Wir bräuchten ein Taxi…

Unvorstellbar! Was für ein kurioser Wunsch!

😉

Nein, es war zugegeben eine etwas seltsame Situation. Ich stand mit nur noch mäßig gefülltem Tank an der Stelle, die nach selbigem Gefäß benannt ist. Ich gedachte, das Autochen an diesem miesen Tag kurz zu betanken, noch eine Tour vom Ostbahnhof gleich nebenan zu machen und dann frustriert vom schlechten Umsatz unschöne Blogartikel zu schreiben.

Meine Stammtanke an der Holzmarktstraße hat allerdings ein dickes Dauerproblem: Die Erdgaszapfsäulen! Wieder einmal waren 3 von 4 ausgefallen und am einzig freien Hahn stand bereits ein Kollege. Er war inzwischen zum Bezahlen verschwunden, ich wartete auf seine Rückkehr, was ich mir mit einer Prise Punkmusik auf Lautstärke Level 10 versüßte. Irgendwo zwischen zwei bösen Gitarrenriffs klopfte dann verschüchtert ein Typ mittleren Alters an meine Scheibe, was mich in dem Moment ziemlich erschreckt hat. Und dann kam eben:

„Entschuldigung, eigentlich bräuchten wir ein Taxi…“

Ob sie nun glaubten, mein Tank wäre zu leer zum Weiterfahren oder mich nicht während meiner Pause stören wollten, weiß ich nicht. Es war jedoch offensichtlich, dass sie gar nicht in Erwägung zogen, mit mir zu fahren, sondern mich eher fragen wollten, einen Kollegen zu rufen. Ja, vielleicht lag es auch an der Punkmusik 😉

Ich hab dann gehofft, dass der Kollege vor mir doch noch möglichst lange braucht und die Kundschaft fröhlich grinsend und freundlich in mein Auto gepackt. Dass sie mich bei irgendwas wichtigem gestört hätten habe ich ihnen schnellstmöglich ausgeredet.

„Wir müssten in die Straße An der Brauerei. Kennen sie die? Die ist noch ziemlich neu…“

„Ich nehme an, dann meinen sie die in Kreuzberg.“

„Ja, genau. Wieso: Gibt es noch eine?“

In aktuellen Routenplanern, Navis und dergleichen gibt es wahrscheinlich NUR eine andere – nämlich in Friedrichshain. Allerdings war ich vor Monaten schonmal auf dem alten Brauereigelände südlich des Viktoriaparks und konnte sie somit ganz gut mit meiner Ortskenntnis beeindrucken. Auch schön 🙂

Nach der Tour zur Tanke hatte ich dann noch einen Winker zum schlesischen Tor und nach dem anschließenden Tanken und der letzten Tour vom Ostbahnhof nach Marzahn (direkt vorbei an An der Brauerei in Friedrichshain…) war mein Umsatz dann immerhin schon gut genug dafür, jetzt keinen genervten Blogeintrag schreiben zu müssen. Ist ja auch was…

Vertrauen…

Ich habe einen Vorteil gegenüber den vielen selbständigen Kollegen im Gewerbe: Kein Papierkram! Ich kriege zwar nur einen Teil des erzielten Umsatzes und finanziere als Arbeitnehmer wie überall auch meine Chefs mit, dafür halten sie mir aber auch eine Menge Stress vom Hals. Was davon besser ist, ist schlicht nicht zu entscheiden, beide Modelle haben Vor- und Nachteile.

Jedenfalls kann ich zum Beispiel bedenkenlos Coupons annehmen.

Verschiedenste Unternehmen und Ämter geben an ihre Mitarbeiter Taxi-Coupons aus, um die Ausgaben letztlich gesammelt überweisen zu können. Das ist an und für sich eine gute Regelung, bei geschäftlichen Fahrten müssen die Beamten und Angestellten nicht immer die Taxikohle auslegen. Für Taxifahrer ist das ein zweischneidiges Schwert: Zunächst einmal haben wir natürlich statt Bargeld oder Geld auf dem Konto einen Gutschein, mit dem man nichts anfangen kann. Und am Ende kostet es Zeit, ihn einzusenden und auf die Überweisung zu warten. Von unklaren Problemfällen, wo eventuell sogar mal nicht bezahlt wird, ganz abgesehen.

Ich als Nachtfahrer hab recht selten Coupon-Fahrten, manchmal monatelang keine einzige. Da kann es dann schon nerven, wegen eines einzelnen Coupons über 7,60 € extra zusätzliche Arbeit zu haben. Meine Chefs im Taxihaus-Berlin hingegen haben mit ihren rund 20 Taxen natürlich ständig solche Zettel und können die routinemäßig und teilweise gebündelt abschicken. Deswegen muss ich am Stand keine Coupon-Fahrten ablehnen. Sehr schön.

So bin ich neulich zu einer Mitarbeiterin des Umweltministeriums gekommen, der ein anderer Fahrer verkündete, er könne die Fahrt nicht annehmen. Sie nahm es gelassen:

„Na, sie fahren ja ein Umwelt-Taxi. Passt sowieso viel besser!“

🙂

Da so viele Coupons von verschiedenen Firmen existieren, muss man beim Ausfüllen aufpassen. Jeder fehlende Stempel, jede fehlende Unterschrift könnte bedeuten, dass er wertlos ist. Die Kunden selbst gehen mit den Dingern jedenfalls ziemlich lässig um. Manche wollen gleich, dass man einen anderen Betrag draufschreibt und somit den Arbeitgeber gleich noch das Trinkgeld mitbezahlen lassen, andere winken gleich ab und überlassen es ganz dem Taxifahrer. Man sollte bei Couponfahrten also auch ein bisschen Moral mitbringen, um die Dinger nicht auszunutzen.

Besagte Frau indes meinte gleich zu mir:

„Ist nicht so, dass ich ihnen nicht vertraue, aber könnten sie bitte den Betrag gleich reinschreiben…“

Na logo. Obwohl es nicht weiter schwer gewesen wäre, aus 7,60 € 17,60 € zu machen – nur mal so nebenbei. Dass ihr Vertrauen allerdings etwas angeschlagen war, verstehe ich gut, denn sie war von ihrer Hausverwalterin angerufen worden, weil es einen Einbruch in ihre Wohnung gegeben haben könnte…

Die Kollegen, die Gutscheine des (vermeintlich geringeren) Trinkgeldes wegen nicht annehmen, kann ich indes auch beruhigen: Sie hat mir zwei Euro in bar obendrauf gelegt und war sonst auch eine sehr angenehme Kundin. Also alles ganz in Ordnung mit diesen grünen Zetteln! Aber gut, die Arbeit mit dem Scheinchen haben schließlich auch meine Chefs. 🙂

Wieder da!

Einige Leser werden sich gewundert haben, wieso ich in den letzten Tagen nie in den Kommentaren zugegen war. Die Lösung ist denkbar simpel: Ich war auch im Real Life nicht zugegen. Ein innerfamiliärer Umzug mit allen erdenklichen Tücken hat mich für mehrere Tage in eine beschauliche norddeutsche Hansestadt getrieben, wo mir nicht nur wenig Zeit, sondern auch die ungewohnte Netbook-Tastatur den Spaß am Schreiben eingeschränkt hat. Ich werde sicher noch 24 Stunden brauchen, um wieder ganz und gar da zu sein, aber im Grunde geht es ab jetzt weiter im Text.

Und ich möchte ein hoffentlich unbegründetes Mitleid an die Kollegen im beschaulichen Rostock richten: Die Taxistände, die ich dort passiert habe, waren allesamt immer nur von ein bis zwei Wagen besetzt. Wenn das der guten Auftragslage geschuldet war, dann finde ich das natürlich gut. Ich hab mir indes eher Sorgen gemacht, dass dort die Kommunikation unter den Kollegen vielleicht etwas leidet. Kann sich ja gerne mal einer von der Küste melden 😉

Taxifahrer und ihre Taxis

…und einparken!

Als Taxifahrer sammelt man Fahrpraxis. Eine ganze Menge. Sicher, die Kollegen aus den Bussen und den LKW mögen lachen über unsere bescheiden vor sich hintickenden Kilometerzähler, aber 2.000 bis 5.000 Kilometer monatlich sind doch einiges im Gegensatz zu manchem Nur-privat-Fahrer, der über die 9.000 km jährlich, die in seinem Vertrag mit der Versicherung festgehalten sind, nie herauskommt. Wie wir alle wissen, macht Routine uns zu besseren Fahrern, bla Keks.

Da ist sicher auch etwas dran, aber wenn man mich fragt, was das Taxifahren für Auswirkungen auf mein fahrerisches Können hat, dann muss ich mit Tränen in den Augen zugeben:

„Ich verlerne langsam aber sicher das Einparken…“

Es ist ein Drama sondersgleichen. In Stuttgart habe ich bereits meinen Fahrlehrer in schweißgebadete Zustände getrieben, wenn ich schwungvoll die letzten Zentimeter meines Autos ausgenutzt habe. Als ich dann in freie Wildbahn entlassen wurde, hab ich das auf die Spitze getrieben. Als persönlichen Rekord möchte ich verbucht wissen, dass ich den Renault Mégane meiner Mutter – bei dem man die Front so wenig sehen konnte wie bei der 1925 – am Berg (!) ohne Feindberührung in eine Parklücke bugsiert habe, die sich im Nachhinein als kaum 15 bis 20 cm länger als das Auto herausgestellt hat.

Ohne Witz: Ich bin ein Meister im Einparken!

Natürlich hab ich mir das bitter erkauft, denn alle meine bisherigen Unfälle betrafen den ruhenden Verkehr. Aber ich hab auch die Sprinter des Behindertenfahrdienstes in vergleichsweise enge Lücken in engen Einbahnstraßen untergebracht und die Autos meiner Eltern wirklich zentimetergenau dort eingefädelt, wo kurz zuvor die Besitzer wesentlich kleinerer Fahrzeuge nach 5 Versuchen aufgegeben hatten.

Und jetzt? Wann muss ich denn bitte mal einparken?

Die meisten Stopps erledigt man in zweiter Reihe, die Straßen in Berlin sind ohnehin überdimensionierter und hier vor dem Haus haben wir nur Parallelparkplätze. Mit denen können einige zwar auch nicht umgehen, mich haben sie immer schon gelangweilt und meine diesbezügliche Einweisung in der Fahrschule dauerte exakt einen Versuch lang – danach hat mein Fahrlehrer zugegeben, dass ich das wohl kann…

Nur selten – aber immerhin manchmal – ist wenigstens Position 5 am Ostbahnhof noch eine „Herausforderung“. Da muss man manchmal tatsächlich einparken. Es kommt allerdings auch oft vor, dass Kollegen die Position erst einnehmen, wenn bereits zwei bis vier Fahrzeuglängen Platz ist. Im Großen und Ganzen würde ich da allerdings nicht die Park-Skills der Kollegen für verantwortlich machen, sondern eher deren Willen, noch ein bisschen länger auf der „Abstauberposition“ 6 zu verharren, die Fahrgäste gerne für den Beginn einer zweiten Schlange halten und man somit von ihr oftmals schnell mit zahlender Kundschaft wegkommt.

Wie dem auch sei: Ich habe also im Laufe der Zeit festgestellt, dass ich immer schlechter im Einparken werde. Das ärgert mich zwar, ist aber erst mal bedeutungslos, weil ich es ja im Gegenzug auch kaum mehr muss. Ursache und Wirkung vermischen sich hier.

Nun hab ich aber einmal mehr meine Lieblingshalte mit Leben erfüllt und der Kollege vor mir rutschte auf – auf Position 5. Platz war mehr als genug, selbst seine E-Klasse hatte noch ungelogen drei Meter (!) Spielraum zum Rangieren. Und was macht besagtes Wunderkind der Fahrkunst und der Kommunikation?

Er hupt meinen Kollegen Yussuf auf Position 4 an, weil der noch etwa 80 cm zum Dritten in der Reihe aufrutschen konnte. Ich selbst hatte mir davor überlegt, ob ich nicht letztlich auch noch dorthin passen würde. Hab die Überlegungen dann aber auf Eis gelegt, weil ich befürchtete, damit die Platzangst des Kollegen eher zu forcieren. Also hab ich es wie Yussuf gehalten und nichts gemacht. Und damit einen Kunden von der Abstauber-Position an Land gezogen…

Super geklappt…

Manchmal läuft es. Die Kunden kraxelten ins Auto, dabei hatte ich nicht damit gerechnet, auf meinem kurzen Weg noch Fahrgäste für mein schnuckelig warmes Taxi zu finden.

„Das is ja toll. Sie sind ja genau pünktlich. Voll geil mit der App!“

„Ähm, sie haben also ein Taxi bestellt? Dann war ich das sicher nicht.“

„Doch, Mensch! Da stand: In 3 Minuten. Und genau 3 Minuten später biste hier. Geil!“

„Ja, aber ich nutze die App nicht. Ich bin also nicht ihr Taxi. Sehen sie doch mal nach. Können sie da nicht schauen, wo der Kollege gerade ist?“

„Ist doch egal, nu biste ja hier.“

„Nein, das ist nicht egal. Überlegen sie doch mal: Der Kollege fährt jetzt extra wegen ihnen hier her. Es ist unfair, wenn ich sie jetzt mitnehme. Er müsste ja gleich da sein, schauen sie doch noch mal auf ihr Handy. Dann warten wir eben kurz.“

„OK, aber… OH! Da steht: Der Fahrer kann die gewünschte Fahrt leider nicht…“

„Eine Absage?“

„Äh… ja!“

„Dann war es ja wirklich super, dass ich vorbeigekommen bin. Also: wo soll es hingehen?“

😀

Ich wollte aber mal bei den Kollegen mit Funk und App nachfragen, weswegen so viele Fahrten von Fahrerseite aus storniert werden. Nehmen manche tatsächlich unterwegs Winker mit, wenn sie welche finden?

Heimweh

Eine der seltsamsten Dinge am Taxigewerbe ist wahrscheinlich die Romantisierung des Ganzen. Wir haben es mit öffentlichem Nahverkehr zu tun. Mies bezahlte Fahrerjobs mit PKW’s. Keine Trucks, keine Sportwagen, kaum Freeway-Feeling, fast nur Stadtverkehr. Es ist ja kein Wunder, dass viele Außenstehende den Job als den letzten Rotz ansehen. Als ob oben genanntes nicht reicht, dürfen wir uns noch mit Tarifbindung, Beförderungpflichten, Pflichtfahrgebieten und allerlei ziemlich pingeligen Regelwerken wie der BOKraft und der StVO außeinandersetzen. Die große Freiheit sieht eigentlich anders aus.

Trotzdem: Ich sitze jetzt seit nahezu einem Monat zu Hause, bzw. bin andersweitig unterwegs. Krank und verheiratet, dennoch eigentlich ganz glücklich. Abgesehen von hässlichen Hustenanfällen und übelschmeckenden Antibiotika besteht mein Tag gerade auch aus viel leckerem Tee, Internetsurfen und gemütlichem Wii-Zocken mit meiner besseren Hälfte. Als Couch-Potatoe kann ich nicht unbedingt sagen, dass mir das missfällt. Bei meinen täglichen kurzen Einkäufen, beim Blick aus dem Fenster, überall springt mich dennoch meine eigentliche Arbeit an.

Aus den Augenwinkeln noch nehme ich jede hellelfenbeinfarbene Lackierung war, registriere Frei- oder Besetztstatus der an mir vorbeifahrenden Kollegen und gebe mich in kurzen Fantasien Gedanken über die Länge der entsprechenden Tour hin. Kurz: Ich hab sowas ähnliches wie Heimweh nach der Arbeit. Ich freue mich aufs Umherkurven in der City und ein Bisschen sogar aufs Kämpfen um die letzten paar Cent zu Feierabend. Wenngleich ich mich bei Krankheit gerne einigle und keine Menschen sehen will, fehlt mir der Kundenkontakt, fehlen mir Kollegen, Winker und sogar der ein oder andere besoffene Jugendliche mit abenteuerlichen Preisvorstellungen.

Dass die andere Wiese bekanntermaßen immer grüner ist, ist mir bekannt. Wirklich enttäuscht sein werde ich allerdings auch nicht, wenn es wieder losgeht, das ist das Absurde. Im Grunde sitze ich wirklich gerne zu Hause rum – aber ganz ohne Taxifahren ist es dann doch irgendwie sch…

Übrigens:

Schön, dass die Resonanz auf das Gewinnspiel so groß ist. Auch wenn das natürlich zu erwarten war, freue ich mich auch tatsächlich über die vielen stillen Leser, die jetzt für die Schokolade ihren Kopf aus dem Versteck raushalten. Ich möchte allerdings gerne zu noch weniger Zurückhaltung aufrufen, da ich mit meiner besseren Hälfte eine Wette über die Kommentaranzahl am Laufen habe. Ich habe auf deutlich mehr Kommentare getippt und der Wetteinsatz ist das Schreiben der Kärtchen für die Verlosung. Wer mir also (wie üblich) nur Gutes will, der überwindet sich und schreibt einen Kommentar. Das Schlimmste, was passieren kann, ist dass es kostenlose Süßigkeiten gibt, ehrlich 🙂
Ansonsten gebt doch einfach den Link weiter. Bitte!

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Reisen, Röcheln, Riesenkraken 10

Dies ist nochmal ein Text zu meiner Hochzeitsreise. Wer auf sashs-blog.de fleißig mitgelesen hat, weiß, dass ich auf meiner eigenen Hochzeitsfeier vor lauter Fieber nicht einmal Alkoholika zu mir nehmen konnte. Mit dem Auto zum Hostel fahren wollte ich dennoch nicht. Ich war seit Stunden übermüdet, fiebergeplagt und zu alledem auch nicht in der Stimmung, eine Viertelstunde lang einen Parkplatz zu suchen. Das mit dem Taxi war ohnehin fest eingeplant an dem Abend.

Während meiner gelegentlichen Ausflüge vor die Tür an diesem Abend habe ich genügend freie Taxis umherfahren sehen, also bin ich einfach mal raus aus der Kneipe und habe gewartet. 10 Minuten später, inzwischen halb erfroren, bin ich wieder rein und hab mir eines rufen lassen. Der Kollege kam auch binnen kürzester Zeit, in zwei Minuten vielleicht. Er geleitete mich zu seinem weißen Touran und fragte mich, wo es hingehen sollte.

„Zum Olgaeck. Genauer in die Alexanderstraße 30.“

„Äh, ok… ich bin mir nicht ganz sicher. Hier hochfahren?“

„Naja, über die Libanonstraße am Besten.“

Es war ein wirklich netter Kerl, zwar älter als ich, aber offensichtlich noch relativ neu im Gewerbe. An der Libanonstraße fuhr er geradewegs vorbei, was ich dann doch zu einer Unmutsäußerung nutzte. Wir wären tatsächlich auch angekommen, wenn wir von Gablenberg aus immer der Hauptstraße gefolgt wären, aber das ist ein bisschen so, wie wenn ich von Stuttgart aus über Hamburg nach Berlin fahren würde. Glücklicherweise hat er sich auch gleich entschuldigt, wirklich Plan hatte er allerdings immer noch nicht. Also hab ich ihn durch die kleinen Nebenstraßen meiner langjährigen Heimat geleitet und war heilfroh, nüchtern zu sein.

Ich glaube Menschenkenntnis genug zu besitzen um zu wissen, dass der Kerl kein übler Betrüger war. Er war Anfänger und es war ihm verdammt peinlich, den besten Weg nicht zu kennen. Oder das Olgaeck selbst – was ich allerdings ziemlich krass finden würde. Keine 700 Meter vor dem Ziel fragte er mich dann nochmal, wo es eigentlich genau hingehen würde. Ich hoffe mal, er kriegt das noch auf den Plan. Gibt sicher viele Kunden, die da wesentlich kompromissloser sind. Unser Umweg hat letztlich geschätzte 40 Cent gekostet und die Fahrt lag mit 7,50 € auch noch deutlich unter dem, was ich bereit gewesen wäre zu zahlen, insofern wollte ich nicht das besserwisserische Arschloch raushängen lassen.

Da ich bei Dienstleistern immer unverschämt großzügig bin, hat er den 10er ohne Rückgeld behalten dürfen. Und es ist besser, dass er nicht weiss, was er hätte kriegen können, wenn alles bestens verlaufen wäre 🙂

Während meine bessere Hälfte die Hochzeitsnacht noch mit sachma weiter gezecht hat, bin ich endlich in eine barmherzige Ohnmacht gefallen und hab mit gelegentlichem Husten fast 6 Stunden Schlaf bekommen. Dreimal so viel wie in den Nächten zuvor…