Überraschende Anfragen

Ich saß am Bahnhof im Auto. Gut, ich hab bei Twitter gelesen, aber die Fackel war an.

„Entschuldigung, eine Frage …“

„Ja?“

„Können wir mitfahren?“

Ich weiß, dass es fies wirkt, sowas lustig zu finden. Aber was bitte hätte ich außer „Ja“ antworten sollen? Also mal abgesehen von der kleinen Wahrscheinlichkeit, dass ich bestellt war und vergessen hab, die Fackel auszumachen, gerne zufällig am Freitagabend am Bahnhof rumlungere oder beschlossen habe, dass ich gerne wildfremde Leute erschrecke, indem ich so tue, als sei ich Taxifahrer, in Wirklichkeit aber ein Scare-Prank-Youtuber bin?

Als ob die Frage, ob ich frei bin, schon an Absurdität eingebüßt hätte. Und selbst für die hatte ich vor Jahren schon haufenweise Ersatzkandidaten!

Aber bleiben wir bei der Wahrheit: Kaum, dass ich die Frage schnippisch bejaht hatte, fand sich bereits ein Mitreisender, der sich deswegen kaputt gelacht hat. 😉

11 Kommentare bis “Überraschende Anfragen”

  1. Lucie Höflich sagt:

    Was hättest Du als Fahrgast gesagt?

  2. K: „Können wir mitfahren?“
    GGA: „Heute ist Selbstfahrer. Ich sitz dann auf dem Rücksitz, und Sie bezahlen mich dafür, dass ich die Einhaltung der Verkehrsregeln überwache…“
    😉

    Nein, ich rede auch lieber ein wenig sinnbefreit als völlig mürrisch durch die Landschaft zu rennen. „Sind Sie grad frei?“ könnte zur Ansprache eines Taxlers von mir ebenso kommen wie „Würden Sie mich nach XY fahren?“… Es gab mal so einen Spruch: Höflichkeit ist der Schmierstoff der Gesellschaft. In Zeiten der gesellschaftlich um sich greifenden Ellenbogen-Mentalität freue ich mich immer über ein „Bitte“, „Danke“, „Auf wiedersehen“ … und so.

  3. Dennis sagt:

    Nun, mich erinnert das sofort an eine Begebenheit von letztem Winter, die ich als Taxifahrgast erlebt habe.
    Ort des Geschehens: S-Bahnhof eines Berliner Vororts. Ich komme spätabends mit der Bahn an, der letzte Bus ist schon weg, also will ich mir für die 4 km bis nach Hause ein Taxi nehmen. Am Taxistand steht tatsächlich 1 Taxi mit leuchtender Fackel, juhu. Ich gehe also auf das Auto zu, nehme dabei mit den Augenwinkeln wahr, dass gerade ein zweites Taxi auf den Stand abbiegt. Und just als ich die Tür von Taxi1 öffnen will, macht es klack – der Fahrer hat die Türen von innen verriegelt! Ich versuche sie irritiert zu öffnen, erfolglos. Der Fahrer macht mir kopfschüttelnd und rumfuchtelnd klar, dass ich nicht einsteigen darf, warum auch immer. Nichtmal die Scheibe hat er runtergelassen.
    Also bin ich zu Taxi2 und hab dessen Fahrer tatsächlich erstmal gefragt, ob er frei ist. Dabei dachte ich sofort an GNIT und dass man diese Frage eigentlich nicht stellt – aber was sollte ich sonst machen? Jedenfalls hat Taxi2 mich problemlos mitgenommen und sich mit mir über das Verhalten des Kollegen gewundert.
    Wenn also die Leute aus dem Blogeintrag vor kurzem ein ähnliches Erlebnis hatten, kann ich sie durchaus verstehen.
    P. S. Ich war nicht betrunken und sehe sonst nicht wirklich gefährlich aus (meine ich jedenfalls)…

  4. tina sagt:

    Ich denke das ist einfach der Höflichkeits-Konjunktiv. So wie „Könnten Sie mir bitte ein Bier bringen?“ in der Bar. Da erwartet ja auch niemand ernsthaft, daß der Kellner mit „nein“ antwortet. 😉

  5. Rosa sagt:

    Mal aus Kundensicht: Bevor ich angefangen habe, hier zu lesen, war mir das mit der Fackel als Zeichen für frei nicht so wirklich bewusst. Du könntest ja auch bestellt sein und auf einen bestimmten Kunden warten.

  6. Sash sagt:

    @Lucie Höflich:
    Ich halte es gerne mit „Hallo, würden Sie mich (bitte) nach XY fahren?“

    @gedankenknick:
    Sehe ich auch so. Und ich denke, die meisten haben gemerkt, dass ich das jetzt ja auch nicht irgendwie als schlimm erachte. 😉

    @Dennis:
    Die Frage ist darüber hinaus ja auch so gängig, dass es eigentlich eher ein übertrieben intellektuelles Gedankenspiel unter Taxifahrern ist, warum das eigentlich komisch ist, „sind sie frei?“ zu fragen. Aber wie man sieht: Manchmal gibt es sogar Sinn.

    @tina:
    Schon. Aber sagt man davor, dass man mal eine Frage hätte? 😉

    @Rosa:
    Natürlich. Nach wie vor ist das immer eine Option, das sehe ich ja ein. 🙂

  7. Benny sagt:

    Ich frage wenn ich taxi fahre „sind sie frei?“, weil ich würde es komisch finden, einfach einzusteigen 😀

  8. Kalle sagt:

    Ich benutze stets das Wort “ Meister“ Ungefähr so: „Tach, Meister, bring mir mal nach Biesdorf.“
    Da fühlt sich jeder würdig angesprochen.

  9. Roichi sagt:

    @ Kalle

    Ich vermute in Hamburg wirst du nur merkwürdig angesehen, genauso in München.
    Oder sehr freudig, in Betracht des Umsatzes, wenn du einen zugezogenen erwischst.

  10. aponette sagt:

    Das ist so absurd, wie die Frage, die ich bisher in JEDEM!! Notdienst in der Apotheke mindestens einmal am Telefon habe. Nachts um halb drei, Telefon klingelt, ich gehe ran, Frage vom Anrufer: haben Sie Notdienst?
    Nein, ich lebe in der Apotheke und liebe es um diese Uhrzeit angerufen zu werden….

  11. Klaus Trophobie sagt:

    Ich kann so unsinnige Fragen auch nicht brauchen. Jetzt kann ich es bei meiner Arbeit verstehen das die Leute fragen ob ich Zeit hab wenn ich gerade am PC sitze, das gute Stück dient ja auch als Werkzeug nicht nur zum Zeitvertreib. Aber eigentlich ist sie unnötig. Ich bin auf Arbeit um mich um deren Anliegen zu kümmern. Ob das jetzt sofort oder in ner halben Stunde ist eigentlich unerheblich.

    Was ich nicht verstehe sind Leute bei einer elektronischen Kleinanzeige (die schon mehrere Tage online ist) fragen ob der Artikel den noch vorhanden sei. Ist zwar nicht ganz aus der Luft gegriffen, eventuell war jemand anders schneller und nur vergessen die Anzeige offline zu nehmen. Aber eine Nachricht die nur aus dieser Frage besteht?
    Bei mir lauten so Anfragen in der Regel: „Guten Tag. Habe Interesse an dem Angebot, kann ich mir das Teil mal anschauen? Samstag würde bei mir gut passen.“ Höflichkeitsfloskel, konkret gefragt und gleich ein Vorschlag um einen Termin zu finden.

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