Take this!

Eine nette, etwas zaghaft erscheinende Winkerin entpuppte sich im Wagen als sehr gesprächig. Sehr sehr gesprächig. Die Fahrt war so etwa einen Zehner wert, und sie erklärte mir gleich, dass sie selbigen vom Türsteher der Ziellokalität erhalten würde. Na gut, alles schon gehabt… sie hat auch gemeint, sie hat selbst noch Geld dabei, falls es nicht reichen sollte, ich sollte keine Panik haben… als ob ich die gehabt hätte. Zum Abschluss solle ich außerdem bitte aussteigen. 2,03 Meter – das glaubt sie mir ja nun wirklich nicht. Und überhaupt und sowieso.

Am Ziel angekommen stand die Uhr bei 10,90 € und sie hat sich auf den Weg zum Türsteher gemacht. Dann kam sie mit einem Zehner zurück und suchte in ihrem Geldbeutel nach dem fehlenden Kleingeld. Zudem bewunderte sie meine Größe und binnen weniger Sekunden hatte ich 4 Zwanzig-Cent-Stücke in der Hand.

„Ähm, ich möchte nicht kleinlich wirken, aber das sind nur 80 Cent…“

„Keine Sorge, ich bescheiss dich nicht. Du kriegst Geld!“

Sprachs und leerte ihr komplettes Portemonnaie ungefragt direkt in meines, das ich gerade offen in der Hand hielt. War fast alles Kupfergeld, also kein überwältigendes Trinkgeld – aber die Darreichungsform hatte ich auch noch nicht. Naja, öfter mal was neues…

Übrigens: So aufgeschrieben klingt das alles, als sei sie ein wenig nervig gewesen. Kein Bisschen. War eine echt angenehme Tour.

Ich möchte leider nur…

Das ist eine der angesagtesten Sätze, mit denen meine Fahrgäste derzeit ihre Fahrten beginnen. Ich bin nach wie vor kein Kurzstreckenmuffel – ganz und gar nicht. Heute habe ich sogar folgendes von zwei Fahrgästen gehört:

„Das ist ja geil. So nett hat da noch keiner drauf reagiert…“

Aber wo die Fairness bleibt, würde ich dennoch manches Mal ganz gerne wissen. Mein Rückblick auf die Schicht von Samstag Abend zu Sonntag Morgen würde sich lesen wie ein „Who is who“ der möglichen Berliner Kurzstrecken. Beispiele:

Ostbahnhof – Koppenstr.

Ostbahnhof – Berghain

Ostbahnhof – A&O in der Köpenicker

Berghain – Watergate

Ostbahnhof – Warschauer

Berghain – Boxhagener

… und dann mein Liebling:

Str. der Pariser Kommune – Ostbahnhof

Ach, und das war noch wirklich nicht alles! Ich habe in dieser Schicht 22 Fahrten gehabt. Laut Statistik müsste ich damit irgendwas um die 220 / 240 € eingenommen haben. Tatsächlich waren es 166,10 €.

Ich will mich gar nicht beschweren, mir geht es ja eigentlich gut, und auch finanziell wird dieser Monat für meine Verhältnisse recht locker. Aber in solchen Momenten fragt man sich schon, was eigentlich passieren muss, dass dieser unwahrscheinliche Fall eintritt.

Falls es die Kollegen interessiert: Ich hatte immerhin 7 Touren über 10 €. Und zwar: 10,6 / 11,2 / 10,0 / 13,7 / 14,5 / 10,9 und 10,1. (und hier sind eventuelle Zuschläge miteinberechnet!)

Naja, immerhin bin ich nicht mit 70 € nach Hause gefahren. Man muss positiv denken…

Kurioses Bezahlverhalten Nr. x+1

Ich hatte Glück, und hab nach kurzer Zeit vom Matrix aus eine 13-14€-Tour bekommen. Naja, so in etwa. Dummerweise war auf dem besten Wege eine nicht ganz unbedeutende Straße gesperrt, sodass ich mal eben locker zwei Kilometer Umweg fahren musste. Die Kunden waren zwei Herrschaften, vielleicht 10 Jahre älter als ich. Angetrunken aber locker drauf, und nicht sparsam mit Lob für mich.

Während ich notgedrungen den Umweg fuhr, unterhielten sie sich ganz konzentriert über die Gestaltung dieses, sowie nächsten Abends. Das beinhaltete zum großen Teil verschiedene Formen der Entleerung ihrer Testikel, aber ich hab jetzt nicht das große Problem mit solchen Gesprächen, so lange sie nicht irgendwie widerlich werden oder gar persönlich.

Am Ziel angekommen zeigte das Taxameter nunmehr 16,70 € an, und ich rechnete eigentlich mit nichts bösem, weil die beiden den Umweg selbst (in Übereinstimmung mit der Prophezeihung dem Navi) vorgeschlagen haben, und dank gelegentlichem Aufblicken aus ihren feuchten Träumen auch über die aktuelle Preisentwicklung stets informiert waren.

Sie lotsten mich bis direkt vors Haus und stiegen aus. Der eine bewegte sich gleich Richtung Eingang, und der andere drückte mir zwei Scheine in die Hand und meinte völlig ohne Gefühlsregung:

„Da haste 15, mehr haben wir leider nicht dabei.“

Wie bitte?

Ich bin echt aus allen Wolken gefallen. Ich bin zwar kein Festpreis-Anbieter, aber ich hätte in Anbetracht des Umwegs (und der Tatsache, dass es einen dritten, etwas kürzeren Weg – den man allerdings schon zu Beginn hätte fahren müssen, sprich: Ich hätte die Sperrung abgespeichert haben müssen) ja vorneweg mit mir reden lassen bei knapper Kasse – aber so? Nee!

„Das hättet ihr aber früher sagen können!“

„Ja, aber wegen dem Umweg und mehr haben wir echt nicht. Ist ja auch ganz nett von dir, dass du uns mitgenommen hast. Ist doch nicht viel Geld…“

„Mag ja sein, aber die 1,70 muss ICH bei meinem Chef abliefern!“

Ich dachte, ich hör nicht richtig. Aber die Sache wandte sich noch zum Guten: Der andere der beiden kam zurück und meinte:

„Was schulden wir dir denn noch?“

Sein Kollege meint vorlaut:

„Lass! Des is alles geklärt!“

Ich dazu:

„Äh nein, nicht wirklich!“

Er kramte Münzen hervor und meinte:

„Was fehlt? 1,70? Dann nimm den Zweier hier. Und den nimmste als Trinkgeld…“

Sprach’s, und ließ zwei 2€-Münzen in meine Hand kullern. Na also, war doch gar nicht so schwer…

Warum hab ich…

…warum habe ich ihn nicht einfach stehen lassen? Wahrscheinlich weil er kaum mehr stehen konnte. Nein, das wird keine Kotzgeschichte, aber dafür etwas (hoffentlich nicht!!!) sehr typisches…

Er fällt also ins Auto und meint:

„Vollgas!“

„Wohin denn?“

„Einfach Vollgas!“

Na das kann ja heiter werden…

„Also geradeaus?“

„Jjjja!? Hiierlng.“

Um es kurz zu machen: Die Kommunikation fiel schwer. Die Strecke, die er mit mir zu fahren gedachte, war allerdings nur rund 1,5 km lang und beinhaltete genau einen Richtungswechsel. Da war sogar das erträglich. Es ist zwar gar nicht so leicht „glich daaa vorne hinten bei den dem vor dem Ampel nee dahinten weissu weiter vorne neee stopp!“ zu halten, aber irgendwie habe ich auch das hinbekommen.

„Das macht dann 5.30 €.“

Verständnisloser Blick.

„Ich bekomme 5.30 € von ihnen.“

Verständnisloser Gesichtsausdruck, Versuch einer Kommunikation:

„Hmm!?“

In einem aberwitzigen Zeitlupentempo hat er dann seinen Rucksack geöffnet und ist in autistische Wühlversuche versunken. Ich bin ruhig geblieben, und habe meine Geldgier verflucht. Dann fischte er etwas aus seinem Geldbeutel und drückte mir Geld in die Hand: 5 Cent.

„Hm, das sind jetzt 5 Cent… da fehlen aber noch 5,25 €“, hab ich so diplomatisch wie möglich gesagt.

Er versteifte sich wieder in seinen Suchmodus und kramte weitere Münzen hervor. Damit kamen wir auf einen Gesamtbetrag von 2,03 €. Ich wies ihn mit meiner Engelsgeduld darauf hin, dass immer noch mindestens 3 € fehlen würden. Er drückte mir seinen Rucksack in die Hand mit einem Blick, den ich aus meiner Arbeit mit geistig behinderten Menschen kenne. Und das meine ich ernst, und keineswegs herabwürdigend – obwohl mir bewusst ist, dass seine geistige Umnachtung selbstverschuldet war. Er grinste mich auf eine debil-zufriedene Art an, und stieg aus, um zu pinkeln.

Ich hab seinen Rucksack kurz durchgeschaut, und ihn gleich gefragt, ob sein Geldbeutel etwa da drin sei.

„Hmmm!?“

OK, also Rucksack durchwühlt… aber nix gefunden. Super!

„Also, was machen wir jetzt? Hier fehlen noch mindestens drei Euro!“

„Hmm… l.. ll.. lllogger bleim!“

„Keine Sorge. Ich bin ziemlich locker. Aber ich mach das hier nicht nur aus Spaß an der Freude, sondern ich verdiene so mein Geld. Und wenn das Endergebnis dann „Ich kann leider kein Geld finden“ ist, dann ist das eben nicht so sonderlich erheiternd!“

„Lllogger… du weissss janich, ob der anne.. re nich nur Schbasss macht!“

„Und, war das ein Spaß?“

„Weissich nich.“

Nach dieser erschöpfenden Auskunft starrte er aus dem Fenster und schien auf eine Antwort von da draussen zu warten. Ich holte ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und meinte:

„Sie sollten das aber wissen! Wir sind hier nämlich die einzigen beiden, und ich weiss es nicht!“

„Hmm?“

Der zu dieser Aussage zugehörige Blick war dermaßen dämlich, dass ich mir wirklich überlegt habe, ob ich ihn nicht fotografieren sollte. Stattdessen habe ich gefragt:

„Und? Was nun?“

„Kmmml mt rüüübr!“

„Haben sie noch Geld in der Wohnung?“

„Geld???“

„Ja, Geld! Sie schulden mir noch 5,30 €!“

Bevor mich jemand fragt: Ich hab permanent darüber nachgedacht, ob ich nicht einfach mit den 2,03 € abzischen sollte. Ob es das wirklich wert wäre. Aber ich hab mir gedacht, dass ich ihn so nicht davonkommen lasse. Ich bin also mit ihm rüber gekommen und dieses Rüber war glücklicherweise eine Sparkasse. Tasche nach der Karte durchsuchen überspringe ich mal ganz dezent und bleibe gleich bei der PIN hängen. Er hat meine Warnung, dass PIN’s im Allgemeinen und bei der Berliner Sparkasse im Besonderen keine 7 Ziffern haben, natürlich ignorieren müssen. Also habe ich gefragt, ob ich behilflich sein könnte.

Seinem Blick nach war immerhin sein Verständnis von Datenschutz noch recht ausgeprägt.

Naja, er hat Geld bekommen und war trotz allgemeiner Debilität auch gewillt, zu zahlen.

„Was krissn vmir?“

„Mindestens 5,30 €, obwohl ich eingedenk der Tatsache, dass wir hier jetzt seit einer Viertelstunde rummachen, gerne mehr verlangen würde…“

„Wieviel?“

„5,30 €!!!“

Er streckt mir einen Zehner hin und meint:

„Machse fünff!“

„Nein! Ich werde nicht fünf machen! Sie schulden mir 5,30 €!“

…und für den seelischen Schaden locker nen Zehner obenauf!

„Dann machse vier!“

Ich hab das als „Gib mir 4 € zurück“ interpretiert und war heilfroh, als ich den Kerl los war. Besoffen ist ja schön und gut – ich nehm auch meistens nur ein Taxi, wenn ich schon einen gelötet hab – aber ein Mindestmaß an Koordinationsfähigkeit und Einschätzungsvermögen sollte doch eigentlich schon dazugehören…

Was zum Angeben

Manchmal sind die skurilsten Situationen die alltäglichsten. So bedanken sich eigentlich 90% der Fahrgäste zu guter Letzt. Mal so und mal so. Manchmal etwas überschwänglich, manchmal wortkarg. Mal laut und mal leise, mal allgemein und mal sehr persönlich. Das ist nicht nur vom Grundsätzlichen her schön, sondern natürlich irgendwo normal. Mache ich als Gast auch, wenn ich eine Dienstleistung in Anspruch nehme.

Naja, vorgestern hatte ich einmal mehr eine Wagenladung angetrunkener Mädels dabei, und es war eine recht unterhaltsame Fahrt. Noch dazu immerhin von Friedrichshain nach Wilmersdorf. Als wir angekommen sind, haben sie sich das Danken nicht nehmen lassen – zumal ich ihnen ein paar Minuten zuvor meinen Namen genannt habe. So hallte also lautstark aus fünf nicht trockenen Kehlen – artig nacheinander – durch die Wilmersdorfer Nacht:

„Danke Sash!“

„Ciao Sash und Danke!“

„Danke Sash, war schön mit dir!“

„Danke Sash!“

„Danke Sash, hat Spaß gemacht!“

Ey, die Szene in einer belebten Gegend und ich bin der King vor jeder Disco… 😉

Kurzstrecke über 20 Minuten

Mal wieder so eine Tour, bei der ich nicht recht weiss, was ich dazu sagen soll. Reisst mir an der Ampel ein Mensch ungefragt die Türe auf. Naja, man freut sich ja über unerwartete Fahrten.

„Scheiße!“

„Abend erstmal, was ist los?“

„Fuß gebrochen!“

„Aua!“

So in etwa begann die Konversation. Das ist nicht ungewöhnlich – oder zumindest nicht bloggenswert. Ich stand also im Bethaniendamm Ecke Köpenicker und hatte einen fußlahmen Einsteiger.

„Zur Adalbertstr. bitte.“

„Ähm, ok… Kurzstrecke?“

Ich frage bei solchen Strecken dann schon mal nach. Nicht, dass mich die Aussicht auf weniger Umsatz sonderlich reizt – aber ich hatte ja auch schon ein paar Mal dieses „Äh, aber Kurzstrecke!“ nach etwa 300 Metern – wo ich dann das Taxameter nicht mehr umstellen konnte. Und zur Adalbertstr. … na die 50 Cent werde ich verkraften.

„Ja, super! Wenn’s reicht!“

Natürlich hat das gereicht. Sind ja nicht nur keine 2 Kilometer oder nur einer, sondern eher ein halber. Ich hab in Gedanken schon überlegt, ob ich jetzt irgendwas verpasst habe, und wo in der Adalbertstr. ein Krankenhaus oder dergleichen ist. Unnötig: Zu einem Spätkauf wollte er.

„Und wenn die nicht offen haben, dann zur Tanke!“

Am Laden angekommen, hat er mich gefragt, ob er mir was mitbringen könne.

„Ne Cola? Oder’n Kaffee?“

Ich hab dankend abgelehnt und vor der Tür gewartet – weil er gleich wieder zurück wollte. Nach 3 Minuten fing mich das mit der Kurzstrecke ein wenig zu wurmen an, denn bei selbiger zählt keine Wartezeit. Naja, es dauerte etwas, also hab ich mir vor dem Laden eine Kippe angezündet. Prompt kam er natürlich raus, und ich fragte, ob ich ihm was abnehmen könnte. Er hatte 3 Bier und einen Kaffee dabei.

„Ja hier, das is deiner!“, meint er, und reicht mir den Kaffee.

Ich finde es zwar seltsam, wenn Leute kein Nein akzeptieren können, aber etwas einzuwenden gegen einen Kaffee hatte ich nun auch nicht wirklich. Also hab ich mich freundlichst bedankt.

„Ich rauch auch noch kurz eine… lass die Uhr ruhig laufen!“

Also das mit der Kurzstrecke war echt ein Riesenfehler. Da sind mir am Ende sicher 4 bis 5 € durch die Lappen gegangen. Und ich hatte auch noch einen Kunden, der sie gerne gezahlt hätte. Mist! Wenn man das nur vorher wüsste. Naja, ich hab ihn dann runde 20 Minuten nach Fahrtantritt wieder ein paar Meter weiter abgesetzt und hatte immer noch die abenteuerlich umfangreichen 3,50 € auf der Uhr stehen.

Aber gut, er hat mit einem Fünfer gezahlt, war nett und den Kaffee sollte ich auch mal nicht vergessen. Ist ja meine eigene Blödheit gewesen…

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Kuriose Schicht

Die heutige Schicht war einfach nur kurios. Extrem kurios. Die Kunden waren eigentlich alle nett und sogar recht unspektakulär. Aber die Zahlen! Das versemmelt mir heute meine Statistik total. Die Einkünfte waren heute einfach verdammt gut wochenendmäßig. Dank kurzer Arbeitszeit allerdings insgesamt nicht überragend. Beachtlich waren folgende Details:

  1. 18 Touren in – realistisch gesehen – weniger als 6 Stunden: Ich bin tatsächlich nach vier Stunden on the road mal rechts rangefahren, um endlich eine rauchen zu können. Mit Recht, denn 200 Meter weiter habe ich dann wieder die nächsten aufgenommen.
  2. Nur Kleinvieh: Nach 11 Touren war ich unter 70 €. Das hätten der Tourenanzahl wegen 110 – 120 sein sollen.
  3. Wechselgeldengpass: Nicht nur, dass der erste Kunde mit einem Fuffi bezahlt hat! Heute morgen hatte ich nur noch ein paar Zwanzig-Cent-Münzen und Scheine im Portemonnaie – alle Münzen weg!

Insgesamt aber ein sehr sehr schöner Arbeitstag! Ich hab nur Lob bekommen, keine stressige Kundschaft! Außerdem ist das ewige Rumstehen ja eh nerviger als das Fahren.
OK, gelegentlich eine Zigarettenpause wäre nicht schlecht…