Irgendwann klappt es noch…

Ostbahnhof, ich warte seit geschlagenen anderthalb Stunden.

„Sagen sie, machen sie auch Ferntouren?“

„Wie fern soll es denn sein?“

„Wir müssten nach Düsseldorf.“

„Machen würde ich das natürlich. Aber das wird dann doch ganz schön teuer.“

„Wieviel denn in etwa?“

„Muss ich mal schauen, wie weit das ist. Sie kriegen das nicht von der Bahn bezahlt, oder?“

„Naja, die haben gesagt, sie zahlen die Hälfte…“

„Hm… also am Anfang spinnt das Navi immer, aber ich würde sagen 550 km… unter 750 geht da definitiv gar nix!“

Und das war reichlich tiefgestapelt. Mein Chef wäre mit dem Deal sicher nicht sonderlich zufrieden gewesen. Aber natürlich sind sie nicht wiedergekommen. Wie immer, wenn es mal weiter als 50 km gehen soll. Im Grunde nicht unverständlich, wer will schon knapp 1000 € für eine Fahrt quer durch Deutschland zahlen? Aber anders ist das nicht zu machen. Glaubt einem ja nur niemand.

Danach hab ich eine echt amüsante und nette Fahrt nach Johannisthal gehabt. Irgendwie kamen mir die 20 € dieses Mal aber ziemlich wenig vor… 🙁

Die erste Fahrt

Die erste Fahrt gestern war auch so eine Geschichte. Ich hab den Fahrgast im Wedding abgeholt und nicht nur, dass ich spät angekommen bin… nein, ich hab auch noch getrödelt und eine geraucht, womit ich ihn dann auch noch zum Nikotinmisbrauch angestiftet hab.

Dass ich den korrekten Weg nach Weissensee auch nicht wirklich kannte, wäre eigentlich Grund genug gewesen, dass er sich beschwert, aber… Jo ist halt doch ein Netter 😉

Und vielleicht bald ein Kollege.

Und das mit dem Handeln hat er auch nicht ernst gemeint und sogar ein nettes Trinkgeld von 1,20 € gegeben. Könnte tatsächlich das erste Mal gewesen sein, dass mir das Bloggen bares Geld gebracht hat… wenn ich allerdings gewusst hätte, dass es ein Viertel vom Umsatz diese Nacht war, dann hätte ich anschließend wieder Feierabend gemacht…

PS:

Jo, ein zweibuchstabiger Spitzname ist zum Verlinken echt blöd und geht leicht unter. Du solltest dir was webzwonulligeres aussuchen 😉

Mit 100!

Die letzten Artikel lesen sich irgendwie so, als sei das gerade alles Taxifahrers Traum, was hier in Berlin abgeht. Ich wollte nur – um die Kollegen mal zu beruhigen – sagen, dass es alles andere ist. In der Regel höre ich gerade nach 6 Stunden recht genervt mit 60 € in der Tasche auf.

Es sind so Schichten, wie sie eigentlich nur der Januar wirklich schreiben kann. Man startet mit 30 € in der ersten Stunde und wartet dann zwei Stunden auf den nächsten Fünfer. Danach anderthalb auf einen Zehner…

Zu diesen Geschichten hat sich letztes Jahr um die selbe Zeit etwa folgender Dialog am Ostbahnhof ergeben:

Kollege 1: „Boah scheiße, das wird auch wieder nur eine 140€-Schicht!“

Kollege 2: „140? Wo fährst du denn bitte?“

Kollege 1: „Frag lieber, wo ich anfang zu zählen. Ich starte einfach jeden Abend mit 100!“

Eigentlich unverschämt viel Glück…

Wenn man Montags eine 18€-Tour bekommt, ist man irgendwie schon ganz zufrieden. Ich jedenfalls. Wenn man bald darauf eine 25€-Tour dank Winkern bekommt, ist das eine wirklich sehr feine Geschichte. Ein bisschen unverschämt den Kollegen gegenüber wird es dann aber fast, wenn man am Kotti noch zwei Winker einlädt, und die dann fragen:

„Sach ma, wat würde es denn kosten, wenn de uns nach Buch fährst?“

Nein, das ist eigentlich noch ok. Aber wenn der Dialog so weitergeht:

„Hm, ist ein ganz schönes Stück… 30 € schätze ich!“

„Cool, das machen wir!“

Bei Preisen über 20 € herrscht nämlich wirklich das Gefeilsche vor. Ich hab definitiv erwartet, dass bei der Ansage „30 €“ als Antwort „Könn‘ wa nich 25 machen?“ kommt.

Außerdem ich möchte anmerken, dass ich mit 29,80 € mal sowas von richtig lag 🙂

Halbe Sachen

Die Reifen versuchen zu kreischen, aber die Nässe verhindert es. Hätte ich die Winkerin doch fast übersehen…

Ja, sie wolle nur mal kurz zur Tanke ums Eck. Das Auto ist liegengeblieben. Defekte Tankanzeige und noch 800 Meter. Böse Geschichte. Ich hab nach einer Kurzstrecke gefragt, sie hat genickt.

An der Tanke ist mir dann eingefallen, dass es eigentlich sinnvoller gewesen wäre, zum Normaltarif hinzufahren, kurz zu warten und wieder zurückzugurken. Wären wahrscheinlich keine 6 € geworden. Aber irgendwie wollte sie nur hin zur Tanke. Manchmal verstehe ich die Kundschaft nicht.

Ernste Aufmerksamkeitsprobleme

Ich hab echt keine Ahnung, wie ich diese Tour angemessen in Worte fassen kann.

Montags bin ich grundsätzlich froh um alles. Winker seien da an vorderster Stelle genannt. Richtig schön war allerdings, dass ich meinen Fahrgast gerade direkt bei unserer Bundeskanzlerin vor der Tür abgesetzt habe und noch während ich mir Gedanken über die Gedanken der grimmig dreinschauenden Polizisten vor der Tür machte, neue Kundschaft hatte. Wow!

Drei Leute, vielleicht leicht angetrunken, aber erstmal erträglich. Die Zielbenennung war auch ok:

„Erstmal fahren wir zum Bundesplatz. Er hier muss dann zur Attilastr. und mich kannste dann in Lankwitz rausschmeissen.“

OK, und ich hab mich schon gefreut, dass ich eine Stunde vorher eine 18 €-Tour hatte…

Der vorne sitzende Fahrgast mit dem Ziel Attilastr. war allerdings ein ganz besonderer Fall. Eine Minute Ruhe war nicht im Auto bis er wieder ausgestiegen ist. Er hat mich pausenlos Zeug gefragt, von dem ich nicht einmal wusste, dass man dazu Fragen stellen kann. Über die Form meines Taxameter-Keys zum Beispiel („Sieht aus wie ein Schuh, oder?“). Seine Finger konnte er auch nicht bei sich lassen. Das Taxameter musste begrabbelt werden, der Sitz, das Armaturenbrett, meine Haare und zum Abschluss wollte er es sich nicht nehmen lassen, das Navi zu programmieren, obwohl es nicht nötig war…

Seine Freunde / Bekannten / Kollegen haben sehr deutlich Fremdscham gespürt in diesem sich ewig hinziehenden Moment, was sie dann damit ausglichen, dass sie in seiner Anwesenheit über seine Vorliebe gelästert haben, bei Firmenfeiern betrunken anzufangen, Leute zu duzen um es am nächsten Tag dank Gedächtnisverlust wieder beim Sie zu belassen.

Dazu kam das übliche Programm Berliner Kundschaft: Wo wir hinfahren wusste er besser als alle anderen, wenngleich er bisweilen nicht einmal blickte, wo wir aktuell sind.

Irgendwie witzig war es aber dennoch, und die 4,20 € „Schmerzensgeld“, die sein Kumpel sich zu zahlen genötigt sah, haben auch einiges wieder gut gemacht 😉

Hey, es ist wirklich nicht leicht, das angemessen zu schildern, und selbst wenn ich mich an den Wortlaut erinnern würde, müsste ich mehrere Tage freinehmen, um das runterzutippen…

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Auffliegen

Es sind wirklich viele Kunden, die einen Nachts über den Job ausfragen. Ich weiss nicht, ob es an meinem Alter liegt oder daran, dass mein Publikum meistens noch recht jung ist. Jedenfalls wollen – wie auch die stillen Google-Gesandten hier im Blog – viele wissen, was man denn so verdienen kann als Taxifahrer und ob die Ausbildung teuer wäre.

So auch neulich ein junger Mann.

Er sah mich beim Nennen meines Netto-Verdienstes (der ja dank Trinkgeld höher als der Brutto-Betrag ist) ungläubig an, und sein ohnehin schon vorhandenes Interesse wurde größer. Er selbst bekäme weniger und sei eigentlich ziemlich genervt von seinem Job.

Was er denn mache, fragte ich.

Er arbeite für einen bekannten Computerhersteller im Support.

Callcenter also. OK. Richtig witzig wurde dann allerdings, was er noch so sagte:

„Ich sollte mich wirklich mal nach was neuem umsehen. Ich hab ja von nichts eine Ahnung. Ist nur eine Frage von Wochen, bis ich auffliege…“

Was die Leute einem alles erzählen…

Aber ich bin ja froh, hab ich wenigstens was zum Bloggen.