Wo darf’s hingehen? #agh16 Ausländische Qualifikationen

Dass viele Migranten nach ihrer Einwanderung im Taxi landen, weil die Berufs-Qualifikationen, die sie in ihrer ehemaligen Heimat erworben haben, hier nicht anerkannt werden, ist ein weltweites Phänomen, und damit auch in Deutschland weit verbreitet. Es muss nicht gleich ein iranischer Gehirnchirurg sein, aber das Thema bewegt viele quasi unfreiwilligen Kollegen. Und dank eines Fahrer-Überangebots und teilweise vorhandenem Fachkräftemangel in anderen Branchen hielt ich das für ein gutes gesamtgesellschaftlich relevantes Thema, das dennoch elegant mit dem Taxigewerbe verknüpft ist. Die Antwort der meisten Parteien scheint mir da Recht zu geben. Aber!

taxi-spdqualifikationen

Viele meiner Kollegen haben in anderen Ländern Qualifikationen erworben, die hierzulande nicht anerkannt werden. Hat Ihre Partei vor, die Anerkennung ausländischer Berufsausbildungen zu vereinfachen?

CDU:
Die Integration in den Arbeitsmarkt ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine gelungene Integration. Deswegen ist das Berufsanerkennungsverfahren für Personen mit formalen ausländischen Berufsabschlüssen zu beschleunigen und die Förderung einer Anpassungsqualifizierung zu fördern. Doch auch non-formal erworbene Qualitäten, z.B. Erfahrung und soziale Kompetenzen, müssen einen stärkeren Einzug in das Anerkennungsverfahren erhalten.

FDP:
Ja. Wir wollen es nicht hinnehmen, dass viele motivierte Migrantinnen und Migranten mit Berufsabschlüssen aus ihren Herkunftsländern durch eine restriktive Ausbildungsanerkennung dazu genötigt sind, soziale Transferleistungen in Anspruch zu nehmen oder Tätigkeiten geringer Qualifikationsanforderungen auszuüben. Wir werden uns daher für ein möglichst einheitliches und übersichtliches Verfahren zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse einsetzen. Über entsprechende Anträge muss innerhalb einer Frist von drei Monaten entschieden werden.

SPD:
Berlins Wirtschaft wächst. Seit 2005 sind in der Stadt rund 300.000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstanden, 40.000 allein im vergangenen Jahr. Um dem Fachkräftemangel vorzubeugen, setzen wir uns für eine verbesserte und transparente Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen und Qualifikationen ein.

Die LINKE:
Ja. die Anerkennung vom im Ausland erworbenen Qualifikationen wollen wir deutlich vereinfachen und für die notwendigen Verfahren und Beschaffung von Dokumenten auch Finanzmittel zur Verfügung stellen. Außerdem wollen wir Qualifizierungsmodule einrichten, die mögliche Lücken zwischen dem ausländischen und deutschen Abschluss zu schließen vermögen.

Ronald Gläser, AfD:
Meine Einschätzung: Ich bin prinzipiell für vereinfachte Anerkennungen. Gerade bei Taxifahrern ist das aber schwierig, oder? Deren relevantes Wissen besteht doch vermutlich zu mindestens 80% aus Ortskenntnissen. Was nutzen einem irakischen Taxifahrer seine Ortskenntnisse aus Bagdad in Berlin? Insofern habe ich Zweifel, was die Praktikabilität angeht.

Die PARTEI:
Natürlich. Gelernt ist gelernt. Egal wo.

Mal abgesehen von der Lage im Berliner Taxigewerbe: In den Berufsfeldern, wo wo es möglich ist, Standards zu vergleichen, wäre es ein absolutes Muss, Leute nicht in Jobs zu zwingen, die sie so nie machen wollten. Schön, dass da zumindest auf dem Papier alle mitgehen. Und dann ist da die AfD.

Ehrlich!? Ich hab diese Frage im Wissen, dass ich sie auch der AfD zukommen lassen werde, natürlich auch in der Vermutung gestellt, dass sich an dieser Stelle ein sonst vorsichtiger Natürlich-überhaupt-nicht-Nazi mit rassistischem Bullshit eindeutig outet. Fangfrage wäre zu hart ausgedrückt, nennen wir es Steilvorlage. Und nun besitzen sie dort nicht einmal die Vorstellungskraft, um die Frage auch nur richtig zu verstehen! Himmel hilf! Mal ganz ehrlich und in dem Fall auf alle Wahlen da draußen bezogen: Mit sowas kann man nicht arbeiten!
*geht schmerzverzerrten Gesichtes ab*

8 Kommentare bis “Wo darf’s hingehen? #agh16 Ausländische Qualifikationen”

  1. Roichi sagt:

    Ich komm mit. *autsch*
    Aber hatte nicht schon die PISA Studie das Problem mit der Lesekompetenz festgestellt?

  2. Henrik sagt:

    Ich muss schamvoll gestehen, ich hätte das wie der AfD-Vertreter taxispezifisch gesehen. Und erst nach einigem Nachdenken in Richtung „Taxler wider Willen“. Ich hoffe, ich darf noch weiterhin hier bleiben… 🙂

  3. Sash sagt:

    @Roichi:
    Ach, ich glaube da steckt mehr dahinter. Da ist auch ein Nicht-wollen dabei.

    @Henrik:
    Na sicher doch! 🙂
    Ich will ja jetzt auch nicht behaupten, dass es keine Möglichkeit gibt, das misszuverstehen. Aber wenn’s dann halt wirklich nur einer schafft und es dann auch noch gut ins Bild passt …

  4. Kat sagt:

    *gröhl* ich kann nicht mehr 🙂

    danke übrigens für diese Reihe. Auch wenn ich weit weg von Berlin bin und dort nicht wählen werde, weil ich nicht darf, finde ich das sehr interessant.

  5. ednong sagt:

    Ja also ehrlich, was nutzen einem Taxifahrer aus Paris schon die Ortskenntnissse in Berlin?
    Thema verfehlt, hätte es wohl in der Schule geheißen …

  6. Sash sagt:

    @Kat:
    Das freut sehr zu hören! 🙂

    @ednong:
    Die armen irakischen Taxifahrer!

  7. hafensonne sagt:

    Hat der von den Armleuchtern auch getrunken?

  8. Sash sagt:

    @hafensonne:
    Gläser. Mehrzahl? Fragen über Fragen. 😉

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