Was erzählen…

Es kommt gelegentlich vor, dass ein Kunde einsteigt und mich fragt, ob ich nicht ein paar tolle Stories aus dem Taxi erzählen könnte. Ihr werdet lachen, aber meistens fällt mir keine ein 😀

Ich blogge so viel, aber zum einen sind das ja meist nur Kleinigkeiten – und andererseits hab ich damit so viele Geschichten in meinem Gehirn, da kommt mir eine einzelne gar nicht so schnell über die Lippen.

Aber gut. Irgendwas gibt es dann meistens ja schon zu erzählen, irgendwie landet man immer in einem Gespräch, wenn man will. Vor ein paar Tagen hatte ich allerdings – was wesentlich seltener ist – eine Unterhaltung mit einer Kundin, die ihrerseits viel zu erzählen hatte. Und im Gegensatz zu den ganzen quirligen Kellnerinnen, bei denen das nach Dienstschluss auch mal vorkommt, war es hier eine schon sehr betagte Dame, die von einer Reise zurückgekehrt war. Über die Reise hatte sie gar nicht viel zu erzählen, als sie allerdings gehört hat, in welchem Stadtteil in Berlin ich wohne, da hat sie angefangen über ihre alte Wohnung dort zu erzählen.

Sie sei schon sehr glücklich, wo sie jetzt wohne, aber sie sei nicht freiwillig weg. Das sei nach 20 Jahren ja nur wegen des Feuers gewesen. Feuer? Ach ja, sagte sie:

„Danach bin ich eben umgezogen…“

„Aber es ist hoffentlich nix schlimmeres passiert.“

„Nee nee, also nicht wirklich…“

Ihre Reisebegleitung, ein sehr resoluter älterer Herr, der das Taxi zahlte und später noch weiter wollte, fing an, dazwischenzureden, sie solle aufhören und ruhig bleiben. Ruhig ist sie geblieben, aber sie musste mir unbedingt noch mitteilen, dass ihr damals ihr Fernseher explodiert ist, einfach so.

„Ich wollte doch nur umschalten aufs Zweite.“

Nachdem sie zu Hause war, habe ich von ihrer Begleitung erfahren, dass sie wochenlang im Krankenhaus lag und ihr komplettes Wohnzimmer dabei ausgebrannt sei. Manche Geschichten möchte ich dann gar nicht erzählen können, ganz ehrlich…

4 Kommentare bis “Was erzählen…”

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  2. Aro sagt:

    Ein Fernseher mit Geschmack…

  3. Paul sagt:

    Moin Sash,

    Erstaunlich finde ich, daß die Kunden bei Dir nicht viel zu erzählen haben. Neulich hast Du geschrieben, daß Du eigentlich mit jedem Fahrgast versuchst, ein Gespräch zu beginnen. Dagegen hatte ich heute eine Kundin, die zum Schluß ein gutes Trinkgeld gab mit der Bemerkung: „Sehr angenehm. Ihre Kollegen reden immer so viel.“
    Bei mir ist das eher umgekehrt: Wenn mein Gast reden will, merke ich das schon und ich mache gerne mit. Wenn er schweigt, mache ich auch mit. Na ja, andere Länder, andere Sitten..

    Tolles blog, weiter so!

  4. Sash sagt:

    @Aro:
    Wer weiss, was da vorher lief 😉

    @Paul:
    Naja, mit „viel erzählen“ meinte ich wirklich Geschichten aus dem Leben. Natürlich wird bei mir im Auto meistens geredet. Aber bei der üblichen 10-minütigen Tour bleibt es dann doch eher beim Wetter oder der Zugverspätung…
    Auf Teufel komm raus die Leute zulabern tue ich allerdings auch nicht 🙂

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