Die Höflichen

Zwischen all den schrägen Figuren und den durch die Berliner Schnauze so „authentischen“ Einheimischen vergisst man sie als Kundschaft fast: die ganz leisen und höflichen Gesellen. Und zu dieser Sorte gehörte der junge Mann ganz offensichtlich, der mich am Ostbahnhof an der dritten Rücke ansprach. Ob ich ihn zur Singerstraße bringen könnte, fragte er in gebrochenem Deutsch, ebenso wie viel es kosten würde. Ich fragte zurück, wohin in der Singerstraße genau – und als er, offensichtlich vorbereitet, sagte, dass es in der Nähe der Lichtenberger Straße sei, konnte ich schon einmal ziemlich gut eingrenzen, um was für eine Fahrt es gehen würde:

„Das sind zwischen 5 und 6 €.“

„OK, vielen Dank. Und wäre das in Ordnung, wenn ich … würden Sie mich fahren?“

Sicher nicht die lukrativste Tour des Abends, aber natürlich hab ich angenommen. Der Kerl war noch keine 20 Jahre alt und trotz der ziemlich guten Sprache vermutlich das erste Mal in Deutschland. Gut vorbereitet, dem Internet sei Dank – aber eben nur so weit, wie Google Maps einen bringt. Im Reallife sah das für ihn offensichtlich alles nochmal schwieriger aus. Er nutzte die zwei Minuten, mich alles über den Taxitarif in Berlin zu fragen und als wir nahe des Ziels waren, sah er sich angestrengt um.

„Ist da etwa was, was ich kennen könnte? Ein Hostel oder so …“,

fragte ich nicht ohne Hintergedanken.

„Oh ja, eine Hostel, der, die Nummer 109.“

„Ich weiß, wo das ist. Hir im Hinterhof. Nochmal rechts, dann links …“

Und da standen wir dann, er mit dem Rucksack in der Hand und sichtbar stolz, dass sein Deutsch für eine gute Taxifahrt gereicht hatte. Die Uhr habe ich bei 5,60 € auf dem Display gestoppt, da stellte er dann die Frage, die sich viele nicht zu stellen trauen: ob man denn im Taxi Trinkgeld geben würde. Ich hab’s bei der Wahrheit belassen: dass es üblich ist und man sich gerne an 10% orientieren kann, es aber freiwillig ist. Natürlich hätte ich auch 20% nennen können, oder darauf hinweisen, dass viele bei so kurzen Strecken deutlich mehr geben etc. pp. Selbst Taxifahren ist ja nicht nur der Kampf um die letzten paar Cent, die man aus einem anständigen Neukunden noch rausholen kann.

Er hat dann halbwegs eloquent auf 6 € aufgerundet und sich weiterhin höflich verabschiedet und sich für die Fahrt bedankt. Ein zufriedener Kunde, ein guter erster Eindruck, ich hoffe, dass sich sowas auszahlt. Mehr Geld hab ich zweifelsohne mit den besoffenen Engländern 4 Stunden später gemacht, die mir nach 120 ins Ohr gelallten Fucks ihre 11,20 € auf 15,00 € aufgerundet haben – aber man kann sich insgeheim ja auch mal über die anderen Fahrten freuen, auch wenn man noch so hart im Nehmen ist.

Letzte Tour in Reinform

Gut, eigentlich hatte ich vor Jahren schon mal eine „Feierabendtour wie aus dem Lehrbuch„. Die heute kann aber durchaus mithalten.

Ich war mehr oder weniger satt. Mir fehlte noch ein Zehner zum Wunschumsatz und ich hatte vor, in einer Dreiviertelstunde Feierabend zu machen, aber es war mir recht egal. Ich hatte mich nochmal an den Bahnhof gestellt, weil dort nur ein Taxi stand. Hätte ich gewusst, was für ein gruseliger Kollege darin saß, wäre ich geflüchtet. Aber gut, so hatte ich drei Minuten Smalltalk from Hell. Dann kam er endlich weg und ich kurz darauf.

Heute lag mein Abstellplatz ein bisschen weiter weg als sonst, denn da das neue Getriebe für die 72 erst spät geliefert wurde, hatte ich wieder mal einen Ersatzwagen. Die 2223, die ich beim letzten Getriebeschaden auch schon mal hatte. Dank der wirklich grotesken Fehlentwicklung des Navis werde ich sie wohl nie endgültig lieb gewinnen – aber für die meisten Fahrten braucht man ja sowieso keines. Die 2223 hab ich jedenfalls an der Firma holen müssen, bei der letzten Tour wäre es mir also recht gewesen, wäre es etwas in den Südosten gegangen.

Kam natürlich anders: Steglitz. Zumindest mal ein um 120° abweichender Kurs.

Eine Dreierbesatzung aus einem vollkommen abgefüllten Schluck(auf)specht auf dem Beifahrersitz, seiner stark genervten Freundin hinten rechts und einem Tiefschläfer hinten links. Aber hey – immerhin eine Tour, bei der ich übers Ziel hinausschießen würde!

Schlucki von nebenan versuchte die ganze Zeit das zu tun, was er am wenigsten konnte: reden. Das war soweit ganz lustig, zumindest für mich. Seine Freundin sah das etwas anders und verweigerte ihm auch den Wunsch „an jeder fucking McDonald’s-Filiale unterwegs“ anzuhalten. Schnell nach Hause, dann is‘ gut!
Da ich ihre Straße nur so vom Hörensagen aus Zeiten der Ortskundeprüfung im Kopf hatte, fragte ich sie nach einem Anhaltspunkt und bekam im Gegenzug eine ausführliche Routenbeschreibung, die die beiden Kunden-Echtheitssiegel „so würde ich fahren“ und „3 km Umweg“ trug. Ich nehme geschenktes Geld zwar gerne an, hab dann aber doch abgekürzt und ein ehrliches Danke dafür erhalten. Ist ja auch mal was! 🙂

An diesem Punkt meldete das Murmeltier hinter mir, dass es mal eben eine kurze Pause wünschen würde.

„Wieso? Ist Dir schlecht?“

„Ja.“

Dieses Mal war es glücklicherweise kein Problem, dass der Kotzkandidat (wie gefühlt immer) an der Türe mit der Kindersicherung saß. Alle verließen in geordneter Formation ruhig das Taxi. Auch ich, denn ich ging gleich an die Heckklappe, um dem Auswurfaspiranten ein wenig Küchenrolle zum Abwischen zu reichen. Dass ich noch Bonbons gegen den Geschmack dabeihätte, ließ ich ihn auch wissen und setzte mich wieder ins Auto. Sollten die Jungs ruhig alleine durch Hicksen und Kotzen die Schöneberger Nacht bereichern.

Die sie begleitende Dame saß inzwischen hinter mir und staunte:

„Wow, Sie sind gut ausgerüstet!“

„Naja, eigentlich hab ich das Papier ja, um das Auto sauberzuhalten.“

Da es sonst nichts zu tun gab, erzählte sie mir auch, weswegen sie eigentlich so sauer war. Nicht wegen dem Schluckauf – um Gottes Willen! Nein, die beiden hätten sie angerufen, woraufhin sie bereit zum feiern für 30 € mit dem Taxi angereist war. Schon das Treffen war schwierig, weil die beiden ihre Handys nicht bedienen konnten und am Ende waren die Jungs schon voll wie zwei Eimer als die Freundin ankam. Keine Chance mehr, feiern zu gehen. Als ob das nicht reicht, ist der Schlaf-und-Kotz-Kumpel wohl auch noch für anderthalb Stunden unaufweckbar weggetreten, die sie stoisch ertragen hat, bis sie alle dann – mit mir – den Heimweg antraten. Eine Stunde nervige Hinfahrt, anderthalb Stunden den Kumpel wachklopfen und jetzt auf dem Rückweg auch noch ein Stopp zum Reihern. Ich konnte ihre Stimmung irgendwie nachvollziehen. Arg viel sinnloser kann man seine Zeit ja kaum verschwenden.

Mich hat das an diese Jungs hier erinnert.

Im weiteren Verlauf war die Tour an sich problemlos, nur wird sich ein Mensch aus Steglitz morgen wohl von seiner Freundin anhören dürfen, weswegen sie auf ihn sauer ist. Bis dahin wird es ihm selbstverständlich wie all meinen Fahrgästen, die ich unter widrigen Umständen nach Hause verfrachtet habe, gut gehen. Die letzten Worte, die ich von ihm vernahm, waren:

„Und jetzt, Schatz, jetzt mache ich mir alle Fischstäbchen, die wir noch zu Hause haben!“

Never

„Could you bring us to the Berghain?“

Nicht wirklich das, was man sich als am Ostbahnhof wartender Taxifahrer verspricht. Aber mal ganz abgesehen von Beförderungspflicht und so sahen die beiden auch etwas verwirrt aus. Jetzt nicht die drogeninduzierte Verwirrtheit, die man von manchen Clubbesuchern kennt, sondern fast schon Verzweiflung.

„We, we know that it’s not far, must be somewhere here, but on our maps the street doesn’t exist …“

Und sie wedelten mit einem Stadtplan, der langsam Benutzungsspuren aufwies wie meiner beim Lernen auf die Ortskundeprüfung damals. Nachdem sie versichert hatten, dass sie es nicht nochmal mit Laufen versuchen wollten, bin ich kurz rüber gefahren. Ob sie das erste Mal in Berlin seien, wollte ich wissen.

„Oh, no! I’ve been here eight times. And for him it’s the sixth time! But not to the Berghain yet.“

Da es zum Berghain ja kaum länger dauert als diese Sätze ausgesprochen werden, rollten wir ran und die Schlange war für einen Sonntag beeindruckend. Ich hätte auch nicht gedacht, dass so viel los wäre dort.

„Oh my god!“

Die beiden baten mich zu warten und kamen überein:

„No. We and the Berghain – that will never happen, I guess.“

Also einmal im Kreis und dann runter zum Watergate. Immer noch keine sonderlich lange Tour, aber mit am Ende 8,60 € immerhin eine der längsten vom Ostbahnhof zum Watergate. Mit Trinkgeld ein Zehner. Und wieder ein Grund mehr, keine kurzen Touren abzulehnen

Dieses „Normal“

„Wie ist das denn so normal?“

„Normal stell‘ ich mir das ganz locker vor.“

„Ist das normal für Sie?“

Normalität ist etwas seltsames, wenn man sie im Taxi zu ergründen sucht. Insbesondere in einer Berliner Nachtschicht. Natürlich ist Taxifahren in vielen Belangen ein normaler Job. In manchen Dingen ist die Normalität da halt etwas stapazierbarer als jetzt vielleicht die eines Fließbandarbeiters.

Und die Frage wird immer wieder gestellt. Angefangen von den Leuten, die gerade irgend was „total verrücktes“ machen und selbstverständlich absolut NICHT normal sein wollen; bis hin zu jenen, die sich versichern wollen, dass ihre Tour jetzt aber hoffentlich nicht zu sehr aus dem Raster fällt. Ob das jetzt die Länge der Fahrt, die Uhrzeit, die Themen der Gespräche oder das Fahrtziel angeht – überall die Angst oder Hoffnung, normal zu sein.
Aber auch im Gewerbe, beim Bloggen – selbst jetzt bei der unseligen Uber-Diskussion – überall wird erzählt, wie was jetzt „normalerweise“ ist. Und keine Frage: ich verwende den Begriff auch oft. Ist ja normal. 😉

Meistens ist das ja egal, weil es nur ein dahergesagtes Wort für häufig ist. Traurig finde ich halt, wenn sich eine Rentnerin fürchtet, mir die Schicht zu verderben, weil ich sie vom Ostbahnhof mit einem Stapel Gepäck bis nach Mahlsdorf bringen muss. Das passiert zwar viel zu selten, ist aber abgesehen vom überdurchschnittlichen Verdienst eine ganz normale Fahrt für mich. Ebenso wie um 5 Uhr morgens zwei verknallte Kerle vom Berghain zu Tom’s Bar zu fahren eine ganz normale Fahrt ist. Die Auslöser für diesen Eintrag waren zwei Jungs, Anfang dreißig, hackedicht aber lieb. Wegen eines Junggesellenabschieds in Berlin und auf dem Weg in ihr Hotel. Für mich völlig normal, hätte ich den beiden aber nicht sagen dürfen. Für sie war es nämlich der geilste Abend der letzten Jahre.

Trinkgeld ist von 0,00 bis vielleicht 5,00 € völlig normal. Was aber – und da kommen wir der Sache näher – nicht heißt, dass es deswegen uneingeschränkt selbstverständlich ist. Oder für mich kein Grund, mich zu freuen.

Ich glaube, im Dienstleistungsbereich geht die Spanne des „Normalen“ im Vergleich zu vielen anderen Jobs bis weit vom Durchschnittswert weg. Weil Dienstleister eben auf sehr unterschiedliche Kundschaft stoßen und zumindest im Taxi beispielsweise auch unsere Arbeitsweise stark ändern können. Mag die Durchschnittsfahrt im Gewerbe 12 € bringen, wird ein Flughafenfahrer noch Touren für 40 € völlig normal finden, während mein Tagfahrer vielleicht nicht mehr ganz so normal findet, was sich betrunkene Mädels auf dem Heimweg über ihre Freunde erzählen. Ich selbst bekomme schon Probleme, wenn Kunden mich fragen, wie lange ich normal arbeite.

Ich habe einen Facebooktroll, der mich seit Monaten fragt, wie viel man „normal“ im Taxi verdient, wann man „normal“ arbeitet, was einem „normal“ erlaubt ist und nebenbei natürlich, warum ich ihm darauf nach dreimaligem Klarstellen, warum das schwierig ist, nicht mehr antworte.

Deswegen sind die meisten Jobblogs meiner Meinung nach Dienstleistungsblogs. Weil unser „Normal“ manchmal weit in den „Skurril-Bereich“ der Leser reinragt.

Das Ganze hat aber eine weitere Dimension. Nämlich die, dass es genau das ist, was uns Dienstleistern den Job so schwer macht und unsere eigentliche Qualifikation sein sollte: dass wir Dinge irgendwie „normal“ handhaben können, obwohl viele Menschen da draußen das nicht finden. Ich weiß – und bin stolz drauf – dass mich als Dienstleister auszeichnet, dass ich mit betrunkenen Jugendlichen, knausrigen Oberlehrern, wehleidigen Rentnern und streitenden Pärchen umgehen kann. Ohne immer nur das Schlechte zu sehen, ohne die Leute für Dinge verantwortlich zu machen, für die sie nichts können. Und letzten Endes auch ohne daran selbst kaputtzugehen.

Auch das ist ein Grund – und der Hinweis muss immer und immer wieder sein – warum ich mich hier so in diesen an sich lächerlichen Kampf mit Uber stürze, obwohl ich selbst immer öfter lachen muss, wenn ich den Namen höre. Im Taxi- und Mietwagen-, aber auch in jedem anderen Dienstleistungsgewerbe hat man zu kämpfen. Damit, dass nicht alles normal und geregelt ist. Diese Firma – oder zumindest ihr Diplomatiegenie an der Spitze – stuft, was ich und viele Kollegen machen, als überflüssig ein. Weil das ja auch ohne Regeln hobbymäßig für noch weniger Geld erledigt werden könnte. Wie immer an den meist schwammigen und anzweifelbaren Aussagen aus dem Hause Uber ist auch daran zumindest mal so viel richtig, dass man es schlecht als komplett falsch verwerfen kann. Abends an seiner Lieblingsbar die Stammkunden einsacken und heimfahren kann jeder. Seinen Lebensunterhalt mit dem Heimbringen derer zu bestreiten, die in Läden rumliegen, die aus Gründen niemandes Stammkneipen sind, kann halt nicht jeder. Genauso wie beispielsweise nicht jeder in der Lage ist, mir meine Wut über einen unnötigen Internetausfall durch Pfusch an der Hotline zu nehmen und das Problem sachlich und schnell zu lösen.

Normal in der Personenbeförderung jeder Art ist es, auch mal auf Fahrten warten zu müssen. Oder unliebsame, weil schwierige Fahrten für wenig Geld zu machen. Nicht nur, dass niemand einem die nervigen Kunden ewig vom Hals halten kann. Nein, am Ende brauchen wir die auch noch, um unser Geld zusammenzukriegen. Die Belohnung sind dann Fahrten wie diese:

Winker am Mariannenplatz (halbwegs normal). Sechs Leute, die zufällig ein Großraumtaxi angetroffen haben (schon eher glücklich). Meine dritte Winkertour in Folge (Wahnsinn!).
Die Größe der Passagiere passte perfekt zu den komplizierten Platzverhältnissen (sehr selten!) und nach etwas Eisbrechen gelang uns eine flüssige Konversation (normal) in englisch (ebenso normal).
Die Familie kam aus Israel (normal), war allerdings hier, weil die Mutter in der letzten Sitzreihe hier in Berlin geboren war (in der Kombination eher selten) und sie nun mal auf den Spuren der Vergangenheit wandeln und entfernte Verwandte besuchen wollten. Die eine Hälfte der Leute war still (normal), der Vater war nach allen vorbereitenden Gesprächen ein geradezu anstrengender Berlin-Enthusiast, der bei jedem Haus wissen wollte, was da drin ist und dauernd schwer zu beantwortende Fragen stellte wie „Wo kann man hier abends noch weggehen?“ (grenzwertig normal). Am Ende kamen wir auf gute 15,80 € Umsatz (normal), alle waren bester Laune (normal), aber die Mutter gab mir keinen Cent Trinkgeld (bei so einer Tour eher selten). Während mich der Vater beim Zusammenklappen der Zusatz-Sitze weiter mit Fragen löcherte (nicht mehr wirklich normal), kam einer der Söhne an und steckte mir die 4,20 € Wechselgeld zu, bei der die Mutter sich offenbar nicht getraut hatte, sie mir zu geben (normal. Quatsch, war so unerwartet natürlich extrem geil!).

Was lernen wir daraus? Nur weil das Wort „normal“ gefühlte hundert Mal in einem Blogeintrag vorkommt, muss der noch lange nicht normal sein. 😉

Anders!

Eine komplizierte Tour war’s nicht. Eine Standard-Fahrt vom Ostbahnhof aus.

Er war ein Mann mit sicher zwei Jahrzehnten mehr Erfahrung in Sachen Rumleben, ich hatte wenigstens bei der Ortskunde ein wenig aufgeholt. Zu seinem Vorschlag fiel mir eine Alternative ein. Nicht, weil sie sich meines Wissens nach preislich irgendwas schenken, sondern weil mir das den Weg über die beschissenen Ampeln beim Kottbusser Tor spart. Als ich meinen Fahrgast fragte, fiel ihm die Route quasi auch von alleine ein. Er vervollständigte sie aus dem Kopf.

Und dann machte ich den Fehler, anzufügen, dass ich nur unsicher wäre, wie die Baustelle momentan die Durchfahrt erlaubt.

Das hat meinen Kunden nämlich ziemlich aus dem Konzept gebracht. Er wollte offenbar lieber wieder seine alte Route, sagte aber nur „hier links“. Womit ich genau von dieser Route auf meine wechselte. Danach verlangte er, ich solle in die Adalbertstraße fahren – was etwas schwierig war, weil jene sich auf der anderen Strecke befand.

„Na das geht jetzt nicht wirklich. Die nächste Abzweigung ist die Manteuffelstraße und da würde ich reinfahren. Und dann – wie ja selbst vorher ergänzt haben – Wiener, Ohlauer, Friedel …“

Nicht laut, aber unerwartet scharf, fiel er mir ins Wort:

„Das habe ich aber explizit anders gesagt!“

Ui. Aber was soll’s? Klappe halten und weiterfahren. An der Stelle gab’s nix sinnvolles zu tun. Jetzt noch anders zu fahren wäre völlig bekloppt gewesen und wer wusste schon, ob das dann am Ende nicht auch wieder anders gewesen wäre. Nicht schön, sowas, kommt aber auch mal vor. Die Ampeln waren uns wohlgesonnen, wir waren in Nullkommanix da und selbst die Baustelle in der Friedelstraße war wie in meiner Erinnerung genau so durchfahrbar.

Und weil Laune nunmal noch wechselhafter ist als die Durchfahrtsregelungen von Baustellen, war es dann der Fahrgast, der die Stille brach und sagte:

„Mensch, da war ihre Route ja nun wirklich die absolut bessere!“

Da werde ich nichts explizit anderes behaupten. 😉

Beliebt in 1,5 Kilometern …

Die Woche startete etwas hakelig bei mir. Nicht nur, dass ich am Donnerstag dachte, es wäre Mittwoch (*hüstel*), und entsprechend nicht aufs Arbeiten vorbereitet war (also launemäßig vor allem 😉 ) und ich gestern in einem langen Gespräch die Zeit etwas vergessen habe, bevor ich los bin: der Start in die Schicht war auch katastrophal: Nur wenige Touren, dafür dann aber auch richtig schön kurz. Dass das am Ende noch gut ausgehen würde hatte ich nicht gedacht.

Jedenfalls hatte ich mich mal wieder zum Ostbahnhof verirrt, was dieses Mal daran lag, dass dort wenige Taxen waren. Sonst wäre ich bereits zum Berghain rübergefahren. Dann geben mir zwei Touris einen Hostel-Namen, den es so nicht gibt, korrigierten sich aber langsam bis hin zu ihrem wirklichen Ziel, das Plus-Hostel, das am Warschauer Platz liegt. Beim ökonomisch sinnvollem Stoppen an der Ecke Stralauer/Warschauer also gerade einmal 5,40 € bis 5,60 € Umsatz. Eine Fahrt von rund anderthalb Kilometern, in diesem Fall sogar ohne auch nur eine Sekunde Wartezeit an einer Ampel. Nun ja, wenigstens schnell wieder frei …

Wie ich es geschafft habe, binnen der paar Sekunden so sympathisch zu sein, dass einer der Beiden 1,40 € Trinkgeld für viel zu wenig hielt und extra nochmal einen Zweier rauszukramen, würde ich allerdings jetzt noch gerne wissen. Denn DEN Trick sollte man sich merken! 😀

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Meinetwegen auch so …

Winker. An einer Stelle, an der ich mir seit Jahren welche verspreche, aber aufgrund der vielen Taxen vor Ort so gut wie nie welche kriege: an der Potsdamer Straße. Ich war schon mit der letzten Tour über mein Umsatzziel rausgeschossen und wollte noch tanken und dann heim.

Eine Truppe junger Männer, die ihre Alkvorräte auf einem Stromkasten abgestellt hatten, waren es. Was es bis zum schlesischen Tor kosten würde, wollten sie wissen.

„Grob geschätzt 15 €.“

„Sagen wir 12 und Du lässt die Uhr aus? Dann können wir das easy teilen …“

20 wäre noch besser, dann braucht’s nicht mal Münzen! Hab ich nicht gesagt. Sondern einfach nur:

„Nö.“

Natürlich wäre das kein schlechter Deal gewesen. Nicht mal mit Uhr. Und lag für mich auch wirklich in die richtige Richtung, alles gut. Aber 4 Leuten, die statt z.B. darüber nachzudenken, dass man mit 4 x 4 € sogar noch ein durchaus übliches Trinkgeld geben könnte, eine Fahrt für 3 € zu ermöglichen – vermutlich der Preis einer ihrer Bierflaschen, von denen auf dem Kasten inklusive leerer Exemplare etwa 7 herumstanden – warum?

Ich sag’s immer wieder: Ausnahmen bestätigen die Regel, aber über diese Ausnahmen entscheide ich.

Die Jungs waren irritiert. Damit hatten sie nicht gerechnet und mussten sich jetzt erst einmal beraten. In diesem Moment kam ein älterer Mann daher, sicher schon 40 Jahre mehr auf dem Buckel als die Jungs. Er fragte, ob er stattdessen das Taxi haben könnte. Da die Jungs sich nicht einmal entscheiden konnten, ob sie sich eventuell mit dem Herrn die Taxikosten teilen, überließen sie mich ihm. Schön, immerhin kein Handeln mehr!

„Wo soll’s hingehen? Zum Alex, hab ich das richtig gehört gerade?“

„Ja, genau.“

„Und wohin da exakt?“

„Ach, is‘ egal, ein paar Meter kann ich ja laufen.“

Er hatte sich dort im ParkInn einquartiert, stellte sich heraus. Ein wenig zusammenhanglos erfuhr ich, dass er eigentlich seit ein paar Jahren am Stadtrand wohnt, jetzt aber dort untergekommen ist. Was auch immer da die Hintergrundgeschichte war – sie hätte mich interessiert. 🙂

Aber allzu weit sollten wir gar nicht kommen. Denn bereits am Molkenmarkt sah er das ParkInn hinter den anderen Häusern aufragen und beschloss, damit am Ziel zu sein. Klar kann man den Weg laufen, aber unter hundert Metern hab ich mir dann doch eine kleinere Strecke vorgestellt. Aber er war überzeugt und ließ mich anhalten. Da er nur noch einen Fünfziger hatte (genau genommen eine ganze Menge von denen), hat er gemeint, ich soll’s „rund“ machen. Nachdem ich nochmal kurz nachgefragt hatte, was er in Anbetracht von 11,00 € Fahrtkosten als rund betrachten würde, durfte ich satte 4 € nebenbei einstreichen.

Nette Fahrt, legal und trotzdem lukrativ. Irgendwie war’s schon ganz gut, dass er sich „vorgedrängelt“ hat. Die Jungs jedenfalls hab ich irgendwie nicht wirklich vermisst. 😉


PS: Noch besser gefallen hat mir allerdings der Typ, der einen wirklich blöden „Verhandler“ absichtlich verdrängt hat.