gut gewesen, schließlich fällt da eine psychologische Barriere beim Trinkgeld. Von 29 rundet es sich eben leicht auf 30 auf, bei 30,80 € dürfte der Durchschnitt wesentlich höher liegen. Aber hatte ich schon erwähnt, dass ich einen netten Fahrgast hatte?

„Und mach Dir mal keinen Kopp. Du kriegst sowieso 35 € von mir. Den Fünfer Trinkgeld kannste gleich haben – und mein Kumpel is‘ in zwei Minuten hier!“

Mir ging’s gut genug, um es auf einen Test ankommen zu lassen. Ich hab die Uhr bei 29,20 € gestoppt, auf die Uhr geschaut und den Fünfer einkassiert. Zwei Minuten später war der Kumpel da, nach einem kurzen Bankbesuch von unter einer Minute auch das Geld. Auch hier natürlich glatte 30 €.

Unter den Umständen kann man natürlich über alles reden. 🙂