Was so erzählt wird …

Die Geschichten der Fahrgäste sind in guten Nächten definitiv die bessere Unterhaltung als Musik. So sehr ich es mag, ein bisschen mit aufgedrehter Anlage durch die Stadt zu fahren – das Gerede macht es doch irgendwie aus.

Schon die Menschen selbst. Da findet sich auf meinem Rücksitz plötzlich ein Kanadier, der mir erzählt, wie gerne er nach Europa wollte, seine Eltern das aber nie zuließen. Nun hatte er heimlich gespart und ist einfach so in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Paris geflogen. Dort ein Monat, dann zwei Wochen Amsterdam. Berlin gefiele ihm noch besser, hier jobbe er nun sogar für einen Monat, um sich anschließend noch eine Weile Prag zu gönnen. Und nebenbei hätte er es auch ausgerechnet von hier aus, der kleinen Bude in Weißensee, zu der ich ihn brachte, geschafft, sich mit seinen Eltern wieder zu versöhnen, so dass er seitdem Unmengen an Fotos mit ihnen austauschte und Orte hier in Berlin besuchte, an denen seine Eltern offenbar selbst in den 80ern mal waren.

Alleine in seinem kleinen Reisebericht lag ein ganzes Romanmanuskript versteckt, obwohl unsere Fahrt keine Viertelstunde dauerte. Mein Interesse an seinen Erzählungen quittierte er mit Abwinken und der Aussage, das sei noch gar nix. Ein Kumpel, mit dem er seit Amsterdam unterwegs sei, hätte eine Japanerin kennengelernt. Diese sei die Freundin eines japanischen Multimillionärs und sei auf eigene Faust in Europa. Mit dem Segen ihres Lebensabschnittsgefährten und dessen Kreditkarte, was sie im zarten Alter von 20 Jahren dazu verführt habe, binnen eines Monats 300.000 € auszugeben. Unter anderem für ein Pony. Was man halt im Urlaub so macht. 0.o
Für besagten Mann aber sei das ok. Der nutze jede Chance, Geld zum Fenster rauszuhauen, weil er selbst von seinen Eltern genötigt worden war, irgendwie innerhalb einer Clique von befreundeten Dynastien zu heiraten, damit das Familienerbe nicht am anderen Ende der Welt landete. Was er mit seinen Freundinnen, derer es wohl mehrere gab, zu umgehen versucht.

Man muss sicher vorsichtig sein, vorschnell als Wahrheit abzutun, was so auf dem Rücksitz des Taxis in der Nacht erzählt wird. Als Unterhaltung jedoch …

Natürlich gefällt einem auch nicht alles, was man hört. Manch einer entpuppt sich auch wirklich als Oberdödel. Aber wieso ausgerechnet die Kollegen so schnell genervt und gelangweilt von dem Job sind, die am Stand rumproleten, dass „die Olle dann zu quasseln angefangen hat, da hab ich gleich’s Radio lauter gedreht …“, glaube ich mit jeder Nacht ein bisschen mehr zu wissen. 😉

Erstaunlich passend.

Das mit dem Taxitarif ist ja so ein Ding, über das man sich – so man will – leidenschaftlich streiten kann. Er ist halt erkennbar ein Kompromiss und es liegt damit wohl in der Natur der Sache, dass viele Fahrer ihn sich gerne höher wünschen und viele Kunden niedriger. Und wieder andere andersrum. Ist ja auch kein Thema, das voller einfacher Wahrheiten wäre. Lustig isses aber, wenn man ausgerechnet nach einer eigentlich fast schon bescheuerten Tour denkt, dass es erstaunlich gut passt.

Bei mir war das eine Gruppe von Partygängern, die mir am Ostbahnhof ziemlich weit hinten in der Reihe ans Auto gelatscht kamen und mich fragten, ob ich sechs Leute mitnehmen könnte. Kein Problem soweit – zumal ich hier mal sagen möchte, dass ich in den letzten Wochen ausgesprochen gute Erfahrungen mit großen Gruppen hatte. Einen der Zusatzsitze hatte ich schon ausgeklappt, der Rest ging dann schnell.

„Alles klar, wo soll’s denn hingehen?“

„Zum Kater Holzig.“

„Aber Ihr wisst, dass das nicht weit ist?“

„Ja, wir wollen nur nicht laufen.“

Dann isses ja ok. Wenn mein Taxameter nicht plötzlich das Zählen verlernt hat, dann sind das offenbar nur rund 800 Meter. Fahrpreis 4,60 €. Plus zweimal 1,50 € Zuschlag für Person 5 und 6. Das ist jetzt pro Kilometer natürlich horrend. Aber Kilometer beschweren sich nicht. Die Jungs haben für ihre Faulheit jeder 1,27 € gezahlt. Das schüttelt man ja wirklich mal aus dem Ärmel. Da sind 50 Cent Aufpreis für Käse auf dem Döner ähnlich bekloppt oder eben nicht. Und ich war für ein paar wirklich winzige Arbeitsmomente und durchaus auch noch für ein paar Minuten Warten eigentlich recht gut entlohnt. Selbst mein Chef kann sich nicht beklagen, denn dank kaum vorhandener Betriebskosten bei so einer Strecke bleibt von der Tour unterm Strich recht viel übrig.

Eigentlich wäre es toll, wenn jede Taxifahrt diese Bilanz hätte. Was natürlich leider nicht klappt. Wenn man alleine unterwegs ist, wird es schnell teuer für die Fahrgäste. Warte ich lange, ist mein Lohn zu niedrig und fahre ich ewig auf der Suche nach Kundschaft rum, zahlt mein Chef bei den Betriebskosten drauf. Irgendwas ist halt immer.

Aber jetzt freu ich mich einfach mal für den kleinen Moment der Ausgeglichenheit. 🙂

Tour des Tages

Vorwort:

Um ehrlich zu sein, wollte ich diesen Artikel heute nicht schreiben. Ich hatte zwar genug Stichworte und Erinnerungen hier rumliegen, aber mir war danach, es an meinem Geburtstag mal gut sein zu lassen. Nicht ohne Grund höre ich an meinem Geburtstag immer als erstes dieses Lied. Ich bin ja immer da und mache dieses oder jenes, aber auf meinen Geburtstag freue ich mich immer noch wie ein Kind und lasse es mir gut gehen. Momentan trinke ich ein Bier und höre Musik, heute Abend geht’s dann ins Kino (Gravity – den man schon wegen dieses absolut grandiosen „Verrisses“ von Eugen Reichl ansehen muss.). Und dann mal sehen. Was leckeres kochen vielleicht.
Naja, Schreiben kam da eigentlich nicht drin vor. Aber während im großen Hohlraum unter meiner Schädeldecke die Beats von Lars Ulrich miteinander Fangen spielten, ist mir doch ein wenig unwohl geworden bei dem Gedanken. Dass ich da so sitzen konnte, verdankte ich dem Leser oder der Leserin, der/die mir die neuen Kopfhörer geschenkt hat. Ihr seid meinem Aufruf fleißig gefolgt und auch wenn ich dieses Vorwort hier ziemlich breittrete, kann ich gar nicht alle Geschenke aufzählen. Haufenweise interessante Bücher, daneben praktische Helferlein für die Küche, neue Spiele, Chilis, Socken, und und und … das sich über Geburtstage freuende Kind in mir ist jedenfalls überglücklich. Und es ist noch nicht einmal alles angekommen.
Naja, irgendwie kam ich mir jedenfalls doof vor, ausgerechnet heute nicht zu bloggen, wo mein heutiger Tag doch auch durch Euch so großartig ist. Also hab ich eben die Herren Hetfield und co. um eine Pause gebeten und den Tab mit WordPress geöffnet. Fühlt sich fast noch besser an. 🙂

So, jetzt aber! Blogeintrag:

Ich kam am Berghain an. War ein günstiger Zeitpunkt. Es lief dort gut, die Schlange am Eingang war lang. Ergo: Viele Leute, die abgewiesen werden und woanders hin müssen. Sicher, das sind nicht die dicken Touren, aber wenn man schnell wieder weg ist von der Halte … und manchmal sind ja auch Glücksgriffe dabei. Meiner war etwas sonderbar.

Eine fünfköpfige Truppe Jungs, meiner bescheidenen Interpretation nach Kanadier. Die Interpretation stützt sich vor allem darauf, dass sie französisch sprachen, mit mir aber in gutem Englisch reden konnten. Etwas, das ich bei Franzosen noch nie erlebt habe, der Akzent ist immer unter aller Sau – allerdings auch so unglaublich witzig! 🙂

Naja, ist ja auch egal. Die Jungs fragten mich, ob ich sie alle mitnehmen könnte, was ja kein Problem ist. Wie zu erwarten war, wollten sie in einen Club.

„Do you know the Twister?“

„No, sorry guys. Do you have a street for me?“

An dieser Stelle kann mich vielleicht ein Berliner Kollege aufklären. Ich hab noch nie von einem solchen Club gehört und auch die oberflächliche Google-Suche spuckte nur ein Tattoostudio aus.

„Well, no. I, I call my friend. He’s inside …“

Na gut. Soll mich ja mal nicht stören. Ich hab die Uhr noch nicht angemacht, bislang war ja wirklich noch nicht klar, ob das was werden würde. Bis auf einen der Jungs saßen schon alle im Auto, ich hab die Fackel mal ausgemacht, damit die anrückenden Kollegen vorbeifahren. Vor uns war inzwischen Platz frei geworden und ich stand blöd im Weg. Die folgenden Ereignisse auf ihrer Seite kann ich nicht so gut nachvollziehen, denn mein Französisch ist wirklich festgerostet inzwischen. Der Typ hinten rechts, der etwa so aussah wie Justin Bieber an einem Bad Hair Day, telefonierte zwar kurz mit seinem Kumpel, aber irgendwas klappte nicht. Dann wartete er darauf, zurückgerufen zu werden.

Vor uns wurde die Taxischlange kürzer und die Jungs begannen, sich zu entschuldigen. War alles noch im grünen Bereich, aber mit der Zeit wurde ich etwas genervter. Klar wäre es ok gewesen, das Taxameter schon anzumachen, aber das Geschrei wäre sicher groß gewesen, wenn das mit dem Club ausgefallen wäre und sie nur zum Ostbahnhof hätten laufen wollen. Nachdem das Schauspiel aus Telefonieren, Googeln und Warten fünf Minuten anhielt, hab ich einfach mal recht scharf dazwischengefragt, ob das noch was wird und dass ich zwar gerne die ganze Nacht warte, aber dann doch die Uhr anmachen würde.

Mir wurde wirklich aufrichtig geknickt mitgeteilt, dass das bestimmt gleich klappen würde und der schlacksige braunhaarige Typ auf dem Beifahrersitz legte mir eine Zwei-Euro-Münze aufs Armaturenbrett mit der Bitte, die Warterei zu entschuldigen. Eigentlich wirklich herzallerliebste Kerle. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie allerhöchstens 20 waren und schon getankt hatten.

Das mit dem ominösen Twister, das sie „on the internet, damnit!“ gefunden haben wollen, löste sich in Wohlgefallen auf. Aber sie hatten eine neue Idee:

„You know a place called Fits? Fits Club?“

„Do you mean Fritz?“

„Yeah! Filitz-Club!“

Ich wollte, ich hätte mich verhört. Der Fritz-Club liegt – die meisten von Euch wissen das wahrscheinlich inzwischen – direkt am Ostbahnhof, keine 700 Meter entfernt. Wäre ich skrupellos gewesen, hätte sich da sicher was machen lassen, denn die Jungs hatten keine Ahnung:

„Would that be far?“

„You’re serious? This is 400 meters from here.“

Ich war nicht so angepisst, wie das niedergeschrieben vielleicht aussehen mag, aber offenbar war ihnen das selbst etwas unheimlich.

„Uh! That is bad! Shit, man! We let you wait and then …“

„Guys, keep cool. I’ll bring you there, no problem. But it will cost around 6 € for only a few meters …“

… und ich wäre schnell wieder hier, wo sich die Schlange so langsam auf wenige Wagen verkürzt hat. Als wir uns dann letztlich vom Acker gemacht haben, hatte ich sicher ein paar Minuten länger gewartet, als wenn ich einfach in der Schlange vorgerückt wäre. Aber: So ganz mein Schaden sollte es nicht sein. Denn in ihrer Sorge, das mit dem Fritz-Club wäre zumindest mal für mich scheiße, haben sie schnell noch das Ritter Butzke ins Spiel gebracht. Mit grob einem Zehner ist das zwar keine Hammer-Tour, aber immer noch besser als die üblichen Verdächtigen der abgelehnten Berghain-Kundschaft (Watergate, Tresor, Kater Holzig, RAW, Suicide Circus …)

Außerdem hatte ich ja noch die zwei Euro auf dem Armaturenbrett. 🙂

Hallo neue Woche!

Mich gibt’s noch und ich werde wohl wie geplant morgen 32 Jahre alt. Das allerdings hab ich neben vielem anderen nun auch einmal mehr meiner Reaktionsfähigkeit zu verdanken, denn dieses Wochenende war’s mal wieder verdammt knapp. Mir sind keine Kunden an die Gurgel gegangen und auch die kuriose Vermutung meines Arztes, meine Arbeit wäre unglaublich anstrengend, hat sich nicht bewahrheitet. Stattdessen wäre ich beinahe Opfer nicht erfolgter Ruhestörung geworden.

Im einen Moment freute ich mich noch, dass die Ampel lange genug grün blieb und beschleunigte auf die ab dort gültigen 50 km/h hoch, als ich von der Grünberger über die Warschauer zu flitzen gedachte, im nächsten Moment verhinderte dann nur noch eine Vollbremsung den Zusammenstoß mit einem von links auf die Kreuzung pfeffernden Rettungswagen. Der hatte nämlich – mit sicher bester Absicht – sein Einsatzhorn nur für eine halbe Sekunde angemacht. Und zwar in dem Moment, in dem er auf die Kreuzung fuhr …

Auch das Blaulicht war vorher zumindest nicht auffällig genug, als dass ich’s wahrgenommen hätte, von der Einsicht her ist die Kreuzung auf der Seite einfach blöd. Aber gut, wie eingangs erwähnt: Lief alles glatt. Ich bin in die Eisen, der Fahrer des Rettungswagens hat geistesgegenwärtig beschleunigt und am Ende war es nicht einmal mehr überragend knapp. Eine Schrecksekunde mehr wäre aber definitiv wenig hilfreich gewesen.

Deswegen: Augen auf. Dann überleben wir auch einen Montag mit links! 😉

Ein sehr spätes erstes Mal

Man sagt ja gerne vom Zeichnen, es sei die Kunst des Weglassens. Manche sagen das auch übers Schreiben. Vielleicht trifft es in gewisser Hinsicht auf die meisten Künste zu. Was dann ein Hinweis darauf wäre, dass Taxifahren keine Kunst ist. Viel weglassen kann man da nicht, damit es besser wird – manche Kollegen erproben das seit Jahrzehnten anhand des Beispiels der Manieren recht ausgiebig und die Ergebnisse sind verheerend.

Aber auch und gerade in Sachen Ortskunde trifft das zu. Als Taxifahrer tut man gut daran, einfach alles zu kennen. Wirklich alles. Ob es einem nachher bei der Wegfindung, der Fahrgastunterhaltung oder beim Zwischenstopp für eine Mahlzeit hilft: Mehr Wissen schadet von der Sache her nie*.

Bei der Arbeit wäre es einfach nur cool, sagen zu können:

„Aha, das Dorint-Hotel. Hoffentlich nicht Zimmer 206. Da stört die Wand vor dem Fenster und der Wasserhahn tropft. A prospos Tropfen: Wenn sie den Haupteingang nicht mittig durchqueren, treffen sie die besonders dicken Tropfen vom Fenstersims der 102 nicht, wenn Andrea wieder mit Blumengießen dran ist …“

Die Realität, *hüstel*, ist da manchmal ein bisschen anders. 😉

Die Adresse, die mir der Kunde ansagte, war gar kein Problem. Das Borchardt, ein immerhin im Ortskundekatalog stehendes Restaurant, definitiv eine der Locations, die nicht zu kennen knapp am Kapital-Fail als Taxifahrer vorbeischrammt. Zu den Top-100-Adressen in der Stadt kann man es wahrscheinlich zählen. Das war also nicht das Ding, obgleich sich der Kunde immerhin erfreut zeigte, dass ich keine Nachfrage hatte. Mir ist dann auf dem Weg dorthin aber aufgefallen, dass ich tatsächlich noch nie in den nunmehr 4 Jahren und 11 Monaten dahin gefahren war. Also direkt, um jemanden vor der Türe abzuladen. Und binnen fünf Jahren gegenseitiger Nichtbeachtung hat sich der Schlingel von Restaurant doch in meinem Kopf tatsächlich um fast einen ganzen Block verschoben …

[Beginn verstörend stammelnder Einschub]

Und das kann ich – etwas unbeholfen, aber in Ansätzen – sogar erklären: Ich habe geistig verschiedene Kartenausschnitte vor Augen, wenn Kunden eine Zieladresse nennen. Gröbere, genauere, manche mit dem Fokus auf eine bestimmte Ecke, manche aus der Perspektive der Straße, auf der ich meistens dort vorbeikomme. Denken in Karten – eine Geschichte für sich, ganz ehrlich! Da mein Gedächtnis aber eben alles andere als perfekt ist, passen die einzelnen Ausschnitte mitunter nicht zusammen. So habe ich die Friedrichstraße als wichtige Nord-Süd-Strecke fix im Kopf. Und das Borchardt liegt östlich davon in der französischen Straße. Viel öfter in der Ecke fahre ich allerdings über die Charlottenstraße – eine weiter östlich – an den Gendarmenmarkt heran, schon alleine weil die Friedrichstraße immer gesperrt ist. Friedrichstraße und Borchardt sind Ortskundewissen vom Lernen, meine Routen durch die Charlottenstraße Praxiserfahrungen. Und geistig hab ich das Borchardt bei mir jetzt einfach östlich der Charlottenstraße platziert, weil diese gerade „meine wichtige Nord-Süd-Strecke“** da ist. Dumm nur, dass das Restaurant zwischen Charlotten- und Friedrichstraße liegt …

[Ende verstörend stammelnder Einschub]

Wie dem auch sei: Am Ende hab ich dann doch nach DEM Borchardt Ausschau gehalten, weil ich es zu früh erwartet hatte. Dafür bin ich ja jetzt hingefahren: das schlägt sich alles nieder! 😀

Aber gut, ich hab mir meine Verunsicherung nur unwesentlich anmerken lassen. Und der Kunde war auch cool. Dass ich bei der Ecke unsicher war, keine Ahnung, ob er es bemerkt hat. Dass ich fürchtete, er wolle seine (mit gutem Trinkgeld) auf 16,00 € lautende Rechnung mit einem Fünfziger bezahlen, schien er jedoch zu erahnen. Er kramte ein wenig in den Jackentaschen und verkündete spannungsaufbauend:

„Aber jetzt … jetzt! Warten Sie, gleich. Passen Sie auf! HIER, bitteschön!“

Drei Fünfer und eine Euro-Münze. Hach, so hätte ich Borchardt-Kundschaft gar nicht eingeschätzt. 🙂

*Das Tückische ist, dass sich Wissen irgendwie nicht grenzenlos ansammeln lässt. Zumindest nicht ohne dazugehöriges Krankheitsbild mit nicht gerade weniger Stress …

**Falls Kollegen sich wundern: Die meisten Fahrten in die Ecke hatte ich gefühlt aus Richtung Osten zum Sofitel in der Charlottenstraße. Wahrscheinlich hat jeder von uns dort eine andere Hauptroute, also nicht wundern. 😉

In eigenen Angelegenheiten

Heute mal was zum ganzen Drumrum hier:

1.
Vielen vielen Dank für die eintrudelnden Geburtstagsgeschenke! Ich weiß ja, dass Ihr super soziale Leser seid, aber was Geschenke angeht, freue ich mich wirklich immer wie ein kleines Kind. Außerdem haben ein paar von Euch echt Sachen gekauft, die mir total am Herzen liegen und ich freu mich auf so viel lustiges zum Lesen, hören, machen und tun. 🙂

2.
Wie inzwischen wahrscheinlich alle mitbekommen haben, gehöre ja auch ich zu den Bloggern, die an einem Buch arbeiten. Ich hab zwar noch keinen Vertrag mit einem Verlag, aber meine Literaturagentur ist scheinbar ganz gut darin, mich zu verkaufen, denn Interesse an einer Leseprobe haben so ziemlich alle großen Verlage, die ich überhaupt kenne. Plus ein paar kleine …
Es ist klar, dass viele Stories aus GNIT da reinkommen werden. Und das nicht – wie viele jetzt vielleicht gleich denken werden – um einfach nochmal mit dem selben Scheiß Geld zu verdienen, sondern weil ich hier einfach alles poste. Ja, ein paar Kleinigkeiten hab ich in der Hinterhand und ein paar werde ich vielleicht fürs Buch zur Seite legen in den nächsten Wochen, aber alles in allem ist das hier ja schon das Beste. 🙂
Und die Geschichten werden umgeschrieben. Allesamt. Da bleibt kein Satz auf dem anderen, das soll durchaus noch besser werden, wenn es dann mal in Pappummantelung am Bahnhofskiosk liegt. Ich will schließlich das verdammt nochmal beste Taxibuch da draußen schreiben. 😉
Und da wollte ich fragen: Habt Ihr tolle Vorschläge, was rein soll?
Natürlich hab ich einen Haufen „Klassiker“, die rein müssen. Mehr als genug wahrscheinlich. Aber gerade so kleine Geschichten vergesse ich auch im Laufe der Zeit wieder. Ihr noch mehr, schon klar. Aber falls Euch beim Lesen der Zeile jetzt durch den Kopf ging, „Hey, da war doch mal der Typ, der so einen Spruch über seinen Nachbarn gebracht hat!“, dann schreibt doch kurz einen Kommentar. Ihr müsst mir keine Links posten, die Arbeit mache ich schon alleine. Aber Input von Menschen, die andere Prioritäten haben, andere Dinge im Kopf behalten, einen anderen Humor haben – die sind unersetzbar und vielleicht auch in dem Fall eine große Hilfe. Und ich würde mich total freuen darüber!

3.
Gibt’s natürlich trotzdem noch eine kurze Tour aus dem Bereich „Fahrten, wie ich sie liebe …“
Ist auch schnell erzählt: Truppe junger Leute, fünf um genau zu sein, ist auf der Suche nach einem Club. Und die Clubs haben leider alle eine lange Schlange vor der Türe. Das findet die Truppe nicht so lustig, weswegen ich eine recht entspannte Fahrt mit viel Geld für wenig Entfernung habe. Nicht spannend, aber auf der Karte schön anzusehen:


Größere Kartenansicht

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Die Lösung ist Schlaf.

Ganz offensichtlich zumindest.

Wie beschissen mein gestriger Abend war, ist schwer zu beschreiben, weil er auf sehr subtile Art beschissen war. Dass ich vor allem wegen der Kinder unserer Nachbarn nicht so richtig schlafen konnte: Sei es drum, das passiert als Nachtarbeiter halt auch mal. Dafür zahle ich weniger Steuern. Kann in ganz blöden Fällen aber trotzdem nerven. Ich bin dann mit vielleicht vier Stunden Schlaf zu wenig pünktlich aufgebrochen und es wollte einfach nix passen. Mir lag das Essen unnötig schwer im Magen, ich hatte meine Bonbons vergessen und einen miesen Geschmack auf der Zunge. Das Auto machte komische Geräusche und völlig furchtbarerweise weigerte sich der CD-Player bei ungefähr 80% aller Lieder, sie bis zum Ende zu spielen. Und nach einer halben Stunde hätte ich umfallen können, wäre es am Steuer nur möglich. Dazu langweilige Kundschaft und quasi nicht existentes Trinkgeld.

Das sind die seltenen Momente, in denen auch ich mich frage, ob ich jetzt wirklich für die paar Kröten noch die Nacht durchziehen will. Scheiß auf Freitag, scheiß auf alles!

Entsprechend luxuriös war meine Laune, als ich um 21.30 Uhr mit viel zu vielen Kilometern und zu wenigen Euros auf der Uhr wieder zu Hause aufgeschlagen bin, um mich ins Bett zu schmeißen. Ich hab mir nicht einmal einen Wecker gestellt. Schlaf, so viel eben nötig ist. Der Rest war mir egal.

Und was soll ich sagen …

Um 0.25 Uhr bin ich aufgewacht. Schnell auf eine Kippe und eine Cola an den Rechner, die CD neu gebrannt und dann langsam in die Klamotten geschlüpft. Zwischenrein meine bessere Hälfte ins Bett gebracht und dann volles Rohr Richtung Innenstadt. Das Auto hatte sich beruhigt, Green Day brezelten ohne Unterbrechung die ersten drei Minuten der Fahrt aus dem Radio, danach hatte ich schon einen Winker. Auf diesen einen folgte eine Dreier-, danach noch eine Zweiergruppe. Das erste Mal am Ostbahnhof aufgeschlagen bin ich nach einer Stunde und 10 Minuten mit 48 € mehr auf der Uhr. Und hab mich als Dritter (!) angestellt.

Kurz darauf rollte Kollege Thorsten an den Stand und meinte:

„Scheiße, ist das tot heute!“

Das war es bei mir nur, bis ich ins Bett bin. Danach war heute, vorsichtig ausgedrückt, einfach alles perfekt.* So dürfen Monate immer anfangen. Dafür verkrafte ich auch zwei Stunden schlechte Laune zu Schichtbeginn.

*Das Trinkgeld ist miserabel geblieben. Aber das stört nicht so arg, wenn sonst echt alles passt.