Kurzstrecke über 20 Minuten

Mal wieder so eine Tour, bei der ich nicht recht weiss, was ich dazu sagen soll. Reisst mir an der Ampel ein Mensch ungefragt die Türe auf. Naja, man freut sich ja über unerwartete Fahrten.

„Scheiße!“

„Abend erstmal, was ist los?“

„Fuß gebrochen!“

„Aua!“

So in etwa begann die Konversation. Das ist nicht ungewöhnlich – oder zumindest nicht bloggenswert. Ich stand also im Bethaniendamm Ecke Köpenicker und hatte einen fußlahmen Einsteiger.

„Zur Adalbertstr. bitte.“

„Ähm, ok… Kurzstrecke?“

Ich frage bei solchen Strecken dann schon mal nach. Nicht, dass mich die Aussicht auf weniger Umsatz sonderlich reizt – aber ich hatte ja auch schon ein paar Mal dieses „Äh, aber Kurzstrecke!“ nach etwa 300 Metern – wo ich dann das Taxameter nicht mehr umstellen konnte. Und zur Adalbertstr. … na die 50 Cent werde ich verkraften.

„Ja, super! Wenn’s reicht!“

Natürlich hat das gereicht. Sind ja nicht nur keine 2 Kilometer oder nur einer, sondern eher ein halber. Ich hab in Gedanken schon überlegt, ob ich jetzt irgendwas verpasst habe, und wo in der Adalbertstr. ein Krankenhaus oder dergleichen ist. Unnötig: Zu einem Spätkauf wollte er.

„Und wenn die nicht offen haben, dann zur Tanke!“

Am Laden angekommen, hat er mich gefragt, ob er mir was mitbringen könne.

„Ne Cola? Oder’n Kaffee?“

Ich hab dankend abgelehnt und vor der Tür gewartet – weil er gleich wieder zurück wollte. Nach 3 Minuten fing mich das mit der Kurzstrecke ein wenig zu wurmen an, denn bei selbiger zählt keine Wartezeit. Naja, es dauerte etwas, also hab ich mir vor dem Laden eine Kippe angezündet. Prompt kam er natürlich raus, und ich fragte, ob ich ihm was abnehmen könnte. Er hatte 3 Bier und einen Kaffee dabei.

„Ja hier, das is deiner!“, meint er, und reicht mir den Kaffee.

Ich finde es zwar seltsam, wenn Leute kein Nein akzeptieren können, aber etwas einzuwenden gegen einen Kaffee hatte ich nun auch nicht wirklich. Also hab ich mich freundlichst bedankt.

„Ich rauch auch noch kurz eine… lass die Uhr ruhig laufen!“

Also das mit der Kurzstrecke war echt ein Riesenfehler. Da sind mir am Ende sicher 4 bis 5 € durch die Lappen gegangen. Und ich hatte auch noch einen Kunden, der sie gerne gezahlt hätte. Mist! Wenn man das nur vorher wüsste. Naja, ich hab ihn dann runde 20 Minuten nach Fahrtantritt wieder ein paar Meter weiter abgesetzt und hatte immer noch die abenteuerlich umfangreichen 3,50 € auf der Uhr stehen.

Aber gut, er hat mit einem Fünfer gezahlt, war nett und den Kaffee sollte ich auch mal nicht vergessen. Ist ja meine eigene Blödheit gewesen…

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6 Kommentare bis “Kurzstrecke über 20 Minuten”

  1. Klaus sagt:

    Und wie ist es hiermit? Ich habe es noch nicht erlebt, aber bei mir gibt es auch keine Kurzstrecke mit Zwischenstopp.
    http://www.taxi-in-berlin.de/gesetz/taxtarifoaenderung2007.pdf
    ???

  2. Sash sagt:

    Ich hatte bisher auch noch keine Kurzstrecke mit Zwischenstopp. Wer macht sowas auch? Aber wenn man vor den 2000 m hält, dann schaltet die Uhr nicht hoch… kann ich jetzt zumindest mal so behaupten.

  3. Klaus sagt:

    Ich habe mir das jetzt nochmal durchgelesen. Soll das heißen, dass, wenn man nach genau 2 Km anhält, der Zeittakt einsetzt? Oder wie ist das zu verstehen? Die Anlage 3 (zu §4 Abs. 2) habe ich noch nie gesehen.

  4. Sash sagt:

    Ich hab keine Ahnung. Aber die paar Sekunden hab ich deutlich überschritten – also geht der Zähler wohl wirklich nur los, wenn man die 2 km schon durch hat…

  5. Jani sagt:

    Hallo werter Kollege,

    ich hatte eine ähnliche Situation auch einmal. Fahrgast steigt in der Uhlandstr./Ecke Lietzenburger Str. ein, will Kurzstrecke und klappert ein Restaurant/Cafe nach dem anderen ab, weil er irgendwo dort seinen Schlüssel verloren haben soll.

    Nach ca. 12 Minuten waren wir in der Pariser Str. und ich ließ ihn höflich wissen, dass ich nun aber nicht mehr weiterfahren würde, da nur Kurzstrecke, und da sind eigentlich keine Zwischenstopps drinne. War aber – wie Du auch – leider etwas zu nett.

    Naja, er hat mir dann am Schluss 7 Euro gegeben, aber geärgert habe ich mich über mich selber trotzdem. Ich sollte manchmal echt konsequenter sein.

  6. Sash sagt:

    @Jani:
    Ich wusste es gar nicht besser. „Keine Zwischenstopps bei Kurzstrecke möglich“ habe ich in Gedanken abgehakt unter: Ich kann halt nicht auf Kasse stellen, und danach weiter. In der Praxis war das noch nie Thema für mich – da nutzen eigentlich alle die Kurzstrecke ja am Stück.
    Naja, wieder was gelernt… Lehrgeld und so 🙂

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