Hi? 🙂
Meine Güte, ist das hier alles lange her. Und um die erwartbaren Nachfragen gleich vorweg zu beantworten:
1. Nein, ich fahre nicht wieder Taxi.
2. Ja, es fehlt mir manchmal mehr als mir lieb ist. Das alles hier fehlt mir manchmal.
Ich weiß, dass das hier sicher noch ein paar Leute lesen, viele haben ihre Blogs nicht aus dem Reader geschmissen, ich weiß aber auch, dass ihr nicht mehr viele sein werdet. Ich hab das Lesen von Blogs eigentlich auch völlig eingestellt, das Leben zieht weiter.
Und wenn wir schon beim Leben sind:
Das offensichtlicheste: Ich lebe noch. War prinzipiell bei meinem Alter zu erwarten, doch man weiß ja nie. Aber meine Güte, ist das Leben weitergezogen. Das erste Kind habt ihr hier alle noch mitbekommen, inzwischen sind es zwei. Ich hab Berlin gegen Bingen am Rhein getauscht, aber davor kam noch eine recht amüsante Zeit, in der ich die Seiten gewechselt und mich in Berlin für die Senatsverwaltung für Verkehr um die Ampeln gekümmert habe. Selbst das kommt mir inzwischen wie ein anderes Leben vor. Eigentlich wollte ich nur kurz eine Anekdote loswerden, wie ich im vergangenen Urlaub vor ein paar Wochen mal versucht habe, Taxi zu fahren, aber ihr seht, ich bin ein bisschen darauf eingestellt, dass ich zu allem, nur nicht dazu gefragt werde. Und das ist ok, nur zu. Wenn die Spammer es hin und wieder hinkriegen, schafft auch ihr es in die Kommentare. 😀
Ich war an diesem Samstag vor einem Monat im beschaulichen Seesen unweit der A7 eigentlich der perfekte Fahrgast. Ich hatte eine Taxifahrt von ungefähr 90 Kilometern im Angebot und auch wenn ich das nicht so offen am Telefon sagen wollte: Das Geld war mir vollkommen egal.
Wie landet man an so einem Punkt? Ich hab mich das damals bei meinen Fahrgästen ja auch bisweilen gefragt.
An diesem Tag hatte ich eigentlich vor, bescheidene 955 km in unserem Auto zurückzulegen. Ein Zafira Tourer, das wird einige hier sicher freuen. Urlaub in Dänemark. Das Auto war vollgepackt bis unters Dach, die Kinder für das Vorhaben ganz guter Laune und ich hatte überraschend gut geschlafen. Die ersten 300 Kilometer haben wir bestens geschafft, als nächstes stand ein kurzes Einkehren zum Frühstück bei der goldenen Möwe an. Was man so macht auf solchen Fahrten. Ein Autohof, den wir schon kannten. Ein Jahr zuvor haben wir im Motel in 100 Metern Entfernung übernachtet, weil wir einen ähnlichen Weg nachmittags begonnen und nicht an einem Tag durchziehen konnten.
Naja, jedenfalls qualmte das Auto, als wir es auf dem Parkplatz abstellten und ein kurzer Blick in den Motorraum zeigte uns, dass da eine untypische Menge Motoröl extern verbrannt wurde, weil es einen Weg aus dem Motor gefunden hatte. Unschön. Vor allem für einen Tag, an dem noch 650 km vor uns lagen. Ab da war es schwierig, auf dem Land eine Werkstatt zu finden, die Samstags offen hat und als wir dann eine hatten und das Auto dorthin geschleppt worden war, waren die natürlich auch ein Weilchen mit der Diagnose beschäftigt. Als dann klar war, dass wir die nächsten zwei bis drei Tage mit dem Opel nirgendwohin fahren würden und dass wir uns von so einer Kleinigkeit nicht den Urlaub versauen lassen würden, haben wir uns einen Mietwagen organisiert. Am Flughafen Hannover, was eben so ungefähr 90 km entfernt war. Es war die einzige Option, das könnt ihr mir glauben.
Ihr könnt das ganze Desaster auch gerne in meinem privaten Blog nachlesen, da schreibe ich nämlich inzwischen wieder gelegentlich.
Während der Rest der Familie inzwischen ins Motel umgezogen war, stand ich nun vor der Werkstatt. Wir hatten (mit Mietwagen aber noch ohne zu wissen, was die Reparatur kosten würde) in den paar Stunden schon ungeplante Mehrkosten über 1.000 € angehäuft, auf die Taxifahrt kam es jetzt wirklich nicht mehr an. Aber es klappte einfach nicht. Ich stand ja nicht in Berlin und konnte mir jemanden ranwinken, es gab nicht einmal eine Zentrale. Ich musste die ganzen Kleinstbetriebe der Umgebung anrufen und während mich auf der einen Seite die Inflation überrascht hat – alle haben 250 € aufgerufen – war es auf der anderen Seite beeindruckend, dass mich niemand fahren wollte. Die einen wollten leider gleich Feierabend machen, manche gingen gar nicht ans Telefon und wieder andere versuchten mir auszureden, so unsinnig viel Geld in eine Taxifahrt zu stecken. Der eine, der das getan hat, hat danach dann auch gesagt, dass er das eh nicht machen würde. Und das bei 250 € für zwei Stunden Arbeit. Das wäre in Berlin damals anders gewesen.
Wie dem auch sei: Ich hab ein knappes Dutzend Unternehmen in den umliegenden Käffern ohne Erfolg angerufen, bis ich dann bei der Zentrale in Hildesheim angelangt bin. Das ist schon die Hälfe der Strecke entfernt, die Dame am Telefon hat mich für komplett bescheuert gehalten, als ich ihr gesagt hab, dass ich auch 50 km Anfahrt in Kauf nehmen würde.
(Kurzer Einschub: Mir kommt das beim Schreiben inzwischen auch völlig bekloppt vor, aber man darf nicht vergessen, dass das Nicht-Weiterfahren an dem Tag uns trotzdem Taxifahrten – wenn auch kürzere, dafür mit Kindersitzen – beschert hätten, ein zusätzliches Hotelzimmer etc. pp. Das wäre auch alles nicht zum Nulltarif zu haben gewesen.)
Ich kann mich gar nicht erinnern, ob sie überhaupt versucht hat, einen Fahrer für so ein Unterfangen zu finden, aber sie hat mir klargemacht, dass ich da nicht auf Taxis setzen sollte.
„Derf isch ihne mal eine bescheuerte Fraache stellen?“
„Die da wäre?“
„Henn se ‚et schon mal mit’n Fluchhafentransfer versucht?“
Selbstverständlich nicht. Wie hätte ich auch nur auf die Idee kommen sollen? Ich stand seit Stunden bei über 30°C im Schatten schwitzend vor einer Werkstatt in einem kleinen Dorf im Harz vor einer Werkstatt und versuchte da wegzukommen, ich dachte, dass meine Idee mit den Taxis so ziemlich die beste war, auf die ich hätte kommen können.
Aber die gute Frau hatte mit ihrer Idee recht. Als ich die Nummer angerufen hab, die sie mir sogar freundlicherweise rausgesucht hatte, lief es genau so wie ich es eigentlich von meinen „Kollegen“ erwartet hatte: Sie haben sich drum gekümmert, dass ich meine Fahrt kriege. Natürlich musste der Fahrer direkt aus Hannover kommen und hat dementsprechend eine Stunde gebraucht, aber wie beim Geld kam es auch darauf nicht mehr wirklich an. Und wenn wir beim Geld sind: Einen ganzen Hunderter weniger als das Taxi hat mich das gekostet, dafür dass ich einen ganzen VW-Bus für mich hatte und mit fast durchgehend 170 km/h zum Flughafen geschossen wurde. Ich musste zwar zum Firmensitz mit rein, um mit Karte zu zahlen, aber das hatten sie angekündigt und außerdem haben sie ihre Parkplätze vor der Tür und Sixt sitzt quasi direkt daneben. Das ist so unfassbar perfekt gelaufen in all dem Irrsinn an diesem Tag, ich kann das nicht genug loben. Ich hoffe, 20 € Trinkgeld sind trotz der Inflation noch ok heutzutage.
Ich bin an diesem Abend noch 750 km bis nach Dänemark gefahren – also inklusive des Beginns mit 90 km wieder zurück nach Seesen in die falsche Richtung, um Gepäck und Familie zu holen. Das Drama mit Sixt hat an dieser Stelle erst begonnen, aber das ist kein Thema mehr für hier und hat sich zudem inzwischen erledigt.
*schließt den metaphorischen Grabdeckel wieder über sich*
[…] Ich hab gerade was wirklich seltsames gemacht: Ich hab die Flughafentransferfahrt vom Urlaub bei GNIT gepostet. […]
*winkt*
Solange der Feed noch funktioniert bleibt er auch im Reader 😉
Woah… wie geil, ein Lebenszeichen! 🙂
Danke dir.. das hat mir eben den Tag versüßt.
Zu deiner Story:
Ich verstehe dich voll und ganz. Man zielt doch erst einmal auf das, was man kennt und gewohnt ist, und denkt gar nicht an die anderen Wege. Habe ich im Beruf auch häufig mit zu tun. Umso besser, dass du am Ende an eine ehrliche und freundliche Person gelangt bist!