Manchmal stimmt’s ja doch …

Egal wohin man kommt: es gibt Lokalpatriotismus. Das ist der kleine Bruder von Patriotismus, der wiederum der etwas weniger dumm dreinblickende Cousin vom Nationalismus ist. Kleine Verwandschaftskunde in einer bekloppten Familie, soweit alles im grünen Bereich. Der Lokalpatriotismus hat – außer vielleicht in Köln und Düsseldorf, wer weiß es schon? – noch nie Tote gefordert, deswegen ist sein Ruf noch nicht völlig ramponiert. Unsinn ist es natürlich trotzdem. Da ist gerade der Straßenverkehr eine gute Messlatte, schließlich gibt es für jedes Unterscheidungszeichen (die Stadt- und Kreiskennung auf dem Nummernschild) eine Latte an abfälligen Backronymen, deren Urheber irgendwo in der näheren Nachbarschaft zu finden sind. Lustige Anfeindungen, weil „die da“ ja nicht Auto fahren können – weiß man ja.

Nun isses nicht so, dass ich etwa meine Vorurteile über Heinersdorf oder den Landkreis LDS bestätigen konnte, weil mir ein vermeintlicher Stellvertreter davon vor’s Auto gelaufen ist. Den Lokalpatriotismus gibt es ja auch im Internet. Da lachen sich die SpOn-Leute ins Fäustchen, weil bei Heise so krude kommentiert wird, die iPhone-User lachen über Android und zwischen Bild und PI rennen die Idioten hin und her, weil sie so schrecklich von Gutmenschen verfolgt werden, dass sie es kaum noch aushalten.

Und zwischen Twitter und Facebook …

Ich denke, ihr wisst es.

Ich bin ja auf beiden Plattformen unterwegs, ihr dürft mir auf beiden folgen (die runden Symbole in der Seitenleiste sind nicht nur irgendwelche Buchstaben-Portraits!) und ich finde das auch eigentlich voll ok. Facebook hab ich nicht ganz so akkurat im Blick, dafür isses im Fall der Fälle besser für eine umfangreichere Kommunikation. Hat ja alles Vor- und Nachteile. Twitter dagegen ist irgendwie wie Liebe. Ich folge da zwar unglaublich vielen Menschen, die wirklich nur Quatsch schreiben (mache ich im übrigen auch überwiegend dort), aber irgendwie kommt mir die (manchmal leicht elitär wirkende) Kommunikation dort doch höherwertig vor. Wahrscheinlich wird auf Twitter noch mehr Unsinn ausgetauscht als sonstwo, allerdings mit deutlich weniger Belanglosigkeiten – zumindest, so man das will. Naja, ist auch alles subjektiv betrachtet, keine Frage.

Nun jedenfalls (das ist schon eine Weile her, Datenschutz und so …) saß einer im Taxi, am Daddeln auf dem Handy, und fragte mich gleich zu Beginn:

„Wieviel kosts’n bis zur Falkenberger, unter 30 wär ok, biste bei Facebook, kannst mich Fritz nennen, hallo!?“

„Falkenberger werden maximal 25, ich bin bei Facebook und hallo Fritz!“

„Was’n dein Name?“

„Sascha.“

„Nee, so ganz. Also bei Facebook!“

Puh, und ich dachte, ich wär manchmal creepy.

Er hat den Namen bekommen, er hat mir eine FA geschickt und kaum, dass ich sie am nächsten Morgen nach der Schicht bestätigt hatte, hatte ich eine DM von ihm. Sinngemäß:

„Allet schnafte, voll cool hier mit dein‘ Blog, like mal meine Seite!“

Also da hab dann nicht mal ich geantwortet.

Zwei Tage später war er nicht mehr mein „Freund“. Herber Verlust, wahrlich. Und nicht gerade ein Aushängeschild für FB …

Leutz, ich freu mich über neue Freunde und auch persönliche Nachfragen! Und danke für die vielen Likes und Kommentare! Ich like auch gern mal eine Page. Aber halt nur, wenn ich sie gut finde und nicht, weil ich deren Ersteller mal für 5 Minuten gesehen hab. Diese Oberflächlichkeiten können wir uns auch sparen, oder? Selbst bei Facebook … ok, ok, ich hör ja schon auf! 😉

10 Kommentare bis “Manchmal stimmt’s ja doch …”

  1. Zero the Hero sagt:

    So ein Aufwand (Accountname notieren, „Freund“schaftsanfrage schicken) nur um ein „like“ zu erbetteln?
    Ist ein „like“ irgendeine mir unbekannte wertvolle Währung (für 3 likes gibts einen Puffbesuch for free) oder irgendwas karmamäßiges (ab 12 likes hat man einen direkten Sitzplatzanspruch zur Rechten Gottes)?

    Ok, ich bin altmodisch. Freunde kennt man, mit denen geht man ein Bier zischen oder im Wald ein Lagerfeuer machen. Deswegen könnte ich mit „Freundesanfragen“ von Wildfremden auf irgendner social media-Plattform auch nichts anfangen.

  2. Ich glaube ich habe es auch nicht mitbekommen…aber likes sind mittlerweile die währung und symbolwert ob du top oder flop bist. Manchmal fuchst es mich auch, dass ich zu wenige davon bekomme . . . Obwohl es echt lächerlich ist.

  3. Rosa sagt:

    Es gibt da zwei Währungen, die eine heißt like und die andere heißt Freunde. Freunde ist mehr wert als like, aber davon kann man nur 5000 sammeln, während das like-Konto nicht begrenzt ist. Da man likes am besten bekommt, wenn man schon likes hat, weil jeder alles liked, was schon viele andere geliked haben, muss man auch früh genug anfangen, likes zu sammeln, damit man schon welche hat, wenn das Freunde-Konto voll ist.

    Ich bin da auch altmodisch und kenne alle meine Freunde auch wirklich.

  4. Sash sagt:

    @Rosa:
    Es kommt halt auch darauf an, wie man social networks nutzt. Tue ich das bloß privat, um mich mit den Leuten zu verabreden, die ich kenne – oder lerne ich so auch andere Menschen kennen?
    Das ist ja letztlich die Hauptfrage. Meine Profile sind halt offen, weil ich das mit dem Schreiben mache und gerne mal Feedback kriege und über dies oder das quatsche. Für sowas sind FB und Twitter halt auch gut. Muss ja nicht jeder so machen. Aber jeden Unbekannten mal eben doof von der Seite anlabern? Das blick ich auch nicht wirklich …

  5. Rena sagt:

    Ich hab mal bei FB bei Dir vorbei geschaut, Sash. Wenn ich mich recht erinnere, kann ich Dir nur eine Freundschaftsanfrage schicken. Dafür kenne ich Dich aber nicht wirklich. Klar lese ich gerne bei Dir. Mir hätte es aber gereicht, bei FB auf Deiner Seite „like“ zu drücken und dann zu sehen, wenn Du was veröffentlichst. Könnte ich dann liken und teilen.

  6. Sash sagt:

    @Rena:
    Es gibt hier an der Seite ->
    oder hier https://www.facebook.com/pages/gestern-nacht-im-taxide/164561680276554
    auch noch eine FB-Seite für GNIT. 🙂

  7. Jens sagt:

    Interessant – mein Vorurteil über Twitter ist genau andersrum: Bei Facebook sondere ich i.d.R. die Sachen ab, bei denen ich wirklich an Reaktionen interessiert bin – immerhin erscheinen die da ja auch für Leute, die u.U. erst Stunden nach mir online gehen. Twitter dagegen ist ein viel flüchtigeres Medium, von daher habe ich da immer das Gefühl, ins Nichts hinaus zu brüllen. Wenn’s nicht genau in dem Moment zufällig einer liest, ist es so gut wie weg. Darum twittere ich auch so selten.

  8. Chris sagt:

    also das ist mir häufiger umgekehrt bei Twitter passiert: Du folgst jemandem und sie schicken Dir ne DM, doch ihre FB-Seite zu liken. ist mir bei der FDP-Politikerin Katja Suding passiert. fand ich unverschämt..

  9. Sash sagt:

    @Jens:
    Klar, Twitter ist schnelllebiger. Das ist wahr.

    @Chris:
    OK … aber wenn Politiker mit Social Media experimentieren, halte ich sowieso lieber einen Peinlichkeitsabstand ein.

  10. Chris sagt:

    ich folge hunderten von Politikern auf Twitter… dafür ist es ja da, dass man seinen Interessen nachgehen kann ;)..

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