„HE HAS A BEARD! OUR CABDRIVER HAS A BEARD! A WONDERFUL BEARD! WHAT DID HE DO TO HIS BEARD TO LOOK THAT GREAT?“
„Sorry, our friend’s into some kind of beard fetish …“
Da wäre ich ja nach der gesungenen Arie auf meinen Bart nie drauf gekommen. 😉
„HE HAS A BEARD! OUR CABDRIVER HAS A BEARD! A WONDERFUL BEARD! WHAT DID HE DO TO HIS BEARD TO LOOK THAT GREAT?“
„Sorry, our friend’s into some kind of beard fetish …“
Da wäre ich ja nach der gesungenen Arie auf meinen Bart nie drauf gekommen. 😉
Mit dem Kunden hatte ich einen echten Glücksgriff gelandet. Er hatte zwar schon einen im Tee, war aber von der seichten alkoholschwangeren Euphorie abgesehen total umgänglich und zurechnungsfähig. Ein netter Fahrgast, der mir freundlich sagte, ich müsse wegen seiner kleinen Straße in einem Außenbezirk nicht das Navi anschmeißen, er würde mir das gerne zeigen, wenn ich wisse, wie ich bis zum nächstgrößeren Platz kommen würde – was nun wirklich kein Problem war. Eine vergleichsweise lange Fahrt über 25 €, mit absehbar gutem Trinkgeld und ohne Stress. Nur eines noch:
„Wenn wir dann am Bahnhof sind, lässt mich kurz noch Bier holen. Hab zwar’n Späti ums Eck, aber der ist viel teurer …“
Wie bei dem Auftakt nicht anders zu erwarten verlief auch der Zwischenstopp problemlos. Er ließ mir Jacke und Ausweis als Pfand da und kam nach kaum zwei Minuten wieder, anbei eine Tüte mit fünf Bier. Ach, wie schade es sei, dass er mir keines anbieten könne, da vorne geht’s übrigens links ab! Nachdem wir angekommen waren, gab es amtliche drei Euro Trinkgeld für mich, eine bessere Tour hatte ich weder davor noch danach.
Und dann stand er da an der Ecke und winkte mir noch zu. In dem Moment riss seine Tüte und keine einzige Flasche überlebte den Aufprall auf dem Asphalt. Während ich ihn noch bedauere, zuckt er mit den Schultern und stapfte los zum ach so teuren Späti, während mir schon der nächste Kunde ins Auto sprang. Als ich den Späti passierte und sah, dass er bereits zu hatte, hätte ich am liebsten umgedreht. Aber erklär das mal zahlender Kundschaft, die nur wortkarg einen Straßennamen eingeworfen und sich fortan dem Handy gewidmet hat …
An sich hab ich den Schlenker über die Frankfurter Allee ja nur gemacht, um vielleicht noch Winker zu finden. Was ich stattdessen sah, hab ich besser mal ignoriert. Da hatte zwar jemand die Hand auf die Straße gestreckt, allerdings hielt er gar nicht nach Taxen Ausschau, sondern schwankte einfach in Fahrtrichtung vor mir her. Als ich neben ihm an einer Ampel halten musste, stellte sich heraus, dass er das wirklich für winken gehalten hatte, denn er stieg ein. Eigentlich fiel er eher.
„Guten Abend.“
„Sh. Ssse sml ls amlsllalalss …ssss!“
Ich hab mir selbst auf die Schulter geklopft, dafür einen Umweg gefahren zu sein.
Der junge Mann hielt ein Smartphone am Ohr und hauchte hinein:
„cajutoaim? Cajutoooaim!?“
Na dann gib halt her! Ich weiß, die meisten lesen jetzt Bahnhof – und zwar auf vogonisch. Tatsächlich war mir in dem Moment klar: Ich hatte es mit einem Briten (beim Ausüben des inoffiziellen Nationalsports) zu tun, der seinen Kumpel am anderen Ende der Leitung bat, mit mir zu reden. Can you talk to him – so schwierig ist drunken english dann ja auch nicht. 😉
Ich nahm mir das Telefon und der Kumpel am anderen Ende hatte immerhin etwa 2 Promille weniger. Für gänzlich fehlerfreie Kommunikation hat’s nicht gereicht. Er bat mich, seinen Freund zum nächsten Krankenhaus zu bringen. Komische Bitte, aber irgendwie nur so mittel absurd, wenn man sich den Kandidaten mal angeschaut hat. Ich fragte nach, ob es ein bestimmtes oder einfach nur das nächste sein sollte, woraufhin es in der Leitung raschelte und mich eine ernste Stimme eines Dr. XY wissen ließ:
„Die sind im Klinikum am Friedrichshain. Sie warten dort am Eingang zur Rettungsstelle.“
War der Druffi jetzt ein entlaufener Patient? Nicht ganz. Er hat die ganze Fahrt über weiter telefoniert. Die ersten 2 Minuten hat er seinen Kumpels immerzu erklärt, er wäre in 5 Minuten da. Die letzten 2 Minuten hat er hauptsächlich damit verbracht, mich zu fragen, wie lange es dauern würde. Nach ungefähr 30 Nachfragen (Wie gesagt: 2 Minuten!) stellte ich am Tor der Rettungsstelle fest, dass leider kein Arzt wartete. Noch besser: Statt den Spezialpatienten abliefern zu können, hatte ich jetzt noch zwei zusätzliche:
„Could you bring us to our hostel? We, we would give you money!“
Na, mit dem Geschäftsmodell haben sie mich aber überrascht. Und was sollte es schon. Das waren nochmal 5 Minuten und 5 € mehr – und ich hatte mich so langsam dran gewöhnt, bei jeder Rechtskurve den Ellenbogen hochzuhalten, um den Kerl neben mir wieder zurückzuschubsen, weil er ein wenig zum Umkippen neigte. Der Wortführer war auch wirklich noch erträglich betrunken. Der zweite auf der Rückbank klagte indessen über mörderische Kopfschmerzen und der neben mir hatte auf nichts mehr Zugriff, was nicht unmittelbar der Lebenserhaltung diente. Mit der Zeit hab ich mich sogar gefragt, ob ich mir nicht unnötig Sorgen machte und er einfach sogar zum Kotzen zu blau sein könnte.
Ohne größere Verluste haben wir es dann bis zum Hostel geschafft und mit 12,40 € war das Ganze für eine Familienzusammenführung im Krankenhaus mit anschließender Heimreise sogar noch bezahlbar für die Jungs. Der eine, der das noch konnte, entschuldigte sich auch tausendfach und dankte mir in einem fort. Beim Bezahlen preschte er mit einem Zehner voran, legte auch den Zweier gleich obenauf und wollte dann Geld von den beiden Lädierten haben. Mein Beifahrer entzog sich der Zahlung durch einen Sturz auf den Gehweg, dem ich in Gedanken wegen des Torkelns zuvor und der eleganten Landung eine 9,5 in der B-Note gab. Der zweite konnte zwischen seinen Kopfschmerzattacken erst einmal nur ein 10-Cent-Stück rausrücken. Dann nach einigem Gefluche und auf Nachfrage noch ein zweites. Als er ausgestiegen war, konnte er noch ein Drittes entbehren.
Während ich darüber sinnierte, ob das jetzt nicht ein wunderbares Ende für die Fahrt wäre – dass ihnen läppische 10 Cent zum Begleichen der Rechnung fehlen – warf der Nüchterndste dann einfach nochmal einen Zweier hinterher und bat mich abermals um Entschuldigung.
Die werden heute Schmerzen haben, für die ich mir nicht einmal Worte ausdenken könnte. Und ich hab 14 € und bin eigentlich ganz zufrieden. 😀
„Hey, darf ick Dir was sagen?“
„Selbstverständlich. Was ist denn?“
Der Kerl war schon ziemlich hinüber, aber ein lustiger Geselle mit einer für mich gut passenden Fahrt.
„Ich … ich liebe Dich!“
„Oh. Das war jetzt überraschend!“
„Ja, ne? Aba keine Sorge, Meista! Das is‘ nur, weil ick so lange gewartet hab und betrunken bin.“
„Na dann …“
„Ja, siehste, is‘ also alles ok.“
Gut, dass wir darüber mal geredet haben. 🙂
Ich hab’s die letzten Jahre ja gut geschafft, nur selten den Gummiparagraphen 13 der BOKraft in Anspruch zu nehmen, der mir erlaubt, die Beförderung einer Person abzulehnen, „wenn Tatsachen vorliegen, die die Annahme rechtfertigen, daß die zu befördernde Person eine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung des Betriebs oder für die Fahrgäste darstellt“. Ich bin da einige Male deutlich weiter gegangen als ich hätte müssen – und meist waren das auch nicht die Fahrten, bei denen ich’s bereut habe, sie gemacht zu haben. Mal abgesehen von der täglichen Jagd nach mehr Umsatz kann man mir eigentlich in keiner Weise vorwerfen, oft die Beförderung zu verweigern.
Wir sind nach 6 Jahren immer noch bei folgendem Stand:
Einmal habe ich eine Fahrt abgelehnt, weil der betreffende Fahrgast sowohl gekotzt hat als auch am Randalieren und Beleidigen war (ich finde aber den Eintrag nicht mehr)
und
einmal hab ich jemanden rausgeschmissen, der mir unterwegs gesagt hat, dass er eh nicht den vollen Fahrpreis zahlen kann, geschweige denn will.
Dazu kommen natürlich noch ein paar Winker, die in schwierigen Verkehrssituationen gewunken haben oder mich nicht haben erkennen lassen, ob sie winken oder den Hitlergruß zeigen. Und übersehen hab ich hier und da vielleicht auch mal jemanden, soll ja vorkommen. Das im Grunde war auch heute Nacht so. Ich fuhr einem Kollegen mit angeschalteter Fackel hinterher und hab entsprechend wenig auf die Umgebung geachtet. Die Chance, dass man als zweiter rangewunken wird, ist einfach so viel geringer, da richtet man die Augen doch eher auf die Straße. Vor allem heute Nacht, zu dem Zeitpunkt, als das Schneegestöber gegen 0.30 Uhr angefangen hat, in Berlin am dichtesten zu sein. Nun hat aber ein junger Mann offenbar gewunken. An einer Haltestelle. Links, andere Straßenseite. Ich hab das wie gesagt nicht gesehen, aber da er dann etwas rief, hab ich ihn schnell ausfindig gemacht. War auch kein Problem, denn ich und der Kollege vor mir standen inzwischen an einer Ampel, nur vielleicht 10 Meter hinter der Haltestelle.
Nachdem ich ein deutliches Winken wahrgenommen habe, wollte ich schon wenden, hab aber noch kurz eine Sekunde abgewartet, ob der Kollege reagiert. Hey, er war vor mir, so fair darf man ja mal sein!
Als ich dann das Lenkrad einschlagen wollte und den Kunden bereits anvisierte, war der schon eine Spur weiter gegangen bei der Verarbeitung der Szene: Er beklatschte uns arrogant mit den Worten „Habter toll jemacht, janz toll!“, um dann sofort auf ein höllenlautes „FUCK YOU! FUCK YOU ALL!“ umzusteigen.
Was blieb mir anderes übrig, als zur Kenntnis zu nehmen, dass der potenzielle Fahrgast offenbar doch kein Taxi wollte …
„Und? Party vorbei für heute?“
„Hör mir auf! Ich bin fertig! Das erste Mal seit 15 Jahren wieder Pogo getanzt und nach 20 Minuten gemerkt, dass das richtig anstrengend ist …“
Würde mir vermutlich ähnlich gehen. 🙂
Der Fahrgast war auf einem Death-Metal-Konzert. Nicht meine Richtung. Aber Pogo, Sentimentalität und eine meiner Lieblingsbands kriege ich gerade auch noch so zusammen. Deswegen hier: Dritte Wahl und „Zeit bleib stehen!“
(Spoiler-Alarm: Punk-Rock)
Ich bin immer nett zu meinen Fahrgästen und hab kein Problem mit ihren für mich mitunter unlohnenden Beförderungswünschen, das wisst ihr. Ich hab in der letzten Woche gleich zweimal nach einer Wartezeit von mehr als einer Stunde eine Tour vom Ostbahnhof zum Berghain gemacht und keiner der Kunden hat auch nur mitbekommen, dass er damit meinen Stundenlohn auf einskommairgendwas gesenkt hat für die Zeit.
Aber ich muss dann doch mal meckern: Wieso eigentlich wird man ständig belogen oder mit falschen Versprechungen geködert?
Mir ist schon klar, dass Leute ihr Geld auch für andere Dinge als fürs Taxi ausgeben müssen, aber wieso zahlen 50% der Leute, die „leider leider nur noch einen Zehner“ haben, ihre Fahrt mit einem Zwanziger? Und wieso kriegt man das schlechteste Trinkgeld von Leuten, die besonders viel versprechen?
Andere und miese Kollegen hin oder her: ICH fahre die Leute ja und ich stelle gar keine Ansprüche oder versuche den Eindruck zu erwecken, dass ich das tun würde. Ich freue mich über ein gutes Trinkgeld, natürlich, aber man braucht mich nicht überreden. Und wenn man schon der Meinung ist, es tun zu müssen: Warum hält man sich dann nicht an die eigenen Versprechen?
Kommen wir zum Grund dieses Eintrages. Ich wurde in Neukölln herangewunken. Nun stieg die begeisterte junge Dame aber nicht etwa einfach ein, sondern sagte mir:
„I’m sooo sorry! My friend is very drunk, but would you pleeaaaase take her? I’ll pay you a little extra!“
Und ihre Freundin wurde mir ins Auto gesetzt. Also sie wurde getragen. Völlig hinüber dank in der Bar großzügig verschenkter Jägermeister. Die restliche Fahrt über haben sich die Mitreisenden über ihr Gesicht amüsiert und sich überlegt, was sie machen würden, sollte die junge Frau sterben. Jaja, alles ironisch. Und kotzen würde sie selbstverständlich auch nicht. Da sind sich die Begleiter ja irgendwie immer sehr sicher.
Aber ja, wir hatten Minusgrade, unser Opfer saß zuvor an einer Hausmauer und außerdem ist es mein Job. Natürlich hab ich’s riskiert. Ich hätte ablehnen können, aber man ist ja kein Unmensch. An „a little extra“ hab ich dabei nicht mal gedacht.
Die Fahrt ging nach Friedrichshain und die Mitreisenden hatten die Dame wirklich gut im Griff. Sie hatte den Kopf in einer Tüte und im Schoß einer Freundin. So gesehen war durchaus für etwas Sicherheit gesorgt. Für mich war’s natürlich trotzdem ein ständiges Angespanntsein, man weiß ja nie, ob man nicht plötzlich reagieren muss. Betrunkene machen ja gerne auch mal dumme Dinge wie z.B. vorhandene Tüten wegschmeißen und dann erst losreihern.
Aber gut, die 12 Minuten Stress, die die Fahrt brachte, hab ich mit einem Lächeln weggerockt. Nebenbei bin ich schön sanft und gemütlich um die Kurven, alles ganz im Sinne der Kundschaft. Die Uhr stand am Ende bei besonders Extra-unfreundlichen 15,00 €, natürlich. Gereicht wurden mir dann von der „so lucky“-Lady 15,50 €. Mit dem Hinweis, ich wäre ihr rettender Engel gewesen. Und nicht nur das: Dass ihr Extra wirklich sehr little war (das durchschnittliche Trinkgeld bei so einer Tour liegt eher bei 1,50 bis 2,00 €) hat sie auch erkannt:
„Sorry it’s only 50 cent. But there is more in your car!“
Aha. Nochmal 50 Cent. Die ich mir aus dem Fußraum kratzen durfte. Ich hab fast ein bisschen Schadenfreude empfunden, als die angeschlagende Kandidatin neben meinem Taxi ihrem Begleiter auf den Pulli gekotzt hat … 😉
PS:
Ich weiß, dass das jetzt so klingt, als fände ich einen Euro zu wenig Trinkgeld. Das ist nicht so. Ich krieg haufenweise Trinkgeld in der Höhe, auch bei kürzeren oder längeren Fahrten. Und es ist besser als nichts und ich freue mich entsprechend über alles. Wären sie einfach nur eingestiegen und hätten so bezahlt, hätte ich allenfalls einen Artikel über das Auf-den-Pulli-Kotzen geschrieben. Ich mag wirklich dieses Lügen nicht, schon alleine weil es auch ein bisschen arrogant wirkt: Wir versprechen einfach so ’nem Taxifahrer mal irgendwas, ist ja am Ende egal …
Ich lass mir dadurch sicher nicht insgesamt die Laune verderben – aber Spaß machen solche Touren dann halt auch nicht wirklich.