Osama und Lisa (2)

Hatte sich mein Fahrgast bislang von seiner komischen Seite gezeigt, wurde er langsam dreist. Während er nach seinem Geld fahndete – und dabei den Vorschuss-Fuffi durch einen Zwanni ersetzte – griff er einfach mal nach meinen Bonbons und nahm sich eines. Prinzipiell ein Grund, ihn rauszuschmeißen. Bei sowas bin auch ich empfindlich, außerdem hätte er auf Nachfrage jederzeit eines bekommen. Aber ich hab kurz durchgeatmet und dabei an meinen Blog gedacht. Das ist ein Bonbon allemal wert.

Nun aber wollte er eine Zigarette rauchen. Ich hab ihn zur Vernunft gemahnt und gesagt, dass wir doch ohnehin gleich da wären. Aber er bestand drauf, hier an Ort und Stelle eine Kippe anzumachen. Mit Blick auf die laufende Uhr hab ich das einfach hingenommen und gegrinst. Im Grunde ist das ja leicht verdientes Geld.

In diesem Moment bemerkte ich, dass die Winkerin von vorhin hoffnungsfroh hinter meinem Fahrgast stand und nonverbal um Einlass ins Taxi bettelte. Nachdem ich ein paar sicher unverständliche Grimassen zurückgeschnitten habe, bin ich ausgestiegen, hab mir und ihr auf Nachfrage auch noch eine Zigarette angemacht und ihr erklärt, dass die Fahrt leider erst in 400 Metern und zeitlich in völlig ungewisser Entfernung ein Ende haben würde.

Begeistert davon war sie eher nicht. Aber in Anbetracht ihrer Anwesenheit hab ich mich auch lieber wieder auf die Straße gewünscht, denn natürlich wäre mir mehr nach einer weiteren Fahrt gewesen, als jetzt die paar Meter zum Watergate zu tuckern, die von der Strecke noch übrig waren. Bezahlte Wartezeit hin oder her, im Fahren verdient sich das Geld schneller und angenehmer!

Sie indes witterte eine Chance und belatschte nun meinen Fahrgast über seine Pläne und versuchte ihm, selbige auszureden. Der war völlig verzückt davon, dass ein weibliches Wesen von seiner Existenz Kenntnis genommen hat und ging spontan davon aus, dass sie sich schon ewig kennen. Sie klagte ihr Leid, dass sie von der Arbeit käme und nun kein Taxi finden würde – außerdem müsse sie noch bis nach Erkner …

Bis. Nach. Erkner.

Während inzwischen zwei leere Kollegen an uns vorbeigefahren waren, entwickelte ich langsam diese Art unterschwelliger Panik mit leichtem Anflug von Schnappatmung: Man hat die Tour des Tages in Griffweite, aber irgendwas steht dem im Weg und das muss man loswerden. In meinem Fall war es das glatzköpfige Grinsen, dass sich inzwischen mit meiner neuen Lieblingsfahrgästin in direktem Körperkontakt übte. Mit eingeschränkter Zustimmung bei ihr. Die beiden waren durchaus lustig anzuschauen, aber lange konnte da nicht gut gehen. Ich konnte sie unmöglich zusammen einpacken!

„Aber es sind doch nur 400 Meter …“

jammerte mein Geldbeutel und ich glaube, er hat das sogar laut ausgesprochen.

Ich habe sie dann tatsächlich gemeinsam eingeladen. Auf „gemeinschaftlichen“ Wunsch. Aus den 400 Metern wurden 800, weil Mister Grinsezahn keine Bagger-Zeit vergeuden wollte, sondern lieber sein Geld und sich deswegen einmal um den ganzen „Block“ bis vor die Tür fahren ließ, anstatt wie alle anderen auf der anderen Straßenseite auszusteigen. Die beiden hatten sich bis dato schon längst bekannt gemacht, er natürlich nicht, ohne bei seinem Vornamen Osama auf das denkbar schlechteste Beispiel für diesen Namen aus der jüngeren Geschichte zu verweisen.

Wie fast zu erwarten war, endete diese Episode der Fahrt mit einem Eklat, denn Lisa – so der Name der netten jungen Dame – rief zwischenzeitlich ihren Freund an, was Osama ausgiebig dazu nutzte, ins Telefon zu brüllen, er hätte gerade was mit der Frau am Laufen. Während ich ihm einen Zehner auf den Fahrpreis herausgab (es waren bereits 10,20 € aufgelaufen), kabbelten sich die beiden im Fond unter Einbeziehung allerlei Extremitäten und am Ende des Ganzen stand Osama verdattert vor dem Club, während Lisa sich mit einem lauten „Puh!“ ins Polster der 1925 sinken ließ und mich bat, jetzt schnellstmöglich Erkner anzusteuern.

Und wieder einmal dachte ich:

„Du weißt es doch eigentlich besser: man macht das nicht! Niemals zwei einander Unbekannte ins Auto holen! Niemals! Auch nicht für 400 Meter!“

Naja, eine Fortsetzung folgt noch …

Osama und Lisa (1)

Abend oder Morgen? Die Sonne hatte den Horizont bereits überschritten, aber mir fehlten noch ein paar Euro auf der Uhr, um beruhigt Feierabend machen zu können. Die Frage nach einer angemessenen Tageszeitbeschreibung kam aber gar nicht auf, als mir der junge Mann bedeutete, ich solle einsteigen, um ihn zu fahren. Begrüßt hatte er mich eine Sekunde zuvor mit dem vielsagenden Laut: „Hsslssmmmhah!“ Oder so ähnlich.

Ich war etwa das zehnte Taxi von zwanzig in der Schlange und sonderlich großraumbedürftig sah er nicht aus. Etwas irritiert und überrascht war ich also nicht ganz ohne Grund. Ich musterte den Typen vorsichtig und konnte nicht viel aus ihm herauslesen, außer dass er blau war wie Picassos Periode. Er wollte wohl so um die 30 sein, eher kleinerer Wuchs, aber sportlich. Oberhalb des enganliegenden T-Shirts bestand der Typ aus einem Grinsen mit abenteuerlich großen Zähnen und einer hellbraunen Glatze. Er verfiel umgehend in eine Art Wühltätigkeit, die seine Taschen betraf.

„Wo soll es denn hingehen?“

„Haha, Alter! Keine Ahnung! Feiern!? Ich hab kein Plan. Wo sind wir hier überhaupt?“

„Wir sind am Berghain.“

„Berghain? Oh nee. Hat noch ein anderer Club offen?“

„Sicher, so spät ist es ja nicht. Das Watergate z.B.“

„Watergate. Das is gut! Bringste mich dahin?“

„Klar.“

Während ich startete, förderte sein ständiges Wühlen einen Batzen Fuffis zum Vorschein. Die 6€-Tour mit einem solchen beglichen zu bekommen, stand jetzt nicht unbedingt oben auf meiner Wunschliste, aber es war dennoch angenehm zu sehen, dass der Kerl Kohle hatte. Er selbst jedoch sah das anders und bemängelte den Verlust von viel Geld. Ich entwickelte eine Ahnung davon, wie es dazu kommen konnte, denn er verteilte seinen noch verbleibenden Reichtum, grob geschätzt 500 €, beim weiteren Suchen hemmungslos in meinem Auto. Dass kein Schein aus dem Fenster geweht wurde, war auch alles.

Plötzlich bat er mich an der Eastside-Gallery anzuhalten. Ich blickte etwas mitleidig zu einer potenziellen Winkerin hinüber, befürchtete gar, er würde jetzt auch noch mit Bagger-Versuchen während einer Zwei-Kilometer-Tour anfangen wollen. Andeutungen in die Richtung hatte er davor durchaus durchscheinen lassen. Aber ich hatte Glück. Ich ließ die junge Dame am Straßenrand stehen und hielt mit meinem kuriosen Fang ein paar hundert Meter weiter. Und – das sei erwähnt – lediglich 400 Meter vor dem eigentlichen Ziel.

Fast panisch sprang mein Fahrgast aus dem Wagen, um an seinem Körper und im Auto weiter nach Geld zu suchen. Einen Fuffi legte er mir gleich aufs Armaturenbrett, als Vorschuss quasi.

Fortsetzung folgt …

Eingeschränkt geschäftsfähig

Im Falle eines zumindest noch ansatzweise vorhandenen Gewissens wird man gerade als Taxifahrer auf die Probe gestellt: Mache ich den Quatsch jetzt noch mit und verdiene gut daran oder erkläre ich dem Kunden, dass er dabei ist, eine Eselei sondersgleichen zu begehen? Und die Kollegen brauchen jetzt auch nicht denken:

„Boah, der Sash wieder!“

Natürlich entscheide ich mich auch mal zugunsten meines Geldbeutels. Wenn die Kunden irgendwelche absurden Umwege unbedingt fahren wollen, dann obliegt diese Entscheidung natürlich ihnen. Und mein Geld am Monatsende ist knapp genug, um nicht jeden Töffel davor zu bewahren, mir hier und da einen Euro zu schenken. Gerade mit Betrunkenen im Auto muss man sich die Frage aber durchaus mal gefallen lassen, ob das noch vertretbar war. Auch wenn es vielleicht mal nicht die beste Entscheidung im Sinne des Geschäfts war.

Mein Kunde war ein mäßig durchgeknallter Ami, der mir am Berghain ins Auto gefallen war. Er kramte ganz altmodisch seine Hotelreservierung heraus, nicht etwa einen selbstverfassten und vor Schreibfehlern strotzenden Eintrag in der Notiz-App seines Smartphones. Sollte eine gute Tour werden, sein Hotel lag in der Lietzenburger Straße. Das sind gute 7 bis 8 Kilometer, deutlich über Durchschnitt. Mehr als 15 € auf jeden Fall.
Er fragte dann gleich nach, ob wir hier irgendwo Zigaretten kaufen könnten. Da konnte ich mit gutem Gewissen meine Stammtanke empfehlen, denn die liegt vom Berghain aus ja ums Eck und auf dem Weg auch noch.

Dann allerdings wollte er das mit der Tanke abblasen, er meinte, die würden seine Marke dort sicher nicht verkaufen. Hat mich in dem Moment auch nicht weiter beeindruckt, eigentlich ist das kein Gespräch, das überhaupt seinen Weg in einen Blogeintrag finden müsste. Nun aber überraschte er mich, denn er erklärte mir, dass wir eigentlich nur der Zigaretten wegen zum Hotel fahren. Er würde danach auch gleich wieder zum Berghain mitkommen.

Hin und zurück über eine halbe Stunde Wegstrecke und rund 30 € Kosten für eine Schachtel Zigaretten! Raucher sind Idioten in ihrer Sucht, aber das war doch echt Hirnschwund Kategorie 1. Ich hab ihn nach seiner Marke gefragt, die hat mir allerdings tatsächlich nichts gesagt. Naja, muss ja nichts heißen. Ich hab ihn trotz aller Bedenken („I hope, they understand my english“) zur Tanke gebracht und ihm gesagt, er solle es doch mal versuchen. Bei Kippen sind die recht gut sortiert und dass die mit Amis keine Probleme haben, wußte ich auch. Die hatten jahrelang die ganze Kundschaft der Bar 25 dort, die sind einiges gewöhnt!

Und siehe da: Seine Kippen hatten hier in Deutschland zwar einen anderen Namen und eine andere Farbe, aber die Jungs von der Tanke haben ihm dennoch kompetent helfen können. Und so sind wir am Ende mit 7,80 € auf der Uhr wieder am Berghain gelandet, nach rund 10 Minuten. Und er wusste jetzt, wie er hier an seine Kippen kommt.

Ich will nicht ausschließen, dass ich mich mal anders entscheide. Wirklich nicht. Aber das war schon ok so. Auch fürs Geschäft. Die nächste Fahrt vom Berghain war nämlich ziemlich lohnend.

Araber, Juden und die EM 2012

Oder: „Die Iraner isse besoffen!“

Obwohl ich bei dieser Fußball-EM für mich bisher ungewöhnlich viele Spiele gesehen hab, ist mir das ganze Getue auch dieses Mal wieder auf den Wecker gegangen. Ich unterhalte mich zwar auch als nicht sonderlich fußballinteressierter Mensch mal gerne über ein Ergebnis (ist ja nicht so, dass mich das Wetter – sonst gerne Smalltalk-Thema – rasend begeistern würde!), aber irgendwie hatte man dann doch wie immer das Gefühl, die vorherrschende Logik wäre folgende:

„Ich brülle lauter und beleidige dein Heimatland besser, also gewinnt mein Team – und zwar zurecht!“

Dass nicht einmal die meisten Kollegen irgendeinen Zugang zu meiner Aussage „ist mir eigentlich egal, ob die Deutschen gewinnen“ fanden, versteht sich ja leider fast schon von selbst. Die meisten Leser hingegen werden wissen, dass ich nicht viel von Patriotismus – und noch weniger von Nationalismus – halte. Dass ich Multikulti noch immer nicht für ein Schimpfwort halte, liegt neben vielem anderen auch an meinen Fahrgästen. Viele von euch haben über die Spinner meiner „Alles eins„-Tour gelacht, heute nacht gab es Nachschub.

Erst kurz zuvor hatte ich ein paar Torfköpfe im Auto, die glaubten, dank der EM-Spielberichte aus der BILD könnten sie nun gut informiert über europäische Finanzpolitik reden, da tippelten zwei massige junge Männer mit eher südländischem Aussehen zu meinem Taxi am Ostbahnhof. Ähnlich der Gestalten der oben verlinkten Tour waren sie mir erstmal nicht unbedingt sympathisch, aber das änderte sich schnell. Ich hab klargestellt, dass ich keine Festpreise mache und sie akzeptierten das. Dann jammerten sie zwei- bis dreisprachig über das eben erst beendete EM-Spiel zwischen Spanien und Frankreich. Sie hatten wohl unterschiedliche Wetten plaziert, Heimatstolz trieb offenbar keinen der beiden:

„Ach, sag isch: Hör nicht auf den da hintern! Der ist von Iran!“

„Jaja Mann! Aber den Holzkopf vorne ist Jude!“

„Immer vorsichtig mit Mensche von Iran, sag ich!“

„Geh doch heulen bei wie heißt der? Netanjahu?“

Da hatte ich mir ja gleich das Weltkrisengebiet schlechthin ins Auto gepackt. Super! Im Gegensatz zu ihren oftmals aber doch eher … naja … festgefahrenen Landsleuten nutzten die beiden den ja nicht gerade lächerlichen Konflikt allenfalls zum gegenseitigen Necken. Da könnten sich einige mal ein Scheibchen von abschneiden!

„Alta, bis‘ du morgen Scheißen-England oder Italien?“

„Kein Plan, was wetten?“

„Alta, wirst du so verlieren, weil du morgen England bist!“

„Voll egal, wo ich bin: Deutschland putzt eh weg! Wird Deutschland Aropameister!“

„Haha! Has‘ gehört dem Iraner? Sagt Arabermeister!“

„Hab ich net!“

„Hat gesagt Arabermeister, der alte Araber!“

Daraufhin fingen sie an, die wichtigste Frage all derer zu klären, die bis auf ihre nationale keine sonstige Identität zu haben scheinen: Ob denn „die Araber“ im deutschen Team deutsch seien. Ein Bisschen hatte ich immer noch Sorgen, das könne eklig werden, aber am Ende haben sie sich darauf geeinigt, dass „wer hat Pass und will spiele für Deutschland is Deutsche!“ Und dass sie so wie sie spielen ruhig Arabermeister werden könnten … 😉

Mit der Zeit hatte ich Tränen in den Augen, weil die beiden echt lustig geworden sind. Der Iraner, so wurde mir erzählt, würde nur so dusseliges Deutsch reden, weil er erstmals Alkohol hätte trinken können und der offenbar wirklich aus Israel stammende andere bekam vorgeworfen, dass er ja nun nur für die Italiener sei, weil die wiederum weniger trinken würden als die Engländer, was seit heute – im Namen Allahs! – überhaupt keine gute Idee mehr sei. Oder so.

Die beiden haben einfach eine perfekte Parodie geliefert auf all die unnützen Scharmützel da draußen, auf all die Scheiße, die im Namen von Nationen und Kulturen täglich passiert.

Natürlich, die Welt ist nicht so einfach wie eine Taxifahrt vom Ostbahnhof nach Charlottenburg! Aber verdammt, was würden wir alle gut daran tun, es wenigstens mal auf diesem Weg zu versuchen!

Übertrieben – aber nett.

Betrunken und ehrlich: eine nette Mischung. Wenn es von beidem zuviel ist, kann es aber auch nach hinten losgehen.

Meinen Fahrgast bekam ich am Bahnhof ins Auto gesetzt, es handelte sich um einen stark angetrunkenen Mann, mindestens 10 Jahre älter als ich war er. Dazu bekam ich – offensichtlich von seinem Sohn – noch zwanzig Euro zugesteckt. Die Fahrt ginge zwar bis Grünau, aber den Rest des Geldes würde ich von seinem alten Herrn bekommen.

Na klar!

Der hatte bis dato auch scheinbar alles im Überblick. Er lotste mich zu einer Bank, die ich nicht kannte und zu guter Letzt auch problemlos in seine Straße. Das Navi lief zwar mit, aber gebraucht habe ich es dank ihm nicht. Nun kamen wir zum Bezahlen. Das gestaltete sich etwas schwierig, da der Typ völlig vergessen hatte, dass sein Sohn bereits einen Zwanni Vorschuss geleistet hatte:

„Was krissn?“

„Insgesamt sind wir bei 28,20 €. Dann bekomme ich also 8,20 €.“

„Stimmt so.“

Gereicht hat er mir natürlich 30. Große Versuchung … aber nee:

„Die Zwanzig kriegste zurück, die hat dein Sohn bereits gezahlt.“

„Was hat mein Sohn damit zu tun? Der is nich hier!“

„Ich weiß, aber der hat mir vorher 20 € gegeben.“

„Ich muss dir 20 € geben!“

„Nein, eben nicht. Die sind bezahlt!“

„Ich hab die nicht bezahlt!“

„Ich weiß, aber ihr Sohn. Der hat mir 20 € gegeben, deswegen sind von den 28 jetzt nur noch …“

„Ich hab Dir doch 28 gegeben!“

„Ja, aber das …“

„Ich will ja schon ordenlich zahlen! Da steht 28 und ich zahl 28!“

Sagen wir es mal so: Ich habe uns beiden eine lange Diskussion erspart und gutes Trinkgeld gehabt heute Nacht. Ach ja, und falls der Sohn hier mitlesen sollte: Ich hab’s versucht, aber irgendwann musste ich auch mal weiter. Aber der alte Herr wirkte sehr überzeugt von der Richtigkeit der Rechnung!

Sachliche Unterhaltung

„Nee, mal ganz im Ernst, Meister: Wat denkste dir eigentlich, wenn hier so Typen wie wir einsteigen und dummes Zeug labern?“

„Soll ich ehrlich sein?“

„Ja logo, Meister!“

„Ich denk mir: Cool, wieder was zum Bloggen!“

„Jetz‘ mal im Ernst!“

„Ich mein‘ das ernst! www.gestern-nacht-im-taxi.de!“

„Boah fuck! Jungs, haltet mal die Klappe!“

Herzlich willkommen bei GNIT! 😀

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Ein Jahr weg…

„Kannste mich zum Maria bringen?“

„Klar – also wenn du das Ex-Maria meinst.“

„Ja nee, also das hier, das Maria am…“

„Ostbahnhof!?“

„Genau. Wieso Ex?“

„Naja, das heißt ja nicht mehr Maria. Erst ADS und jetzt hat es glaub ich schon wieder einen neuen Namen, bin mir aber nicht sicher.“

„Scheiße Alter, ich war ein Jahr im Knast! Hab ich nicht mitbekommen!“

Unter seinen leicht fettigen lockigen Haaren sah er mich recht lieb an, ein wenig auf der Suche nach Zustimmung oder dergleichen. Probleme mit Knackis hab ich keine. Ich wüsste auch nicht, wieso ich welche haben sollte.

Im vorliegenden Fall war ich mir nur unsicher, ob ich es mit einem Spinner zu tun hab. Zum einen hat er es tatsächlich mit einem Verkehrsdelikt und dem anschließenden Versemmeln / Verweigern der Sozialstunden in den Knast geschafft, andererseits hat er auf mich nicht ganz auf der Höhe seiner geistigen Schaffenskraft gewirkt. Aber er war ja auch seine Freilassung feiern.

Viel später als für den direkten Weg notwendig kündigte er an, noch eine bestimmte Bank aufsuchen zu wollen. Den Zehner fürs Taxi hatte er zwar locker einstecken, aber ganz für einen sorgenfreien Abend reichte es eben nicht. Schon gar nicht in einem Club. Und er wollte sich immerhin gepflegt einen hinter die Binde kippen, ein bisschen Koksen, vielleicht noch ein Mädel auf einen Drink einladen, bla keks… das Übliche. Nicht billig. Ich weiß, warum ich mein Bier im Supermarkt kaufe, keine anderen Drogen nehme und meine bessere Hälfte vertraglich an mich gebunden habe 😉

Mein Kunde indes freute sich geradezu auf die Bank und erzählte mir stolz, dass er im Bau auch regelmäßig gearbeitet hätte und deswegen jetzt ein paar Euro auf der hohen Kante hätte. Die Vorfreude auf den ersten Abend in Freiheit war ihm wirklich sehr direkt anzumerken. Die bis dato getrunkenen Bier allerdings auch. An der Bank war dann die Frage, was er als Pfand dalassen könnte. Da er weitgehend ohne sinnvolles Gepäck reiste, schlug ich seine Jacke vor. Ich machte ihn allerdings auch darauf aufmerksam, dass ich – auch wenn es nicht erlaubt ist – einen Ausweis dennoch akzeptieren würde. Bekommen habe ich beides. Na gut.

Der Bankbesuch war an sich auch kurz, allerdings kam mein Fahrgast staunend wieder heraus:

„Mensch, die ha’m die janze Bank umjebaut in dit Jahr!“

Ich stelle mir das dazugehörige Gefühl wirklich sehr seltsam vor…

Im Auto angekommen schnappte er sich seinen Ausweis und pfrimelte sich etwas unbeholfen in seine Jacke. Er biss dabei die Lippen aufeinander, ächzte und zerrte, stöhnte und fummelte. Aus Gewohnheit fragte ich einfach:

„Kann ich losfahren?“

Die Uhr lief, es war als nette Geste gedacht.

„Nee! Sach mal, du kannst doch nich…“

„Was? Was ist los?“

„Ey, Alter!!! Ick bin noch nicht anjeschnallt!“

So sehr ich das zu schätzen weiß, so sehr hat es mich bei einem verurteilten Verkehrssünder amüsiert 🙂

Die Fahrt zum Maria verlief dann unspektakulär und ich hab zu den 16,80 € Fahrpreis (ohne Umweg über die Bank vielleicht ein Zehner!) auch lockere 3,20 € Trinkgeld bekommen. Und ihm viel Spaß gewünscht. Auf die ein oder andere Art hatte er das sicher verdient.