Als sie nur ganz seicht den Arm hob, um mich anzuhalten, sah das noch wie eine coole Geste aus. War es nicht. Die junge Frau war so hinüber, wie man nur hinüber sein kann, wenn man mit einer Flasche Bier durch Kreuzberg torkelt. Nun gilt in meinem Taxi die 0-Promille-Grenze nur für mich und ich hab sie gerne eingesackt. Die einzige Winkerin in dieser Nacht.
Vom Outfit her eher Straßenkämpferin als Disco-Bunnie war sie mir zugegeben gar nicht unsympathisch. Und sie nannte, wenn auch unsauber ausgesprochen, eine Straße, die mir von Touren vom Ostbahnhof wohlbekannt war. Und von der ich zumindest zu wissen glaube, dass es sie nicht zweimal gibt.
„Kein Problem, kriegen wir hin.“
„Du kennsie?“
„Ja. Und den kürzesten Weg dorthin. So wie es sein sollte.“
Eine schöne Tour. Nicht weit zwar, aber mir fehlten zwei Stunden vor Feierabend ohnehin nur noch 15 Euro für mein Schichtziel und die Fahrt sollte mehr als die Hälfte bringen.
Nach allerlei Bedenken ihrerseits, ob wir wirklich in die richtige Richtung fahren würden, beendeten wir die Fahrt am Ende mit beidseitiger Zufriedenheit und 8,60 € auf der Uhr. Schnell verdientes Geld auf meiner Seite und eine sichere Heimfahrt ohne selbst noch eine Peilung zu haben für sie. Win-win.
Dann ging es ans Bezahlen. Sie nestelte Kleingeld aus ihren Hosentaschen, alles wild durcheinander, nur die erhofften Scheine fand sie nicht. Beim Abzählen der Münzen wurde schnell klar, dass das nicht reicht. Gut, vier Euro kamen schnell zusammen, danach aber nur noch ein weiterer. Schon unter Einbeziehung von Rotgeld.
Wat nu?
Um ehrlich zu sein: ich hätte sie aussteigen lassen. Klar, eine Runde zur Bank hätte sicher geklappt, aber der Aufwand und der Stress. Wegen am Ende dreiirgendwas …
Da meinte sie plötzlich eher scherzhaft:
„Na, wenn Du auch amerikanisches Geld annehmen würdest …“
Und ich sprang ein:
„Mach‘ ich. Natürlich!“
Sicher: auch da ist die Frage nach dem Aufwand berechtigt. Aber irgendwann geh‘ ich eh mal wieder zur Bank und US-Dollar sind nun vergleichsweise einfach zu wechseln. Das wird nicht wieder drei Jahre dauern dieses Mal. 😉
Und nun begann sie zu kramen und zu kramen …
„Hier ist ein Dollar. Da noch einer. Hier hab ich auch noch einen …“
Das erste Mal seit ich Taxi fahre, habe ich mir überlegt, ob ich jetzt nach dem Wechselkurs suchen müsste, um die richtige Summe zu bestimmen. Bisher hab ich ausländisches Geld immer nur mit großzügigem Aufrunden bekommen – was ehrlich gesagt des Wechselaufwandes wegen seine Berechtigung hat. Ich muss das schließlich nicht machen, ich bin da einfach nur nett.
Geklappt hat es auch dieses Mal, denn sie sagte plötzlich:
„Deeenirabschesucht! Hiernswansiger!“
Zwanzig Dollar. Für 8,60 Euro auf der Uhr. Da kann ich mit leben. Und sie hoffentlich auch.
Dann noch schnell der Check, ob sie nix vergessen hat, und ich konnte weiter. Bei meinem nächsten Stopp habe ich 20 Euro-Cent, einen leider wertlosen Teil eines australischen 20-Dollar-Scheins und ein Feuerzeug eingesammelt. Was solche Touren halt so mit sich bringen … aber am Ende glaube ich, dass es sich für sie dennoch gelohnt hat, ausgerechnet mich als Fahrer zu erwischen. 🙂

*Andrew Jackson ist auf der US-amerikanischen 20-Dollar-Note abgebildet.