Lügenbarone

Was mir heute mal wieder bewusst geworden ist: Wie verdammt oft ich im Taxi mit Lügen konfrontiert werde. In der Regel sind es die üblichen Kleinigkeiten, und meist nehmen sie im Gespräch keinen Raum ein, der einen eigenen Blogeintrag rechtfertigen würde.

Ich meine nicht diese dummdreisten Lügen, wo man dem Taxifahrer erzählt, man hätte aber leider nur noch 20 €, obwohl man in Wirklichkeit einfach nur nicht mehr zahlen will. Ich meine die Lügen der Menschen untereinander. Heute hatte ich einen im Auto, der direkt nacheinander zwei Freunde oder Freundinnen angerufen hat. Person 1 bekam zu hören:

„Ja du, mir geht es grad nicht so gut. Ein anderes Mal. OK, ciao!“

Für Person 2 war folgendes bestimmt:

„Ja, bin schon im Taxi. Nee, geht klar. Bin in zehn Minuten da. Bis dann!“

Außer mir hat das natürlich keiner mitbekommen…

Es gibt einem zu denken. Ein bisschen unehrlich ist man natürlich öfter mal. Ich vermute, keiner hat noch nie eine Notlüge benutzt – mir persönlich wäre es allerdings ein wenig peinlich, das so dreist vor einem Dritten zu zelebrieren. Wahrscheinlich geht das nur des alten Irrglaubens wegen, Taxifahrer würden einer Schweigepflicht unterliegen 🙂

Ach ja, bei der ganzen Geschichte musste ich dann allerdings an den Oberchef schlechthin denken, der wirklich die mieseste Lüge ever gebracht hat.

12 Kommentare bis “Lügenbarone”

  1. Ich finde die Tatsache dreist, dass er einer Person absagt..und der anderen zusagt..aber eigentlich müssten wir uns ja alle nicht wundern..so sind wir Menschen und es gibt nichts, was es nicht gibt.

  2. Hätte er z.B. folgendes sagen sollen: „Alter, du nölst seit Wochen mit ein und derselben Geschichte rum. Ich hab dir tausendmal gesagt, was du tun kannst, aber du schlägst jeden Ratschlag in den Wind. Deswegen habe ich heute auf deine Hackfresse so gar keine Lust, dass ich lieber mit jemanden Spaß habe, der sein Leben im Griff hat.“

    Wäre offen und ehrlich, aber manchem Freund möchte man auch nicht derart vor den Kopf stoßen. Insofern kann ich eine Notlüge dieser Art sehr gut verstehen und finde da auch nichts verwunderliches dran.

  3. Petra sagt:

    @Den Maskierten:
    Ja, das wäre ehrlich, aber wieviele Freunde hat man dann noch irgendwann??

    Aber bei vielen ist es so üblich geworden, erst einmal Verabredungen zu sammeln, bevor man sich die besten raussucht.

  4. Sash sagt:

    @alltagimrettung:
    Klar, man kriegt es nur normalerweise nicht mit 🙂

    @Der Maskierte:
    Sicher, die ganz harten Fälle gibt es auch. Aber manchmal überrascht einen die Abgebrühtheit dann eben doch…

    @Petra:
    Wenn man wirklich sammelt, dann isses definitiv mies. Ist auch was, was erst seit der Massentauglichkeit des Handys funktioniert 🙂

  5. Seismo sagt:

    Gibts in Deutschland keine Schweigepflicht für Taxifahrer? In Österreich unterliegen wir der Schweigepflicht, und das finde ich auch gut so.

  6. Sash sagt:

    @Seismo:
    Also wenn das kein Scherz ist, dann finde ich das daneben. Sicher, ich freue mich auch, dass meine Kunden mir Dinge anvertrauen. Und ich würde hier im Blog niemals jemanden so genau benennen, dass er eindeutig identifizierbar ist – oder andersrum identifizierbare Leute (Prominente) irgendwie vorführen, indem ich die Gespräche mit ihnen ausschlachte. Aber auf der anderen Seite kann jeder im Taxi schweigen und meine vertragliche Pflicht beschränkt sich auf die Beförderung. Wieso sollte beispielsweise jemand, der so blöd ist, und vor mir mit einem Verbrechen angibt, zwingend ungeschoren davonkommen?
    Wie gesagt: Ich weiss es zu schätzen, wenn sich Kunden mir anvertrauen und dieses Vertrauen zu missbrauchen würde mir (außer hier anonymisiert) nie einfallen. Aber wenn ich mit all dem Zeug alleine klarkommen müsste, dann sollte auch eine entsprechende Ausbildung her!

  7. Oder die Menschen denken das der Fahrer sich einzig und allein auf den Verkehr konzentriert bzw sich nicht für die Unterhaltungen interessiert.
    Meist sehen die Gäste dich ja nicht wieder,vielleicht ist man dann auch noch hemmungsloser.

  8. MsTaxi sagt:

    In Sachen „vertrauliche Gesprächsthemen“: Meiner Meinung nach bringt die räumliche Nähe manchmal eine Art Spontan-Intimität mit sich, die dann dazu führt, dass die Gesprächsthemen sehr persönlich werden können – im positiven wie negativen Sinne. Der zudem vorhandene Charakter des Kurzfristigen und Vorübergehenden, der der Gesamtsituation dann auch noch anhaftet, trägt dann sicher auch zu einer Art „Enthemmung“ im Redeverhalten bei. Eine Art Beichtstuhlsituation halt, wenn auch ohne den entsprechenden weltanschaulichen Hintergrund.

    Ich sehe es aber ähnlich wie Sash: Weder der eigentliche Auftrag (Transport von Personen) noch die nicht vorhandene psychosoziale Ausbildung sprechen für eine Art „therapeutische Schweigepflicht“. Therapie im Taxi? Mannmannmann, müsste dann der Fahrpreis steigen bei der übernommenen Verantwortung 🙂

  9. Sash sagt:

    @Altenheimblogger:
    Das natürlich auch. Aber manche Leute kriegen es eben auch hin, sich leise zu unterhalten. Da sperr ich dann auch nicht die Ohren auf, um ja noch alles mitzukriegen.

    @MsTaxi:
    Diese „Spontan-Intimität“ existiert zweifelsohne. Aber so wie ich ja auch irgendwie dem Umstand Rechnung tragen muss, dass ich menschliche Kundschaft an Bord habe, müssen irgendwie auch die Fahrgäste realisieren, dass sie von einem Menschen gefahren werden.

  10. ednong sagt:

    Wie? Es gilt keine Schweigepflicht für Taxifahrer? o.O

  11. Sash sagt:

    @ednong:
    Ja, sie werden dich also kriegen. Traurig aber wahr 🙁

  12. […] Aber sei es drum. War eine nette Tour, dank der netten Tour eine nette Schicht und gelogen wird ja so oder so immer. […]

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