Die spinnen, die Briten!

OK, im letzten Eintrag habe ich bereits auf die beste Tour des Abends angespielt. Hier kommt sie also…

Es begann mehr als nur üblich. Ich stand am Matrix fünfzehn Minuten an und aus dem ewigen sich langsam drehenden Karussell der möglichen Kunden blieb bei mir ausgerechnet ein etwas fertig wirkender Engländer stehen, der seinen Slang wahrscheinlich in einem pakistanischen Untergrund-Viertel der englischen Hauptstadt gepflegt hat. Es hat gut eine Minute gedauert, bis mir klar war, dass er wirklich nur ins Generator wollte, und nicht etwa wissen, wie teuer es wird, oder einige andere Dinge.

Na gut! 27 € Umsatz wollte ich noch machen – das sind schon mal knapp 10. Steigen sie ein!

Die Tour verlief nach einer kurzen Sprachlosigkeit ausgesprochen heiter, und so erfuhr ich dann, dass er nur zwei Tage in Berlin ist, und das vor allem den Grund hat, dass er davon ausgegangen ist, dass Berlin Scheiße ist. Und jetzt – immerhin nach einem Besuch im Matrix! – war er der Meinung, dass das eine so geile Stadt ist, dass er auf jeden Fall wiederkommen will irgendwann. Dann aber mit Freundin und vielleicht sogar mit Übernachtung in einem richtigen Hotel. Seine Begeisterung kannte kaum Grenzen, und mir als überzeugtem Zugezogenen gefiel das. Irgendwie schade, dass die Tour so kurz war.

Am Generator angekommen drückte ich auf Kasse und die Uhr zeigte wie gewohnt 9,40 € an. Er drückte mir einen Schein in die Hand und wollte aussteigen. Ich wollte ihn schon einstecken, als mir etwas aufgefallen ist:

„Hey, wait wait wait! This aren’t 10 Euro!“

Und seine (fucking) Antwort war:

„I know! It’s fine! Have a nice Night!“

Also hab ich den Fuffi eingesteckt…

Fuck it, fuck it, fuck it! 40,60 € Trinkgeld bei DER Standard-Tour mit DEM Standard-Touri schlechthin! Ich hab die letzten Wochen echt einen guten Lauf, scheint mir…

Und wie üblich: Ich zocke nach wie vor keine Besoffenen ab! Der Typ war natürlich angetrunken, aber in bester Verfassung und er wusste genau, was er tat! Glaubt mir, ich bewahre die Leute gerne vor Dummheiten – aber mehr als sie darauf hinweisen muss ich nun auch nicht!

Kurioses Bezahlverhalten Nr. x+1

Ich hatte Glück, und hab nach kurzer Zeit vom Matrix aus eine 13-14€-Tour bekommen. Naja, so in etwa. Dummerweise war auf dem besten Wege eine nicht ganz unbedeutende Straße gesperrt, sodass ich mal eben locker zwei Kilometer Umweg fahren musste. Die Kunden waren zwei Herrschaften, vielleicht 10 Jahre älter als ich. Angetrunken aber locker drauf, und nicht sparsam mit Lob für mich.

Während ich notgedrungen den Umweg fuhr, unterhielten sie sich ganz konzentriert über die Gestaltung dieses, sowie nächsten Abends. Das beinhaltete zum großen Teil verschiedene Formen der Entleerung ihrer Testikel, aber ich hab jetzt nicht das große Problem mit solchen Gesprächen, so lange sie nicht irgendwie widerlich werden oder gar persönlich.

Am Ziel angekommen zeigte das Taxameter nunmehr 16,70 € an, und ich rechnete eigentlich mit nichts bösem, weil die beiden den Umweg selbst (in Übereinstimmung mit der Prophezeihung dem Navi) vorgeschlagen haben, und dank gelegentlichem Aufblicken aus ihren feuchten Träumen auch über die aktuelle Preisentwicklung stets informiert waren.

Sie lotsten mich bis direkt vors Haus und stiegen aus. Der eine bewegte sich gleich Richtung Eingang, und der andere drückte mir zwei Scheine in die Hand und meinte völlig ohne Gefühlsregung:

„Da haste 15, mehr haben wir leider nicht dabei.“

Wie bitte?

Ich bin echt aus allen Wolken gefallen. Ich bin zwar kein Festpreis-Anbieter, aber ich hätte in Anbetracht des Umwegs (und der Tatsache, dass es einen dritten, etwas kürzeren Weg – den man allerdings schon zu Beginn hätte fahren müssen, sprich: Ich hätte die Sperrung abgespeichert haben müssen) ja vorneweg mit mir reden lassen bei knapper Kasse – aber so? Nee!

„Das hättet ihr aber früher sagen können!“

„Ja, aber wegen dem Umweg und mehr haben wir echt nicht. Ist ja auch ganz nett von dir, dass du uns mitgenommen hast. Ist doch nicht viel Geld…“

„Mag ja sein, aber die 1,70 muss ICH bei meinem Chef abliefern!“

Ich dachte, ich hör nicht richtig. Aber die Sache wandte sich noch zum Guten: Der andere der beiden kam zurück und meinte:

„Was schulden wir dir denn noch?“

Sein Kollege meint vorlaut:

„Lass! Des is alles geklärt!“

Ich dazu:

„Äh nein, nicht wirklich!“

Er kramte Münzen hervor und meinte:

„Was fehlt? 1,70? Dann nimm den Zweier hier. Und den nimmste als Trinkgeld…“

Sprach’s, und ließ zwei 2€-Münzen in meine Hand kullern. Na also, war doch gar nicht so schwer…

Warum hab ich…

…warum habe ich ihn nicht einfach stehen lassen? Wahrscheinlich weil er kaum mehr stehen konnte. Nein, das wird keine Kotzgeschichte, aber dafür etwas (hoffentlich nicht!!!) sehr typisches…

Er fällt also ins Auto und meint:

„Vollgas!“

„Wohin denn?“

„Einfach Vollgas!“

Na das kann ja heiter werden…

„Also geradeaus?“

„Jjjja!? Hiierlng.“

Um es kurz zu machen: Die Kommunikation fiel schwer. Die Strecke, die er mit mir zu fahren gedachte, war allerdings nur rund 1,5 km lang und beinhaltete genau einen Richtungswechsel. Da war sogar das erträglich. Es ist zwar gar nicht so leicht „glich daaa vorne hinten bei den dem vor dem Ampel nee dahinten weissu weiter vorne neee stopp!“ zu halten, aber irgendwie habe ich auch das hinbekommen.

„Das macht dann 5.30 €.“

Verständnisloser Blick.

„Ich bekomme 5.30 € von ihnen.“

Verständnisloser Gesichtsausdruck, Versuch einer Kommunikation:

„Hmm!?“

In einem aberwitzigen Zeitlupentempo hat er dann seinen Rucksack geöffnet und ist in autistische Wühlversuche versunken. Ich bin ruhig geblieben, und habe meine Geldgier verflucht. Dann fischte er etwas aus seinem Geldbeutel und drückte mir Geld in die Hand: 5 Cent.

„Hm, das sind jetzt 5 Cent… da fehlen aber noch 5,25 €“, hab ich so diplomatisch wie möglich gesagt.

Er versteifte sich wieder in seinen Suchmodus und kramte weitere Münzen hervor. Damit kamen wir auf einen Gesamtbetrag von 2,03 €. Ich wies ihn mit meiner Engelsgeduld darauf hin, dass immer noch mindestens 3 € fehlen würden. Er drückte mir seinen Rucksack in die Hand mit einem Blick, den ich aus meiner Arbeit mit geistig behinderten Menschen kenne. Und das meine ich ernst, und keineswegs herabwürdigend – obwohl mir bewusst ist, dass seine geistige Umnachtung selbstverschuldet war. Er grinste mich auf eine debil-zufriedene Art an, und stieg aus, um zu pinkeln.

Ich hab seinen Rucksack kurz durchgeschaut, und ihn gleich gefragt, ob sein Geldbeutel etwa da drin sei.

„Hmmm!?“

OK, also Rucksack durchwühlt… aber nix gefunden. Super!

„Also, was machen wir jetzt? Hier fehlen noch mindestens drei Euro!“

„Hmm… l.. ll.. lllogger bleim!“

„Keine Sorge. Ich bin ziemlich locker. Aber ich mach das hier nicht nur aus Spaß an der Freude, sondern ich verdiene so mein Geld. Und wenn das Endergebnis dann „Ich kann leider kein Geld finden“ ist, dann ist das eben nicht so sonderlich erheiternd!“

„Lllogger… du weissss janich, ob der anne.. re nich nur Schbasss macht!“

„Und, war das ein Spaß?“

„Weissich nich.“

Nach dieser erschöpfenden Auskunft starrte er aus dem Fenster und schien auf eine Antwort von da draussen zu warten. Ich holte ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und meinte:

„Sie sollten das aber wissen! Wir sind hier nämlich die einzigen beiden, und ich weiss es nicht!“

„Hmm?“

Der zu dieser Aussage zugehörige Blick war dermaßen dämlich, dass ich mir wirklich überlegt habe, ob ich ihn nicht fotografieren sollte. Stattdessen habe ich gefragt:

„Und? Was nun?“

„Kmmml mt rüüübr!“

„Haben sie noch Geld in der Wohnung?“

„Geld???“

„Ja, Geld! Sie schulden mir noch 5,30 €!“

Bevor mich jemand fragt: Ich hab permanent darüber nachgedacht, ob ich nicht einfach mit den 2,03 € abzischen sollte. Ob es das wirklich wert wäre. Aber ich hab mir gedacht, dass ich ihn so nicht davonkommen lasse. Ich bin also mit ihm rüber gekommen und dieses Rüber war glücklicherweise eine Sparkasse. Tasche nach der Karte durchsuchen überspringe ich mal ganz dezent und bleibe gleich bei der PIN hängen. Er hat meine Warnung, dass PIN’s im Allgemeinen und bei der Berliner Sparkasse im Besonderen keine 7 Ziffern haben, natürlich ignorieren müssen. Also habe ich gefragt, ob ich behilflich sein könnte.

Seinem Blick nach war immerhin sein Verständnis von Datenschutz noch recht ausgeprägt.

Naja, er hat Geld bekommen und war trotz allgemeiner Debilität auch gewillt, zu zahlen.

„Was krissn vmir?“

„Mindestens 5,30 €, obwohl ich eingedenk der Tatsache, dass wir hier jetzt seit einer Viertelstunde rummachen, gerne mehr verlangen würde…“

„Wieviel?“

„5,30 €!!!“

Er streckt mir einen Zehner hin und meint:

„Machse fünff!“

„Nein! Ich werde nicht fünf machen! Sie schulden mir 5,30 €!“

…und für den seelischen Schaden locker nen Zehner obenauf!

„Dann machse vier!“

Ich hab das als „Gib mir 4 € zurück“ interpretiert und war heilfroh, als ich den Kerl los war. Besoffen ist ja schön und gut – ich nehm auch meistens nur ein Taxi, wenn ich schon einen gelötet hab – aber ein Mindestmaß an Koordinationsfähigkeit und Einschätzungsvermögen sollte doch eigentlich schon dazugehören…

Seltsamer Freitag

So, so langsam wird es eine absurde Serie. Das war nun der dritte Tag in Folge, an dem ich zwischen 135,90 € und 136,50 € eingefahren hab. Bei Arbeitszeiten zwischen 8,75 und 11,00 Stunden wohlbemerkt. Gestern war aber sowohl der Verlauf, als auch die Kundschaft teilweise erwähnenswert.

Begonnen hat alles mit einer Kurzstrecke noch vor dem Aufschlagen am Ostbahnhof. Ein Punk, der zu spät zur Arbeit kam – ein zeitloser Klassiker, wenn man die Uhrzeit (20 Uhr etwa) beachtet. Fast noch besser war die Kommunikation zum Ende:

„Sorry wegen Trinkgeld, aber ich brauch die Einsfünfzich. Ich hoffe, die anderen geben reichlich!“

Die nächsten vier Stunden waren geprägt von enormer Lethargie. Ich hab bis 0 Uhr zwar 5 Fahrten zusammengekriegt – aber mit 29,90 € Umsatz kann man das als völligen Fehlschlag werten. Insbesondere für einen Freitag.

Einsamer Höhepunkt war eine von mehreren kurzen Strecken so um die 6 €, als eine Frau meinte:

„Ich hoffe, ich habe das noch klein. Sonst hab ich das nur sehr groß.“

„Wie groß denn?“

„Naja, es ist grün…“

Ich bin wirklich kein Spielverderber beim Wechselgeld – aber nach der dritten Fahrt kann wohl kaum ein Fahrer auf einen Hunderter rausgeben – schon gar nicht, ohne danach selbst Pause zum Wechseln einzulegen. Aber gut, sie hatte es noch klein, und bei fast 2 € Trinkgeld will ich mich mal nicht beschweren…

Ach so, dann waren da noch die zwei Leute, die in die xy-Straße „zum beleuchteten Hauseingang“ wollten. Sie waren nicht so nervig, wie sich das anhört, aber: Kann mir mal jemand verraten, wie ich mit dieser Beschreibung in einer ca. 700 m langen Straße voller beleuchteter Straßencafés noch vor der Dämmerung bei tiefstehender Sonne einen erleuchteten Hauseingang hätte finden sollen – der zudem (Trommelwirbel!) UNBELEUCHTET war? Ist Taxifahren soo langweilig, dass man es mit einer Schnitzeljagd kombinieren muss?

Mir ist zudem zu Ende des Kalendertages richtig schlecht geworden, sodass ich mich zu einer Stunde Pause genötigt sah. Um ziemlich genau 1.00 Uhr bin ich in Marzahn dann gestartet.

Um 2.00 Uhr hatte ich dann schon 75 € in der Tasche. 45 € in einer Stunde – meine bisher zweitbeste Stunde überhaupt, seit ich den Job mache.

Geschuldet war der hohe Verdienst natürlich nicht einer kleinen Tour, sondern vor allem den beiden längeren, die ich hatte. So habe ich eine Gruppe von der Warschauer über Biesdorf bis nach Marzahn gefahren, und dann ist mit hundert Meter weiter ein Typ aufgefallen, der mich herangewunken hat.

„Färs mbs Lxnnerplz?“

Das ist kein Tippfehler!

„Alexanderplatz? Aber sehr gerne doch!“

Der Typ hatte ordentlich einen im Tee, aber das war nicht das Verwunderliche. Das Verwunderliche war, dass ich mir sicher bin, dass er auch nüchtern so spricht. Er beherrschte die hohe Kunst, einen Satz nicht nur schnell auszusprechen und dabei zu nuscheln – sondern zum Ausgleich auch noch alle fürs Verständnis wichtigen Silben zu verschlucken. Er hat mich 15 bis 20 Minuten vollgelabert, und ich habe vielleicht ein Viertel verstanden. Gut, ich weiss, dass er gerne trinkt, schwul ist – richtig versaut sogar – und aus einer anderen Stadt kommt. Noch dazu so allerlei belangloses Zeug. Was der in der Schwulenkneipe, in die er noch wollte, noch angestellt hat, will ich besser nicht wissen…

Dann noch ein netter Australier, mit dem die Lösungsfindung, in welchem baxpax-Hostel er abgestiegen ist, gute 5 Minuten in Anspruch nahm. Er vergesse schonmal gelegentlich, wo er untergekommen ist – in London hat er ein Hotel mal nicht mehr gefunden… naja. Ich hab ihn am richtigen Hostel abgesetzt, hatte ein echt nettes Gespräch und hab von ihm mit 3,40 € das höchste Trinkgeld bekommen – von einem Touristen in meinem Alter! Das ist fett!

Ab da war wieder Land’s End. Ich hatte eigentlich gehofft, wenigstens bis 4 Uhr den obligatorischen Hunni (der fürs Wochenende echt mal gar nix ist) voll zu kriegen. Nix da. Um 5.30 Uhr stand ich seit über einer Stunde vor dem Matrix rum und hab mich mit ein paar Jugendlichen ausgetauscht, die der Meinung waren, ich müsste die 10 km bis zu ihrem Heimatplaneten doch auch für 15 € fahren. Schließlich seien sie auf mich angewiesen, und alle meine Kollegen würden das ja auch machen. Bezeichnenderweise hat kein Kollege in der Schlange diese Ansicht geteilt. So sind die drei nach einigem Gefeilsche mit hochgezogenen Nasen von dannen gezogen und waren sichtlich stolz darauf, dass sie nicht auf uns angewiesen sind. Natürlich hat sie irgendein Kollege um die nächste Ecke mitgenommen – aber das soll mir mal egal sein.

Ich hab dann – ein wenig hatte ich ja drauf gehofft – ein zweites Mal eine Bedienstete vom Club gefahren, die mit ihrer halben Fernreise immerhin noch 25 € in meine Kasse gespült hat. Trinkgeld gibt sie zwar wenig, aber immerhin hatte ich mal wieder ein paar Euro Umsatz.

Nach einmal „halblegalem Wenden“ auf der Landsberger Allee habe ich dann noch einen Winker aufgesammelt, der wie schon die Herrschaften aus der xy-Str. auf Rätsel stand:

„Halensee bitte!“

„Wo in Halensee möchten sie denn hin?“

„Ganz oben.“

„Welche Straße denn?“

„Joachim-Friedrich-Str.“

„OK, wo denn da genau? Hausnummer? Oder welche Ecke? Am Ku’damm?“

„Ku’damm ist gut! Halensee halt. Ganz hinten. Johann-Sigismund-Str.“

„Johann-Sigismund-Str.?“

„Ja genau, da muss ich hin!“

„Wo denn da genau?“

„Ja, Ecke Ku’damm ist ok…“

Naja, ich bin ja nur Taxifahrer – es wäre ja auch zu absurd, mir gleich mitzuteilen, wo man hin will…  Ich hab dann um Punkt 7 Uhr heute Morgen Feierabend gemacht und war dementsprechend platt – aber alles in allem hat es dennoch Spaß gemacht. Ergebnis war zwar nicht so toll, aber auch nicht so, dass ich befürchte, nächsten Monat am Hungertuch zu nagen. Der Monat beginnt eigentlich ordentlich…

Wasserfall mit Piercing

Selbst die derzeitige Sperrung in Kreuzberg wegen des Carnevals der Kulturen hatte für mich noch etwas positives diese Nacht:

Im Gegensatz zu ungefähr 90% meiner Arbeitsnächte bin ich in der Gneisenaustr. vorbeigekommen. Dort wurde ich prompt herangewunken von einer jungen Frau mit einem kleinen BMX-Rad. Die Fahrt nach Neukölln dauerte vielleicht 5 Minuten. Naja gut, vielleicht waren es nachher doch 8.

In der Zeit habe ich nicht nur erfahren, das der Reifen des Rades platt ist – diese Information war ja quasi notwendig. Auch nicht nur, dass das Rad das öfter macht. Und nur in den blödesten Momenten. Nein! Ich weiss jetzt um Alter, Namen und Hintergrund des Rades bestens Bescheid. Dass es sie hasst, dass sie es schon so lange hat, dass sie gar kein anderes fahren könnte. Dass es so schön in Taxen reinpasst. Dass die Funkzentralen es aber immer versemmeln, ihr einen Kombi zu schicken. Obwohl sie das Rad ja auch schon mit einem Freund zusammen in einen Mini bekommen hat. Hochkant. Sonst fährt sie immer Rad. Aber da es sie ja so hasst und inzwischen 2000 € Reparaturkosten aufgehäuft hat, hat sie immer auch Geld fürs Taxi dabei. Ihre Freunde wundern sich schon, dass sie immer Rad fährt, aber ja, sie macht das auch, wenn sie betrunken ist. Dann wird sie immer gewarnt, sie könnte ihren Führerschein verlieren, worüber sie aber nur lachen kann, denn: Wer würde ihr denn bitte einen Führerschein geben, wo sie doch so oder so immer betrunken ist. Die Straße ist übrigens normalerweise echt super zu fahren, sie fährt da immer. Und da müsste ich geradeaus auf den Berg…

„Der Berg wäre aber eher rechts…“

Na dann eben rechts. Ja, richtig. Aber das Fahrrad ist auch wirklich nervig. Es will sie umbringen. Zweifelsfrei, aber sie kann ja kein anderes nehmen, und STOOOOPPPPPP! Hier müsste ich dann rechts. Normalerweise lässt sie sich ja immer ein paar Meter vorher absetzen, aber jetzt wo das Fahrrad – mal wieder – so im Eimer ist. Dann wäre ich halt der erste Fahrer, der sie bis zu ihrem Haus bringt. Mit einem Fünfhundert-Euro-Schein könne ich aber sicher nichts anfangen. Egal, einen Zehner hat sie ja auch noch. Stimmt so und danke.

Das Ganze hat sich nicht nur atemberaubend schnell abgespielt, sondern sich teils mehrfach wiederholt, und das Ganze natürlich auf Englisch. Die Teile, die ich gar nicht übersetzen kann, habe ich also gleich weggelassen. Der Abschlusssatz sei aber hier im Original wiedergegeben:

„Thank you, you’re very nice. I have enough from Drivers which only ask me: „How can you kiss with this ring?“

Ganz ehrlich, bis dahin habe ich das Piercing nicht einmal zur Kenntnis genommen. Was mich aber abgesehen von der Frage meiner Kollegen besonders interessiert: Wo bitte haben die die Zeit gehabt, diese unterzubringen?

Nach dem Feiertag: Niederschlag!

Es ist nicht einmal so, dass mich der Niederschlag, der in den Niederungen des Niederbarnim niederschlägt, niederschlägt. Sorry, war wohl so eine Art grammatikalischer Schlaganfall.

Der Regen ist nervig, aber meine Laune ist wirklich nicht deswegen mies. Klar, schlechtes Wetter sorgt immer auch für stressigere Arbeitsumstände. Aber dafür auch für mehr Kunden. Nein, der Grund ist ein ganz anderer: Die Kunden heute. Also nicht alle! Nicht einmal die Mehrzahl. Aber immerhin gleich zwei Truppen, die mich im Nachhinein so ankotzen, das glaubt ihr gar nicht.

Das erste waren drei Faschos. Ich kann gar nicht bestreiten, dass sie mir gegenüber nett waren. Warum auch nicht, ich sehe ja ordentlich deutsch aus. Von denen gibt es eigentlich nix besonderes zu berichten – mich hat einfach die Anwesenheit dieser Deppen genervt, und ich suche gerade noch nach einem Projekt, dem ich meine Nazi-Einnahmen spenden kann. Ich hab mir überlegt, dass das wohl eine einfache und vielleicht doch schöne Option ist. Klar, ich könnte solche Fahrten aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen heraus ablehnen. Das darf ich aber nicht, bringt mir also nicht nur Ärger mit den Töffeln selbst, sondern kann richtig ins Geld gehen. Warum also nicht das Geld unauffällig in eine Ecke umleiten, wo es mir lieber ist? Könnt ja in den Kommentaren schreiben, was ihr davon haltet, mit den Einnahmen irgendwelche sozialen Projekte oder so zu sponsoren.

Gut, direkt darauf kam dann aber die zweite Truppe – und bei der bin ich mir recht sicher, dass wir noch voneinander hören werden. War eine Gruppe von 4 Jugendlichen – von denen sich einer offenbar beim Skateboarden das Bein verletzt hat. Er hat den Rest überredet, ein Taxi zu nehmen – und ich stand gerade da. Sie haben gefragt, ob es zur Muskauer mit 7 € reicht, was ich bejahen konnte. Ob wir damit auch bis zum Kotti weiter könnten, fragten sie dann. Ich hab gesagt, dass es so in etwa passen müsste, und daraufhin sind sie gut gelaunt eingestiegen und haben sich bedankt, endlich mal einen netten Taxifahrer zu haben. Soweit kann ich das Standard nennen.

Einer der Kerle hat sich gleich mal unbeliebt gemacht, in dem er drei ernste Aufforderungen gebraucht hat, bis er seine Zigarette wieder ausgemacht hat. Ach ja, wir hatten uns in der Minute davor darüber unterhalten, dass Rauchen leider nicht erlaubt sei, aber man das die paar Meter ja auch gut hinkriegt. In der Muskauer ist der mit dem kaputten Bein dann ausgestiegen. Die anderen wollten nach wie vor zum Kotti, hatten aber plötzlich nur noch 5,40 € – aber das könne ich ja wohl auch machen. Das Ganze ging ein bisschen hin und her, und ich hab klargestellt, dass ich das nicht machen werde. Wir sind uns mit 7 € einig gewesen, das Rückgeld hätten sie selbstverständlich wiederbekommen, wenn es nur 6,60 € geworden wären – also warum das jetzt?

Der Eine fing dann gleich an mit „Ja, er könne das ja verstehen, er würde das als Taxifahrer auch nicht machen, aber eine Ausnahme sei doch sicher drin…

Ich hab dann gesagt, dass sie, wenn sie nur 5,40 € haben, gerne hier aussteigen können – es standen immerhin schon 5,60 € auf der Uhr – dass ich aber keine Lust darauf hätte, dass ich dann am Kotti nur noch 4,50 € kriege, wenn sie sich schon nicht an Abmachungen halten.

Genervt hat sie meine Hartnäckigkeit durchaus, und so war ich etwas erstaunt, als mir der eine von der Rückbank die 5,40 € in die Hand drückte, und meinte: „Naja, was soll’s? Du warst korrekt!“ Daraufhin hat der Rest der Bande das Auto auch verlassen. Nervige Tour, kommt vor, alles halb so wild. Dachte ich.

Wieder am Ostbahnhof habe ich dann – just als ich neue Kundschaft bekam – festgestellt, warum die Jungs so zufrieden ausgestiegen sind. Meine Kamera und mein Handy waren weg! Ich bin die Tour mit den Kunden noch gefahren und hab ihnen mein Problem erläutert – woraufhin sie mir kulanterweise (ich bin ihnen aber auch im Preis entgegengekommen) ihr Handy geliehen haben, um die Cops zu erreichen.

So ist mir ein guter Teil einer lukrativen Wochenendschicht dadurch flöten gegangen, dass ich mich mit der Polizei unterhalten habe, und nach Hause gefahren bin, um Handy und Karte zu sperren, sowie das weitere Vorgehen mit Ozie zu belabern.

Ich hab mir in den letzten 10 Stunden wirklich viele Gedanken zum Thema gemacht – weil es mich selbst ein wenig ärgert, wie sehr es mich ärgert. Ganz im Ernst: Wären das sympathischere Zeitgenossen gewesen, und es wäre nur mein Handy weg, dann hätte ich sicher den Teufel getan, und wegen so einer Lappalie die Cops auf den Plan gerufen. Aber das mit der Kamera nervt mich ungemein mehr. Nicht nur des Preises wegen – die ist ja noch nicht einmal abbezahlt – sondern weil ich sie inzwischen einfach ständig nutze und es einfach nicht einsehe, dass ausgerechnet ein paar Intelligenzbremsen wie die vier Jungs sich jetzt wunder weiss wie clever vorkommen. Wer ist denn bitte so dämlich, und beklaut einen Menschen, der gerade seinen Kumpel direkt vor die Haustüre gebracht hat? Ich weiss, wo er wohnt, wie er aussieht – wie schwer soll es schon werden, den Jungs Ärger zu machen?

Klar, ob ich auch nur eines von den Geräten wiedersehe, weiss ich nicht. Ich gehe eher nicht davon aus. Aber ob sich das gelohnt hat?

Naja, ich bin mal gespannt, wie es weitergeht. Ansonsten haben auch noch ein paar Kleinigkeiten nicht funktioniert, und die schöne Schicht war letztlich eben auch nur mittelprächtig dank des Zeitverlustes.

Ja, an dieser Stelle würde ich gerne ein paar Fotos des Einkaufs zeigen, aber das hat sich vorerst wohl erledigt…

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

14,40€/km – Tarifwahnsinn in Berlin!

Boah, ist das eine Bild-mäßige Überschrift! *stolzbin*

Nachdem ich gerade die fünfte Taxi-Dialog-Folge online gestellt habe, dachte ich mir, es könne wahrscheinlich niemand verstehen, weswegen mich sowas nicht aufregt. Naja, es war das Ende der Fahrt – und wie die gelaufen ist, das könnt ihr hier nachlesen:

Es war eine kleine Dreiergruppe an Fahrgästen am Ostbahnhof, wahrscheinlich Polen. Der Sprache nach irgendwas östliches, so gut kenne ich mich da nicht aus. Naja, sie waren also zu einem Techno-Event da. Westbam ist unter anderem am Start gewesen – der sagt ja sogar mir was. Nur wo? Ganz in der Nähe: Kopenickenstraße – also Köpenicker Str. Und dort in einem Club. Na klasse! Ich hab die Jungs und Mädels aufgeklärt, dass ich neu bin, nicht alles kenne, mir nur zwei Clubs einfallen, ich aber leider nicht wisse, ob einer davon der richtige ist: Tresor und Spindler&Klatt. Gut gelaunt sind sie eingestiegen, und wollten, dass ich sie zum Tresor fahre. Dort angekommen, mit 5,20 € oder so auf der Uhr, stellten sie natürlich fest, dass es der falsche Club ist.

Nummer 112 sollte es sein! Äh, ok! Mein Navi kapiert die Hausnummern an der Köpenicker nicht, es springt immer auf 143. Aber es soll hinter uns liegen. Na klasse, schließlich ist die Köpenicker seit geraumer Zeit just vor dem Tresor in diese Richtung gesperrt. Dann kam nochmal ein klärendes Gespräch mit einem Freund, der offenbar im Club war, und die Hausnummer auf 126 erhöhte. Naja. Meine (mit Tiefenentspannung gesegneten) Fahrgäste wollten erstmal das Spindler&Klatt sehen, ehe sie ernstlich auf den Rat des Freundes hörten. Warum auch immer! Also bin ich mords den Umweg zurück gefahren, quasi am Ostbahnhof vorbei, am Maria, um dann vor einem unbeleuchteten Spindler&Klatt zu stehen. Prima. Waren nun schon um die 10 € auf der Uhr, ich hab das Taxameter bei der nun folgenden Warte- und Überlegungszeit einfach mal zwischenzeitlich gestoppt.

Irgendwann war dann klar: Es geht weiter, wir suchen die 112 – oder 126, wie auch immer! Nächste Straße beim Maria sollte es sein… Köpenicker halt, soweit waren wir vor 20 Minuten schon. Immerhin durfte ich inzwischen auch den vermeintlichen Namen des Clubs wissen: Reifen! Oder Rai-Fen. Oder Rahi-Fehn. Wie auch immer.

Auf dem Weg zum Ziel beschlossen sie, noch einmal Rücksprache zu halten mit irgendwelchen Freunden, und so kam es, dass zwei von ihnen an einer Telefonzelle vor der Köpenicker Str. 127 – 129 ausstiegen, um zu telefonieren. Ca. 1 € später haben war dann endgültig klar, dass es Nummer 126 ist, und somit waren wir eigentlich ja genau da.

Der Club heisst übrigens „relais“, ist saumäßig unauffällig bei Nacht, und höchstens 1 km vom Ostbahnhof entfernt. Die Uhr zeigte 14,40 €. „15! Ist ok!“ haben sie gesagt, bevor das mit der Zeitung kam. Kein Stress, nicht einmal eine verzogene Miene. Immer nur Lachen und freundliches Kopfschütteln ob der obskuren Situation. So sollte es immer sein…

Aber mal im Ernst: Ich bin zwar der Überzeugung, dass man wenigstens wissen sollte, wo man hin will, wenn man ein Taxi nimmt – aber in dem Fall hätte ich wegen Eigenbeteiligung durchaus mit mir reden lassen, was den Preis angeht. Keine Frage! Aber irgendwie waren sie so zufrieden, als sie ausgestiegen sind, da wollte ich ihnen nun wirklich nicht noch dumm kommen 😉

PS: Weswegen das hier auch unter „Nicht so schönes“ eingeordnet ist: Mich stressen solche Fahrten! Wahnsinnig! Nicht, dass ich den Kunden was übelnehmen würde, es ist so ein unbestimmter Stress, nicht die Erwartungen erfüllen zu können, nicht helfen zu können. Vielleicht etwas übertrieben, aber bei mir sehr ausgeprägt…