„Der Japaner im Kofferraum“

Gibt es hier ein paar Leute, die gerne mal Geschichten von Taxifahrern lesen? Ich vermute es mal…

Ich wollte darauf hinweisen, dass Frank Fischer, seines Zeichens wie ich Taxifahrer und Taxiblogger in Berlin, gerade sein Buch „Der Japaner im Kofferraum“ veröffentlicht hat.

Ich bin noch nicht dazu gekommen, es mir zuzulegen und zu lesen, aber da ich meine Verplanung kenne und nicht wie bei meiner letzten Buchvorstellung zu „Ich bin Taxifahrer“ von Wilhelm Schuster 39 Jahre zu spät dran sein will, sei hiermit schon mal darauf hingewiesen. 🙂

Nachtrag:
Ich hab das Buch inzwischen gelesen und rezensiert. Hier kann man die Rezension zum „Japaner“ lesen!

Gute Reise

Fernfahrten sind im Taxigewerbe zwar in gewisser Weise regelmäßig, wenn man mich fragt, würde ich allerdings sagen: Es gibt zu wenige! Ich denke, so ziemlich jeder Fahrer, der Nachts an einem Bahnhof steht, hofft zumindest manchmal auf DIE Tour. Vielleicht nicht nur nach Kreuzberg, sondern eben mal nach Dresden. Oder nach Hamburg, Köln, München?

Diese Touren sind natürlich für Otto Normaltourist utopisch teuer. Das hat auch einen einfachen Grund: Uns Taxifahrer. Durch unser Lohnmodell der Umsatzbeteiligung verdienen wir an einer Fernfahrt eben ziemlich viel – wenn man es auf die Stunde umrechnet. Und dass uns der Gedanke freut, in einer Nacht mal eben schnell 500 € Umsatz zu machen, statt den üblichen 150… da brauchen wir nicht drüber reden, oder? 😉

Aber diese Beträge gibt es ohnehin nur selten. Meist nur, wenn ein Reiseunternehmen, eine Airline oder die Bahn sie zahlen. Wobei Kollege Herbert auch mal einen Geschäfsmann im Wagen hatte, der mühelos 900 € für eine Fahrt nach Duisburg aus dem Portemonnaie geblättert hat. In den meisten Nächten sind Fernfahrten aber doch nur ein schöner Traum und oftmals müssen wir sie sogar ablehnen, weil uns die Zeit nicht mehr reicht…

Zurück zum Ostbahnhof.

Ich stehe mit Kollege Yusuf am Stand und uns fällt beiden der Typ auf, der gefühlt minutenlang mit dem Fahrer der ersten Taxe redet. Schließlich löst er sich und geht zum zweiten. Er trägt eine dunkelblaue Jogginghose, eine dazu passende Jacke, und wie ich mir sein Gesicht so angesehen habe, hätte ich wetten können, dass er darunter nur ein Feinripp-Unterhemd anhat. Nach einer Kreditkartenanfrage sah der Typ nicht wirklich aus.

Ich hab mir mit Yusuf überlegt, was es sonst sein könnte, denn inzwischen ist er unaufgeregt zum dritten Fahrer gegangen und damit ist die übliche Vermutung von wegen kurze Fahrt und entsprechender Ablehnung unplausibel geworden. Was sollte er schon für Wünsche haben? Umsonst fahren? Einen Kindersitz benutzen? Einen Großraumwagen für sein Ego bestellen wollen? Uns sind die Ideen ausgegangen.

Wir beide standen an meinem Wagen, Position 5. Lange konnte es also nicht mehr dauern, bis wir es erfahren würden. Der Kollege auf Position 4 redete inzwischen mit ihm, und so langsam war ich gespannt wie der sprichwörtliche Flitzebogen. Dann endlich trat er an uns heran und stellte sich mit folgenden Worten vor:

„Hallo. Guten Abend. Ich bin Alkoholiker und muss nach Bielefeld.“

Ich kann nicht behaupten, dass ich deswegen entspannter war. Während ich ihn mit einem „Das ist ja ein ganzes Stückchen“ hinhielt, hab ich mir im Hinterkopf schon überlegt, wie ich das mit dem Tanken erledigen soll und ob das zeitlich reichen würde.

„Ich hab jetzt nur ein Problem…“

„Ja, nach Bielefeld ist es weit. Das ist keine günstige Angelegenheit.“

„Ja, es ist so: Ich hab kein Geld!“

Äh, ok!? Alle Träume sind zerplatzt. Das Netbook, das ich mir vielleicht hätte kaufen können von der Kohle, löste sich vor meinen Augen auf, es fühlte sich nach der ganzen Spannung und dem Wort Bielefeld plötzlich ziemlich leer an in mir.
(Ich bitte euch zu beachten, dass es eine ziemlich kuriose Begleiterscheinung meines Jobs ist, dass ich seitdem das Wort Bielefeld in einer gewissen Art erregend finde. Außerhalb des Taxigewerbes finden sich sicher nicht viele Leute mit dem selben Problem.)

„Aber…“

Aber? Aber was? Kann er vielleicht gleich Geld abheben? Oder hat er nur „Kumpels“ in Bielefeld, die ihm das dann „ganz sicher“ zahlen werden? Wie viele Kilometer sind das nochmal? Der Tank ist noch halbvoll…

„Aber ich hab Zigaretten!“

Bitte was? Aber ja: Er hat seine dunkle Reisetasche geöffnet, und darin befanden sich sicher 20 Stangen Zigaretten. An und für sich ein ziemlicher Gegenwert. Aber zum einen sicher nicht legal, und außerdem: Wer raucht schon f6?

„Garantiert nicht gefälscht!“

Ja. f6. Die verkauft man auch im Original eher in homöopathischen Einheiten und so selten wie ich die Marke sehe, schätzte ich, die Stangen würde sicher schon jemand vermissen.

„Also sie wollen die Fahrt nach Bielefeld mit Zigaretten bezahlen?“

Ich wollte mich nur nochmal vergewissern.

„Nein nein nein!“

Ich dachte kurz daran, wie ironisch es doch ist, ausgerechnet am Bahnhof nur Bahnhof zu verstehen…

„Ich hab ja ein Bahnticket. Mein Zug fährt um 4 Uhr morgen früh.“

„Und sie wollten was nochmal genau?“

„Naja, ich hab kein Geld für Alkohol in der Zwischenzeit. Ich wollte fragen, ob sie mir vielleicht Zigaretten abkaufen wollen. 20 € die Stange?“

Yusuf und ich haben dankend abgelehnt. Er hat es allerdings noch ein ganzes Weilchen weiter probiert. Wer weiss, ob er noch Erfolg hatte. Meine Tour kurz darauf ging im Übrigen nach Hohenschönhausen. Ist zwar nicht ganz Bielefeld, war aber auch ok 🙂

PS: Wer es gerne etwas tiefsinniger hat, der kann meine Überschrift als dezenten Hinweis auf das gleichnamige Lied der Toten Hosen von 1993 verstehen, das das Thema Drogenabhängigkeit thematisiert 😉

Was macht eigentlich die Kamera?

Ich vergesse bei manchen Geschichten ja auch öfter mal, sie weiterzuschreiben. Eine bei der das mit gutem Grund so ist, ist die mit der Kamera.

Am 5. Dezember 2010 habe ich am Ostbahnhof in Berlin eine Kamera gefunden. Ich hab die Info damals über alle mir zur Verfügung stehenden Kanäle weitergegeben, und – mit reichlich Verspätung – auch dem Fundamt mitgeteilt, dass ich da was hätte.

Das Ergebnis ist bisher – und damit wahrscheinlich auf ewig – Null.

Die Kamera liegt hier neben mir in einer Schublade, und das Fundamt hat mir zwar mitgeteilt, dass es mich dazu zwingen könnte, sie dort abzuliefern, dies allerdings bisher nicht getan. Warum auch? Das Teil ist hier ebenso gut verstaut, und wenn sich der Besitzer nicht findet, dann freue ich mich natürlich, das Teil ohne größere Komplikationen behalten zu können. Rein rechtlich ist etwa Mitte des Jahres der Fall.

Aber bevor ihr mir Böses unterstellt: Ich hab wirklich mehrmals via Google und co. nach verlorenen Kameras gesucht und bin in etlichen Foren gelandet – aber nirgends wird dieses Modell vermisst. Aber immerhin hatte ich kürzlich eine Anfrage dazu – leider auch hier die falsche Cam. Ich hab die Daten ja bewusst nicht genannt, damit sich nicht irgendwer melden kann und behaupten, es wäre seine Kamera.

Es tut mir ehrlich leid für den Besitzer, denn nach kurzem Sichten kann ich immerhin sagen, dass da wohl mehrere hundert Fotos von Parties, den Kindern – und sogar von mehr oder minder unbekleideten Frauen (nein, nicht so heftig wie in eurer Fantasie!) – drauf sind, die sicher jemand vermisst.

Ich schreibe das jetzt auch, um nochmal dafür zu sorgen, dass das über die Suchmaschinen auffindbar ist. Man soll die Hoffnung nie aufgeben. Die Kamera ist mir nämlich ziemlich egal: Ich hab schon eine bessere, schönere und teurere…

Immer locker bleiben…

Immer locker bleiben! Die fantastischen Vier hatten schon irgendwie Recht!

Das gilt nicht nur für den (zumindest bei mir) immer noch desaströsen Umsatz die Tage, sondern auch für das Miteinander auf der Straße. Das Wetter wird wenigstens zeitweise wieder lockerer und einen spürbaren Effekt auf die Fortbewegung in der Berliner Innenstadt hat das natürlich auch:

Die Leute packen ihre Fahrräder wieder aus.

Im Laufe der letzten Woche war schon wieder wesentlich mehr Vorsicht angesagt als ohnehin schon im Stadtverkehr, an jeder Ecke sind einem zusätzlich zum regen Autoverkehr auch wieder vermehrt Radfahrer entgegengeschossen.

Ähnlich wie Aro finde ich zwar durchaus mal deutliche Worte für die Assis, die – gleich, welche Waffe sie wählen – Menschenleben in Gefahr bringen, halte aber nichts vom ewigen Kampf der Radler gegen die Autofahrer oder umgekehrt. Sicher, die Reibungsflächen sind groß, aber letztlich wollen wir doch eigentlich alle genau eines: Möglichst schnell und sicher ans Ziel kommen.
Ich hab schon oft geschrieben, dass ich bei aller Skepsis gegenüber Reglementierungen die StVO immer noch für eine der besten Regelsammlungen dieser Republik halte. Das mag darin begründet sein, dass ich häufig mit ihr aneinandergerate – aber es liegt auch daran, dass ich mir bewusst bin, dass der Straßenverkehr nunmal eine Gefahr darstellt, mit der man irgendwie umgehen muss.

Nach wie vor halte ich an meiner Maxime fest: Absolute Sicherheit gibt es nicht, und ich bin mir wirklich bewusst, dass ich prinzipiell mein Leben und das anderer Leute gefährde, indem ich anderthalb Tonnen Stahl mit absurder Geschwindigkeit durch einen Häuserparkour lenke. Fatalistisch könnte ich auch sagen: Irgendwann passiert sicher mal was, was will man machen? Das heisst aber nicht, dass man komplett darauf scheißen sollte, darüber nachzudenken.

Sicher, als Radfahrer hat man es gewissermaßen einfacher: Man ist mobiler, und natürlich ist man selbst nur für eine wesentlich kleinere Gruppe potenziell tödlich. Die Fälle, in denen unachtsame Radfahrer Reisebusse zermalmt haben, halten sich zweifelsohne in Grenzen. Insofern finde ich es auch gerecht, dass der motorisierte Verkehr auf unseren Straßen wesentlich stärker überwacht wird. Hier sind größere Massen im Spiel, höhere Geschwindigkeiten und letztlich auch das nicht auszumerzende gesteigerte Überlegenheitsgefühl von Menschen, deren Ersatz für eine ausgebildete Persönlichkeit eine rollende Festung mit 300 PS und Alufelgen ist.

Insofern bin auch ich als Autofahrer eher bereit, einen Verstoß gegen die Regeln einem Fahrradfahrer zu verzeihen als einem Kollegen mit Blechummantelung. Und ja: Auch ich verzichte nachts um 4 Uhr an einer unbelebten Kreuzung mal aufs Blinken und fahre hier und da mal 10 km/h zu schnell. Den Heiligenschein hab ich nicht zufällig im Kofferraum liegen lassen, ich besitze tatsächlich keinen!

Aber heute erst wieder habe ich auf der Warschauer Straße aprupt bremsen müssen, weil mir – und ja, das ist das schlimmste Klischee – ein offensichtlich betrunkener Radfahrer ohne Licht mit Bierflasche in der Hand in Schlangenlinien vors Auto gefahren ist, obwohl er Rot hatte.
Ich will dem schief grinsenden Kerl noch nicht einmal anlasten, dass er mich zum Bremsen gezwungen hat, ich bin ja schließlich verpflichtet dazu, umsichtig zu fahren – aber was wäre gewesen, wenn hinter mir ein Auto/Bus/Gefahrenguttransporter gewesen wäre?

Ich möchte hier keinesfalls „die Radfahrer“ als solches diskreditieren! Da sind ebenso wie unter den Autofahrern ein paar Idioten unter einer enormen Menge vernünftiger Leute verteilt. Aber hier wie dort fallen sie auf.

Deswegen möchte ich hier auch keine Schuldzuweisung für die teils abartigen Verhältnisse auf den Straßen tätigen. WIR als Gesamtheit sind der Verkehr und sollten darauf achten, dass wir miteinander klarkommen!

Pervers wird es in meinen Augen erst da, wo man versucht, die Gruppen gegeneinander auszuspielen. Der ADAC und der ADFC sind beides absurde Lobby-Verbände, die die Fortbewegungsart (hey, um nicht anderes geht es hier!) ihrer Mitglieder so in den Himmel loben und gegen alles verteidigen, was da kommt – auch wenn es bisweilen sehr berechtigt ist.
Es mag autofahrertypisch klingen, wenn ich es verteidige, dass die Berliner Polizei in der letzten Woche schwerpunktmäßig Radfahrer überprüft hat. Denn ja, das finde ich ok. Während ich mich beim Ausfall von einem von drei Bremslichtern gleich panisch an den Austausch mache, kommen mir Idioten mit gänzlich unbeleuchteten Rädern nachts vors Auto und pöbeln mich an, wenn ich nicht rechtzeitig bremse. Das finde ich unfair. Zumal ich sie nicht einmal anzeigen kann, weil sie im Gegensatz zu mir nicht einmal Kennzeichen haben.
Aber andererseits halte ich auch nichts davon, dass sich meine Kollegen immerfort über Blitzer beschweren. Gewiss, in der ein oder anderen Ecke ist es fies, weil man da wirklich schneller fahren könnte – vielleicht sogar sollte – aber es ist ja nicht so, dass es sich nicht vermeiden ließe, geblitzt zu werden. Gemeinhin passiert das nämlich nur, wenn man zu schnell ist…

Die Tatsache, dass zum Frühlingsstart auch mal mehr oder weniger ausnahmsweise die Radfahrer auf den Kieker genommen werden, ist bei allem, was tagtäglich da draussen passiert leider nicht so einfach mit polizeilicher Willkür abzutun, sondern es zeigt tatsächlich auf, dass es da teilweise ein wenig zu locker zugeht.
Ich meine: Hey, wir Autofahrer werden das ganze Jahr über gelasert, beobachtet, rausgewunken und kontrolliert. Das finde ich sicher genausowenig schön, wie es jetzt die Radfahrer finden. Ich wäre auch dafür, alle Kontrollen komplett einzustellen und auf die Vernunft der Leute zu hoffen. Das Ergebnis wäre aber wahrscheinlich, dass in der Innenstadt 100 km/h an der Tagesordnung wären und vom LKW- bis zum Fahrradfahrer wesentlich mehr Unfallopfer zu beklagen wären.

Bevor wir jetzt also alle auf die jeweils anderen einprügeln, würde ich sagen: Locker bleiben! Der meiste Ärger entsteht letztlich sowieso durch Missverständnisse und Unachtsamkeit. Da müssen wir nicht auch noch Krieg führen nebenher. Und wenn ich es als Taxifahrer schaffe, in zweieinhalb Jahren nur einmal mit 8km/h zu viel geblitzt zu werden, dann wird man es als Radfahrer wohl auch schaffen, ohne Rotlichtverstoß durchzukommen.

Abzocken beim Taxifahren

Für einen „Neuling“ mit durchaus seltsamen Arbeits- und Verdienstvorstellungen reisse ich die Klappe bezüglich Ehrlichkeit im Taxigewerbe manchmal ganz schön weit auf. Es ist zum Beispiel nicht selten, dass sogar Kunden bezüglich meiner ganz eindeutigen Einstellung zu Umwegen, Schwarzfahrten und Kundenservice beschwichtigend sagen, sie können es ja irgendwo auch verstehen, schließlich müssten wir ja auch unser Geld verdienen…

Da haben sie Recht, und es ist nach wie vor im Grunde eine Frechheit, was wir bei unserem Job verdienen. Ich halte meine Kosten niedrig. Ich bin nicht das Referenzmodell für einen Taxifahrer – und natürlich gibt es eine Menge Fahrer mit Familie, die nebenher noch Geld vom Amt kriegen, weil ihr Gehalt zu klein ist, um jemand anders außer ihnen selbst durchzubringen. Auch hier in Berlin, von wo aus ich witzig und neunmalklug meinen Blog schreibe!

Also ja, ich verstehe den Grund dafür, dass manche Kollegen überall möglichst viel Geld aus den Kunden herausholen. Die Schwere der Delikte ist ja auch unterschiedlich. Während es den einen Kunden hart trifft, erwarten viele Touristen ja sowieso höhere Preise und mal ehrlich: Wen stört es denn ernsthaft, wenn die Fahrt mal einen oder zwei Euro mehr kostet? Im Grunde könnte man das Ganze doch als Kavaliersdelikt abtun, und wenn man nicht erwischt wird, hat man eben Glück gehabt…

Wie ich schon oft geschrieben habe: Ich teile diese Einstellung nicht. Und das aus ganz handfesten Gründen: Es stresst mich und ich sorge mich um meinen Umsatz!

Das mit dem Stress ist leicht erklärt: Wie bei jedem anderen netten und ehrlichen Kollegen landen viele abgezockte Kunden auch mal in meinem Wagen, und ich darf mir dann anhören, wie schlimm es mit den Taxifahrern hier bestellt ist – und wenn es ganz übel läuft, dann begründen die Leute ihre Preisfeilschereien damit, dass wir sowieso betrügen oder sparen sich das Trinkgeld, weil sie davon ausgehen, wir nehmen uns unseren Teil ja wahrscheinlich schon durch Uhrmanipulationen und Umwege.

Richtig mies wird es aber werden, wenn diese Missstände erst einmal bekannt sind. Schon jetzt bestimmen schlimme Einzelfallbeispiele oft die Medienberichte über Taxifahrer, und wenn sich das weiter ausbreitet, dann kommen wir irgendwann an den Punkt, an dem Touristen davor gewarnt werden, sich ein Taxi zu nehmen.
Da sind wir bislang vielleicht weit entfernt davon, aber ich möchte nicht das so ein Bericht (hier über ungarische Kollegen) jemals über das Berliner Gewerbe geschrieben wird…
Es kann mir keiner erzählen, dass sich so ein Ruf nicht geschäftsschädigend auswirkt und alle Kollegen, ob Abzocker oder ehrliche Dienstleister, trifft.

Noch ist es – wenn auch vielleicht an der Grenze – machbar, diesen Job in dieser Stadt legal zu betreiben und davon zu leben. Und ich glaube nunmal wirklich daran, dass es unserem Gewerbe langfristig besser tut, Kunden zu gewinnen, zu binden und von unserer Dienstleistung zu überzeugen – als für Zweifuffzich am Tag dazu beizutragen, dass der letzte Rest Glaubwürdigkeit auch noch den Bach runter geht.

Es wäre schön, wenn die entsprechenden Kollegen das erkennen würden, und sie mal einen Blick über die Tageskasse hinaus werfen würden…

Taxifahrer als relevante Zielgruppe

Da bin ich mal zwei Tage halbtot zu Hause, schon steigert sich meine Produktivität ins Unermessliche! Kann ich endlich mal den ganzen Kleinkram verbloggen 🙂

Heute geht es um Taxifahrer als Zielgruppe.

Was an den meisten gewerbefremden Menschen sicher vorbeigeht, ist die Tatsache, dass Taxifahrer für einige Unternehmen tatsächlich eine relevante Zielgruppe sind. Hier in Berlin finden sich zum Beispiel an vielen Döner- oder sonstigen Imbiss-Ständen Hinweise, dass man (gerade Nachts) als Taxifahrer einen Rabatt aufs Essen bekommt – meist aber wenigstens auf den Kaffee 😀

Manche Läden lassen dazu sogar hochwertige Flyer drucken, was eigentlich auch gar keine schlechte Investition ist, schließlich sind Taxifahrer als Stammkundschaft dann doch einiges an Geld wert. Wir treten meist im Rudel auf, und ich gehöre nun wirklich zu den wenigen Ausnahmen, die nicht mindestens 2 Kaffee und eine Bockwurst pro Schicht auswärts konsumieren.
Wenn man dann auch noch mit einbezieht, dass wir Autofahrer sind, regelmäßig tanken und unsere Kisten waschen, dann ist klar, dass wir gerade für Tankstellenbetreiber eine wahre Goldgrube sind. Auch an meiner Stammtanke gibt es den Kaffee billiger und die Sitzplätze sind Nachts hauptsächlich von Kollegen besetzt.

Gut, manche „besonderen Kollegen“ drehen das gute Verhältnis auch um, indem sie stapelweise das billige Papier an den Zapfsäulen klauen, um keine Küchenrollen kaufen zu müssen – aber das ist wieder ein anderes Problem…

Letzte oder vorletzte Woche schon hat mir Kollege Hans allerdings einen „Flyer“ in die Hand gedrückt, der wirklich den Vogel abschießt. Also alleine designtechnisch hab ich sowas seit meiner Grundschulzeit nicht mehr gesehen:

Wo ist Comic Sans? Quelle: Sash
Wo ist Comic Sans? Quelle: Sash

Also mein erster Gedanke war ja:

„Bitte lasst mich das besser machen. Meinetwegen für 5 €. Dauert ja auch nicht lange!“

Das allerdings ist noch nicht der Clou. Ich hab auch erst die Rückseite ansehen müssen, um zu erahnen, wie obskur dieser Zettel ist. Kleiner Hinweis: Die Worte „pro Seite“ sind kein Scherz!

OK, hier die (etwas textlastige, aber dadurch fast schon wieder stimmige *hüstel*) Rückseite:

Voll einen an der Klatsche, Quelle: Sash
Voll einen an der Klatsche, Quelle: Sash

Die bieten also tatsächlich eine Taxiwäsche nur für eine (wahrscheinlich die rechte) Seite an? So was Beklopptes hab ich selten gehört.

Ich hab im Internet auf die Schnelle nichts zu der Tanke gefunden – die in Fredersdorf scheint es (von der Adresse her) schon mal nicht zu sein…
Vielleicht kommt ja ein Kollege öfter dort vorbei und kann mir mal nähere Infos geben. Für mich sind die dörflichen Öffnungszeiten ja schon schwierig 😉

Aber jetzt mal grundsätzlich:

Ich finde es ja wirklich lobenswert, wenn wir bei Angeboten berücksichtigt werden, die wir in Anspruch nehmen. Aber halbseitige Autowäsche? Um vielleicht 2 € zu sparen? Ich stelle mir das schon technisch als ziemliche Sauerei vor – zumindest auf dem Autodach. Und wer nur die Hälfte sauber haben will – welche Kollegen hatten den diese Schnapsidee überhaupt? – der kann sie doch gleich für 50 ct abkärchern.
Natürlich steigen die meisten Kunden rechts ein. Ich bin auch froh, dass mein Auto die letzten nicht beseitigten Kampfspuren auf der linken Seite trägt, und damit kaum für Argwohn unter den Einsteigern sorgt. Aber wie ist das denn dann mit dem Kofferraum? Da müssen ja doch ein paar Kunden regelmäßig ran…

Nicht ohne Grund sind unsere Autos ja z.B. komplett in Hellelfenbein gehalten und nicht nur einseitig! Das ist definitiv Schwachsinn, was der Typ in Vogelsdorf da abzieht – und sicher die 1,50 € nicht wert!

Nachtrag: Gut, ok! Es haben alle erkannt, dass es sich hierbei um einen Aprilscherz gehandelt hat 🙂
Die Idee mit der halbseitigen Wäsche ist übrigens meiner besseren Hälfte bei einem Telefonat mit mir eingefallen. Als die Waschanlage kaputt war…
Den Flyer hab ich selbst entworfen und mir echt Mühe geben müssen, so schlecht zu sein 🙂
Aber schön, wenn ich ein zwei Leute erheitern konnte!

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Taxi-Servietten

Ich bin heute mehrfach von findigen Lesern auf diesen Link gestossen worden:

Taxi-Servietten

Der Gag ist zwar nicht neu, aber die Idee ist nach wie vor nicht schlecht. Um die begeisterten Kneipenwirte, die sich die Anschaffung der Teile überlegen, sei aber gesagt, dass ich alleine dieses Hinweises (kann man ja auch als Zettel anfertigen) wegen niemanden mitnehme, der sein Fahrtziel nicht mehr kennt.

Was weiss ich, wie betrunken der war, als er das ausgefüllt hat. Wenn sich das in der Realität einbürgern würde, dann würde ich wahrscheinlich genau so oft wie jetzt schon Nachfragen stellen müssen:

„Holiday Inn? Welches denn?“

„Sie wissen, dass wir hier in Berlin mehr als eine Köpenicker Straße haben?“

„Wie bitte: Krenzzsleeesslreel?“

Aber einen Versuch wäre es wert. Man soll sich dem Fortschritt ja nicht verweigern 😉