Verlängerung (4)

Ein paar erinnern sich vielleicht noch an die anderen Verlängerungs-Artikel und wissen, dass ich von der Verlängerung meines P-Scheins rede. Die war/ist ziemlich genau jetzt fällig. Die Gültigkeit meiner bislang ersten und einzigen Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung ist seit der nullten Stunde des heutigen Tages Geschichte.

Der Grund, weswegen ich bisher keinen neuen P-Schein habe, ist nur bedingt bei mir zu suchen. Im Grunde gar nicht, denn ich war schlicht einmal mehr in meinem Leben so blöd, der telefonischen Aussage eines Amtes zu vertrauen. Bereits im Juni, also weit vor Ablauf der Frist habe ich nach dem Procedere beim LABO angefragt und dabei auch, ob ich den Antrag schon stellen sollte oder Unterlagen einschicken. Die Antwort auf beides lautete sinngemäß:

„Um Himmels Willen, nein! Soo lange vorher geht das garantiert unter. Melden sie sich 3 Wochen vor Ablauf ihres Scheins.“

Naja, schließlich hab ich dann vor ziemlich genau 3 Wochen alle Unterlagen zusammengekratzt und meinen Verlängerungsantrag gestellt. Meine Kollegen haben mich angesehen wie Autos, aber auch beim Bürgeramt hat niemand was wegen der knappen Zeit gesagt. Zusammen mit meinem Führungszeugnis ist das Ganze ans LABO gegangen und ich habe gewartet. Bis gestern.

Als dann immer noch keine Bestätigung im Briefkasten lag, dass ich den Schein abholen könnte, hab ich mich mal gemeldet. Das Ergebnis kennen Millionen von Hartz4-Empfängern, wenn es um die Beantragung lebenswichtiger Finanzspritzen geht:

„Ja nee, die Bearbeitungszeit beträgt gerade 7 Wochen…“

Oder noch besser:

„Also bisher ist da nix bearbeitet. Ihr Führungszeugnis ist da, ja…“

Menschen mit ernsthaften Problemen können wahrscheinlich nicht nachvollziehen, wie sehr mir danach war, bei dieser Aussage an die Decke zu gehen. Sicher, mein Lebensunterhalt hängt von meinem P-Schein ab, aber es ist ja nicht so, dass das LABO nicht für alle Lebenslagen kostenpflichtige Ausnahmegenehmigungen erteilen würde.

Ich hab dennoch ein bisschen meine Contenance gewahrt und darauf verwiesen, dass ich den Fehler nun aber wirklich nicht bei mir verorten könne. Daraufhin wurde ich überraschend zum Führerscheinbüro weitergeleitet. Die dortige Bearbeiterin war sehr verständnisvoll, konnte aber auch nur bemerken, dass leider nur mein Führungszeugnis angekommen sei. Ich solle aber einfach mal vorbeikommen und die Kollegen fragen, ob sie mir den Schein nicht vielleicht einfach gleich ausstellen würden.

Ist klar.

Ich habe wohl noch nie eine Behörde erlebt, die bei irgendwas, das mir ernstlich wichtig war, irgendwas mal eben so gemacht hätte, ohne dass sie auch ja alle Unterlagen mit dreifachem Durchschlag vorliegen hatte. Aber mit ziemlich mieser Laune und so gut es geht mein Aggressionspotenzial haltend hab ich mich auf den nervigen Weg gemacht.

Angekommen im LABO verwies man mich gleich in ein Zimmer ein Stockwerk höher und nachdem sie mir dort meinen Ausweis und den P-Schein abgenommen hatten, sollte ich warten. Ich hatte extra einen Thriller von Robin Cook („Das andere Kind„, scheint bisher ganz nett zu sein) eingepackt und machte mich ans Lesen.

Nach nur 5 Minuten lugte die Mitarbeiterin aus ihrem Büro, reichte mir meine beiden Scheine und drückte mir eine Ausnahmegenehmigung in die Hand. Sie bestätigte, dass die anderen Unterlagen wohl noch irgendwo im Haus lägen, aber mit dem Schrieb könne ich nun erstmal weiterarbeiten.

Et voilà:

Erstmal wieder 3 Monate auf Tour, Quelle: Sash

Besonders der letzte Satz ist interessant:

„Die Gebühr ist bei Aushändigung der Ausnahmegenehmigung zu entrichten.“

Nun, ich habe das Schriftstück ausgehändigt bekommen. Die Gebühr scheint nach einem Blick in meinen Geldbeutel 0,00 € betragen zu haben. Mit dieser Lösung kann ich wahrlich leben 😀

25 Kommentare bis “Verlängerung (4)”

  1. MsTaxi sagt:

    Die Frau vom Amt wollte bloß ins blog. 🙂

  2. Jen sagt:

    Hey Sash, ich würde evtl. die Addresse sowie das Geburtsdatum unkenntlich machen, man weiß ja nie im Internet 🙁
    Ansonsten Glückwunsch zur erstaunlichen Flexibilität der Behörde und ich hoffe, der „richtige“ Schein kommt auch bald!

  3. Falcon030 sagt:

    Echte Adresse im Blog?
    Nicht, dass Du da demnächst Scharen von Groupies vor Deiner Haustüre hast…

  4. Nathan sagt:

    @Falcon030
    Falls Groupies nicht zu blöd sind, ins Impressum zu schauen, ist das sowieso schon der Fall… 😉

  5. Nessa sagt:

    @Nathan:
    Ja, aber in Verbindung mit dem Geburtsdatum kann man schon einiges anstellen!
    Ich stehe dem veröffentlichen von Privatadressen und Geburtsdaten im Internet auch eher skeptisch gegenüber!

  6. Jens I. sagt:

    Für mich klingt das so als wenn der Sachbearbeiter des P-Scheines noch auf den Unterlagen saß und das irgendwie verschludert hat und das deshalb keine Gebühr erhoben wurde – ein Amtsvorgang ohne Gebühren – wo gibt es denn das noch?

    Oder das war die Frau die am Telefon von drei Wochen gesprochen hat ….

  7. Moritz sagt:

    Ich freue mich das du so eine positive Erfahrung gemacht hast. Ich habe auch schon Super gute Erfahrungen gemacht. Für ein Visum in die USA brauchte ich ein polizeiliches Führungszeugnis. War ein bisschen knapp dran. Habe dann irgendwann den Verantwortlichen für die Erstellung dieser Dokumente an der strippe gehabt. Der hat mich verstanden und versprochen sich dessen mal direkt anzunehmen. Hat dann auch wirklich geklappt und ich habe eine Bearbeitungszeit von drei Wochen auf einen einzigen Tag reduzieren können. Auch ohne extra kosten.

  8. Kommt auf den Bearbeiter und dessen Laune an, aber die meisten kapieren dennoch, wenn man freundlich die echte (!) Wichtigkeit darlegt, dass sie da aus dem gewohnten Trott ausbrechen müssen.

  9. Sash sagt:

    @MsTaxi:
    DAS wäre wenigstens mal echt eine gute Auswirkung des Geschreibsels 😀

    @Jen, Falcon030 und Nessa:
    Und das, wo ich Klarnamen und Adresse im Impressum und das Geburtsdatum bei Facebook und in sämtlichen Blogs online habe? Ihr dürft mir ruhig alle was zum Geburtstag schenken 😀
    Im Ernst: Ich hab mich vor einiger Zeit entschieden, nicht unter Pseudonym zu bloggen und da ist das jetzt kein Dammbruch, ehrlich nicht.

    @Jens I.:
    Sowas dachte ich mir auch schon 🙂
    Ob das aber die vom Telefon war? Vermute eher mal nicht…

    @Moritz:
    Ja, sowas tut gut. Bei mir hat sicher die Tatsache geholfen, dass er wirklich gestern abgelaufen ist. Aber ich war überrascht, gebe ich zu.

  10. anonym sagt:

    Also, ich glaube, so gut wie niemand hat gern mit Ämtern zu tun. Ich mache da keine Ausnahme. Ich habe es daher in meinem Leben immer konsequent vermieden, (ausgedehnten oder häufigen) Kontakt mit Ämtern zu haben, und das hat zumindest in meinem Fall recht gut geklappt – meine Begegnungen mit Ämtern lassen sich wohl fast an zehn Fingern abzählen (für einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten).
    Und es stimmt auch, daß man, wenn man da in konkreten Fällen im Vorfeld Informationen einholt (z. B. via Telefon, Internet), allerhand Widersprüchliches erfährt.
    Eins will ich aber auch sagen: Wenn ich in den letzten Jahren mal ausnahmsweise auf einem Amt war, wurde ich da freundlich und kompetent „abgefertigt“. Und die Wartezeiten waren auch meist minimal, jedenfalls weit weniger schrecklich als erwartet. Von daher ist ein vorsichtiges Lob für Ämter (auch und gerade in Berlin) durchaus mal angebracht. Und es ist wohl meist wie überall: Was man als Kunde dort erlebt, hängt sehr vom einzelnen Angestellten ab, mit dem man zu tun hat.

  11. Also ich war mit der Bearbeitungszeit (ebenfalls Berlin) beim P-Schein-Erstantrag ganz zufrieden. Beim Bürgeramt hieß es zunächst die Bearbeitung dauere 8-10 Wochen, aber bereits nach 4 Wochen hat sich das LABO gemeldet. Das nennt man wohl „expectation management“ 🙂 Wobei ich nach wie vor heilfroh bin, für den ehrenamtlichen Krankentransport keinen Ortskundenachweis zu benötigen, da gibt es ja so eine obskure Ausnahmeregelung…

  12. Sash sagt:

    @anonym:
    Ich glaube, da hat sich in den letzten Jahren auch einiges getan. Schlimm wird es aber immer noch, wenn es ums Geld geht. Das ist wohl offenbar immer noch weitgehend traurige Realität…

    @Hauptstadtsani:
    So eine Ausnahmeregelung hatte ich bei der Ersterstellung in Stuttgart damals ja auch in Anspruch genommen. Hier in Berlin war ich weniger zufrieden. Die haben mich erst zweimal völlig grundlos antanzen lassen, obwohl ich denen auch alles hätte schicken können, um mir dann aber beim dritten Mal dann problemlos den Schein direkt vor Ort auszustellen.

  13. ednong sagt:

    Wow,
    das ist ja mal richtig bürgerfreundlich. Und erstaunlich.

  14. ednong sagt:

    … oder vielleicht haftete noch irgendwo an einem deiner Ausweise ein Zehner, den du übersehen hattest …

  15. Nick sagt:

    Wow, so einen umständlichen Satz, wie in dieser Genehmigung, habe ich selbst in meinen Zivilrechtzeiten nicht gesehen.

    Das Gute ist, dass da jetzt 18.01.12 steht, das heißt die sagen sich beim Amt „Wie den Antrag da? Nee, den können wir ruhig noch liegen lassen, der hat noch bis Januar nen Wisch“ 😉

  16. Michi sagt:

    Meine Güte, dieses Satzkonstrukt in den ersten beiden Absätzen muss man wirklich dreimal lesen, um es zu verstehen…

    Glückwunsch übrigens zum Bildblog-Link 🙂

  17. Will Sagen sagt:

    Na dann, gute Fahrt weiterhin.
    Btw: „Das andere Kind“ habe ich auch gelesen. Aber von Charlotte Link. Eher was für Mädchen… 😉

  18. Aro sagt:

    Nein, Sash, da hat sich nicht wirklich was getan. Meine letzte Verlängerung ist gerade ein Jahr her, und es war wieder mal zum Kotzen. Aber egal.
    Viel interessanter fände ich ja zu erfahren, WAS genau Du gemacht hast, damit die Dame das so schnell erledigt hat 😉

  19. Chris sagt:

    Robin Cook ist immer lesenswert ;). Ich liebe seine Thriller:D

  20. Sash sagt:

    @ednong:
    Hälst du mich für Krösus? Als ob ich einen fehlenden Zehner nicht bemerken würde 😉

    @Nick:
    Ja, die haben es gerne umständlich 🙂
    Und ansonsten muss ich wahrscheinlich bis Januar warten… und wenn schon.

    @Michi:
    Danke 😀

    @Will Sagen:
    Danke 🙂
    Und dass die Bücher nicht vergleichbar sind, vermute ich 😀

    @Aro:
    Hmm, eigentlich nur gelesen. Vielleicht hat sie ja den Titel falsch verstanden und glaubt jetzt, ich wäre Vater eines schwer erziehbaren Kindes oder so 😉

    @Chris:
    Ich finde sie auch super. Man darf nur nie 4 Stück hintereinander lesen, denn dann wird einem bewusst, dass sich die Bücher bisweilen doch sehr ähneln vom Aufbau.

  21. ednong sagt:

    Naja,
    dann buchen die es bestimmt wieder vom Konto ab. Die Kontonummer werden sie ja sicher noch haben … 😉

  22. hendrik sagt:

    Das Buch ist super 😉

  23. Donalbain sagt:

    Ich hab gestern auch leicht Panik geschoben, als ich – mal wieder – realisiert hatte, dass mein P-Schein in weniger als einem Monat ablief und ich mich bis bisher nur um das Führungszeugnis gekümmert hatte.

    Also für den nächsten Tag einen Termin für die ärztliche und augenärztliche Untersuchung vereinbart, bestanden, 80€ abgedrückt und im Anschluß spontan zum Straßenverkehrsamt unseres Kreises (300.000 Einwohner). Wartenummer gezogen, es saßen immerhin noch zwei weitere Personen im Warteraum, aber noch bevor ich mich setzen konnte, wurde meine Nummer auch schon aufgerufen. Also dem Sachbearbeiter die Bescheinigungen, den alten P-Schein und den Personalausweis in die Hand gedrückt, dann den Antrag ausgefüllt. Anschließend zur Kasse, 38€ gelöhnt und zurück zum Sachbearbeiter, wo ich meinen Ausweis zurückerhielt und meinen „neuen“ P-Schein (er ist tatsächlich neu, denn anscheinend verlängert man hier nicht, sondern druckt gleich einen neuen) in Empfang nehmen durfte.

    Bearbeitungszeit insgesamt: ca. 5 Minuten, nicht Wochen. Aber dafür lebe ich auch nicht in Berlin, sondern im beschaulichen Ostwestfalen-Lippe. Und es sicher nicht jeder bereit, diesen Preis für eine zügige Bearbeitung von Führerscheinangelegenheiten zu zahlen…

  24. Sash sagt:

    @ednong:
    Naja, war immerhin ein anderes Amt. Die zicken bestimmt noch rum 😀

    @Donalbain:
    Ja, also deswegen umzuziehen fände ich etwas übertrieben. Aber schön, dass es nicht überall so ist…

  25. […] die Bestätigung vom LABO zur Verlängerung meines P-Scheins ist nun da. Das ist ein Grund zur Freude, wenngleich meine Ausnahmegenehmigung ja durchaus noch bis […]

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