Böses Omen?

Jetzt hab ich neulich erst ein bisschen in meinem privaten Blog damit kokettiert, dass Berlin ja eigentlich gar nicht so unheimlich ist. Das sollte man als Quintessenz aus 3 Jahren Taxifahren auch so stehen lassen. Manchmal aber bestätigen die Ausnahmen die Regel.

Es war am vergangenen Wochenende, genau genommen am frühen Morgen des Sonntags, kurz nach 5 Uhr. Ich hatte gerade eine Fahrt direkt (!) zu meinem Abstellplatz in Lichtenberg, hab mich aber nochmal in den Kampf geschmissen, um ein paar weitere Euronen zum Zwecke der Lebenshaltung einzufahren. Die Stadt war in herrliche Dunkelheit getaucht und es waren nur sehr wenige Leute auf der Straße.

Unweit des Ringcenters an der Frankfurter Allee hab ich an einer Ampel halten müssen und blickte mich um. Viel interessantes gab es eigentlich nicht zu sehen, das normale Bild auf den Straßen. Weggeworfene Essensverpackungen wehten über die Straße, das letzte verbliebene Laub einiger Bäume raschelte im Wind und ein Mann schlurfte langsam über den Gehweg. Er war schon etwas älter und die fettigen graumelierten Haare hingen ihm ein wenig wirr ins Gesicht. Ich hab ihn nur aus den Augenwinkeln betrachtet, da er alles in allem nicht sonderlich freundlich gesinnt schien.

Plötzlich wandte er sich mir zu und starrte mich mit einem derart irren Blick an, dass ich echt nicht wusste, ob ich lachen oder mit Vollgas über die rote Ampel davonbrausen sollte. Der Typ wandte sich allerdings wieder ab und ich hab ein wenig erleichtert die Anlage ein wenig lauter gestellt. Es ist wirklich wirklich ziemlich verstörend, wenn dort dann ausgerechnet folgende Textzeilen des alten Doors-Klassikers „Riders on the Storm“ kommen:

If you give this man a ride
sweet memory will die
killer on the road

Manchmal bin sogar ich froh, wieder in belebte Gegenden zu kommen 😀

9 Kommentare bis “Böses Omen?”

  1. Doc Snyder sagt:

    Uh, sowas hatte ich auch mal… Nachts von einer Party nach Hause gelaufen, irgendwann bemerke ich eine einsame Gestalt, so ca. 50 – 100 meter hinter mir – schwarz gekleidet, nie richtig zu sehen… Und der Knilch ist den kompletten Weg hinter mir geblieben. Ich hab Blut und Wasser geschwitzt. Als ich zu Hause ankan (das Haus lag in einer Sackgasse) bin ich ungelogen erst mal zehn Minuten im Treppenhaus stehen geblieben und hab gewartet ob der Kerl auftaucht. Keine Ahnung was ich dann gemacht hätte, wahrscheinlich wäre ich schreiend in meine Wohnung geflüchtet und hätte die Bullen gerufen oder so 🙂

  2. Der Soundtrack des Lebens, zumindest als Taxifahrer. Die Ironie ist nicht zu übertreffen.

  3. Aro sagt:

    Ich hatte echt einen schweren Tag hinter mir und dann fährt dieser Taxifahrer weg, obwohl ich schon den Blickkontakt gesucht hatte. Na vielen Dank.

  4. Sash sagt:

    @Der Maskierte:
    Sehr lyrisch. Vielen Dank für diesen Kommentar!

    @Aro:
    😀

  5. Morgis sagt:

    Das erinnert mich an unheimliche Tour von mir. Wie Du weißt fahre ich ja in eher ländlicher Struktur und ich hatte eine Gruppe Bauernsöhne (nein nicht verunglimpfend gemeint, es waren wirkliche Söhne von Landwirten) im Auto und die haben mich quer über einen sehr schmalen Feldweg geführt. Ich weiß bis heute nicht, wo genau wir da waren und wie ich da wieder weggekommen bin. Auf jeden Fall war es da extrem dunkel und um uns herum nur Felder. Es waren auch viele enge Kurven, so dass ich relativ langsam fuhr. Hinter einer Kurve tauchte plötzlich ein Mann vor uns auf, der in die selbe Richtung lief. Er bemerkte mich, drehte sich zu mir um und zeigte mit dem Finger auf mich und sein Blick und sein Zeigefinger blieben an mir haften. Mitten in der Nacht, mitten im Nichts und die Leute im Auto (die da ja heimisch sind) kannten den auch nicht. Da hab ich dann erstmal gepflegt auf den Pinsel getreten und bin schnell an ihm vorbei. Meine Fahrgäste teilten darauf meine Ansicht, dass das wirklich sehr unheimlich war.

  6. Sash sagt:

    @Morgis:
    Das hätte mich auch geschickt 😀

  7. Morgis sagt:

    „Das hätte mich auch geschickt“? Diese Redewendung kenne ich noch gar nicht. Ich kann mir zwar vorstellen, was es bedeuten könnte, aber ich verlange dennoch eine Erklärung :D.

  8. Vivien sagt:

    Nachts alleine mit dem Auto unterwegs, einsame Straße mit roter Ampel. Links neben mir hält ein Auto und ein Gefühl sagt mir „Nicht hingucken!“ Wie unter Zwang hab ich das natürlich dann doch gemacht. Der Beifahrer klebte an der Scheibe, sein Haupt gekrönt mit einer Scream-Maske. Ich habe noch nie in meinem Leben so geschrieen!

    Letztendlich stellte sich raus, dass das ein paar Jungs waren, die zu ner Party wollten. Ich habe höflich abgelehnt, als sie mich fragten, ob ich nicht mit wolle….

  9. Sash sagt:

    @Morgis:
    Puh, da gibt es doch nix zu erklären. Ich wäre auch geflasht gewesen 😀

    @Vivien:
    Ich kann die Ablehnung irgendwie verstehen 😉
    Ich glaube, ganz so schreckhaft wäre ich nicht gewesen, aber ich kann mir die Situation gut vorstellen. Ist hoffentlich ok, wenn ich trotzdem ein wenig über den Scherz kicher, oder?

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