Street Smart

Ich glaube wirklich daran, dass autonome Autos uns dereinst das Fahren ersparen werden. Es wäre fast schon zu absurd, wenn ausgerechnet das nicht passieren sollte. Und bis es so weit ist?

Eine in meinen Augen vorstellbare vorübergehende Zukunftsvision hat einer meiner Lieblingsblogs, „Tree Lobsters“, gestern gebracht:

Street Smart (englisch)

Und wer auch immer gut genug in Englisch ist, sollte „Tree Lobsters“ abonnieren. Ein klasse Blog. Grafisch zwar überwiegend, ähm, nun ja, simpel – aber das gehört zum Konzept und die Themen sind erstklassig!

8 Kommentare bis “Street Smart”

  1. elder taxidriver sagt:

    Getreu meinem Motto.
    ‚Was muss man nicht wissen um noch informiert zu bleiben?‘
    (Frank Lübberding )
    klicke ich eher selten auf empfohlene Links. Hier das ist aber ganz lustig.

  2. Grumpfdalm sagt:

    Ich glaub noch nicht so ganz an den breiten Durchbruch für selbstfahrende Autos – zwar ist die Technik reif dafür, aber die Ethik ist schwierig. Wenn sich ein Unfall nicht mehr vermeiden lässt, wie entscheidet das Auto, wer sterben soll? Die Fußgängerin da drüben oder der Radfahrer? Darf, soll, muss Dein Auto Dich, seinen Besitzer, von der Serpentinenstraße in die Tiefe stürzen, wenn die Bremsen defekt sind und es sonst den ganzen Pulk Radfahrer vor dir rammen würde?

  3. Seppl sagt:

    @Grumpfdalm

    Sehr interessanter, sehr wichtiger Gedanke. Vielen Dank für den Denkanstoß.

  4. Sash sagt:

    @Grumpfdalm:
    Grundsätzlich stimme ich Dir zu: das ist ein unglaublich wichtiger Punkt und das wird nicht leicht zu entscheiden sein. Wobei ich – natürlich gibt es sicher das ein oder andere plausible Beispiel, wo das nicht funktionieren wird – mir vorstellen könnte, dass die Fahrzeuge so passiv fahren, dass ein eigenverschuldeter Unfall quasi ausscheidet. Immer regelkonform langsam, ggf. bei beeinträchtigter Sensorreichweite noch langsamer – eventuell vernetzt mit den Sensoren der nächsten Autos ums Eck, etc. pp.
    Wie gesagt: ich will das Problem nicht kleinreden. Aber wie eine Fülle von Arbeitsunfällen in Branchen aller Art zeigt: dass Menschen aufgrund (zu) dummer Maschinen Schaden erlitten, ist eigentlich kein neues. Am Ende sind es vielleicht vergleichbar simple Regeln á la „im Zweifelsfall immer ein Auto statt ein Fußgänger“ oder ähnliches.
    Verzögern wird das die Technik – völlig zu Recht – sicher eine Weile. Aber was ist an dem Punkt, an dem klar ist: selbst wenn die Maschine einen kapitalen Fehler machen mag: sie ist statistisch immer noch xy% sicherer als ein Mensch am Steuer? Und ich denke, der Zeitpunkt wird kommen.

  5. Grumpfdalm sagt:

    @Sash:
    Die Autos sind schon gegenwärtig defensiver und sicherer unterwegs als fahrende Menschen, wenn man sich zB die Google-Flotte ansieht. Um diesen (rationalen) Vergleich geht es aber gar nicht primär, sondern um das Unbehagen, solche folgenschweren Entscheidungen ohne menschliches Eingreifen treffen zu lassen. Der Vergleich hinkt, aber ähnlich verlaufen ja die Diskussionen um autonome Waffensysteme, wo man immer einen Menschen ganz am Ende sitzen haben möchte, der den Abzug betätigt, egal ob er bessere Daten und Entscheidungsverfahren zur Hand hat als die Algorithmen in der Drohne.

    Und wer haftet letztlich für einen Fehler?

    Denkfutter: http://www.wired.com/2014/05/the-robot-car-of-tomorrow-might-just-be-programmed-to-hit-you/

    Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Jahrzehnten die Autos zumindest semiautonom herumfahren werden, mit einer Eingriffsmöglichkeit für Fahrer*in, die immer weniger genutzt werden wird – und irgendwann rausfällt. Aber die ethischen Fragen auf dem Weg dahin sind höchst spannend.

  6. Cliff McLane sagt:

    And now for something completely different:
    Herzlichen Dank @Sash für den Link zu dem geradezu genialen Baumhummer-Blog; ich habe erst so ungefähr 200 Einträge gelesen und finde den Humor dort einfach köstlich. Steht schon in meinen Favorites.

    Zur Diskussion über Smartcars:
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemals ein Auto gibt, das 100% autark fahren kann. Was ich mir aber vorstellen kann, sind Fahrzeuge, die in einer genau definierten Umgebung autark fahren können, allein durch Bildverarbeitung, ohne dabei auf zusätzliche Infrastruktur angewiesen zu sein. Also etwa so: In der Stadt fahre ich, bis zur Autobahn, dann überlasse ich dem Autopilot das Steuer, per Funk erhalte ich die Meldung „schlechtes Wetter“, übernehme (computerunterstützt) das Steuer wieder, dann freie Bahn, Computer fährt weiter, übernimmt bis die Situation wieder unübersichtlich wird (viele Fußgänger, Radfahrer und so), unterstützt mich aber weiter bis ich mein Ziel erreicht habe.

    In der Luftfahrt geht das doch auch, dass der Autopilot die längste Strecke fliegt, und der Pilot nur dann eingreift, wenn menschliche Interaktion erforderlich ist.

    Nur: In der Luftfahrt sitzen Profis am Steuer. Genauso wie in den Google-Testfahrzeugen. Ich bezweifle, dass man sowas auf die Zivilbevölkerung loslassen kann. Die Vorwarnzeit für „kritische Situation voraus“ beträgt in der Luft immerhin mehrere Minuten, auf der Straße wenige Sekunden. Ich würde es mir nicht zutrauen, aus dem Halbschlaf nach vier Stunden Autobahn-Automatik sofort auf volle Reaktion umzuschalten. Und einem Roboter die Entscheidung über ein Ausweich- oder Bremsmanöver zu überlassen: Sorry, nein. Ich denke, die ganze Diskussion (auch in dem Artikel bei wired.com) ist verfehlt, weil immer davon ausgegangen wird, dass der Insasse des Roboterautos überlebt. Das ist da immer die stillschweigende Annahme; aber was ist, wenn der Roboter entscheidet, dass der geringste Schaden entsteht, wenn er das eigene Auto crasht? Das kann möglicherweise sinnvoll sein, aber die beste Echtzeitbildverarbeitung kann keine Abwägung treffen, ob es sinnvoll ist, die Fahrbahn zu verlassen und in die Wiese zu fahren, mit einer geringen Überlebenschance, oder eine Vollbremsung hinzulegen mit null Überlebenschance, weil Abstand zu gering. (Und keine elektronische Steuerung kann dich davor bewahren, dass „irgendetwas“, z.B. ein schlingernder Anhänger, in deinen Sicherheitsabstand gerät.)

    Kein Roboter kann eine gute Fahrerausbildung ersetzen, und deswegen bin ich auch ein großer Befürworter des deutschen Fahrschul-Systems. Da kann man wenigstens davon ausgehen, dass die Leute, die das absolviert haben, die Grundzüge des Autofahrens beherrschen. Und eigentlich, das muss ich jetzt auch mal sagen, sind viel weniger Idioten auf der Straße, als es den Anschein hat, wenn man sich so Dashcam-Videos auf Youtube anschaut, und Fahrroboter braucht man vielleicht in Kalifornien, aber nicht in Europa.

    @Sash, ich habe da noch einen Buchtipp für dich (und andere, die Englisch können):
    Vanderbilt, Tom: „Traffic – Why we drive the way we do (and what it says about us)“, Penguin Books 2008, ISBN 9780713999327
    Kapitel 9 hat z.B. die sehr erleuchtende Überschrift: „Why you shouldn’t drive with a beer-drinking divorced doctor named Fred on Super Bowl Sunday in a pickup truck in rural Montana“.

  7. Sash sagt:

    @Grumpfdalm:
    Das wird absolut spannend, keine Frage. Und ich freue mich auch sehr auf diese Debatte.

    @Cliff McLane:
    Schön, dass Dir der Blog zusagt. Ich hab ihn auch sehr schnell lieb gewonnen. Ist einfach toller Humor. 🙂
    Zur Diskussion: wie Grumpfdalm schon sagte: in extremen Situationen ist die maschinelle Entscheidung ganz sicher eine schwierige und polarisierende ethische Frage. Das Buch hab ich mir vorerst (allerdings auf deutsch) auf die Wunschliste gepackt und werde es beizeiten mal kaufen.
    Aber bei der Fahrerausbildung stimme ich nicht zu. Zweiffelsohne haben wir Fahrer gute Reflexe, sind gewissermaßen geschult, tatsächlich aber auch wahnsinnig fehleranfällig. Wie oft wurde ein Unfall durch eine falsche Entscheidung beim Gegenlenken verursacht und wie viele Informationen sammelt eine gut ausgestattete Maschine, die uns entgeht?
    Natürlich treffen wir oft geradezu abartig gute Entscheidungen. Aber ich glaube auch, dass vielfach z.B. schon die Notsituation davor vermeidbar gewesen wäre. Und, entsprechend redundante Systeme vorausgesetzt, wer von uns ist schon (wirklich, zu 100,00%!) immer aufmerksam. Auch bei den morgendlichen 2 km leere Landstraße, die wir jeden Tag fahren, wo noch nie jemand anders kam …
    Ich schreib das nicht, weil ich Roboter für besonders toll halte. Aber ich bemühe mich, ein wirklich guter Autofahrer zu sein. Ich gehöre zu denen, die die Lärmschutzwand nach Lücken in 300 Metern abchecken, bevor sie LKW überholen, weil da ja dann windmäßig eine Gefahrensituation entstehen könnte. Aber ich mache Fehler. Jeden Tag, zahllose. Dort einen Menschen am Straßenrand übersehen, hier die rote Ampel vor dem Vordermann nicht registriert. Selten mit gefährlichen Auswirkungen, aber, um ehrlich zu sein: natürlich keinesfalls perfekt. Und gerade in Sachen Aufmerksamkeit schätze ich, dass uns Maschinen vor wirklich vielen Unfällen bewahren könnten.

  8. Cliff McLane sagt:

    > Das Buch hab ich mir vorerst (allerdings auf deutsch) auf die Wunschliste gepackt

    Ist etwas spät und zu lange her, um die andere Diskussion jetzt noch fortzusetzen, aber zum Buch noch kurz: Auf Deutsch? Den Übersetzer beneide ich nicht, weil das auf Englisch so flüssig und humorvoll geschrieben ist, ich stelle mir’s unheimlich schwierig vor, das auch nur annähernd angemessen zu übersetzen.

    Und ja, jetzt doch noch: Ich bin ein großer Freund der Robotik und Informatik, aber ich traue kybernetischen Systemen eben noch nicht alles zu. Und wenn es um ethische Entscheidungen geht, möchte ich im Zweifelsfall dann doch lieber nicht der sein, der den Roboter programmiert hat, sondern der, der die Entscheidung selber getroffen hat. Auch wenn sie im Nachhinein gesehen falsch war. Was bei der Diskussion vergessen wird, ist, dass in vielen Lebenssituationen Zufall und Glück eine entscheidende Rolle spielen. Und man kann einem Computer noch so viel an „fuzzy logic“ und KI einprogrammieren, letztendlich sind Algorithmen immer noch deterministisch. Das, was bei uns warmblütigen Wirbeltieren als Intuition bekannt ist, haben Computer und Reptilien eben nun mal nicht.

    Nur so’n paar Gedanken, um die Diskussion vorläufig zu beenden. Ich würde dir aber, was das Buch angeht, doch nochmal dringend zur englischen Version raten, du wirst dich damit besser amüsieren.

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