Sachen gibt’s …

Da stiegen nun also Kunden beim Kollegen am ersten Halteplatz ein … und wieder aus. OK, das kommt vor. Kann ja alles bedeuten: Entweder hat der Kollege illegal eine kurze Fahrt abgelehnt, weiß nicht, wo das Ziel ist, ihm sind die Kunden zu betrunken, der Kartenleser funktioniert nicht oder die Tour geht weit ins Umland, und sie konnten sich nicht auf einen Preis einigen. Und es gibt sicher noch ein paar Optionen, die ich vergessen habe. Anstatt nun eine dieser Geschichten zu bestätigen, haben mir die Kunden auf meinen fragenden Blick folgendes erzählt:

„Dein Kollege hat geschlafen.“

WTF?

Aber ja, das Automodell fährt auch einer der Schläfer, die ich hier schon mal (wo war das nochmal?) erwähnt habe. Der, der vom Hupen der Kollegen eh nicht wach wird und dann halt gerne mal stundenlang überholt und belächelt wird. Schlimm genug! Aber dass er es nicht einmal mehr mitkriegt, wenn Kunden einsteigen (!), was will man dazu sagen?

„Weißt Du, wir haben erst gedacht, der verarscht uns. Der hat so lautstark geschnarcht und gegrunzt, als ob er einfach keinen Bock hätte, uns mitzunehmen und deswegen schauspielert. Aber ich glaub, das war echt. Das macht mir Angst!“

Auch ich werde während der Nachtschicht mal müde. Aber alter Schwede, was für ein Level ist das denn bitte?

„Besonders nett“

Auch wenn ich gestern noch einmal einen Rant loswerden musste: Ich bin ja im allgemeinen sehr dankbar über Kundschaft und entsprechend auch nett zu ihr. Manchmal hab ich die Vermutung, ich wäre sogar nett, auch wenn sie mir kein Geld bringen würde, aber schließt daraus bitte nicht auf psychologische Anomalien!

Nun also ein Kunde am Tierpark. Gott sei Dank! Ich war einen ziemlich weiten Weg in Richtung Heimat gefahren, in der steten Hoffnung, auf die verkorkste Schicht wenigstens noch ein kleines Winkerkrönchen setzen zu können. Der Kunde war zwar leicht angeschlagen, aber das wirklich nur in dem Sinne, dass man merkte, das er getrunken hatte. Gefahr durch Brockenlachen, Totalausfall oder völlige Enthemmung war nicht gegeben. Aber wir mussten umdrehen. Weil er seinen Schlüssel vergessen hatte.

„Kein Problem, kriegen wir hin!“

„Ehrlich jetzt? Na Du bist ja mal’n besonders netter Taxifahrer!“

„Wieso? Für sowas sind wir doch da.“

„Naja, aber manche Kollegen gucken immer gleich so und …“

„Kann sein. Das sind dann die, die meiner Meinung nach Pakete ausfahren sollten. Pakete quatschen nicht und haben keine Sonderwünsche.“

„Hihi. Naja, ick bin ja auch betrunken … aber nicht so, dass ich jetzt von mir aus irgendwie Stress mache oder so.“

„Dann wird das ok sein. Ich von meiner Seite aus hatte auch nicht vor, jetzt Streit anzufangen.“

Waren am Ende satte 30 €, Streit gab’s ebenso keinen. Und ich war nüchtern genug, ich hätte das bemerkt. 😉

Nummer zwei

Ich muss nochmal auf einen alten Eintrag zurückkommen. Leider nicht den schönsten, ich meine den mit der „Nebelkrähe„: Das Pärchen, das obwohl so begeistert von meinem für ihre Einschränkungen so praktischen Auto war, aber wegen einer draußen gerauchten Zigarette ausgerechnet zum kettenrauchenden Kollegen gelaufen ist.

Ich hab heute das erste Mal seitdem den Kollegen gesehen.

Und: Er hat das Ganze auch noch in ziemlich lebhafter Erinnerung. Dass er geraucht hat, hat natürlich niemand bemerkt, wohl aber hat er sich 5 Minuten während des Einstiegs, 2 Minuten während der Fahrt und dann nochmal 5 Minuten, bevor sie über einen Ausstieg auch nur nachdenken wollten, erzählt bekommen, was „die Taxifahrer“ (also ich) aber auch ihre Nachbarn für „miese Fotzen“ sind, weil sie sie so belästigen. Sie haben den Kollegen sogar gebeten, extra langsam am Ostbahnhof vorbeizufahren, damit wir anderen neidisch werden auf ihn.

Bei immer noch 6,30 € + 70 Cent Trinkgeld wohlbemerkt. *Slow clap*

Ich hatte meine Entscheidung neulich schon gefällt. Aber ratet mal, wer da nächstes Mal „die Sicherheit und Ordnung des Betriebs“ sehr weit auslegen wird, wenn’s um die Beförderung zumindest der werten Dame geht?

Mein gesammeltes Mitleid passt in den Punkt hinter diesem Satz

(Na, da ist der Punkt heute aber klein ausgefallen, was? 😉 )

Gewöhnungssache

„Ja, die Party geht jetzt weiter, wir sind eigentlich schon in einem anderen Club gewesen und jetzt mit der Bahn hergefahren, mal sehen, ob da noch was los ist …“

Da sprang ihre Freundin ein:

„Ach ja, die redet immer mit allen Taxifahrern, da müssen Sie sich jetzt dran gewöhnen!“

Na, da hab ich ja aus meiner Komfortzone raus müssen: Mich an sprechende Kunden gewöhnen, und in diesem einen speziellen Fall ganze anderthalb Minuten lang (Ostbahnhof bis Warschauer Straße). Wenn mir das öfter passieren sollte, fange ich am Ende noch damit an, über meinen Job zu schreiben! 😉

 

Den Kürzeren ziehen

Neid ist eigentlich nicht so mein Ding. Gerade im Job!

Wir kriegen alle mal kürzere und mal längere Fahrten, so ist das halt. Deswegen lehne ich kurze auch nicht ab, das gehört dazu. Oder wie ein Kollege gerne sagt:

„Mal verlierst Du, mal gewinnen die anderen.“

😉

Aber es ist schon bitter, wenn ein Kollege am Stand sagt, er hätte da einen Coupon-Auftrag und wisse nun nicht, wo er sich genau hinstellen solle. Dann kommen ein paar andere Leute mit Coupon und steigen ins Taxi vor mir ein und fragen, ob eine Fahrt nach Frankfurt (Oder) auch ok wäre. Ganz zu schweigen vom dritten Kollegen, der drei Stunden später auf die Frage, ob er auch eine lange Fahrt gekriegt hätte, mit:

„Ach? Du nicht?“

antwortet, weil er auch in Frankfurt war.

Und ausgerechnet bei mir sind zwei Frauen eingestiegen, die sich davor schon satte  30 Minuten telefonierend am Taxistand rumgetrieben haben, sich aber erst als der Coupon-Reigen losging, dazu durchringen konnten, einzusteigen.

Orrr!

Das Traurige ist: Die Fahrt ging nach Köpenick und hat wirklich sehr gute 28 € gebracht. Ich sollte mich eigentlich nicht beschweren dürfen. Aber wenn zum selben Zeitpunkt mindestens drei andere für irgendwas zwischen 170 und 200 rausgegangen sind, fühlt man sich dezent in den Arsch getreten. 🙁

Dreißig, gebongt!

Ich hätte das einfach sagen sollen:

„30? Gebongt!“

Ich bin mir sicher, einige Kollegen – und vermutlich nicht einmal nur die sowieso dunkelgrauen Schafe – machen so gelegentlich ein paar Euro extra.

Worum ging’s? Natürlich mal wieder um absolute Planlosigkeit bezüglich Ortskunde und Taxitarif. Ich hab die beiden Winker zwischen Marzahn und Friedrichsfelde aufgegabelt und sie widersprachen sich ständig beim Ziel Also im Kleinen. Im großen Ganzen war klar, dass sie irgendwo in die Nähe des Lichtenberger Bahnhofs bzw. des Krankenhauses dort hinmussten. Und mein kurzzeitiger Beifahrer meinte dann eben:

„Aber mehr als 30 is nich, Meister. Kriegen wir das hin?“

Es wäre so leicht. Einfach sagen, dass das gerade noch so in Ordnung wäre und dann die Uhr auslassen. Wie das in den Fingern juckt, kann man sich sicher vorstellen, wenn man bedenkt, dass das eine glatte Verdopplung des Umsatzes gewesen wäre und beim Auslassen der Uhr komplett schwarz den Verdienst sogar vervierfacht hätte.

Und ich? Ich hab erstmal zu lachen angefangen. Für die Strecke 30 € kam mir einfach viel zu grotesk vor, um das ernst zu nehmen. Aber dem Fahrgast war’s halt wichtig:

„Wirklich! Mehr hab ich nicht, ich will da auch einfach ehrlich bleiben, verstehste?“

„Verstehe ich. Und ich will auch ehrlich bleiben: 30 € reichen vermutlich bis Schöneberg, stell dich mal lieber auf maximal 15 ein, ok?“

So lustig wie ich fand er’s nicht. Aber das Trinkgeld am Ende war ok. Immerhin.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Dann halt so

Ich war bereits ein paar Stunden auf der Straße und hatte nur einen semiguten Umsatz zusammengefahren. Dass die Schicht noch nicht verloren war, wusste ich auch – aber so langsam drängte sich mir doch die Frage auf, wie ich mein Ziel noch würde erreichen können; ich lag einfach wirklich etwas arg unter Soll. Und dann ein Winker, in Mitte:

„Kurze Frage: Potsdam?“

Hat sich fast ein bisschen wie Cheaten angefühlt. 😀