Bring mich heim…

Gelegentlich habe ich Leute im Taxi, die bewusst auf ein Auto verzichten, deswegen öfter mal unsere Dienste in Anspruch nehmen und sich freuen, wie sehr sich das auf Dauer lohnt. Eine nette Abwechslung zu all den „Is ja so teuer, kannste nicht mal billiger machen?“-Typen. Derletzt fuhr ich jemanden, der sein eigenes Auto erst kürzlich abgeschafft hatte. Aus Gründen:

„Das ist besonders blöd, wenn man wie ich ein Auto hat, das sich beim Anblick des Berliner Ortsschildes immer sagt: Ach nee, das ist mir zu weit – soll der ADAC mich mal heimbringen!“

Sehr schöne Umschreibung 😀

Top 3 Verkehrssünder 2012

OK, es ist zu früh, bereits jetzt diese Bestenliste zu schreiben. Aber ich könnte sie umbenennen in

Die Top 3 der Stoffel, die dieses Wochenende mindestens 3 Punkte eingefahren haben

Fehler machen wir alle mal, auch ich. Meine Schadenfreude hält sich meist in Grenzen, zumal ich ja auch schon einmal zu Unrecht 3 Punkte an einer Ampel kassiert habe, weil ein paar Cops das aus einer unmöglichen Perspektive so gesehen haben wollen. Über kleine Unachtsamkeiten brauchen wir nicht zu reden, nobody’s perfect! Aber 3 Leute haben sich während der Samstagsschicht in mein Gedächtnis eingebrannt. Kommen wir also zur Preisverleihung:

Platz 3

geht an den Fahrer eines Autos von außerhalb, das als vorderstes vor mir und einem A-Klasse-Fahrer am späten Abend am Tempelhofer Damm vor DER Ampel stand. Die Ampel (vor der Autobahnbrücke) ist deutlich sichtbar (!) mit zwei Ampelblitzern versehen, die keine 15 Meter vor der Haltelinie fast auf Augenhöhe stehen.
Der Führer des Fahrzeugs stand etwa eine halbe Minute an der Ampel, bis er schließlich Gas gibt und schräg rechts in die Kreuzung einfährt. Unmittelbar nach den zwei Blitzlichtern, die seine Übertretung sowie sein verkehrsrechtlich bedenkliches Halten mitten auf der Kreuzung dokumentierten, blieb er stehen. Bravo!

Platz 2

geht an den Fahrer einer dunklen A-Klasse, die sich hinter dem drittplatzierten Fahrer nach seinem Ausweichen über 2 Spuren zur Kreuzung vordrängelte und etwa 10 Sekunden nach dem in der Nacht deutlich sichtbaren Blitzen des Vordermanns ebenfalls ein Gewitterschauspiel inszeniert und weitere 2 Blitzerfotos von der kuriosen Kreuzungssituation anfertigen lässt.
Meine Vermutung, er hätte sich vielleicht vorbeigedrängelt, um sein Kind in Todesgefahr zu retten, ist an der nächsten Ampelkreuzung erstorben, wo er auf mich wartete, treudoof vor einer nicht blitzgesicherten Ampel und ohne Augenzeugen. Doppelter Respekt! Bravo!

Platz 1

geht an einen Kraftfahrzeuglenker, der sich ganz ganz besonders Mühe gegeben hat. Es war bereits in den frühen Morgenstunden des Sonntags und ich befuhr die Landsberger Allee stadteinwärts, kurz vor dem Platz der vereinten Nationen. Besagter Fahrer konnte nicht die 200 Meter bis zum Platz warten um dort zu wenden und in die Friedenstraße einzubiegen. Stattdessen bog er illegal links über die Straßenbahngleise, fuhr dann rechts entgegen der Fahrtrichtung auf die stadtauswärts führende Landsberger Allee, bog unter großzügiger Benutzung einer Sperrfläche abermals links ab und überfuhr dort noch eine Ampel bei Rot. Ich habe das Ganze verfolgen können, da ich etwa 40 bis 50 Meter hinter ihm fuhr (bin ihm natürlich nicht gefolgt).
Die wirkliche Glanzleistung des Fahrers besteht indes in der Situationseinschätzung. Denn zwischen ihm und mir befuhr ein weiteres Auto die Landsberger Allee, eines das durch die übliche Farbgebung, die reflektierenden Schriftzüge und nicht zuletzt das bereits nach dem ersten Abbiegevorgang eingeschaltete Blaulicht recht unschwer als Polizeifahrzeug zu erkennen war.
Insbesondere, wenn es direkt hinter einem fährt…

Ganz großes Kino, herrlich! 🙂

Eine Taxischicht der Superlative!

Nein, ganz ehrlich: Rekorde im finanziellen Bereich kann ich nicht verkünden. Also wenn, dann müsste ich die Regeln ziemlich krude auslegen. Denn ich hatte zum Beispiel die lukrativste Tour, die ich jemals zweimal gefahren bin: Die beiden Mädels, die ihren Heimweg gerne vom Ostbahnhof über Hellersdorf nach Potsdam nehmen, haben mich an der Halte erkannt und mich gleich zum zweiten Mal dazu gezwungen, eine eigentlich schon aufgegebene Nacht doch erfolgreich zu beenden 🙂

Ansonsten sind Fahrten für Blogeinträge zusammengekommen, bei denen ich nicht mehr weiß, wann zur Hölle ich die alle schreiben soll, so zahlreich sind die erwähnenswerten Kunden in mein Auto gepurzelt.

Und wenn es nicht die Kunden waren, dann waren es die anderen Verkehrsteilnehmer! Binnen weniger Stunden haben gleich drei Autofahrer nacheinander den Rekord eingestellt, wie dämlich man sich Punkte in Flensburg einfängt. Ich bin aufgrund des Rekordhalters noch nicht aus dem Staunen heraus, ehrlich…

Die letzte Tour hat weit in meinen Feierabend hineingeragt, so dass ich am Ende doch über elfeinhalb Stunden irgendwie unterwegs war, allerdings zwischenrein auch mal kurz privat. Ich bin ziemlich fertig gerade, würde aber am liebsten alles gleich niederschreiben. Ich werde euch dennoch auf morgen vertrösten müssen.

Jedenfalls hoffe ich, dass ihr auch ein geiles Wochenende hattet, ich melde mich dann wieder, wenn mein eigenes beginnt.

Frühling.

Die Tatsache, dass das Thermometer inzwischen Sprünge in den zweistelligen Bereich – und zwar im Plus-Bereich – macht, erfreut mich auch. Ich hab es zwar gerne etwas kühler, aber zum einen war es ja heute Nacht nochmal eisig und zum anderen war dieser Winter geprägt von Ärger um die Heizung im Auto, ständig geschlossene Waschanlagen, etc. Außerdem fühle ich mit den Prostituierten, die sicher wesentlich angenehmere Arbeitskleidung als Skihosen haben. 🙂

Aber ein bisschen traurig stimmt mich der langsame Abschied vom Winter dann doch. In erster Linie geht es mir um die Dunkelheit. Schon jetzt kündigt die Sonne am Wochenende gegen Schichtende bereits wieder langsam ihr Aufgehen an, die Nächte werden kürzer. Ich weiß, viele freut das und aus Gründen des Stromsparens kann ich mich auch mit ein paar hellen Stunden mehr anfreunden.
Aber über die drei Jahre im Taxi ist mir die Nacht so dermaßen ans Herz gewachsen, dass die wenigsten Tagaktiven das wohl verstehen werden. Sicher werde ich immer noch hier und da nachts müde und ein schöner Sonnenaufgang erfreut auch mein gar nicht so kleines Taxifahrerherz – aber ich weiß nicht, ob ich jemals wieder meine Liebe zur Nacht loswerde.

Zum einen ist da die ganze Arbeit: Nachts sind die Leute lockerer und lustiger, die Straßen sind freier und man erkennt Querverkehr meist schon am Licht. Aber auch all das Nebenbei: Berlin ist ein Lichtermeer, das Grau der Stadt verschwindet im Nachtschwarz. Wenn mal nicht der (über Berlin natürlich magere) Sternenhimmel seine Pracht darbietet, führt selbst Regen nur zu tausenden glitzernden Spiegelungen, nicht zur Untermalung der Tristesse.

Mein Rhythmus IST inzwischen umgestellt. Es fällt mir nicht leicht, früh ins Bett zu gehen und die aufgehende Sonne veranlasst mich viel eher zu selbigem. Viel schlimmer: Im Sommer fühle ich mich in den taghellen Abend- und Morgenstunden viel eher dem geborgenen Vorhang der Nacht entrissen, mein Drang, die Arbeit niederzulegen wächst exponentiell mit jedem Lichteinfall.

Gut, ich gehöre nicht zu den Menschen, die sich freuen, spätabends noch im Shirt im Café ihrer Wahl zu sitzen und darüber zu sinnieren, wie unanständig kalt das Herabsinken unseres Zentralgestirns die Welt werden lässt. Ich bin der Typ von der anderen Seite, der euch immerhin zu sagen weiß, dass die Gerüchte über Zombies und Werwölfe weiitgehend unzutreffend sind. Also wenn es in einem halben Jahr wieder früher dunkel wird, dann ärgert euch nicht – freut euch stattdessen für mich!

Seid ihr Tag- oder Nachtmenschen?

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Musikalisch breit (aufgestellt)

Kaum zwei Minuten auf der Straße durfte ich schon stoppen. Winker. Drei Personen nahm ich mehr aus dem Augenwinkel war, die Tür öffnete ein leicht verstrahlt wirkender Typ mit zerschlissenen Klamotten und unsortierter Dread-Mähne auf dem Kopf. Anstatt einzusteigen, schob er aber mit einem Kumpel zusammen einen noch verstrahlter wirkenden älteren Herrn ins Auto und nannten mir eine Zieladresse in einiger Entfernung vom aktuellen Geschehen.

Der alte Mann mit angehender Glatze und einem gemütlich wirkenden Bierbauch sah aus, wie ich mir einen griechischen Klischee-Opa vorstelle, tatsächlich war er Ungar, aber das kommt alles noch.

Er entschuldigte sich in gebrochenem Deutsch für seinen Zustand, was ich zurückwies. Ernsthaft nach Ärger sah er nun nicht aus und wenn ich mit betrunkenen Fahrgästen ein Problem hätte, dann würde ich wohl den falschen Job machen. Also haben wir uns ein bisschen dem Smalltalk gewidmet:

„Und, geht es jetzt nach Hause?“
„Nach Hause, bin ich voll, zu viel!“
„Gab es was zu feiern?“
„Nein, haben gefeiert. Zu viel.“
„Und weswegen?“
„Meine Sohn hatte Konzert und wir getrunken.“

Zu viel, ja ja. Das wirklich lustige an der Situation war, dass er seinen Sohn nicht etwa beim gemeinsamen Umtrunk nach einem Konzert unterstützt hatte, sondern dass das Konzert erst noch stattfinden sollte. Er jedoch hatte es beim Vorglühen etwas übertrieben und durfte nun mit dem Taxi die Heimreise antreten, anstatt die Band seines Sohnes live auf der Bühne zu erleben. Schien ihm aber scheinbar keine größeren Sorgen zu bereiten. So wie es aussah, begleitete er ihn ohnehin öfter. Er verlor sich aber stockend und in Gedanken in Lobeshymnen auf seinen Sohn und wie toll er es fände, dass er Musik macht.

„Was für Musik macht ihr Sohn denn so?“
„Oh! Isse Heavy Metal macht meine Sohn. Gefallt mich sehr gut seiner Musik!“

Ach, immer wieder schön zu sehen, dass die Zeiten vorbei sind, in denen man mit Metal zwingend seine Eltern vergrault hat. Er hat sich dann weiter über Musik ausgelassen und mir erklärt, dass er hauptsächlich Metal und – fast schon logisch – ungarische Volksmusik hört. Wo die Liebe so hinfällt 😀

Ich selbst hab mich nach der Tour dann erstmal mit dem ungarischem Metal vergnügt, den ich kenne. Mit der wohligen Erkenntnis, dass auch andere Söhne korrekte Eltern haben…

Metal aus Ungarn? Hier, bitte:


Kartografisches Gedächtnis?

Es gibt eine Kleinigkeit, die uns Taxifahrer vom Rest der Bevölkerung unterscheidet. Zumindest vermute ich das, das ist eine rein subjektive Feststellung meinerseits:

Wir denken „in Karten“.

Im Gegensatz zu vielen anderen Leuten werden wir sehr oft mit neuen Adressen konfrontiert, die wir anfahren müssen. Zudem müssen wir auf dem kürzesten Weg dorthin gelangen. Ohne eine Ortskundeprüfung und ein tickendes Taxameter im Rücken (oder vor sich) navigiert man meist von bekanntem Punkt zu bekanntem Punkt. Da kommen dann Routen wie diese hier heraus, einfach weil sie logisch und schnell sind. Mögliche Abkürzungen treten zurück beim Blick auf bekanntes Territorium, man fährt schlicht und ergreifend den einfachsten Weg.

Nun orientiere ich mich als Taxifahrer natürlich auch an bekannten Orten, keine Frage. Aber in meinen Gedanken taucht dennoch immer wieder der Stadtplan auf. Nicht immer detailliert genug, manchmal falsch oder ungenau – aber egal, was der Kunde für eine Ansage macht, denke ich darüber nach, wo das Objekt sich genau befindet, zu dem ich fahren soll. Das gleiche ich dann ab mit den mir bekannten Straßen – so wenige es im Einzelfall auch sein mögen – und überlege mir dann eine sinnige Route.

Und ich merke, dass viele das nicht tun.

Da hatte ich neulich eine Tour, bei der mir die Straße nur sehr grob etwas sagte. Die Kundin versprach, mich zu lotsen und ich sagte zu. Ihr selbst kam es bei diesem durchaus klar quaderförmigen Häuserblock/Straßenverlauf nicht in den Sinn, es komisch zu finden, mich zweimal links abbiegen zu lassen – anstelle von einmal links und dann rechts.

Auch wenn ich in Mathe ein Loser erster Güte bin, ist mir doch bewusst, dass diese Strecke NIEMALS die kürzeste sein kann (und nein, es existierten hier keine Abbiegeverbote oder Einbahnstraßen!).

Als mein geschätzter Ortskundelehrer in den heiligen Hallen meiner Chefs irgendwann mal einen kurzen Ausflug in die Geometrie unternommen hat, um zu zeigen, dass man beim Wechsel in eine nicht ganz parallel verlaufende Straße immer die Querstraße nimmt, die am kürzesten ist, dachte ich noch, er will mich verarschen. Tatsächlich aber ist vielen Menschen diese Denkweise fremd. Das oben verlinkte Beispiel mit dem Hermannplatz ist zweifelsohne ein Extrem, aber im Kleinen passiert es immer und immer wieder, dass Leute ihrer Intuition folgen, anstelle sich auf eine objektiv bessere Route zu stürzen. Wahrscheinlich ist es ein ähnlicher Mechanismus, der Leute dazu bringt, sich der Homöopathie zuzuwenden, wenngleich selbige objektiv sinnlos ist: Es ist ein Mangel an Fachkenntnis. Den werfe ich niemandem vor, schließlich haben wir Taxifahrer ja unsere Ausbildung gemacht, um auf dem Gebiet der Ortskenntnis gewissermaßen Koryphäen zu sein.

Befremdlich wird es aber dann, wenn Menschen ihr Halbwissen noch verteidigen.

Trotz allem Wissen über abzockende Kollegen und aller Achtung vor der Ortskunde meiner Kunden (die vor allem direkt in ihrem Wohngebiet beispielsweise meiner sicher überlegen ist):

Nehmt auch mal den Rat oder die Routenwahl von uns Taxifahrern an!
Ortskunde ist ein gar nicht so einfaches Fachgebiet und in der Regel wissen wir sehr wohl, was wir tun.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Und wenn wir schon…

dabei sind. Heute Morgen hatte ich den Artikel mit dem Polizisten, der gerne mal Kollegen anpöbelt. Auch sonst neigt die Truppe ja gerne zu Humor in seltsamen Lebenslagen. Der Beweis ist wohl ein Brief, den ich vor Ewigkeiten mal von ihnen gekriegt habe:

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