Problembewusstsein

„Wofann wi’nnin?“

„Wilde Renate.“

„Boahfagg!“

„Ja Benni, ich glaub auch, Du fährst besser heim jetzt.“

Hat der Benni auf Anraten seines Kumpels auch gemacht. Er hat zwar hier und da noch versucht, zurechenbar zu wirken, aber eigentlich war’s ihm recht, dass er vorher Abschied von der Party nahm. Ein bis fünf Drinks zu viel, das passiert in jungen Jahren halt mal. Und wenn die Lösung so nahe liegt, weil man eh im Taxi sitzt …

„Bringste ihn sicher heim, ja?“

„Selbstverständlich.“

Ich wurde für die Tour bis zum Club bezahlt, die drei Partypeople stiegen aus und Benni hing bei mir am Seitenfenster und schnarchte. Als er aufwachte, hatte er die letzten 5 Minuten völlig vergessen und fragte panisch:

„Alla, hamimi Geld dalassn?“

„Nein.“

„Boahfagg!“

„Aber sie haben die Fahrt bis zur Renate bezahlt. Für dich isses nachher noch ein Fünfer oder so.“

„Boahfagg, dangealla!“

Er hat die für ihn sehr günstige Fahrt dann schwankend mit einem ordentlichen Trinkgeld bezahlt und sich noch dreimal bedankt. Dann war die Sache für uns beide gegessen und für ihn war es sicher besser. Mit anderen „Freunden“ endet das ja gerne mal anders.

Natürlich sind nicht alle Fahrten dieser Art und natürlich nehme ich Geld für meine Dienstleistung – aber manchmal isses auch wichtige Hilfe, die man in dem Job leistet, davon bin ich fest überzeugt.

10 Kommentare bis “Problembewusstsein”

  1. Oni sagt:

    In dem Artikel, den du verlinkt hast, endete doch auch alles gut. Da hast du dich wohl vertan, oder? 😉

  2. Sumsehummel sagt:

    @Oni: Sash meinte vermutlich schon die verlinkte Geschichte.
    Im Gegensatz zu dieser Geschichte hier wurde der betrunkene Typ im Link ja von seinen Kumpels
    einfach irgendwo strunzbesoffen hocken/liegen gelassen. 😉

  3. Oni sagt:

    @Sumsehummel
    Stimmt, ich hab die ursprünglichen Kumpels vergessen und nur an die Freunde gedacht, die dann geholfen haben.

  4. Cliff McLane sagt:

    Gratuliere zum ersten Platz bei Google:
    https://www.google.de/#q=Boahfagg

    Fehlt noch ein Wörterbucheintrag:

    Boahfagg [Substantiv, Neutrum oder Maskulinum, gen: -s, pl.: -e]: Unerwartetes, erfreuliches Ereignis oder ebensolche Person. „Was für ein Boahfagg war das denn eben?“ „Was bist du denn für ein cooler Boahfagg?“ Kann auch interjektiv gebraucht werden: „Boahfagg, was war das denn?“

  5. Sash sagt:

    @Oni:
    War so gemeint, wie Sumsehummel geschrieben hat. Aber Du hast recht, am Ende isser gut heimgekommen. Ich hab halt nur wenige Geschichten, bei denen ich die Leute nicht heimbringe. 😉

    @Cliff McLane:
    😀

  6. Chris sagt:

    So etwas wie „Boahfagg“ sagte auch der ansonsten entspannte Taxifahrer bei meiner letzten Fahrt mit einem solchen, als er im letzten Moment sah, dass die Straßenbahn ihm die Vorfahrt nahm.

  7. hrururur sagt:

    Ich seh es schon vor meinem inneren äh Ohr, wie dann ein paar Tax…achnegehthierjagarnicht;)-Germanistikstudenten da beim Sprechen zwischen das O und das A einen Bindestrich setzen und dann noch die Kurve kriegen wollen zur Coolness und den Rest englisch aussprechen. Also etwa so: „Bo-A Fägg“

    Ihr auch?

  8. Sash sagt:

    So langsam wird’s skurril mit dem Wort hier. Euch ist schon bewusst, dass es eine eingedeutscht-suffige Interpretation von „Boah, Fuck!“ sein sollte, oder? 🙂

  9. Cliff McLane sagt:

    Wobei auf Englisch ein „boarfuck“ irgendwie eine wilde Schweinerei…

    Aber lassen wir das.

  10. El Nico sagt:

    Eine herrliche Transkription von betrunkenem Deutsch, ich musste auch bei „hamimi“ stark grinsen. Danke für diesen Lacher! 😀

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