Einkaufen

Nun aber noch ein kleiner Taxi-Artikel:

Ich hab die Frau an einer Haltestelle im Vorbeifahren aufgegriffen, sie hat sich spontan entschieden, nun doch ein Taxi zu nehmen. Es war eine schöne Tour bis nach Hochschönhausen, Wohnen-schön-draußen oder dorthin, wo meine bessere Hälfte gewohnt hat, bevor sie einem partiell irren Schwaben gefolgt ist.

Knapp über 10 Euro standen auf der Uhr als ich an Hausaufgang x² gehalten habe. Sie hat ein wenig im Portemonnaie gegraben, schon mal 1,50 € hinausgereicht. Über ein Euro Trinkgeld. Sehr schön soweit.

Dann drückte sie mir ein zerknittertes Papier in die Hand, das ich anhand eines blauen Randes unschwer als Nicht-10-Euro identifizieren konnte. Ich entfaltete das Papier, und schon rief es von hinten:

„Ach nein! Oh mein Gott! Da hab ich ihnen meinen Einkaufszettel gegeben!“

Kann ja mal passieren 🙂

Nett war übrigens, dass sie mit keinem Wort darauf eingegangen ist, dass sie mich beinahe um mein Geld gebracht hätte… nein:

„Das wäre aber gar nicht gut gewesen. Das hätte ich bis morgen doch alles wieder vergessen!“

Da hab ich schon schmunzeln müssen 🙂

Eigentlich…

wollte ich heute Nacht schon rumheulen, dass ich gerade keine vernünftige Kamera habe. Ich hatte vor, ein Fahrrad zu fotografieren, das an einem Taxihaltenschild am Ostbahnhof angeschlossen ist. Darüber gibt es bisweilen ja mal Dispute.

Witzig wäre die Geschichte dadurch geworden, dass der betreffende Fahrradfahrer kein Unbekannter war, sondern Hans-Christian Ströbele. Allerdings hatte ich ja eben keine Kamera, und auch Ströbele hat von seinem Vorhaben abgelassen und sein Rad letztlich mithilfe eines Kollegen im Kofferraum eines B-Zafira-Taxis verladen.

Nun war dieser B-Zafira allerdings nicht meiner, und die beiden haben sich auch nur unwesentlich ungeschickter beim Verladen angestellt als ich beim ersten Versuch, ein Zweirad bei mir im Auto zu verstauen. So gab es also gar keinen Grund mehr, überhaupt was darüber zu schreiben. Irgendwie dumm gelaufen.

Und was zur Hölle steht jetzt hier?

Mehr so allgemein…

Also vorweg: Mein Lieblings-Spambot schreibt immer noch mehr als ich. Kontinuierlich postet er etwa jede Stunde in einen Artikel hier ein ellenlanges Link-Sammelsurium. Fast schon niedlich…

Ich dagegen arbeite gerade eher ein bisschen, bzw. ein bisschen mehr. Wobei ich zugeben muss, dass ich die letzten beiden Tage eher weniger Lust hatte. Das Wetter ist nicht so dolle, die Umsätze auch nicht so wirklich, und wie alle anderen auf diesem Planeten würden auch mir viele Gründe einfallen, einen Sessel dem Fahrersitz vorzuziehen.

Die gestrige Nacht hab ich mich vor dem Arbeiten gedrückt, wo es nur ging, was letztlich in einer zweistündigen Kaffeepause zur besten Arbeitszeit mit einem netten Kollegen mündete. Es stimmt schon: Auch in dem Job kann es mal gut tun, sich zwei Stunden voll auszuklinken, und nicht einfach nur eine Halte mit möglichst langer Standzeit anzufahren, wenn man mal eine Pause machen will.

Ich hab direkt im Anschluss an die Pause sogar eine ziemlich weite Tour zugunsten eben jenes Kollegen abgelehnt, weil ich eigentlich gar keinen Bock hatte, mich tief in den Südwesten der Stadt zu begeben. Aber immerhin bin ich die letzten zwei Stunden noch ganz gut durch mein Lieblingsrevier gekommen, sodass mein Umsatz gemessen an der wirklichen Arbeitszeit sogar noch halbwegs erträglich war.

Besonders nett war dann meine Abschlusstour am Ostbahnhof. Ich hab mich eher uninspiriert nochmal angestellt, fest davon ausgehend, dass ich eine lange Tour an einen Kollegen weiterreichen müsste, und ich wahrscheinlich eh frühzeitig abhauen würde. Aber das Glück war mir in Form eines Kurzstreckenmuffels auf Position 1 hold, und so hatte ich nach vielleicht einer halben Zigarette Wartezeit eine Seniorin, völlig außer Atem, mit Handtasche und zwei langen Bambusstecken als Gepäck, als Abschlussfahrt. Ob ich sie zur O2-World bringen könne…

„Na klar, kein Problem. Aber was wollen sie da um die Uhrzeit?“

„Da fahren unsere Busse ab.“

„Oh, schön! Machen sie einen Kurzurlaub?“

„Nee, nee, Anti-Atomkraft-Demo!“

Spätestens da war der Tag dann endgültig gerettet 🙂

Nicht gesehen

Und da stand ich am Ostbahnhof und wartete seit gefühlten 2 Stunden. Während ich meinen Blick zwischen der mitgebrachten Lektüre, dem rechten Außenspiegel und der Ausgangstür des Bahnhofsgebäudes schweifen lasse, öffnet sich plötzlich die Tür hinten links. Da mich das zweifelsohne sichtbar überrascht, greife ich zur Beschwichtigungsschiene:

„Oh, tut mir leid. Ich hatte sie gar nicht gesehen!“

Es gibt genügend Kunden, die keinerlei Hilfe beim Einladen oder Einsteigen brauchen, aber natürlich helfe ich gegebenenfalls. Allerdings – auch wenn es vielleicht das Klischee vom faulen Kutscher bedient – vertiefe ich mich bisweilen durchaus ins Lesen, da eine Wartezeit in ständiger Erwartungshaltung anstrengender sein kann, als eine Tour mit schlecht gelaunten Kunden.

„Kein Problem. Ich wollte ja auch nicht hier vor allen Leuten…“

erwidert mir die Pointe offenlassend die Stimme einer jungen Frau, von der ich nach dem erschreckten Umdrehen gerade noch das Gesicht wahrnehme. Na denn. Alles bestens!

Sie wünschte sich einen Straßennamen, nannte aber den Stadtteil gleich dazu. Ob ich wisse, wo das sei?

„Naja, zugegeben: Mit der Straße haben sie mich erwischt. Aber die Richtung ist ja erstmal klar. Ich würde mich freuen, wenn sie mir die Straße zeigen könnten, ansonsten nehme ich einfach das Navi.“

„Nein nein! Zeige ich ihnen. Aber manche kennen den Stadtteil gar nicht.“

„Das meinen sie nicht ernst, oder?“

„Doch, und nach der Arbeit hab ich keinen Bock, das jedes Mal zu erklären…“

„Nur keine Sorge, ich weiss schon, wo es langgeht. Sie können sich einfach entspannen!“

Sie sagte mir zu, mir die Straße zu zeigen, aber ich hab nebenbei das Navi programmiert, falls sie doch müde wird, es sich anders überlegt… und wie zum Teufel kann man den Stadtteil als Taxifahrer nicht kennen?

Aber gut, es ist eine gute Tour, 17 bis 20 €, ich bin erst einmal zufrieden und versuche es mit Smalltalk:

„Wenn sie gerade von der Arbeit kommen, lassen sie mich raten: Gastronomie?“

Das klappt immer und ist ein hervorragender Einstieg ins Gespräch. Unsere Kundschaft ist dann nahezu dieselbe, selbst gute und schlechte Tage hängen voneinander ab, denn nicht zuletzt speist sich der Pool meiner Kunden aus der enormen Anzahl derer, die sich Abends einen hinter die Binde kippen.

„Äh… nein.“

Fuck! Fettnäpfchen! Aber egal. Ich Profi, Gespräch noch nicht beendet! Ich übergehe die peinliche Realität mit gewohnter Lässigkeit:

„Hätte ja sein können. Wissen sie, die meisten, die während meiner Arbeitszeit Feierabend haben, arbeiten in der Gastronomie.“

Nach dem Satz kann man gechillt aufs Wetter umschwenken oder auf die Schönheit der Stadt bei Nacht. Auf die Bahnverbindungen, die die Taxifahrt nötig machen und auf peinliche Menschen, die einem über den Weg gelaufen sind. Ein Freundschaftsangebot meinerseits. Das Du-musst-es-nicht-sagen, das im Preis natürlich genauso inbegriffen ist wie das Du-darfst-mir-alles-erzählen.

Sie hat es nicht genutzt.

„Wenn sie mich gesehen hätten, würden sie nicht denken, ich arbeite in der Gastronomie… nein, ich arbeite im Nachtgewerbe.“

Mein „Ach so“ war nicht gekünstelt. Wenngleich das Sex-Geschäft für mich als langweiligen monogamen, dennoch aber natürlich an Körperlichkeiten interessierten Menschen zwar gleichermaßen extrem unverständlich und irgendwie faszinierend ist, so hab ich im Umgang mit den Beteiligten (Prostituierte, Freier, Tänzerinnen, sexuell anders orientierten Menschen) ja durchaus eine lockere Routine entwickelt. Die Protagonisten dieser Szenerie sind Kunden wie alle anderen auch. Im Grunde liegt unser Gewerbe in enger Nachbarschaft, ist miteinander verwoben, und da es dort oft um größere Summen geht, mangelt es meist nicht an Trinkgeld.

Da es ihr aber trotz der (wahrscheinlich gefühlt notwendigen) Offenheit scheinbar nicht sonderlich wohl war, so geoutet zu sein, hab ich es einfach bei offensivem Desinteresse belassen. Nach diesem einen Satz nahm sie das auch dankbar an, und der Rest der Unterhaltung drehte sich mehr um ihren Stadtteil, die Routenansage und das Bezahlen.

Da sie nun die ganze Zeit hinter mir saß und ich somit nicht sehen konnte, fragte ich mich aber dennoch, wie ihre Ansage gemeint war. Als sie dann ausstieg, wurde es mir dann doch recht schnell bewusst. Wer Anfang November untenrum nur einen String trägt, wundert sich natürlich nicht zu Unrecht über die Frage nach der Gastronomie als Broterwerb.

Memo an mich für die Zukunft: Erst gucken, dann quatschen! 🙂

Presse (2)

Heute hat mir ein Kollege am Stand erzählt, der Radiosender „Eins live“ hätte den Blog neulich erwähnt in einer Sendung, in der es um „lustige Transporte oder so“ ging. Ich weiss leider nichts näheres. Hat jemand das gehört?

Man sieht sich immer zweimal…

Naja, nicht immer!

In kleineren Gemeinden mag das Taxifahren bisweilen auch eine sehr persönliche Note haben, Berlin hingegen ist monströs groß. Auf 3,4 Millionen Einwohner verteilen sich 7000 Taxen, was zwar nicht der schlechteste Schnitt bundesweit ist, aber doch recht zuverlässig dafür sorgt, dass man sich selten zweimal im Taxi begegnet. Aber es passiert. Mir glücklicherweise überwiegend mit netten Personen, und so kam es, dass ich ausgerechnet meine Lieblings-Dienstleisterin einmal mehr im Wagen hatte.

Mit viel Glück (insbesondere auf meiner alzheimerverdächtigen Seite) haben wir uns auch beide wiedererkannt und einmal mehr munter drauflosgeplappert. Dank einer inzwischen viel zu lange andauernden Straßensperrung musste ich zwar eine andere Route nehmen, das hat allerdings nichts ausgemacht.

Zum einen war der Preis nachher exakt derselbe wie letztes Mal, zum anderen hat sie eingestanden, dass ihr Orientierungssinn ohnehin nicht ganz ausreichen würde, um Taxifahrerin zu werden.

Dieses Mal sind wir zwar nicht länger vor ihrer Türe verweilt, dafür ist das Trinkgeld nochmals höher ausgefallen, weil sie mir ihr komplettes Kleingeld, abzüglich ihres Glückscents überlassen hat.

Das nächste Mal frage ich nach ihrem Namen. Oder was machen die Amis normalerweise beim dritten Date? 😉

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Presse (1)

Da im Internet grundsätzlich alles unwichtig ist, bleibt einem als Blogger oft genug nichts anderes übrig, als über sich selbst und seinen Blog zu schreiben. Das ist zwar langweilig, aber es gibt einem das Gefühl, wichtig zu sein.

Nun hab ich allerdings mit gestern-nacht-im-taxi.de erstmals die wirklich schöne Möglichkeit, darauf hinzuweisen, dass andere über mich schreiben.

In der aktuellen Ausgabe (8/2010) der RAL 1015 taxi news findet sich auf Seite 25 nämlich folgendes:

Wohlwollende Erwähnung, Scan: taxi news

Wohlwollende Erwähnung, Scan: taxi news

Aro hat mir neulich eine Kopie geschickt, und bis ich den Namen des Autors gelesen habe, war ich über das positive Feedback sehr überrascht. Jetzt muss ich allerdings gestehen, dass Axel Rühle nicht irgendwer ist, sondern zum einen Autor des Spezialatlas für die Ortskundeprüfung in Berlin, und somit ohnehin auch bei mir in meinen Blogs verlinkt, zum anderen aber auch noch mein Lehrer im Lehrgang zu eben jener Prüfung. Und nicht zuletzt ein geschätzter Kollege, der mir auch schon mal eine lukrative Fahrt zugeschoben hat 😉

In diesem Sinne geht ein mehrfacher Dank an ihn, er ist sicher einer der besten Köpfe im Berliner Taxigewerbe, und umso mehr macht es mich trotz persönlicher Verstrickung ein wenig stolz, dass er so einen netten Text zu diesem Blog geschrieben hat.