Ich nehme alles zurück! OK, nicht alles, aber immerhin!

Jetzt habe ich die negativen Seiten des neuen Dachschildes ja oft genug hier durchgekaut. Aber jetzt muss ich der Fairness halber erwähnen, dass ich derletzt offensichtlich wegen der Werbung eine Tour hatte. Ich vermute zwar stark, dass es ein Einzelfall bleiben wird, aber ich will ja ehrlich bleiben hier 😉

Ich stehe als 15. in der Schlange am Bahnhof. Die Zeit schlage ich mit Lesen tot und ein Brötchen hab ich auch ausgepackt, um nebenher ein bisschen was in den Magen zu bekommen. Plötzlich grinst es neben mir am Fenster. Äußerst kundenunfreundlich muss ich gewirkt haben, mit einem Haufen halbzersetzten Teigs im Mund. Immerhin ist mir beim Lächeln nichts davon rausgefallen.

Und die nette Dame sagte in gebrochenem Deutsch mit einem permanent unterdrückten Lachen:

„Ich gesehen „Taxi macht Appetit“ und du essen…“ *grins*

Naja, ich hab ja auch lieber Kunden als dass ich Pause mache:

„Tja, sehen sie: Es muss also stimmen!“

Und eine Tour für 8 € ist weitaus besser als noch eine halbe Stunde warten 🙂

Fucking bigger

Drei angetrunkene Iren, die sich ins Generator Hostel kutschieren ließen, waren vom Matrix und überhaupt vom Nachtleben im winterlichen Berlin nicht so angetan. Zitat:

Kilkenny is fucking bigger than Berlin, I swear!“

Das kratzt am Selbstbewusstsein

Die Kunden haben die freie Fahrzeugwahl. Das ist eine in meinen Augen sinnvolle Regelung in der Taxiordnung, die für eine gewisse Kundenfreundlichkeit garantiert. Schließlich kann man so spätestens nachdem sich der gewünschte Fahrer als Depp geoutet hat, ein anderes Taxi nehmen. Oder man kann sich für sein sauer verdientes Geld den Luxus einer Fahrt im Mercedes statt im Dacia gönnen, bzw. auch mal würdigen, wenn Fahrer ihr Auto gut in Schuss halten.

Gut, es gibt aus unserer Sicht auch Nachteile. Klar. Kunden wählen das Auto oft aus Unwissenheit oder vermeintlichem Wissen nach kuriosen Maßstäben. Und natürlich ist es nicht schön, wenn man wegen eines hässlichen Pickels auf der Stirn als erster in der Reihe ständig übergangen wird.

Aber im Großen und Ganzen ermutigt es uns Fahrer, den Kunden was zu bieten. Ob das nun ein ordentliches Auto, ein gepflegtes Erscheinungsbild unser selbst oder das Präparieren für bestimmte Klientel bedeutet: Unser Ding!

Neulich hatte ich allerdings den wirklich fiesen Fall, dass ich in einer schlechten Nacht mehrfach übergangen wurde. Das passiert öfter, aber so auffällig war es noch nie.

Ich bin gerade nach zwei Stunden erfolglosen Wartens vom Ostbahnhof weggefahren. Keine Züge mehr, zu viele Kollegen da und sowieso nichts los. Bitter. Nach ein paar Minuten Herumgurken vor diversen Kneipen habe ich mich ans Matrix gestellt. Vor mir 2 Mercedes. Nach ein paar Minuten fährt ein Kollege aus unserem Betrieb – auch mit einem Mercedes – hinter mir ran. Kurz darauf löst sich aus dem Club eine „große“ Traube Menschen und ich freue mich, da ich das einzige Großraumtaxi bin, und man damit durchaus recht gute Chancen vor dem Matrix hat, als erster wegzukommen. Pustekuchen!

Alle 3 Daimler sind besetzt weggefahren und ich stand weiter da. Aber gut, alles nicht so wild. Dass aber mein Kollege nach einer Viertelstunde wieder hinter mir landete, und das nächste Mal wieder vor mir weg war, DAS hat echt wehgetan 😉

Vielleicht liegt es ja doch am Dachschild…

Ciao, Vorsätze…

Am Wochenende kommt es ja bisweilen vor, dass man als Taxifahrer ein vielbeschäftigter Mensch ist. Gut, so für 2 Tage die Woche finde ich das ganz in Ordnung 😉

Ich hab am Matrix Kunden geladen, 5 Leute. Unscheinbar, junge Erwachsene südländischer Herkunft.

Ein Mann von der anderen Straßenseite sprach mich an und fragte, ob es denn gerade sehr schwer sei, ein Taxi für 5 Leute zu kriegen und sagte, dass die Zentrale ihm keinen vermitteln konnte. Kunststück, wer braucht am Wochenende Funk? Ich hab meine Fahrgäste gefragt, wo sie hinwollen, und als sie mir sagten, dass sie zum Tresor wollten, hab ich dem Mann versprochen, dass ich in spätestens 15 Minuten wieder da wäre. Ich hab allerdings auch gesagt, dass er gerne ein anderes Taxi nehmen könne, wenn eines kommt. Kleine nette Zusage, die mich vor Enttäuschungen bewahrt…

Tatsächlich kam auf der Stelle ein zweiter Großraumwagen und ich war diese Verpflichtung los. Nicht nur das: Da der Kollege so dämlich kundenorientiert gehalten hat zum Einladen, hab ich erst einmal um den Block fahren können. Naja, 60 Cent sind 60 Cent.

Die Truppe in meinem Auto war verdammt nett, aber es entbrannte eine anstrengende Diskussion übers Essen. Hunger hätten sie noch. Naja, einer nicht, aber der Rest und überhaupt und sowieso. Ob wir an einem McDonalds vorbeikommen würden…

Klar. Je nach Wahl des Umweges haben wir zwei zur Auswahl.

Also entschieden sie sich, beim Mac zu halten und zwei von ihnen sind ausgestiegen um Essen zu holen. Ich hab die nette Einladung auf was zum Essen abgelehnt und mich darüber gefreut, dass sie nicht den McDrive genutzt haben. Die Uhr lief ja…

Während des kurzen Aufenthaltes im/am Auto, den ich auch noch zu einer Kippenpause genutzt habe, durfte ich einem spannenden Gespräch über eine offensichtlich mehr als desolate Beziehung inklusive Eifersucht, Uncoolness und Koran lauschen. Zugegeben: Ich war froh, als die beiden zurück kamen.

Bevor es losging, bekam ich allerdings zwei Cheeseburger in die Hand gedrückt mit dem Vermerk, ich solle mich nicht so haben und das Essen annehmen. Ach was soll’s? Die Fahrt war dann ja schnell vorbei, und ich muss zugeben, dass 13,10 € + 1,90 € Trinkgeld + 2 Cheeseburger das bisher beste Ergebnis vom Matrix zum Tresor war.

Und nun hatte ich die beiden Cheeseburger da liegen.

Ich wehre mich eigentlich immer gegen Geschenke von Kunden. Zum einen bin ich in der Regel mit allem versorgt und zum anderen gibt es ja auch so Leute, die einem großzügig was schenken und dann im Nachhinein der Meinung sind, man könne ja jetzt auch den Betrag vom Preis abziehen. Da ich am Monatsende allerdings auch auf Euro angewiesen bin, weil Cheeseburger sich nicht ohne Grund noch nicht als verbreitete Währung durchgesetzt haben, fällt mir diese eigentlich nicht unfaire Tauschaffäre nicht leicht. Besser: Sowas geht nicht und ich lehne ab.

Aber manchmal gibt es dann eben doch einen Kaffee, ein Bier oder eben Cheeseburger, wenn man abgelehnt hat. Ohren zu haben bedeutet ja nicht, Worte zu verstehen…*

Und ich hatte mir vorgenommen, diesen Monat vegetarisch zu leben…

Das bedeutet nicht, dass ich nicht tierisch Bock auf Cheeseburger hatte. Aber eine Gewissensentscheidung war es eben schon. Moralisch war es nicht schlimm, da ich es eigentlich nur vorhatte, weil ich mal was anderes machen wollte, mich selbst mal an einer Stelle zu ändern, die ich bisher nie geändert habe – und nicht aus ideologischen Gründen. Aber da haben mich meine Fahrgäste eiskalt erwischt.

Der erste Gedanke war ja, einen Kollegen damit zu beglücken, aber nach wenigen Metern hatte ich eine Tour nach Marzahn. Und als ich dann da stand, mit zwei fast kalten Cheeseburgern, am Arsch der Welt, hab ich sie einfach gegessen. Ich fühl mich nicht schlimm dabei. Im Gegenteil: Ich fühle mich bestätigt darin, dass es manchmal Umstände gibt, die einfach fies sind.

Und wem hätte es was genutzt, wenn ich zwei geschenkte Cheeseburger in den Müll geworfen hätte?

*Hey, ich finde das grundsätzlich wahnsinnig nett, wenn es nicht mit Hintergedanken verbunden ist. Aber im Gegensatz zu den Fahrgästen bin ich bei der Arbeit und habe diesbezüglich auch eine andere Einstellung zum derzeit laufenden Geschäft. Ich verdiene so mein Geld zum Leben, hab rechtliche Verpflichtungen etc. pp. Das bleibt auch so, wenn ich der nette, coole, oder kumpelhafte Taxifahrer bin.

Umfrage Dachwerbung

OK, bisher waren die Kommentare zur Dachwerbung quasi alle negativ. Aber man kommentiert ja auch nur, wenn einen was bewegt. Jetzt möchte ich mal wirklich wissen, wie die Meinungslage so ist und habe eine Umfrage erstellt.

Ich möchte euch bitten, ein Häkchen zu setzen und das ehrlich zu tun und nicht, weil ihr meint, mit eurer Meinung den Geschmack zu treffen. Insbesondere beim Punkt „ein anderes Taxi wählen“ sagt man ja gerne mal vorschnell was, was man in der Realität dann doch nicht macht.

Und nun: Klicket, ihr Leser!

Seid ihr Tag- oder Nachtmenschen?

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Vielen Dank!

Wenn es sein muss…

Juhu! Ich hab Dachwerbung!

Äh… naja. Offensichtlich vor allem einen Dachschaden, so lange ich das so beschreibe. Ja, nach dem letzten Desaster gab es einen zweiten Anlauf für ein Dachschild, und dieser scheint erfolgreich gewesen zu sein. Nun ist das Auto also verschandelt:

Einladung zum (Rückwärts-?)Essen, Quelle: Sash

Einladung zum (Rückwärts-?)Essen, Quelle: Sash

OK, ich gebe es ja zu: Meine Empörung hält sich in Grenzen. Ich finde das Schild hässlich, bedauere es, dass ich fortan keine schönen Bilder übers Taxidach hinweg machen kann und fühle mein ästhetisches Empfinden neben der Tatsache, dass das Auto nun höher als breit ist auch in anderen Punkten massiv gestört. Aber die weisen Worte meines Tagfahrers hallen noch in meinem Ohr:

„Ick meene, ick sitz ja drin un nich draussen!“

Ein Kollege hat seine fristlose Kündigung gleich im Gepäck gehabt, als er meinen Chef darauf angesprochen hat, ein anderer hat angedroht, sie alsbald zu schreiben. Das finde ich nun auch übertrieben.

Ob die Geschichte allerdings ein so fantastischer Deal war, wage ich auch zu bezweifeln. Also die vordere Fackel hat schon mal einen Wackelkontakt. Sehr praktisch Nachts, wenn die Kunden einen übersehen. Und das hatte ich schon dieses Wochenende, ist also keine hypothetische Geschichte 🙁
Ob die Elektrik lange hält, entzieht sich auch meiner Kenntnis, ich finde allerdings die Montage mehr als nur bedenklich:

Fuß des Schildes mit Kabel, Quelle: Sash

Fuß des Schildes mit Kabel, Quelle: Sash

Über die Verarbeitungsqualität will ich also besser mal keine allzu euphorischen Sätze in den Raum werfen. Dann bleibt noch der finanzielle Aspekt. Irgendwoher zwitscherte es mir, dass das Schild nun 30€/Monat einbringen soll. OK. Ein wirtschaflicher Vorteil, der ziemlich exakt im Allerwertesten wäre, wenn die Kiste dadurch 0,60 € mehr an Sprit auf 100 km verbrauchen sollte. Das ist vielleicht auch nicht der Fall, aber dass diese Konstruktion sich nicht auf den Luftwiderstand oder das Gewicht auswirkt, kann mir auch keiner erzählen. Einen Kunden, der jetzt noch schneller einen Daimler meinem Opel vorzieht pro Monat bräuchte es dann, um die Rechnung endgültig zu nullen… ich weiss ja nicht.

Kommen wir nun aber zur positiven Seite:

Werbung für meine Zielgruppe, Quelle: Sash

Werbung für meine Zielgruppe, Quelle: Sash

Es ist ein Bier drauf.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

3 Worte nur…

Sonderlich gesprächig sind ja nicht alle Kunden. Derletzt in den Kommentaren hat Anise ja z.B. schon geschrieben, sie schweige lieber anstatt sich mit einem Rücken zu unterhalten. Was ganz anderes, nämlich Nicht-Kommunikation der „teuren“ Sorte hatte ich nun. Absolut kurios. Irgendwie.

Naja, ich stehe also so am (der Chor möge hier singen!) und eine in ihr Handy quatschende Frau läuft auf den Wagen zu. Sie legt das Telefon keinen Moment aus der Hand und meint nur, eingebettet in zwei offensichtlich lebenswichtige Sätze:

„Kennste-Schon-Str. 123“

Daraufhin plapperte sie in aller Ruhe Aufgekratztheit weiter und ich guckte erstmal verlegen. Kennste-Schon? Ach ja, stimmt ja: Prenz’lberg! Ich bin also losgegurkt und hab mir gedacht, ich gebe die Straße lieber ein. Vor allem wegen der Hausnummer. Ich will die Quatschtante ja nicht stören. Das Navi zeigt mir die Straße schon mit dem Bezirk Friedrichshain an und ich denke mir so:

„Aua. Mist! Vertan! Straße verwechselt mit der Kennste-Auch-Schon…“

Mir ist es dann auch wie Schuppen aus den Haaren gefallen, dass die Straße natürlich in Friedrichshain liegt. Bin ich also in die (fast) komplett falsche Richtung losgefahren. Und die Alte schnattert und schnattert…

Mir war die Sache furchtbar peinlich und ich hab mir überlegt, was ich mache. OK, dass sie den Umweg nicht bezahlen muss, ist klar. Aber mach ich die Uhr vorher schon aus, damit das nicht aufs Trinkgeld geht? Aber was denkt sich die Tratschzuse, wenn ich jetzt das Taxameter ausmache? Nee, dann lass ich es lieber laufen. Den einen Euro krieg ich wahrscheinlich für meine Ehrlichkeit an Trinkgeld wieder rein und dann isses ja auch ok.

Die Strecke war auch echt nur kurz, und so war mir klar: Das werden knapp über 7 €, ich sage dann einfach, dass 6 ok sind.

Denkste.

Das Auto stand noch nicht mal richtig – vom Taxameter ganz zu schweigen – da ruft es hinter mir schon:

„8!“

…und das Gequassel geht einfach weiter.

„Gut, wenn sie es nicht einmal nötig haben, auch nur mehr als 3 Worte mit mir zu wechseln, dann können sie auch gerne meine Fehler mitbezahlen.“

Das hab ich mir natürlich nur gedacht, aber man muss schon miteinander reden können, um irgendwelche Vereinbarungen zu treffen…