Sommertrinkgeld 1

Die vergangene Woche war heiß. Da gab’s dann auch mal Trinkgeld im überwörtlichen Sinne. Sehr schön – wobei? Ich hab’s noch nicht probiert! – war das hier:

Polnisches Apfelbier – öfter mal was neues … Quelle: Sash

Öfter mal was neues … Quelle: Sash

Polnisches Apfelbier ist das. Wurde mir regelrecht aufgenötigt von ein paar Kerlen, die mich anschließend dreimal ermahnten, es nicht während der Arbeit zu trinken. Das gab es im Übrigen zusätzlich zu einem Euro Trinkgeld auf eine läppische Kurzstrecke. Sehr schön, sowas. Seit dem Fototermin eben liegt die Dose im Kühlschrank. Ich bin wirklich gespannt. 🙂

Ich und die Verkehrsregeln …

„KENNEN SIE DIE VERKEHRSREGELN!?“

plärrt mich eine alte Frau an, während ich mit dem Taxi an einer Tankstelle stehe und gerade einen Teil meiner Kundschaft entladen habe.

„KENNEN SIE DIE VERKEHRSREGELN!?“

wiederholt sie ihre Frage, ohne dass mir mehr als ein dümmlicher Blick als Antwort einfällt.

„SIE HABEN MICH EBEN FAST UMGEFAHREN! EINE FRECHHEIT! LAUT VERKEHRSREGELN HÄTTE ICH ALS FUSSGÄNGERIN VORFAHRT GEHABT, ALSO SOWAS GIBT’S JA WOHL NICHT, UNGLAUBLICH!“

Also mal abgesehen vom rüden Tonfall (die zwei Kinder im Auto haben schon ängstlich geguckt) bin ich da schon nachdenklich geworden. Wie leicht übersieht man mal was … zudem war es dunkel, die Straße war regennass, habe ich etwa wirklich …?

„Ach, die kenn‘ ich …“,

meint eine meiner Kundinnen.

„Die sitzt immer da vorne und trinkt und pöbelt Leute an. Und nein, ich hab sie auch nicht gesehen.“

Also war hier vermutlich nicht ich der Irre auf der Straße. Puh.

Der kurze Sommer, die Bahn und Arschlochkollegen

OK, ob der Sommer nun wirklich vorbei ist … es darf bezweifelt werden. 🙂

Vorbei aber ist zumindest diese erste wirklich sehr warme Woche. Ich denke, irgendwie beeinflusst hat sie uns alle, und da mache ich als Taxifahrer halt auch keine Ausnahme. Die ganz lockeren Kollegen haben mir am Stand erzählt, dass sie extra früh losgefahren sind, weil es im Auto sowieso kühler als zu Hause war. An der Logik ist freilich was dran. Klimaanlage olé!

Ich wiederum bin einfach kein Freund des allzu heißen Wetters. Ich schlaf dann (tagsüber!) nicht so gut, bin eher knautschig und lethargisch und hab zudem ja eh kaum Bock, vor Sonnenuntergang loszufahren. Das macht so ein Wetter natürlich nicht einfach. Aber für meine Verhältnisse hab ich die vier Tage jetzt gut rangerockt und das gute Geschäft hat da durchaus zu beigetragen.

Heute Nacht dann kam auch hier in Berlin das Gewitter an. Nicht mehr als Supi-Dupi-Unwetter, aber immerhin mit genügend Wind und Regen im Schlepptau, um mal eben die Temperaturen von 30 auf 20°C zu senken. Und alle so: Yeah! \o/

Alle? Nein: Ein paar tausend Reisende waren in/um und in Richtung Hannover gefangen, weil etliche Bahnverbindungen ausfielen. Neben dutzenden Veranstaltungen waren es vor allem die Bahnhöfe, die heute mehr Taxibedarf als üblich hatten. Züge waren verspätet, wurden umgeleitet – manch Reisender wurde gar wieder zurücktransportiert. Eine Goldgrube für uns Taxifahrer, inklusive vieler der beliebten DB-Gutscheine. Aber ach!

Lesen Sie nun einen Rant an manche Berliner „Kollegen“:

Bahnausfälle, liebe Kollegen, sind eine tolle Sache, nicht wahr? Endlich mal nicht nur die kurzen Touren ums Eck, sondern auch mal weite Fahrten ins nähere oder gar sehr ferne Umland. Mal dreistellige Umsätze mit einer Fahrt, endlich! Da sind wir uns einig.

Nicht einig sind wir uns bei der Frage, was das für uns Taxifahrer im Umgang mit Kunden und Kollegen bedeutet.

Selbst wenn 500 Touren zu 500 € an einem Bahnhof vergeben werden, ist es kein gangbares Verhalten, zu Massen die Taxihalten und Privatparkplätze zu belegen, das Auto zu verlassen und im Bahnhof direkt am Bahnschalter die lukrativsten Touren rauszufischen. Ja, wir alle wollen sie gerne bekommen, wir alle verdienen eine Chance darauf, aber Euch Arschlöcher sollte man anzeigen und abschleppen lassen. Jeden Einzelnen, jedes einzelne Mal. Da schreien wir bei jedem Falschparker am Stand Zeter und Mordio, aber wenn’s der eigenen Kasse dient, dann isses schon ok? Und kaum dass die Touren hochpreisig werden, haltet Ihr Euch auch nicht mehr an die Regel, dass Taxifahrer nicht um Kunden buhlen dürfen. Wobei ich wetten würde, dass die meisten gerade von Euch sonst immer die Klappe aufreißen, wenn mal ein Kunde nicht beim Ersten an der Halte einsteigt.
Statt nun aber auch nur einfach hilfsbereit zu sein, den Kunden also tatsächlich Arbeit abzunehmen oder den Andrang besser zu meistern, pickt Ihr Euch auch noch die Rosinen raus und schickt die Leute mit „kurzen“ Touren raus zu den paar ehrlichen Taxifahrern, die dort Slalom um Eure widerrechtlich abgestellten Dreckskisten fahren müssen.
Ihr seid keine Taxifahrer, Ihr seid widerliche, unkollegiale Aasgeier!

Meine Schicht heute war toll. Auch ohne Hannover-Tour. Mir hätte sowas vermutlich gar nicht reingepasst. Aber es gibt eine Menge ehrlicher Kollegen, denen ich sie mehr gegönnt hätte als Euch. Ich werde demnächst mal Bahn und Polizei anschreiben und dann schauen wir mal, wie das in Zukunft so läuft.

Nix zu danken,

Sash

PS: Trotz deutlicher Worte in die Richtung jener „Kollegen“ bin ich eigentlich mehr als zufrieden und gut gelaunt. So Wochen wir diese bräuchten wir öfter, aber gerne mit 5°C weniger. 🙂

Sommer in Berlin

Über den Sommer in Berlin gehen die Meinungen ja stark auseinander. Im Großen und Ganzen sagt man Berlin nach, im Sommer wesentlich schöner zu sein als im Winter – aber zu warm ist es in diesen Tagen dann doch wieder allen. Mir ja auch. Dafür macht das Geschäft etwas, das nur wenige Dinge und Menschen tun, die ich kenne: es brummt. Was wiederrum dazu führt, dass ich mich irgendwie wie Schmelzkäse fühle und neben der Arbeit nur sehr sehr wenig gebacken kriege. Wie Bloggen beispielsweise.

Dabei passiert einiges erwähnenswertes, aber erzähl mal schnell was nettes vor dem Duschen! Und es ist ja immer vor dem Duschen gerade! Habt ein paar Tage Geduld mit mir, ich schätze, dass ich am Wochenende (also mein Wochenende ab Montag) dazu komme, wenigstens nebenbei ein paar Einträge runterzurocken.

Und duscht vorsichtshalber einfach eine Runde für mich mit! 🙂

Die ersten Kurzstrecken zum neuen Tarif

Die Kurzstrecke ist bei der Tarifänderung zum 30.6. ja am meisten in Mitleidenschaft gezogen worden. Während der Kilometerpreis um 21 bis 22 Cent erhöht wurde und der Startpreis um 50 Cent, kostet die Kurzstrecke nun einen satten Euro mehr: 5,00 statt 4,00 €. Dass der Anstieg so heftig war, erklärt sich aber zum Teil auch dadurch, dass die ersten Kilometer nun schon zum zweiten Mal teurer werden, der Kurzstreckenpreis das erste Mal aber nicht erhöht wurde.

Trotzdem:

„Fünf Euro glatt, da kommt ja kein Trinkgeld mehr zusammen!“

Ich fürchte das auch. Andererseits muss ich zugeben, dass ich das auch letztes Mal befürchtet hatte, als die Kurzstrecke von 3,50 € auf 4,00 € angehoben wurde. Davor hatten die meisten mit 4 € bezahlt und es stand zu befürchten, dass da viel umverteilt werden würde. Meine Statistik nach einiger Zeit ergab damals aber eher ein anderes Bild.

Auch heute denke ich wieder:

„Ach fuck, 5 € ist so eine runde Summe, da gibt niemand was drauf!“

Und ja, da gibt es einen kleinen Schein für, ich halte das wieder für ein realistisches Szenario. Andererseits waren die zwei Zwei-Euro-Stücke auch eine Art Marke.

Für eine Statistik ist es freilich zu früh. Ich habe gerademal 1,1 Schichten zum neuen Tarif gefahren, dabei waren genau zwei Kurzstrecken. Das Ergebnis ist dennoch interessant.

Die erste Fahrt verlief getreu der schlimmsten Vermutungen. Ich bekam einen Fünfer gereicht mit dem süffisanten Hinweis, dass das jetzt sicher blöd sei, wo kein extra Trinkgeld mehr dazu kommen würde. Vielen Dank auch für die „aufmunternden“ Worte! -.-

Aber schon bei der zweiten Kurzstrecke eine halbe Stunde später bekam ich glatte 6 € auf die Hand. Vielleicht eine Ausnahme, aber in Anbetracht der letzten Erfahrungen hoffe ich mal auf das Beste …

Extraschichten

Was ich am Taxigewerbe besonders mag, ist die Flexibilität. Man kann (je nach Unternehmen, schon klar), einfach mal relativ stressfrei mehr oder weniger arbeiten. In meinem Falle ist mehr gerade mehr, ich hab mich trotz Buchveröffentlichung gerade in in eine finanziell (sehr!) düstere Situation manövriert und da muss ich raus. Also mehr Arbeit!

Mittwochs arbeite ich eigentlich nicht, aber heute ist dann wohl eine der vielen regelbestätigenden Ausnahmen.

Ein – noch dazu „mein“ – Auto zu organisieren, hat dabei den wenigsten Aufwand gekostet. Ein Anruf, den Rest macht Cheffe schon, sehr angenehm.

Etwas bedauerlich ist, dass zeitgleich mit meinem Entschluss verkündet wurde, dass heute Abend Firmengrillen ist. 🙁

Aber gut, Cola statt Bier zu trinken ist ja nun kein Ding. Und so kann ich die heutige Schicht immerhin mit Steak zum Frühstück starten. Sowas passiert einem wohl wirklich nur als Nachtschichtler. 🙂

 

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.