Am Wochenende kommt es ja bisweilen vor, dass man als Taxifahrer ein vielbeschäftigter Mensch ist. Gut, so für 2 Tage die Woche finde ich das ganz in Ordnung 😉
Ich hab am Matrix Kunden geladen, 5 Leute. Unscheinbar, junge Erwachsene südländischer Herkunft.
Ein Mann von der anderen Straßenseite sprach mich an und fragte, ob es denn gerade sehr schwer sei, ein Taxi für 5 Leute zu kriegen und sagte, dass die Zentrale ihm keinen vermitteln konnte. Kunststück, wer braucht am Wochenende Funk? Ich hab meine Fahrgäste gefragt, wo sie hinwollen, und als sie mir sagten, dass sie zum Tresor wollten, hab ich dem Mann versprochen, dass ich in spätestens 15 Minuten wieder da wäre. Ich hab allerdings auch gesagt, dass er gerne ein anderes Taxi nehmen könne, wenn eines kommt. Kleine nette Zusage, die mich vor Enttäuschungen bewahrt…
Tatsächlich kam auf der Stelle ein zweiter Großraumwagen und ich war diese Verpflichtung los. Nicht nur das: Da der Kollege so dämlich kundenorientiert gehalten hat zum Einladen, hab ich erst einmal um den Block fahren können. Naja, 60 Cent sind 60 Cent.
Die Truppe in meinem Auto war verdammt nett, aber es entbrannte eine anstrengende Diskussion übers Essen. Hunger hätten sie noch. Naja, einer nicht, aber der Rest und überhaupt und sowieso. Ob wir an einem McDonalds vorbeikommen würden…
Klar. Je nach Wahl des Umweges haben wir zwei zur Auswahl.
Also entschieden sie sich, beim Mac zu halten und zwei von ihnen sind ausgestiegen um Essen zu holen. Ich hab die nette Einladung auf was zum Essen abgelehnt und mich darüber gefreut, dass sie nicht den McDrive genutzt haben. Die Uhr lief ja…
Während des kurzen Aufenthaltes im/am Auto, den ich auch noch zu einer Kippenpause genutzt habe, durfte ich einem spannenden Gespräch über eine offensichtlich mehr als desolate Beziehung inklusive Eifersucht, Uncoolness und Koran lauschen. Zugegeben: Ich war froh, als die beiden zurück kamen.
Bevor es losging, bekam ich allerdings zwei Cheeseburger in die Hand gedrückt mit dem Vermerk, ich solle mich nicht so haben und das Essen annehmen. Ach was soll’s? Die Fahrt war dann ja schnell vorbei, und ich muss zugeben, dass 13,10 € + 1,90 € Trinkgeld + 2 Cheeseburger das bisher beste Ergebnis vom Matrix zum Tresor war.
Und nun hatte ich die beiden Cheeseburger da liegen.
Ich wehre mich eigentlich immer gegen Geschenke von Kunden. Zum einen bin ich in der Regel mit allem versorgt und zum anderen gibt es ja auch so Leute, die einem großzügig was schenken und dann im Nachhinein der Meinung sind, man könne ja jetzt auch den Betrag vom Preis abziehen. Da ich am Monatsende allerdings auch auf Euro angewiesen bin, weil Cheeseburger sich nicht ohne Grund noch nicht als verbreitete Währung durchgesetzt haben, fällt mir diese eigentlich nicht unfaire Tauschaffäre nicht leicht. Besser: Sowas geht nicht und ich lehne ab.
Aber manchmal gibt es dann eben doch einen Kaffee, ein Bier oder eben Cheeseburger, wenn man abgelehnt hat. Ohren zu haben bedeutet ja nicht, Worte zu verstehen…*
Und ich hatte mir vorgenommen, diesen Monat vegetarisch zu leben…
Das bedeutet nicht, dass ich nicht tierisch Bock auf Cheeseburger hatte. Aber eine Gewissensentscheidung war es eben schon. Moralisch war es nicht schlimm, da ich es eigentlich nur vorhatte, weil ich mal was anderes machen wollte, mich selbst mal an einer Stelle zu ändern, die ich bisher nie geändert habe – und nicht aus ideologischen Gründen. Aber da haben mich meine Fahrgäste eiskalt erwischt.
Der erste Gedanke war ja, einen Kollegen damit zu beglücken, aber nach wenigen Metern hatte ich eine Tour nach Marzahn. Und als ich dann da stand, mit zwei fast kalten Cheeseburgern, am Arsch der Welt, hab ich sie einfach gegessen. Ich fühl mich nicht schlimm dabei. Im Gegenteil: Ich fühle mich bestätigt darin, dass es manchmal Umstände gibt, die einfach fies sind.
Und wem hätte es was genutzt, wenn ich zwei geschenkte Cheeseburger in den Müll geworfen hätte?
*Hey, ich finde das grundsätzlich wahnsinnig nett, wenn es nicht mit Hintergedanken verbunden ist. Aber im Gegensatz zu den Fahrgästen bin ich bei der Arbeit und habe diesbezüglich auch eine andere Einstellung zum derzeit laufenden Geschäft. Ich verdiene so mein Geld zum Leben, hab rechtliche Verpflichtungen etc. pp. Das bleibt auch so, wenn ich der nette, coole, oder kumpelhafte Taxifahrer bin.