Kriminelle Straftaten gehören verboten!

Die Fahrt war sehr kurz. Eigentlich umfasste sie ziemlich genau einen Kilometer, es ging nämlich vom Ostbahnhof zum A&O-Hostel in der Köpenicker. Der Fahrgast war schon im Rentenalter und berichtete umgehend, dass er bereits das vierunddreißigste Mal in Berlin sei. Eine schöne Stadt, Gott sei dank nicht mehr geteilt, er käme immer wieder gerne her.

Nur das mit den Straftaten. Also nicht jetzt in Berlin, wobei: da natürlich auch. Ja, es gebe, so wusste er offenbar aus verlässlicher Quelle zu berichten, Menschen, die Straftaten begingen. Und das fände er nicht gut. Wirklich nicht gut. Sowas müsse man verbieten, das wäre nicht gut für eine Gesellschaft. Es könne ja schließlich nicht angehen, dass Kriminelle Straftaten begehen.

Und das hat er ohne Anflug von Ironie so gesagt.

Viel Zeit zum Sprechen hatten wir bei der Fahrt natürlich nicht, aber er hat sich wirklich nicht über bestimmte Straftaten echauffiert, oder wie so viele vermeintlich zu lasche Gesetze kritisiert. Die Welt ist ja voll von Leuten, die das mit dem Rechtsstaat nur solange ok finden, wie sie eine Straftat auch irgendwie vertretbar finden:

„Aber bei XY ist dann spätestens Zeit für grausame Selbstjustiz!“

Nicht so der Alte. Der sinnierte ernstlich vor sich hin, dass „Straftaten“ „endlich verboten gehören“.

Mein erster Gedanke war natürlich:

„Na, was meinste, wie happy Du den machen kannst, wenn Du ihm von der Neuerung berichtest, dass kürzlich alle Straftaten verboten wurden!“

Dann aber hat sich mein Verstand eingeschaltet und mir leise zugeflüstert:

„Sag nix, Du willst nicht ernsthaft wissen, was dieser Kauz für eine krude Vorstellung davon hat, was „Straftaten“ genau sind!“

Ich vermute, damit bin ich besser gefahren.

11 Kommentare bis “Kriminelle Straftaten gehören verboten!”

  1. Hannes sagt:

    Allein schon wegen solcher Fahrgäste solltest Du das Taxifahren nie aufgeben!
    Soll ja sehr gesund sein, wenn man schon am Morgen lacht.

  2. Roichi sagt:

    Sich ständig an die Stirn zu fassen, führt auch irgendwann zu Abnutzungserscheinungen.
    Guck dir Cpt. Picard an.

  3. Joe sagt:

    Das sind doch die Tage, an denen ich abends mir einem Schmunzeln nach Hause komme.

  4. Cliff sagt:

    ceterum censeo cannabis esse legalisendam

    Hätten wir gleich ein paar Straftaten weniger …

  5. Sash sagt:

    @Hannes:
    Naja, es hatte zugegebenermaßen auch etwas gruseliges …

    @Cliff:
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht mehr allzu lang dauert. Ist inzwischen ja beileibe kein Nischenthema mehr.

  6. Cliff sagt:

    @Sash

    > bin mir ziemlich sicher, dass das nicht mehr allzu lang dauert

    Ja, das war ich mir ich mir 1994 auch. Aber lass dir deinen Optimismus nicht rauben, davon lebt der Mensch nämlich letztendlich.

  7. Sash sagt:

    @Cliff:
    1994 war es in den USA noch nicht teilweise legalisiert und keiner aus der CDU hätte sich getraut, auch nur hinter den eigenen Vorhängen über sowas nachzudenken. Ich wünschte mir auch, Fortschritt wäre etwas schneller, aber es ist nun wirklich nicht so, dass sich in den letzten 20 Jahren nichts getan hätte diesbezüglich.

  8. Cliff McLane sagt:

    @Sash, eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass eine deutsche Bundesregierung Cannabis legalisiert. Unsere Gesetzesmacher können nämlich nur eins: Für Privatpersonen immer mehr verbieten. (Für Großkonzerne läuft das natürlich in die andere Richtung, da wird immer mehr zugelassen und „liberalisiert“.) Aber du meinst doch nicht ernsthaft, dass eine Regierung sich trauen wird zu sagen, „Okay, das Gesetz war scheiße, darum heben wir es auf.“ Was sollen die denen sagen, die wegen dieses Gesetzes unschuldig im Knast gelandet sind?

    In den USA trauen die sich das aus genau diesem Grund auch nicht auf Bundesebene. Aber die einzelnen Staaten sind viel souveräner in ihren Gesetzgebungsbefugnissen als hier. Es wäre in D zwar denkbar, dass ein einzelnes Bundesland vorprescht und die „geringfügige Menge“, die nicht strafverfolgt wird, so hoch ansetzt, dass es de facto einer Legalisierung gleichkäme; aber welche derzeitige Landesregierung hältst du für mutig genug, so einen Schritt zu wagen?

    Und dabei hätte Brandenburg so schöne sandige Böden, genau das Richtige, um hektarweise Hanfplanzen anzubauen …

  9. Andy sagt:

    Stell Dir vor Du hättest noch versucht dem zu erklären das manche Straftäter echte Verbrecher sind und manche nur eine Vergehen begehen oder so…

  10. Andy sagt:

    Ich bin übrigens gegen eine Cannabislegalisierung. Das Ganze BtmG gehört abgeschafft, mindestens reformiert. Halbe Sachen und Klientel Politik wie Cannabisfreigabe unter Beibehaltung der restlichen Verbote verschiebt das Problem nur ein paar Meter.

  11. Cliff McLane sagt:

    @Andy, im Prinzip stimme ich dir zu, aber potenziell tödliche Drogen, also Stoffe mit geringer therapeutischer Bandbreite und hohem Abhängigkeitspotenzial, wie Heroin und Konsorten, gehören trotzdem nicht auf einen freien Markt. Es würde aber reichen, wenn man sie dem Arzneimittelgesetz unterstellt. Dann könnte das BtmG ersatzlos weg.

    Bei Amphetaminen bin ich uneins mit mir selber. Das ist so eine breite Gruppe von Chemikalien, dass man sie nicht ausnahmslos rausnehmen sollte aus dem Verbot. Es gibt z.B. keine bekannten MDMA-Toten, also durch Ecstasy, auch nicht direkt durch Methylamphetamin (Meth bzw. Speed), aber die psychischen Nebenwirkungen sind deutlich gravierender als bei Cannabis. Aus meiner Zeit als Barkeeper bzw. DJ weiß ich, dass die Speedler deutlich aggressiver sind als die Kiffer und die Besoffenen, was eben an der Wirkungsweise der Droge liegt, aber drehst du ein Molekül und baust ein anderes Atom ran hast du MDMA, und everything is love and peace and happiness. Ich weiß nicht, ob man Drogen erlauben sollte, die derart massiv in die Hirnchemie eingreifen. Vielleicht ab 21, das könnte ich mir als Lösung vorstellen.

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