„Wo soll’s hingehen?“
„Bring uns mal zum Spindler & Klatt.“
„Die Party geht also erst los jetzt?“
„Ja klar: Wenn wir kommen!“
Selbstbewusst und schlagfertig. Gefällt mir. 🙂
„Wo soll’s hingehen?“
„Bring uns mal zum Spindler & Klatt.“
„Die Party geht also erst los jetzt?“
„Ja klar: Wenn wir kommen!“
Selbstbewusst und schlagfertig. Gefällt mir. 🙂
Es gibt Dinge, die passieren einem als Taxifahrer nur sehr selten bis gar nie. Etwas leichter hat man es, wenn man nebenher schreibt und einen Haufen Leser hat, die wissen, was man mag und was nicht. Von so einer – zu 100% perfekten Tour – handelt dann wohl dieser Eintrag.
Die Uhr wehte frisch und der Wind stand auf kurz nach halb eins. Oder so. Ich stand am Ostbahnhof, dritte Rücke, die nächste Fahrt so in etwa einer halben Stunde in Aussicht. Am Samstagabend sind die toten Stunden zwischen 0 und 2 Uhr nicht ganz so extrem, aber immer noch spürbar. Ich schaute ein wenig um mich, als mein Blick an einem bekannten Gesicht hängen blieb. Und das bei meiner Gesichtsblindheit! Aber ich hatte mich nicht vertan, denn das bekannte Gesicht blickte erfreut zurück und der zu dem bekannten Gesicht gehörige Mund formte betont beiläufig folgende Worte:
„Na, wir kennen uns doch!“
Allerdings.
Christian, seines Zeichens Anwalt aus der Nähe von Hamburg, saß schon einmal bei mir im Taxi und ist Blogleser und (Selten-)Kommentator der ersten Stunde. Das konnte kein Zufall sein!
War es auch nicht. Zwar hat die Bestellung bei myTaxi nicht geklappt, da uns beiden ungefähr zeitgleich das Programm abgeschmiert war – aber dank meines Trackers (dafür hab ich den also!) hat er – und das ist etwas Neues – sich extra in die Bahn gesetzt, um zu mir zum Taxi zu fahren.
„Ich bin zufällig in Berlin und wenn’s Dir recht ist, dann würde ich vorschlagen, wir fahren ein bisschen rum, gehen bei laufender Uhr einen Döner essen und Du bringst mich danach irgendwann ins Hotel zurück. Wäre das ok?“
Ob das ok wäre? Na, aber hallo!
Und dabei bin ich zunächst noch davon ausgegangen, dass wir nur mal eben nach Kreuzberg rüber zum nächsten Döner gurken. Stattdessen interessierte sich Christian aber für so allerlei Blog-spezfische Plätze und schlug vor, ich könne ihm auch gerne meinen Heimatbezirk Marzahn zeigen. Stopp an einer Bank und an einem Döner allerdings obligatorisch!
Ich hab mich anfangs ein bisschen schwer getan damit. Ziellos durch die Gegend fahren ist nun wirklich so ziemlich das Letzte, in dem man irgendwie Übung hat nach viereinhalb Jahren im Taxi. Immer geht es nur um die kürzeste Strecke, den schnellsten Weg und das letztendliche Ziel. Und nun das. Ich hab mir aus dem Ärmel eine immer noch relativ geradlinige Route nach Marzahn einfallen lassen und ihm nebenbei die Abstellplätze des Autos und alles auch nur halbwegs interessante gezeigt. Aber im Grunde war sogar das nebensächlich, denn wir haben uns vor allen Dingen gut unterhalten.
Am Ende haben wir tatsächlich im Eastgate Geld geholt und beim Döner vor meiner Haustüre gemütlich was gegessen und getrunken. Und uns weiter unterhalten. (Gemeinsamer Buchtipp übrigens: Oliver Sacks – Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte)
„Ich wusste, dass es gut wird. Aber dass es SO gut wird …“
Da konnte und kann ich auch jetzt noch nur beipflichten!
Und all das, während die Uhr in der 1925 weiter vor sich hintickte. Wenngleich die Auslegung meiner Bestellung seitens des Personals beim Döner etwas abenteuerlich war, hatten wir also unsere Unterhaltung und führten diese bis zum Ende der üppigen Portionen fort. Selbst eine Raucherpause gestand mir mein Fahrgast noch zu, während ich immer noch nicht wirklich loslassen konnte von meiner Sorge, dass ich doch wenigstens dafür die Uhr kurz … ich bin wahrscheinlich wirklich unverbesserlich.
Auf dem Rückweg nahmen wir noch ein paar Eindrücke aus Marzahn, Lichtenberg und Friedrichshain mit – und nach ein bisschen Club-Sightseeing standen wir ungefähr eindreiviertel Stunden nach unserer Begegnung vor seinem Hotel und haben uns ausdauernd verabschiedet. Die Uhr zeigte knapp über 65 € an und ich nenne den Betrag nur, damit man ungefähr eine Vorstellung hat, was folgender Satz beim Bezahlen zu bedeuten hat:
„Ich weiß ja, Du magst keine großen Scheine. Aber wenn ich sage ‚Stimmt so!‘, dann geht das hoffentlich …“
Ja, es ist wahr. Die Truppe lustiger Jugendlicher mit ihrem Mördertrinkgeld haben in der Schicht leider nur den zweiten Platz gemacht. Dass mir an diesem Tag nichts mehr die Laune verderben konnte, ist wahrscheinlich verständlich, oder? 🙂
Kleines PS:
Das ist natürlich ein Erlebnis, das ich nicht meinem Beruf als Taxifahrer zu verdanken habe. Christian hat sich ausdrücklich für mein regelmäßiges und gutes Schreiben bedankt, was ich sehr zu schätzen weiß. Und ich möchte auch den Eindruck zerstreuen, das sei für mich einfach ein tolles Geschäft gewesen. Natürlich ist so eine Tour der Hammer und unter dem Gesichtspunkt hab ich’s hier natürlich auch runtergetippt. Aber übers Finanzielle hinaus war es einfach ein netter Break, eine kleine Pause im wuseligen Wochenendbusiness, ein bisschen Erholung nebst viel Spaß. Christian möchte ich zu diesem Anlass natürlich besonders danken, aber es ist ja nicht das erste nette Erlebnis mit Euch Lesern. Und ich glaube sagen zu können, mit allen von Euch Spaß gehabt zu haben.
Wie gut so ein paar Stunden Schlaf extra einem manchmal bekommen können, davon kann ich Euch heute ein Liedchen singen. Ich lass die wörtliche Umsetzung aber besser bleiben, denn momentan ist mein Schlafrhythmus meines gestrigen „überraschenden“ Zahnarztbesuches wegen etwas aus den Fugen geraten und hat hier und da durchaus was mit Schmerzen zu tun, weswegen ich in jeden Singsang gelegentlich kleine verstörende Auas einstreuen würde.
Und in Anbetracht des letzten Satzes bin ich mir nicht sicher, ob mein Ibuprofen nicht irgendwelche psychoaktiven Bestandteile hat.
Aber das mit dem Müdesein und dem Wunsch nach Schlaf und Ruhe ereilt einen ja auch gelegentlich gegen Feierabend – vermutlich nicht nur als Taxifahrer. Aber bei uns liegt die Sache ja wieder mal ein bisschen anders, weil unser Feierabend in den Augen vieler Menschen offenbar verhandlungsoffener ist als der anderer Dienstleister. Das aber wiederum wollen wir ja manchmal auch nicht anders.
Nach meiner Schicht am vergangenen Wochenende war ich aber eigentlich bereits an dem Punkt, an dem ich keine Kompromisse mehr eingehen wollte. Ich hab die Fackel – was wirklich selten ist – bereits vor dem Abstellplatz ausgeschaltet und war ein klein wenig verärgert, als ich auf der Haltestellenanzeige einen „Außer Betrieb“-Hinweis zu lesen bekam. So lange die Bahnen morgens noch im 30-Minuten-Takt fahren, orientiere ich mich da nämlich gerne dran und teile mir die Zeit ein wenig ein. Wenn ich nur noch wenig Zeit habe, beeile ich mich mit dem Schichtabschluss, dem Einpacken, Aufräumen etc. – wenn mir noch zwanzig Minuten verbleiben, rauche ich auch gerne erst einmal neben dem Wagen eine und setze mich danach in aller Ruhe noch einmal ins Warme, bevor ich unnötig lange an der Haltestelle selbst, nur 50 Meter entfernt, rumgammle.
Und nun? Außer Betrieb.
Mit ungewissem Zeitplan ließ ich die 1925 auf den Parkplatz rollen, drehte die Musik leiser und fing an, mir die Schichtdaten zu notieren. Da stand er dann plötzlich und fragte, ob ich noch fahren würde. Puh, nee, also echt nicht. Ich hatte meine 10 Stunden fast runter, der Umsatz war ok soweit, so langsam sammelte sich der Schweiß im Hemd, ich war müde.
Aber wenn man dann so dran denkt, wie lange man sonst manchmal auf eine Tour wartet … ich werde da halt doch auch mal schwach.
„Nee, eigentlich nicht. Feierabend. Ich war lange genug draußen, sorry.“
„Bitte.“
„Wohin soll’s denn gehen?“
„Ich muss nach Karlshorst.“
Verfluchter Mist! 20 € gleich. Auf dem Silbertablett ohne Wartezeit serviert! Das ignoriert sich irgendwie schwer, wenn man zwar müde und fertig – aber doch ganz guter Laune! – ist. Auf der anderen Seite: Das sind auch nochmal deutlich über eine halbe Stunde Zeitaufwand, dann wäre es … shit! Soo spät?
„Nee, tut mir leid. Das ist mir jetzt echt zu weit.“
„Dann vielleicht wenigstens zur Rhinstraße? Ich warte hier schon ewig und die Bahn kommt nicht.“
(mit anderen Worten: die Bahn kommt ziemlich bald – und schließlich ist das die, die ich auch zu nehmen gedachte)
„Also Landsberger-, Ecke Rhinstraße? Das wäre ok?“
„Ja, Hauptsache ich bin hier mal weg!“
„Na gut …“
Ein Novum, wenn ich der letzten fünf Jahre richtig entsinne. Um das Fahrtziel hab ich mit der Kundschaft meines Wissens nach noch nicht gefeilscht. 🙂 Bietet sich auch wenig Anlass zu, ich hab’s auch nur gemacht, weil ich mich rein technisch schon außer Dienst gesehen hab.
Das Ergebnis hingegen war für mich OK. Nur mal kurz die Landsberger rauf würde fast einen Zehner bringen und um die Zeit dank Verkehr allenfalls 10 Minuten – inklusive Rückweg – kosten. Also hab ich ihn doch noch eingesackt. War auch ein netter Kunde, zu jeder anderen Zeit hätte ich ihn auch ans andere Ende der Stadt oder des Landes gefahren. Für den Moment war der Kompromiss aber auf beiden Seiten so das gerade noch tragbare Maximum. Und was soll’s? Am Ende isses ja ok, so lange es passt.
Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob das ein Versehen war. Aber nichts spricht dafür.
Ich muss dazu sagen, dass ich am vergangenen Samstag eine fantastische Schicht hatte. Was insbesondere damit zusammenhing, dass mich gleich drei Leser aufgespürt haben. Zumindest eine der Touren werde ich gesondert erwähnen müssen, die war nämlich auch abgesehen von den mehr als nur ausgeglichenen Finanzen einfach geradezu eine entspannende Pause in einer sonst doch eher hektischen Wochenendschicht.
Nun will ich aber erst einmal das Feld von hinten aufrollen und eine der letzten Fahrten ins Visier nehmen.
Ich erhoffte, nach gutem Umsatz und noch besserem Trinkgeld, mit gutem Gewissen ein kleines Päuschen an meiner Stammhalte einlegen zu können. Ich kam auf dritter Position zu stehen, einer vor mir fuhr gleich weg, dann bekam ich aber doch noch die Gelegenheit, auszusteigen und eine Zigarette zu rauchen. Diese war noch nicht einmal zur Hälfte beendet, da wurde ich von einer Gruppe junger Leute gefragt, ob mein Auto ein Großraumtaxi sei. Ich bejahte, verwies aber auf den recht knappen Platz in der letzten Reihe.
Für diese fand sich aber problemlos eine junge Dame, der Rest ging dann schnell. Fünf Leute saßen im Auto und arbeiteten eine Route mit drei Stopps aus. Hervorragend, hatte ich doch zum Erreichen meines finanziellen Ziels allenfalls noch 7 € offen.
„Erstmal Flughafenstraße.“
Damit wäre das mit dem Geld erledigt.
Die darauffolgenden Stopps reihten sich wie Perlen auf einer Schnur, im Wesentlichen fuhr ich einen sehr an ein Rechteck angelehnten Halbkreis. Die Leute waren alle total umgänglich, ich hätte ihnen zudem im Vorbeigehen Nüchternheit attestiert. Freundschaftliche Atmosphäre, nettes Gepläkel beim Aussteigen, alles super. Die Uhr kam bei 18,60 € zum Stehen und ich verkündete der letzten Mitreisenden aus reinem Spaß an der Freude:
„Das wären dann 18,60 €. Und wegen der 1,50 € Zuschlag für die fünfte mach ich heute auch keinen Terz.“
Ich hatte kurz davor bemerkt, dass ich den Zuschlag noch nicht gedrückt hatte – und ich wollte jetzt einfach nicht noch sagen: „Da kommen aber noch …“ Manchmal siegen Faulheit und Bequemlichkeit, und wann, wenn nicht an einem Tag wie diesem, ist das mal ok?
Meine verbleibende Fahrgästin kramte in ihrem Portemonnaie und reichte mir ihren Fund weiter:
„Vielen Dank. Stimmt so.“
Ich war verunsichert. Ich wollte schon einfach die Kohle einsacken, beinahe hätte ich es selbst übersehen. Ich hielt ihr meine Hand mit dem Geld noch einmal hin:
„Ähm, ganz ehrlich: Sind Sie sicher? Wir waren bei 18,60.“
Sie bejahte und versicherte noch einmal:
„Glauben Sie mir, das ist gut so.“
Also hab ich das Geld eingesteckt. Die ganzen 33 €.
Ich hätte ja gedacht, dass es schneller geht. Aber hier isser nu:

Mein Scanner konnte noch nie fünfe gerade sein lassen. Quelle: Sash
Da isses wieder. Ausgerechnet Sigmar Gabriel hat derletzt das Tempolimit auf deutschen Autobahnen mehr oder weniger versehentlich mal wieder ins Gespräch gebracht – obwohl für rufschädigende Auftritte in der SPD doch eigentlich Kanzlerkandidat Steinbrück zuständig ist. Sachen gibt’s.
Ich finde, ich sollte zum Tempolimit auf der Autobahn als Berufskraftfahrer auch mal was sagen. Und das ist ganz klar:
Mir als Autofahrer gefällt das nicht!
Darüber hinaus bin ich aber auch Gehirnträger und Mensch. Und da sieht es anders aus: Ich halte es für eine gute Idee!
Dass ich den Shitstorm jetzt ertragen muss, ist klar. Aber ich möchte das doch für einen Moment näher beleuchten. Als Autofahrer hab ich – wie oben geschrieben – echt was übrig für’s gepflegte Heizen. Das ist aber auch das Einzige, was für eine Freigabe spricht: Ein bisschen Spaß am Fahren. Den will ich nicht kleinreden, auch mir ist in meinem Job der Spaß am Fahren wichtig. Aber vom offensichtlichen Symbolcharakter der Thematik abgesehen: Ist das alles andere wert?
Die Vorteile einer Geschwindigkeitsbegrenzung sind sicher erst einmal begrenzt. Es würde natürlich nicht die Verkehrstoten auf Null reduzieren und nicht das Klima retten. Es würde allenfalls hier und da ein bisschen positiv wirken. Je nach Ausgestaltung im Übrigen, die Festlegung auf eine Zahl will ich mir da echt nicht auch noch ans Bein nageln. Aber hey: Immerhin weniger Tote und weniger CO2. Und als Gegenargument steht immer noch:
Nur der Spaß am Fahren.
Wichtiger sind in meinen Augen aber ohnehin die indirekten Auswirkungen: Wie stehen die Chancen, dass in Zukunft Autos besser an den alltäglichen Anforderungen gemessen konstruiert werden – wenn Deutschland als letzter ernstzunehmender Industriestaat auch keine Geschwindigkeiten jenseits von 200 km/h mehr zulässt? Wieviel landschafts- und umweltschonender lassen sich künftige Autobahnen trassieren, wenn sie geringere Kurvenradien z.B. vertragen würden? Welche positiven Auswirkungen auf die Statussymbolträchtigkeit von unwirtschaftlichen und umweltschädlichen Autos hätte es wohl, wenn diese im Alltag einfach nicht sinnvoll nutzbar wären? Wie sähe es mit der Attraktivität der Bahn aus, wenn man sich nicht einreden könne, theoretisch doch in dreieinhalb Stunden von Berlin nach Stuttgart zu kommen?
Sicher, das stößt uns erst einmal bitter auf, jetzt wo endlich auch fast alle unsere Kleinwagen die 200 km/h schaffen. Aber warum? Ist das nicht eigentlich nur eine Gewohnheit, die abzulegen gar nicht so doof wäre? Und wie viel unserer Zeit verbringen wir denn eigentlich wirklich auf freigegebenen Strecken ohne Stau und schlechte Witterungsbedingungen – also wirklich jenseits von 130 – 150 km/h?
Und wir haben auf Autobahnen Geschwindigkeitsvorschriften. Nicht nur auf einem Drittel, wie oft einseitig berichtet, sondern auf 100% ihrer Länge: Fahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit unter 60 km/h dürfen dort nicht fahren. Das wird auch von niemandem scharf angegriffen, obwohl auch das nur der Sicherheit dient: Damit die Geschwindigkeitsunterschiede nicht zu Unfällen führen. Seit der Erbauung der Autobahnen haben sich die Geschwindigkeiten jedoch deutlich nach oben entwickelt. Während LKW zwar immer noch mit 80 über die Straße „kriechen“, schafft jeder Mittelklasse-Wagen die 200 km/h in überschaubar kurzer Zeit. Inwiefern 200 km/h vs. 80 km/h ungefährlicher sein sollen als 50 km/h vs. 80 km/h, ist rational nicht begründbar. Von Extremen über diese Werte hinaus brauchen wir da gar nicht reden.
Unsere Autos sind vergleichsweise sicher, sie liegen gut auf der Straße und wir haben eine Menge gute Autofahrer da draußen. Das will ich alles nicht anzweifeln. Ich sehe mich selbst nach 10 Jahren Arbeit im Fahrdienst als geübten Fahrer und ich wünsche mir manchmal, es wären alle so vernünftig und versiert. Aber im Gegensatz zu Rennstrecken mit halbwegs fairen Bedingungen unter den Teilnehmern (betreffend sowohl Übung als auch Fahrzeugstärke) ist der öffentliche Verkehr ein Raum mit unterschiedlichen Mitspielern. Auf Autobahnen fahren sowohl extrem geübte – aber langsame – LKW- und Busfahrer, ängstliche Kleinwagenfahrer, versierte Limousinenchauffeure, tollkühne Motorradfahrer und übermotivierte Supersportwagen-Besitzer. Hierbei sind die Adjektive willkürlich austauschbar, wer kennt nicht die tollkühnen Kleinwagenreiter?
Und (glücklicherweise!) hat keiner von denen mehr Rechte oder Pflichten als jeder andere. Sie alle dürfen unter der Berücksichtigung der anderen eine Autobahn nutzen, um ihr Ziel zu erreichen.
Anstatt zu akzeptieren, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn ähnlich sinnvoll sein könnte wie die auf allen (!) anderen Straßen, erklären die Deutschen hier lieber die Technik (und damit, wenn wir ehrlich sind, die finanziellen Möglichkeiten) des Einzelnen zur Grenze des Erlaubten? Wieso eigentlich?
Ich bin – die meisten Leser sollten das inzwischen wissen – wahrhaftig kein Befürworter eines „starken Staates“. Ich tendiere immer und immer wieder zur Maxime „Freiheit statt Angst!“. Freiheit ist wichtig! Gesellschaftlich, politisch, psychisch, in allen Lebensbereichen!
Aber bei der Geschwindigkeitsfreigabe geht es nur um den Spaß am Fahren! Einen Spaß, für den man meinetwegen dutzende Rennstrecken alleine rund um Berlin bauen kann. Und wo sind eigentlich die 50 bis 80% Freiheitsbefürworter bei Themen, bei denen es nicht nur um ihren eigenen Spaß geht? Bei Themen wie der Drangsalierung von Arbeitslosen, beim Leistungsschutzrecht, bei der Reisefreiheit von Asylbewerbern etc. pp.?
Wir – und an der Stelle schließe ich mich gerne mit ein – wollen gerne schnell fahren. Das ist ok, uns als Autofahrern macht das eben Spaß. Aber verdammt nochmal: Selbst ich als Taxifahrer bin nur Teilzeit-Autofahrer – aber Vollzeit-Gehirnbesitzer.
In irgendeiner Art war tatsächlich Herrentag heute. Zumindest hatte ich keine alleine reisenden Frauen im Taxi. Naja, mir isses egal. Insgesamt ist es gut gelaufen, ich hab den gewünschten Hunni so schnell wie erhofft – und damit schneller als erwartet – eingefahren. Das aber lag nicht daran, dass die Winker zeitweilig häufig waren (was der Fall war), sondern dass ich die richtigen Touren bekommen habe. Insbesondere zwei längere, die über die Hälfte meines Umsatzes ausgemacht haben.
Zunächst hatte ich ein „Wiedersehen“ (ich bin ja ein bisschen gesichtsblind, deswegen die Anführungszeichen) mit einem Stammgast des Ostbahnhofes. In meinem Auto hatte ich ihn sicher zwei oder drei Jahre nicht mehr – und ach du Scheiße, klingt das, als ob ich den Job schon ewig machen würde!
Es war jener schweigsame Mensch, der gerne seine Zeitung liest, während er sich ganz selbstverständlich vom Ostbahnhof bis ins tiefste Zehlendorf fahren lässt. Inzwischen kostet seine Fahrt ja 31,00 €, seinen drei Euro Trinkgeld ist er jedoch treu geblieben. Ich für meinen Teil hab dazugelernt und fahre inzwischen einfach die Strecke, die er gerne hätte. 🙂
Und dann waren da noch die Winker am SEZ in Friedrichshain. Typische Feiergemeinde, gemischtgeschlechtlich, jung – aber unkompliziert. Dass sie bei mir zu Hause ums Eck wollten, schien mir schon eine nette Geschichte zu sein, wäre allerdings mit grob geschätzt 15 bis 18 € nicht erwähnenswert gewesen. Dass sie unterwegs beschlossen haben, einem der Mitreisenden die Heimfahrt mit Bus und Bahn zu ersparen und deswegen einen Umweg über Kaulsdorf-Nord verlangt haben – das hat das Ergebnis spürbar aufgerundet. Auf fast 30 €. Wobei es hier noch zu erwähnen gilt, dass es wesentlich günstiger gewesen wäre, erst nach Marzahn und dann nach Kaulsdorf zu fahren …
Spektakulär im eigentlichen Herrentagssinne waren die Fahrten beide nicht. Und bei aller Liebe zu den betrunkenen Partygängern bin ich versucht zu sagen: Glücklicherweise! Manchmal ist einfach dann ja doch auch schön. 🙂