Onneff (1)

Ich gebe es ja nicht gerne zu, aber gelegentlich vergeige ich auch mal eine Fahrt. Ich hatte gehofft, das nächste Mal passiert so ungefähr im Winter 2061, wenn der Leichenwagen von der Straße abkommt, in dem mein Sarg transportiert wird – aber nun war es doch heute Nacht.

Mir stieg eine gut gelaunte Vierertruppe von Touris am Matrix ein, 2 Australier und 2 US-Amerikaner. Die waren auf der üblichen Europareise, sind aber in einem Hotel untergekommen, das ich nicht kannte. Bis jetzt. Da ich aus dieser Geschichte einen fiesen Cliffhanger machen werde, verrate ich mal nicht den Namen des Hotels.

Auf ihrem Ausdruck von der Reiseleitung standen der Name des Hotels, Berlin, die Straße und die Hausnummer. Das sollte meist ausreichen. Meist. Denn was passierte logischerweise, als ich mein Navi anschmiss: Es zeigte zweimal die entsprechende Straße an. Deswegen griff ich das Robertha und… fand nichts. Das sollte sich später allerdings noch aufklären.

Ich erklärte den feierwütigen Leuten mein Problem und gab ihnen die beiden Stadtteile Mahlsdorf und Köpenick zur Auswahl. Drei Stimmen für Köpenick und eine Enthaltung. Also los!

Die Laune war die kompletten 20 Minuten lang super, wir haben uns viel unterhalten und die beiden Jungs und die zwei Mädels stellten sich als äußerst wissbegierig bezüglich unseres Landes heraus. Nicht nur, dass die Australier stolz verkündeten, seit der Einführung im FreeTV bei ihnen jetzt regelmäßig Bundesliga zu sehen, nein sie kannten selbst den Unterschied zwischen den West- und den Ost-Ampelmännchen.

Und die Laune blieb auch so, als wir in den Punkt erreichten, an dem ihr Hotel stehen sollte. Ja, sollte. Nun war guter Rat teuer. Zumindest die Uhr meldete schon irgendwas von Ende 20. Und da kam von hinten der entscheidende Tipp:

„Onneff!“

Wer oder was Onneff ist, und ob wir das Hotel gefunden haben – das gibt es dann morgen zu lesen. Ich muss mich jetzt nämlich mal für die Arbeit rüsten! Wochenende und so!

Unentschlossen

Als sie mir am Ostbahnhof ins Auto stiegen, wirkten sie wie ein Vorzeige-Pärchen. Waren sie gewissermaßen auch. Nur anders. Sie gab gleich den Kurs an:

„In die Oranienstraße bitte!“

Alles klar. Eine der üblichen  7€-Touren am Ostbahnhof. Einmal über den Fluss und gut is.

Im Fond begann sich aber der männliche Teil zu regen, tuschelte dann sogar mit ihr, und letztlich meinte sie genervt:

„Dann sag du doch!“

Das tat er auch:

„Ja, ähm… wir fahren dann in die Lichtenberger Straße xy.“

OK, das ist vom Anfang her die gleiche Richtung, nur geht es gar nicht erst bis über den Fluss. Eher so die Größenordnung 5 €. Es wäre gelogen zu behaupten, ich sei begeistert gewesen, aber so ist das Leben. Ich hab dann noch kurz klären wollen, wo die xy genau liegt. Alles kann man ja auch nicht wissen.

„OK, wo liegt die xy denn genau?“

„Ist gleich das große Haus da vorne.“

„Ah, dann fahr ich also am Besten über die Holzmarktstraße?“

„Ja.“

Das ist nun wirklich kein Weg. Links, rechts, links, fertig. Also setze ich den Blinker und…

„Nein! Hier rechts!

Also doch nicht über die Holzmarkt. Wieso frage ich eigentlich? Ich bin also der Straße gefolgt, und hab mich schon halbwegs gefreut, weil das – wenn es wirklich das Haus sein sollte – ein ziemlicher Umweg sein müsste.
Meine Fahrgäste zankten sich inzwischen. Es ging irgendwie darum, warum sie jetzt nicht mit dem Taxi nach Kreuzberg fahren würden. Er wollte anscheinend selber fahren, sie wollte aber nicht mit ihm fahren. Ich war gerade dabei zu überlegen, ob es geschäftsbelebend wäre, mich auf ihrer Seite in die Diskussion einzumischen – da schrie es von hinten plötzlich:

„Links! Hier links!!!“

Also durch die Lange Straße? Hat das blöde Haus etwa einen Hintereingang?

„Entschuldigung! Aber wir streiten uns gerade ein bisschen…“

Ich hab also so mehr oder weniger gewendet und mich auf den Dienstleistungsgedanken zurückbesonnen:

„Das stört mich nicht, ich brauche bloß etwas Zeit, um auf eine Ansage zu reagieren.“

Ob das angekommen ist, weiss ich nicht. Die Diskussion auf der Rückbank ging gnadenlos weiter. Da ich an der nächsten Kreuzung aber wieder einen Richtungswechsel erwartete, hab ich mal besser vorher nachgefragt, ob ich rechts abbiegen soll.

„Nein, hier können sie uns rauslassen.“

Hier? Das bedeutet also, die Gesamtstrecke betrug etwa einen Kilometer, und die letzten 200 Meter laufen sie lieber. Manchmal verstehe ich meine Kunden nicht, ganz ehrlich. Aber gut, es gab ja letztlich noch ein Happy End. Also für mich. Bei den beiden bin ich mir nicht so ganz sicher.

„Stimmt so.“

meinte er und reichte mir einen Zehner nach vorne. Einen Zehner. Es gibt so Momente, da muss man das Erstaunen nicht einmal spielen. Super! Zu guter Letzt noch der Abschiedsspruch von ihr:

„Tut mir echt leid. Wir wollten dich nicht nerven!“

Äh? Ja. Wegtreten!

Neues aus der Aussprachenwelt

Berlin. Wahrscheinlich immer noch die Stadt in Deutschland mit den meisten doppelten Straßennamen. Wahrscheinlich auch immer noch die Stadt mit den meisten Straßennamen überhaupt.

Beide Tatsachen sind für uns als Taxifahrer nicht leicht. Ich bin als Schwabe nun wirklich nicht der Mensch, der andere wegen unsauber ausgesprochenen Straßennamen verurteilt. Während der Arbeit allerdings könnte ich manchmal durchdrehen. Es mag ja für den durchschnittlichen bayrischen Dorfbewohner komisch klingen, aber es existieren in Berlin tatsächlich die Husemannstraße und die Hosemannstraße. Und wenn ich zweimal nachfrage, dann tue ich das, um den Kunden Kosten zu ersparen.

Heute allerdings wusste ich mit dem Straßennamen gar nichts anzufangen:

„Bossdem-Straße!“

Auf meine Nachfrage hin bekam ich gesagt:

„Boss. Temm. Straße!“

Da werden die Berliner Kollegen jetzt wohl auch dumm aus der Wäsche gucken. Mit einem Hinweis habe ich es dann allerdings gefunden. Und dabei handelte es sich um eine Querstraße:

„Buhlen-Straße!“

Na, wo sind die erfahrenen Köpfe des Gewerbes? Lasst es in den Kommentaren krachen!

Das Maria mal wieder

Ich war gerade dabei, ein wenig über mich selbst zu lachen. Im Radio erzählte der Sprecher etwas von den 17 Euro-Ländern, und dank der Betonung hatte ich mich zunächst gefragt, welche runtergekommenen Staaten denn jetzt bitte zu den 17-Euro-Ländern gehören würden.

Da trat ein Anzugträger an mein Auto heran und fragte mich, ob es hier etwa irgendwo einen Club namens Maria geben würde. Etwas anders formuliert höre ich die Nachfrage nach dem Club am Ostbahnhof ja recht regelmäßig. Wie auch in jedem anderen Fall war ich mir nicht zu fein, die 400 m Fußweg mit einmaligem Abbiegen zu beschreiben.

Der sehr nette Kerl bedankte sich höflich, zögerte dann aber doch.

„Sagen sie, könnten sie mich da auch hinfahren?“

„Klar, wenn sie wollen. Aber wegen des Einstiegspreises sind wir da auch gleich bei 4 Euro.“

Im Grunde sage ich das hauptsächlich, weil es mir als Kunde für die paar Meter echt zu teuer wäre. Aber just ein paar Stunden zuvor hatte ich eine nicht ganz so kurze Tour, genau 2 Kilometer, bei der ich am Ende der Strecke vom Fahrgast zu den 6,60 € zu hören bekam:

„Na das sind ja Preise! Für das Stückchen!?“

Der hier war locker.

„Na dann würde ich sie bitten! Ich bin ja so halb im Urlaub hier!“

Da ich gerade mal ein paar Minuten dort stand, lag mir selbst der Gedanke fern, mich irgendwie zu beschweren oder auch nur zu ärgern.

Die Fahrt selber war so kurz, dass es wirklich nichts besonderes zu berichten gibt. Ich zeigte ihm die nicht gerade einladend wirkende Tür im Zaun, die zum Club führt, und er kramte in seinem Geldbeutel, um die aufgelaufenen exakt 4,00 € zu begleichen.

Dass er das nicht mit 4,00 € getan hat, auch nicht mit dem üblichen Fünfer, sondern mit 7,00 € – das ist der Grund, warum es jetzt hier steht. Außerdem hab ich mir grinsend gedacht:

„Wenn du jetzt noch einen Zehner einfährst, gründest du ein 17-Euro-Land!“

😀

Kurz und einfach

Auf der Straße für eine kurze Fahrt (meinetwegen auch eine Kurzstrecke) herangewunken zu werden, ist klasse. Das kann man gar nicht oft genug betonen. Alles ist besser und lukrativer, als sich am nächsten Stand die Räder platt zu stehen. Dass manche „Kollegen“ so ein Drama daraus machen, wenn Winker „in die falsche Richtung“ wollen, begreife ich einfach nicht.

Dennoch gerät man manches Mal ins Zweifeln, ob einen die Kundschaft nun irgendwie verschaukeln möchte. So kam es z.B., dass ich an der Straßenecke Modersohnstr. / Rudolfplatz Winker gefunden hab. Zwei Jungs, leicht verplant, ein bisschen schief dreinschauend, aber für Berliner Nachtschwärmer ausgesprochen fit.

„Einmal in die Korinnter Straße 22 bitte!“

wurde mir erklärt, nachdem die beiden ins Auto gekraxelt waren.

Aha. Humorvoll hätte ich mit „File not found“ antworten können, denn diese Straße gibt es nicht. Glaube ich zumindest zu wissen. Aber aufgrund der Ecke in der ich die beide aufgegabelt hatte, schien es sehr wahrscheinlich zu sein, dass sie zur Corinthstraße wollten. Das war so gesehen noch ein einfacher Fall. Just bezüglich dieser Straße – wahrscheinlich der ungewohnten Schreibweise wegen – hatte ich schon Anfragen von der „Zorintstraße“ bis hin zur „Korlinkstraße“. Wer den Einfallsreichtum bei Straßennamen in Berlin, und damit die vielen doppelten und ähnlichen Namen, auch nur erahnen kann, versteht vielleicht, warum ich das immer schnell korrigiere. Die könnten bei der nächsten Fahrt ja überall im Großraum Berlin-Brandenburg landen 😉

„Ihr meint sicher die Corinthstraße!“

„Äh? Ja? Kann sein.“

„Seid ihr euch bewusst, dass das nicht gerade weit ist?“

„Ja, tut uns auch…“

„Keine Sorge, ich bring euch da gerne hin – aber das ist nur hier einmal links ab, und…“

„Ja Mann, die haben uns ja hier abgesetzt! Aber jetzt finden wir es nicht!“

„Kein Problem. Die Hausnummer kenn ich jetzt nicht auswendig, also machen wir mal Kurzstrecke. Dann reicht das mit vier Euro.“

„Ja, passt! Bring uns einfach heim!“

Heim? So sehr zu Hause kann es nicht gewesen sein, denn der Weg ist wirklich nur… naja. Seht es euch an:


Größere Kartenansicht

Also bin ich nach links in die Corinthstraße eingebogen…

Bis die beiden gemerkt haben, wo sie sind, hat es eine wahrscheinlich neue Rekordzeit von etwa 8 Sekunden ab Einstieg gedauert. Viel Geld für ein paar Meter nur, selbst Trinkgeld gab es ja noch – aber eine wichtige Erkenntnis: Aus dem Taxi heraus sieht die Welt manchmal gleich ganz anders aus 🙂

Genervt

Eigentlich bin ich ja wirklich ein ganz Netter. Vom ein oder anderen bösen Gedanken mal abgesehen versuche ich mich im Job meist vorbildlich zu verhalten. Klappt nicht immer, Fehler passieren. Soweit, so gut! Aber neulich war ich mal wirklich genervt.

Die Fahrgäste selbst waren eigentlich ganz in Ordnung, aber den letzten Nerv gekostet haben sie mich trotzdem. Und somit war mein Abschied nicht unbedingt erste Sahne, aber das ist jetzt auch vorbei.

Angehalten haben sie mich an der Ecke Grünberger/Wedekind. Ich hab mich auch standesgemäß gefreut, schließlich hab ich die Abkürzung Richtung Ostbahnhof nur genommen, weil vor mir auf der Warschauer ein ganzes Bataillon leerer Taxen unterwegs war. Die Gruppe war jedoch recht groß, und beim Überfliegen stellte ich fest, dass ich selbst mit ausgeklappten Sitzen nicht alle unterkriegen würde. 8 Leute etwa. Plus minus 2, sie sind ständig durcheinandergewuselt.

Es waren durchweg junge Männer, der Sprache nach Spanier. Zunächst hatten sie nur eine Frage: Wo das Berghain ist. Gut, das ist Luftlinie nur 200 Meter entfernt, der Fußweg ist etwas länger – aber dennoch schnell geklärt. Mein Gesprächspartner sprach problemlos englisch, und so war die Sache in zwei Minuten geklärt. Ob ich sie hinbringen könnte? Klar. Aber nicht alle.

Der erste ist schon eingestiegen, da kam der zweite an und fragte mich, wie man denn nun genau hinkommt. Ich hab ihm das auch erklärt, woraufhin er meinte, sie würden dann laufen. Dann kam der Dritte und hat gefragt, wie viel das kosten würde. Ich hatte gute Laune, einen guten Umsatz und hab gemeint, ich drücke eine Kurzstrecke rein, würden 4 € Festpreis sein.

Dann kam ein weiterer der Gruppe an – er konnte sogar perfekt deutsch – und fragte, wie man denn genau hinkommt. Dann fragte er nach dem Preis.

Nun kam der fünfte der Gruppe und wollte wissen, wie weit das Matrix weg wäre und ob man da auch hinlaufen könnte. Ich hab erklärt, wie weit das etwa weg wäre und eine grobe Richtung genannt. Dann sollte es zum Matrix gehen, zu Fuß. Der bisher in meinem Wagen sitzende Typ stieg aus, dafür stieg einer der anderen ein und fragte, was es zum Berghain kosten würde. Ich hab ihm die Frage beantwortet, und er meinte, sie sollten doch alle mit dem Taxi fahren.

Daraufhin setzten sich zwei weitere ins Auto und der Deutschsprachige kam zu mir und fragte, ob es gehen würde, dass ich sie nacheinander abhole, wenn es nicht so weit ist. Ich hab gesagt, dass das kein Problem wäre, es allerdings sein könnte, dass die Kurzstrecke nicht reicht, und es am Ende vielleicht einen Zehner kosten würde. Den Preis fand er gut, ja sogar „nicht der Rede wert“. Er wollte nur noch mit den anderen reden.

Von denen kam dann auch einer zum Wagen und forderte einen der Insassen auf, auszusteigen, weil er gerne mit der ersten Fuhre am Club sein wollte. Daraufhin stiegen zwei Leute aus, während einer von draussen zu mir kam und mich fragte, wie weit es denn etwa zu dem Club sei.

zu diesem Zeitpunkt stand ich dann seit etwa 10 Minuten blöd in der Friedrichshainer Prärie herum und wartete darauf, loszufahren.

Dann kam ein zweites Taxi.

Der Fahrer wurde vom Rest umringt und es sind ein paar Leute eingestiegen. Daraufhin ist der verbleibende Fahrgast bei mir wieder raus, um auch in das andere Auto zu kommen. Der, der sich stattdessen bei mir in den Wagen setzte, fragte mich, ob ich nicht doch zum Matrix fahren würde. Dann kam einer aus dem anderen Auto angesprintet, und wies den Kerl an, er solle doch besser mit den anderen fahren.

Der glückliche Kollege lud den Kerl ein und brauste davon.

Mein Sprachgenosse kam an und fragte mich, ob wir jetzt ins Berghain fahren würden.

In den folgenden 2 Minuten setzten sich die Leute im Wagen dreimal um, dann konnte ich los. Endlich. Aus irgendeinem Grund sind 3 Leute übrig geblieben. Hatte der Fahrer vorher doch nur 2 mitgenommen? Oder 3? Naja, egal. Die Fahrt dauerte ja nur eine runde Minute, ich wollte das fast viertelstündige Vorspiel gnädig vergessen. Am Ziel angekommen wurde mir auch ein Fünfer gegeben, sogar Trinkgeld also. Ende gut, alles gut?

So halb.

Hinter mir saßen zwei Quasselstrippen, die mich übers Berghain ausfragten, wobei ich all mein Wissen zusammenkramen musste. Als einer von ihnen ausgestiegen ist, kam der andere wieder rein und fragte mich, wo genau der Eingang sei. Ich hab ihn ihm gezeigt. Daraufhin wollte er wissen, wie weit es denn etwa zum Matrix sei, falls sie hier nicht reinkommen würden. Während ich mit ihm redete, stieg mein letzter Fahrgast aus, nicht allerdings ohne die Tür sperrangelweit offenstehen zu lassen. Das sah der eben erst ausgestiegene Quasselpartner als seine Chance an, als er einen Anruf bekam.

Er setzte sich in meinen Wagen und telefonierte. 3 oder 4 Minuten lang. Letztlich fragte er mich dann, ob ich vielleicht die verbliebenen Hansel doch noch aufgabeln könnte. Das fand der andere natürlich unsinnig und sie gerieten in einen lebhaften Disput darüber. Ausgetragen wurde er natürlich in meinem Auto. Einer von den anderen kam auch zum Wagen zurück und warf ein, dass man dann doch gleich zum Matrix fahren könne, hier sehe es so dunkel aus. Der Vierte aber weigerte sich und beharrte darauf, hier zu bleiben.

Ich stand inzwischen auch gute 10 Minuten am Berghain und durfte den Kollegen zusehen, wie sie einer nach dem anderen mit zahlender Kundschaft ihres Weges zogen.

Völlig unerwartet zog nun einer der Streithähne eine Münze hervor, gab sie mir und meinte:

„Here. This is another 2 €. Pick up the others, they will pay you the rest!“

Alles klar. Aber natürlich kann man auch darüber nochmal diskutieren. Haben sie dann auch gemacht. Schwer genervt bin ich eine runde halbe Stunde nach Erstkontakt mit den Vögeln endlich losgekommen und bin den anderen entgegengefahren. Ich hab einfach die Kurzstrecke weiterlaufen lassen.

Die anderen habe ich nicht gefunden.

Weiß Gott, ob die sich inzwischen ein anderes Taxi – womöglich zum Matrix? – genommen haben oder sich verlaufen hatten. Als das Taxameter das Ende der Kurzstrecke verkündet hat, hab ich es ausgemacht und bin zum Bahnhof gefahren.

Natürlich hätte ich den Jungs besser noch Bescheid gesagt, bzw. ihnen die zwei Euro zurückgegeben. Aber ich hatte wirklich keinen Bock, die nochmal eine Viertelstunde im Auto zu haben!

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Sehr glücklich

Fahrgäste zufrieden stellen…

Wie macht man das eigentlich? Ganz einfach: Man macht seine Arbeit vernünftig. Sicher, den ein oder anderen Meckerer würde es nicht einmal zufriedenstellen, wenn man kostenlos einen Monat sein höriger Haussklave wäre, manch schüchternes Kerlchen möchte am liebsten gar nicht beachtet werden und würde alle Bedingungen akzeptieren, um irgendwie heim zu kommen.

So in etwa war der Typ drauf, den ich am Treptower Park aufgegabelt habe. Nach Moabit wollte er. Er war zwar etwas erstaunt, dass ich als Preis 20 € genannt habe, aber als er dann auf dem Navi gesehen hat, dass es gute 10 km Fahrtweg sind, war der Preis schon nicht mehr der Rede wert. Ab da war er nur noch verwundert, wieso er „so weit weg“ war.

Ich hab versucht, ein bisschen mit ihm ins Gespräch zu kommen, immerhin hat er mir erzählt, warum er in Berlin ist, wie lange schon und ein paar andere Kleinigkeiten. So wirklich eine lockere Atmosphäre wollte sich indes nicht einstellen, nach jedem 3. Satz stellte er klar:

„Oh Mann, bitte bring mich einfach nach Hause, sonst komm ich nie nach Hause, bitte bitte!“

Natürlich hab ich ihm geduldig versichert, dass ich ihn auf dem kürzesten Weg und auch so schnell wie möglich heimbringe. Wirklich beruhigt hat es ihn nicht. Als wir am Brandenburger Tor waren, zeigte er sich kurz überrascht:

„Wow, wir sind ja wirklich hier. Wahnsinn? Wie haben sie das denn gemacht?“

Eine seltsame Frage, wenn man seit gut 10 Minuten miteinander im Auto sitzt. Aber er verfiel auch gleich wieder in Pessimismus und meinte:

„Dann, o Gott, dann ist das ja noch voll ewig, bis wir endlich zu Hause sind!“

Dass er nicht geweint hat, war alles. Ich hab ihn gefragt, ob ich ihm helfen könne, woraufhin er mehrmals betonte, er wäre schon „sehr glücklich“, wenn ich ihn einfach nur heimbringen könnte. Zwischenrein bemängelte er denn, dass der Abstand zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule viel zu lang sei und sprach laut die Straßennamen mit, die wir passierten, ohne dass er damit eigentlich etwas anzufangen wusste.

Rund einen Block vor seinem Zielpunkt bat er mich dann, dass ich ihn aussteigen lasse. Ich verwies darauf, dass sein Haus hier nur ums Eck sei, worauf er sagte, sein Haus liege in die andere Richtung, aber das wäre echt super, dass ich ihn wirklich heimgebracht hätte. Naja, gute Miene zu blöden Worten und bei 20,20 € war die Fahrt damit vorbei.

Es gab noch ein ordentliches Trinkgeld und der Typ ist schnellen Schrittes verschwunden. Ich bin dann ein paar Sekunden später an der Adresse vorbeigefahren, die er mir eingangs genannt, zum Ende aber verneint hat. Vielleicht lag es ja daran, dass es so runtergekommen aussah. Ich hoffe es. Aber sehr glücklich war er wohl irgendwie eher nicht.