Kurz ist was anderes

Nachmittags schreibe ich ja nur kurze Artikel. Manche Touren dauern allerdings etwas länger. Insbesondere, wenn man die verschiedenen Formen von Vorspielen betrachtet, die hier und da zwischen Kundschaft und Fahrer anfallen. Würde ich in sich schlüssig die Geschichte der einen Tour von heute Nacht erzählen, müsste ich zumindest bis eine Stunde davor ausholen. Zu diesem Zeitpunkt war ich nur so mittel begeistert vom Umsatz der letzten zwei Stunden und habe beschlossen, meiner besseren Hälfte einen Herzenswunsch zu erfüllen und ihr Zigaretten zu holen.

Nach einer kurzen Lektion in Berliner Schnauze gelang mir das auch. Ich stand also kurz danach vor der Haustüre, woraufhin plötzlich mein Handy plärrte. Es war Jo. In letzter Zeit war er ein ziemlicher Pechvogel im Versuch, mich als Fahrer zu kriegen. Mal war ich – wie jetzt – auf Tour in Marzahn, mal gleich ganz zu Hause und unmotorisiert. Also hab ich abermals meine nur bedingt wehleidig klingende wehleidige Stimme aufgesetzt und gefragt, „was geht“.

Sehr zu meinem Entzücken konnten wir uns allerdings darauf einigen, ihn mit Begleitung erst in einer halben Stunde in Friedrichshain aufzusammeln. Jo versprach auch gleich eine lohnende Tour – was aber nicht den Ausschlag für meine Zustimmung gab. Kurz eine Kippe mit Ozie, danach schnell die fünfeinhalb Pferde gesattelt, die unter der Haube des Opels meist schlafen und los ging es. 13 Minuten später war ich am Ziel und das beinhaltet eine Menge Glück und schon rein rechnerisch die ein oder andere Geschwindigkeitsübertretung.

Nein, im Ernst: Es war schon ok so 🙂

Mit Jo in Friedrichshain aufgegabelt habe ich Jörn von meine-url-ist-laenger-als-deine.de, es war also letztlich eine Tour von, für und mit Bloggern. Bei Jörn wird man derzeit aber wohl eher weniger übers Taxifahren, als mehr über die aktuell hier in Berlin stattfindende re:publica 12 lesen können. Die unterhaltsame Fahrt endete natürlich nicht mit Jörns Ausstieg in Kreuzberg, sondern führte mich anschließend noch zu Jo, dessen Adresse ich inzwischen auswendig kenne – was er damit torpediert, sich immer aus anderen Richtungen hinbringen zu lassen, so dass ich immer noch das Navi anschalte 😉

In Übereinstimmung mit der Prophezeihung dem Taxitarif haben wir bezüglich Raucherpausen und Fahrtunterbrechungen eine halbwegs faire Lösung gefunden, die durch das gegebene Trinkgeld zwar ad absurdum geführt wurde, mich als Nutznießer aber erfreut. Mal abgesehen davon war das Trinkgeld jenseits dieser Tour eher mau.

Zum Abschied sag ich mal: EYYY!!!

Wenn es mal gar nicht passt

Ach, das liebe Wechselgeld!

Ich schreibe gar nicht mehr so oft darüber und das hat einen Grund: Ich bin besser geworden! Meine Grundausstattung an Wechselgeld ist zwar nach wie vor die selbe, aber inzwischen kann ich besser einschätzen, wann mal ein Tag ist, an dem ein Fuffi mehr vielleicht nicht schlecht wäre. So Klassiker wie Wochenendschichten nach dem Monatswechsel oder dem 15. z.B.

Mich nervt es zwar immer noch, mit mehr Geld hantieren zu müssen – zumal man nach wie vor gut daran tut, nicht alles im Geldbeutel zu haben für den Fall aller Fälle – aber es geht und man kommt über die Runden. Dazu kommt, dass ich anscheinend ein ganz gutes Händchen für die Kunden habe. Meine Nachfragen, ob sie es vielleicht nicht doch noch kleiner hätten, scheinen nett genug formuliert zu sein und so ist aus mancher kurzen Tour dann noch eine geworden, die statt mit einem Fuffi mit ein paar Münzen bezahlt wurde.

Aber natürlich klappt all das nicht immer.

Mein Fahrgast kam frisch von der Bank, Kleingeld gab es nicht, so musste ich ihm die 41 € eben rausgeben. Kein Problem, ich hatte an diesem Tag ein bisschen Extra-Kohle einstecken und somit immer noch genug Kleines für 50, bzw. auch 100 € dabei. Und irgendwann würde ich mir an der Tanke vielleicht eine Schachtel Kippen und zwei Brötchen gönnen.

Hier auch nochmal für die Kunden, die bei uns „immer zu wenig Wechselgeld“ sehen: Es ist in aller Regel ja nicht so, dass wir mal kurz 10 Fahrten hintereinander machen und jede davon mit Großgeld bezahlt wird. Vielfach fährt man nach einer Fahrt zu einem Taxistand und kann entweder dort bei den Kollegen, die schon länger unterwegs sind, einen Schein kleinmachen. Oder man kommt an einer Tanke, einem Späti oder sonstwas vorbei. Zudem zahlen wirklich viele Leute halbwegs passend, in den meisten Schichten habe ich meine 55 € in Scheinen dabei und die reichen bis zuletzt (mit dem restlichen Geld, dass ich unterwegs einfahre). Ich bin kein Panikmacher bezüglich Überfällen, aber Diebstahl gibt es ohne Ende und für mich sind 50 € der Gegenwert eines Arbeitstages unter der Woche. Diesen Betrag mehr zu verlieren im Fall des Falles ist einfach ärgerlich.

Nach meiner Tour mit dem Fuffi hatte ich jedoch umgehend wieder Kundschaft. Wie sich herausstellte, war es natürlich eine weitere Belastung für den Geldbeutel: 11,20 € standen auf der Uhr und die Kundin wollte – warum auch immer – nicht einmal Trinkgeld geben. So hab ich ihr also tatsächlich nochmal 38,80 € auf die Hand geblättert und das war genau der Punkt, an dem ich alle meine Scheine los war. Alle.
Also wechseln. Na gut. Immerhin bedeuten zwei schnelle Touren hintereinander ja auch schnellen Umsatz hintereinander. Da kann man auch mal was dafür tun. Und was passiert? An der nächsten Ecke winkt es. Ich hab kurz angehalten, gesagt, dass es mit dem Wechseln eng werden könnte und deswegen erstmal…

„Das ist ja wohl eine Unverschämtheit! Sowas hab ich ja noch nie erlebt! Eine Frechheit…“

keifte die in ihrem hellbraunen Mantel steckende Frau.

Ich hatte mir in den letzten Minuten wirklich andauernd überlegt, wie ich jetzt zum Wohle der Kundschaft möglichst schnell den Geldbestand aufstocke. Die nervige Regelung der Banken, dass zerrissene Scheine über 50% der Ursprungsgröße haben müssen, um ersetzt zu werden, hat meine kreativen Ideen leider ins Leere laufen lassen. Auch die potenzielle Kundin hat ihr Leid reichlich überdramatisiert, da sie Friedrich- Ecke Leipziger Straße stand und sie runde 10 Taxen pro Minute zur Auswahl hatte. Ich hab sie also wortlos stehengelassen um ihr nicht versehentlich die ans Schicksal gerichteten Worte „Verarschen kann ich mich alleine!“ an den Kopf zu werfen.

An meiner Stammtanke hatte ich das Wechselgeld-Problem schnell gelöst. Dass ich statt einer schnellen Anschlusstour nun aber am Ostbahnhof eine knappe Stunde habe warten müssen, war irgendwie klar. Manchmal passt es eben wirklich gar nicht. Nicht nur beim Wechselgeld…

Aufrunden

„Dann wären wir bei 6,40 €.“

„Na, da runden wir auf jeden Fall auf!“

Das kann bei diesem Betrag alles heißen. Hab ich gleich darauf gelernt:

„Machen Sie also bitte 6,50 €.“

 

Elstern im Taxi

Zugegeben, was Diebstähle angeht, muss man im Taxi eine dicke Haut haben. Mir sind im Taxi Handy und Kamera, ein Rucksack und derletzt sogar die Kofferraummatte und die Reinigungsmittel geklaut worden. Ist natürlich kein Spaß, aber man muss das ja nicht zu einem Wettbewerb machen…

Mir ist jedenfalls vor einiger Zeit völlig überraschend ein Kunde ins Auto gesprungen, als ich gerade einen anderen abgesetzt habe. Er wollte zwar völlig entgegen meiner Richtung nach Steglitz, aber natürlich hab ich mich gefreut. Der Fahrpreis lag bei knapp 12 €. Er hatte mir gleich gesagt, dass er nicht genug Geld dabei habe, aber von seinem Kumpel in dem Restaurant den Rest holen würde. Als wir ankamen, drückte er mir gleich seine verbleibenden 8 Euronen in die Hand und fragte, ob er jetzt kurz reinspringen könnte.

Normalerweise bin ich beim Pfand rigoros. Solange nicht bezahlt ist, verlässt niemand das Auto, wenn er nicht sein Handy, seinen Ausweis oder wenigstens seine Freundin im Auto liegen lässt. Aber irgendwie war mir danach. Der Typ war schlicht total sympathisch, außerdem wäre der Verlust höchstens bei 4 € gelegen. Warum auch immer, ich hab ihm vertraut.

Er ist dann wie ein geölter Blitz in einem China-Restaurant verschwunden, während ich mir eine Kippe angesteckt habe. Kurz darauf kam er wieder raus, hatte 7 € dabei und gab sie mir mit einem Lächeln. Ich hab mich artig bedankt, aber ihm lag noch was auf der Zunge:

„Hey, danke, dass Du mich hast reingehen lassen ohne Pfand.“

„Ist eine Ausnahme gewesen, ich verlange sonst immer eines!“

„Aber ich war doch da im Laden!?“

„Ja, aber weiß ich, ob es da einen Hinterausgang gibt? Was manche Leute für 4 € machen, glaubst Du gar nicht!“

„OK, stimmt natürlich. Aber ein Freund von mir hat neulich sein iPhone als Pfand dagelassen und als er wieder rauskam, war das Taxi weg…“

Jetzt mal Tacheles, lieber „Kollege“ mit dem neuen iPhone:

Wegen Flachpfeifen wie dir haben wir alle immer irgendwie Stress mit dem Pfand. Wegen solchen Pissern wie dir vertrauen uns die Kunden nicht – obwohl das nicht gerade unwichtig ist in einem Job, der manches Mal einiges an Vertrauen erfordert. Wegen Intelligenzverweigerern wie dir verdienen wir alle weniger Geld, weil manche Kunden uns per se für Abzocker halten. Wegen dummdreisten Knallchargen wie dir röchelt das Taxigewerbe und ausgerechnet Spinner wie du meckern dann auch noch über die blöden Kunden. Und all das für ein neues iPhone? Na vielen Dank, du Amöbengehirn!

Feilschen wie beim Bäcker

Achtung! Dieser Artikel enthält 5% Bäckervergleiche.

Taxifahren zum Festpreis? Billiger als zum Taxitarif? In dem meisten Städten und Landkreisen in Deutschland ist das illegal. Gemacht wird es trotzdem immer wieder – und zwar mit folgenden total schlüssigen Begründungen. Zur Erklärung sind vergleichbare Anliegen in der Kundenbeziehung zwischen Bäcker und Brotkäufer angefügt. Diese sind im Einzelfall nicht 100%ig identisch, aber wenigstens völlig legal. Eine Möglichkeit, sich das Geld fürs Taxi zusammenzusparen?

Kommen wir zu den Begründungen, warum ich den Kunden teilweise bis zu 50% des Fahrpreises erlassen soll:

1. Du fährst doch eh in die Richtung!
(Das Brot ist doch eh schon gebacken!)

Ja, zugegeben: Es würde mir keine direkten Mehrkosten verursachen, einen Kunden mal so mitzunehmen. Zwei Gegenargumente gibt es dennoch: Zum einen wäre ich dann besetzt und müsste (den Normalpreis be-) zahlende Kundschaft ggf. stehenlassen. Zum anderen bin ich nicht zufällig vor Ort. Ein Teil meiner Arbeit besteht darin, zu gewissen Zeiten an gewissen Orten zu sein und diese Leistung ist in dem Moment schon erbracht. Das muss nicht immer viel sein, vielleicht bin ich nach dem letzten Kunden nur einmal ums Eck gefahren – aber diese Schwankungen des Arbeitsaufwandes pro Kunden sind normal. Dafür können wir am nächsten Tag 10 Kilometer Anfahrt für eine Fahrt in Kauf nehmen…

2. Aber letzte Woche hab ich das auch gemacht…
(Ich hab letzte Woche in der Bäckerei gegenüber aber Brötchen gefunden, die eigentlich…)

Ob etwas in Ordnung oder machbar ist, richtet sich (manchmal durchaus leider!) nicht danach, was irgendwann irgendwo mal irgendwie geklappt hat. Nur weil ein Kollege das Gesetz bricht, bin ich nicht auch dazu verpflichtet.

3. Fährste halt ohne Uhr. Der Chef merkt das nicht, dann haste sogar mehr davon!
(Back halt ein paar Brötchen nach, dann fällt das nicht auf!)

Vielleicht geht das im Trubel tatsächlich mal unter. Aber das geht einfach nicht dauernd. Vom moralischen Dilemma mal ganz abgesehen: Bei 100 Kilometern mehr oder bei 20 Kilogramm Mehl wird es dann eben doch auffällig. Denn die Kosten entstehen trotzdem, die Einnahmen entgehen uns ebenso in Realität und das Spielchen lässt sich nirgends ewig spielen.

4. Wenn du mich fährst, haste wenigstens was. Mehr verdienste so jetzt auch nicht…
(Den Kuchen kauft doch jetzt niemand mehr, ist schon 14 Uhr. Lieber halber Preis als gar kein Geld!)

Ja, aber wenn es schon so schlecht läuft, dann warte ich doch lieber auf eine richtige Tour, die mir vernünftige Umsätze beschert! Es ist ein Glückspiel für uns, das ist wahr. Aber nicht ohne Grund darf ich eine kurze Fahrt nicht ablehnen, nur weil ich auf eine lange Tour hoffe. Es läuft mal so und mal so – und vor allem: Es weiß keiner. Ja, vielleicht hat man durch so eine Tour wirklich mehr Geld am Ende. Vielleicht aber auch erheblich weniger. Ein Argument ist das nicht wirklich.

5. Aber ich bin doch nur armer Student…
(Aber ich bin doch nur armer Student…)

Ja, traurig. Und nichts gegen eine Erhöhnung des BaFöG, mehr Kindergeld usw. usf. Weswegen ich als armer Taxifahrer jetzt mein Einkommen deswegen schmälern soll, entzieht sich mir. Ich geb gerne was an Bedürftige ab, aber an manchen Stellen kann nicht groß gespart werden. Hey, dafür ist die Monatskarte für die BVG günstiger als meine und vielleicht gibt es beim Bäcker ja doch das Mittagsmenü zum Schülerpreis mit Studentenausweis. Und was zur Hölle machen wir, wenn ich nebenher studieren sollte?

6. Der Abend war schon so teuer, der Eintritt und der Alk – ich hab nur noch 10 Euro!
(Sorry, ich hab beim Metzger und im Supermarkt so viel eingekauft, kann ich die Brötchen billiger haben?)

Nö, zahl mir den Zwanni und zieh‘ es deinem Vermieter von der Miete ab!

7. Wenn du mich nicht für 10 fährst, nehm‘ ich einen anderen!
(Dann geh ich halt zum Bäcker um die Ecke!)

Das ist jetzt sicher nicht schön für uns. Aber mal ehrlich: Da kommt eine Anfrage nach einer Tour für 50 – 75% des Normalpreises. Laut meinem Chef bleiben am Ende des Monats rund 5 – 10 % Gewinn übrig bei einem Taxiunternehmen. Irgendwas sagt mir, dass ich auf den Kollegen kein bisschen neidisch sein sollte…

8. Mach mal billiger, weil wenn ich die Bahn nehme, kostet die auch nur 2,30 €!
(Warum soll ich für ein Käsebrötchen so viel zahlen? Ohne Käse kostet das nur 30 Cent?)

Muss ich das eigentlich ernst nehmen? Aber gut: Wir fahren dann in einer halben Stunde los, solange wartest du draußen. Dann nehmen wir noch diese 5 Typen nach Wannsee mit und ich lasse dich in anderthalb Stunden 1,2 km von deiner Haustüre entfernt raus. Deal? Man muss den Mehrwert einer Taxifahrt nicht schätzen. Ich fahre selbst oft genug Straßenbahn in Berlin. Aber Taxifahren ist ein Gesamtpaket. Da kann man nicht mal eben ein paar Dinge außen vorlassen. Wenn man keinen Fahrer braucht, ist Carsharing oder ein Mietwagen eine Lösung. Scheißt man auf Komfort, tut es ein Fahrrad. Hat man Zeit und ist noch fit, kommt man mit der Bahn fast überall hin. Kurze Strecken kann man laufen und der beste Kumpel trägt einen vielleicht umsonst sogar ein paar Meter. Aber gerade weil es das alles gibt, ist es doch nicht meine Aufgabe als Taxifahrer, alles anders zu machen…

Abschließende Worte

Ich weiß, dass das Gejammer über Festpreise bei vielen Taxikunden auf taube Ohren stößt. Und dass die Bäckervergleiche nicht immer zu 100% passen 😉
Aber es ist für mich als Nachtfahrer wirklich ein ständiges Ärgernis. Keine Nacht, in der ich nicht wenigstens eine Anfrage hätte! Taxifahren ist teuer, ja. Ein Teil der Kosten und ein Teil der Arbeit bleibt für Kunden dabei meist unsichtbar – aber das ist wie in jeder anderen Branche. Der Weizen und ein bisschen Strom für den Ofen lassen ein Brötchen auch keine 50 Cent kosten. Genausowenig wie Benzin für 5 Kilometer und ein Fahrerlohn für 10 Minuten eine Taxifahrt 11 € kosten lassen. Es hat sich eingebürgert, im Taxi zu handeln, ok finde ich das kein bisschen. Wir sind Teil des öffentlichen Nahverkehrs und unser Tarif wird alle paar Jahre aufs Neue mit der Stadt ausgehandelt. Meines Erachtens nach wird dabei auch mal zu viel draufgeschlagen, aber letztlich sind die jammernden Berichte der Fahrer, die kaum von dem Geld leben können, nicht erfunden. Der Bäcker kann viel freier und spontaner seine Preise anpassen oder Produkte die sich nicht lohnen wieder vom Markt nehmen. Wir können das nicht. Wir dürfen das nicht! Ich darf mir die Preise nicht aussuchen, rein rechtlich nicht einmal die Kundschaft.
Die Tarifbindung ist nicht immer schön – auch für uns Fahrer nicht. Wo es hinführt, wenn man sie nicht beachtet, kann man in Ansätzen auch hier sehen: Natürlich sind es dieselben Fahrer, die einerseits mal für 5 € schwarz ein paar Kilometer weiter fahren und am anderen Ende der Stadt einem Touristen 20 € für eine Zehner-Tour aus der Tasche ziehen! Anders lohnt es sich für die nämlich auch nicht. Ich bevorzuge da lieber faire und transparente Preise für alle – auch wenn das im Einzelfall mal ärgerlich sein kann.

Furchtbare Tragödie!

Er war ein bisschen ein schräger Vogel, aber einer von der ganz lieben Sorte. Ein bisschen Alt-Rocker, ein bisschen über 50 und ein bisschen angetrunken. Er winkte mich zu sich an den Straßenrand und gab als Fahrtziel an:

„Einfach gradeaus!“

„Wie weit etwa?“

„Puh, so bis Allee der Kosmonauten…“

Ich frage das bei unklaren Zielangaben gelegentlich, auch um den Leuten noch eine Chance mehr zu geben, sich an die Kurzstrecke zu erinnern. Manchmal frage ich ja auch selbst nach – obwohl ich das nicht müsste. Er war so ein Fall, bei dem ich mir vorstellen hätte können, dass er erst die Ansage vergisst und nachher überrascht ist, dass sein Geld nicht reicht.

Aber auch ich vertue mich gelegentlich bei der Einschätzung – sowohl von Leuten als auch Strecken – und die Fahrt kostete am Ende acht Euro. Wir standen inmitten einer neuen Wohnsiedlung und er hatte mir bereits erzählt, dass er auf seine alten Tage, nach dem Auszug des Sohnes, doch noch eine Eigentumswohnung erworben hat. Keine Story von Reichtum und Glück, mehr eine von verpassten Chancen, kleinen Freuden und langen Wegen zur Vernunft. Ein Soziogramm, 3 Kilometer lang, mittelschwer und irgendwie hat ihm das wohl ganz gut getan. Die einen freuen sich über anonymen Sex in bestimmten Clubs, andere quatschen sich gerne anonym aus – auch ein Anwendungsgebiet von Taxen.

Er wollte mir seinen letzten Zehner vermachen, den er schon vor Fahrtbeginn artig aus der Brieftasche gezogen hatte. Und jetzt nicht fand.

Natürlich nur vorübergehend. Dass ich am Ende mein Geld kriegen würde, war mir gleich klar. Im schlimmsten Fall mit etwas Wartezeit als Bonus, weil er kurz in die Wohnung sprintet, vielleicht auch mit drei Euro extra für eine Fahrt zur Sparkasse. Aber eigentlich war ich auch sicher, dass der Zehner irgendwo war.
Ähnlich wie ich trug der gute Mann eine Funktionsjacke mit zig Taschen und Täschchen, Einschüben und Halterungen. Je nach Kreativität kann so ein kleiner Geldschein da überall landen. Ich hab mein Sprüchlein aufgesagt:

Nur mal keine Hektik – damit fangen wir um die Uhrzeit gar nicht erst an!“

„Ja nee, aber das tut mir jetzt voll leid!“

„Was denn?“

„Na, dass ich hier so ewig suchen muss.“

„Machen sie sich mal keinen Kopf!“

„Nein, du musst ja auch weiter.“

„Ja, aber auf 2 Minuten kommt es ja nicht an.“

„Ach was, das ist doch aber Scheiße jetzt…“

„…“

„Ich bin sonst echt nicht so. Das tut mir so leid!“

„Wie gesagt: Ruhig Blut, checken sie die Taschen einfach der Reihe nach…“

„Ach Mensch, halt mich jetzt bitte nicht für so ein Arschloch!“

„Wieso sollte ich?“

„Na wenn ich dir hier die Arbeitszeit klaue, weil ich mein Geld nicht finde…“

Dieser Dialog ging noch ewig weiter und am Ende hat er doch nur drei Minuten gedauert.

Um es mal klarzustellen: Es ist nicht so, dass ich darum betteln würde, unbezahlt im Auto zu sitzen! Natürlich nicht. Bei so kleinen Verzögerungen ist aber meist das Glück ein viel entscheidenderer Faktor. Seine Tour war ein gutes Beispiel: Ich bin von ihm letzten Endes mit drei Minuten „Verspätung“ gestartet und hab auf meinem Weg nach Hause (kurz Pause machen) noch eine weitere Tour in die richtige Richtung gekriegt. Wäre ich drei Minuten vorher die Rhinstraße entlanggegurkt, hätte ich statt 7,50 € wahrscheinlich 0,00 € verdient auf diesem Weg. So viele Winker rennen gegen Mitternacht nicht durch Marzahn, da mal zwei in Folge zu erwischen, ist Wahnsinn!

Natürlich bin ich froh, schnell wieder wegzukommen. Aber eine wirkliche Katastrophe sieht dann doch anders aus…

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Kuriose Geber

Da bin ich am Berghain mal schön mitten aus der Reihe weggekommen. Fünf Franzosen hatten in meiner 1925 zielsicher ein Großraumtaxi gesehen und ich war froh um die schnelle Tour. Fahrtziel sollte das Kotbusser Tor sein, ich überschlug den Preis inklusive Zuschlag auf etwa 9 €.

Die komplette Fahrt über verbrachten wir mit der Suche nach einem passenden Radiosender, das übliche bei frühmorgendlichen Clubtouren. Mir war zwar vorher klar, dass sich das Gesuche für die dreieinhalb Minuten Fahrt kaum lohnen würde, aber wenn die Kinderchen spielen wollen, sollen sie das doch tun 😉

Ähnlich wie bei Spaniern und Italienern grassieren im Kollegenkreis eine Menge Vorurteile über die Trinkgeldfaulheit von Franzosen. Meiner Erfahrung nach ein bisschen aus der Luft gegriffen, aber diese Truppe machte dem Klischee alle Ehre. 5 Leute und kein Trinkgeld bei 9,30 € Gesamtfahrpreis. Ein bisschen bitter, insbesondere da das eine Tour ist, bei der sich im Vergleich zu den anderen öffentlichen Verkehrsmitteln eine halbe Stunde Zeit, 500 Meter Fußweg und ein paar Euro gespart haben. Aber gut, man meckert nicht. Ich hab dem Zahlmeister die 70 Cent Rückgeld gegeben und mich ans Umklappen der Rückbank gemacht. Anders kommt der in der letzten Reihe kaum raus – und wenn es schon kein Trinkgeld gibt, wollte ich gleich zweimal nicht einen blinden Passagier für die restliche Nacht haben 😉

Nun aber fielen die Vorurteile fein säuberlich in sich zusammen. Kaum dass ich den letzten Hansel befreit hatte, kramte er in seiner Hosentasche, reichte mir einen Zweier und bedankte sich für die nette Fahrt. Als ich mich dann wieder ins Auto gesetzt habe, sprang einer der anderen an mein Fenster und drückte mir 50 Cent in die Hand mit einem freundlichen Lächeln. Ich hätte an dieser Stelle losfahren wollen, aber die Beifahrertüre stand noch offen. Ich lehnte mich also hinüber, um die Tür zu schließen. Auf dieser Seite des Wagens stand noch der junge Kerl, der mich bezahlt hatte, und offenbar dachte er angestrengt über etwas nach. Dann wandte er sich mir zu und entschuldigte sich für seine Unverschämtheit und gab mir die 70 Cent Wechselgeld zurück. Die Tür hat er dann auch noch zugemacht.

Äh… wow?

Also meiner bescheidenen Meinung nach dürften alle Touren so laufen 😀