Dessauer Straßenkenntnisse

In die Dessauer hätte ich die beiden ja gerne mitgenommen, das wäre gefühlt schon fast außerhalb Berlins und außerdem nicht unweit meiner Heimat hier gewesen. Aber sie haben sich nur als Dessauer Bürger zu erkennen gegeben und wollten von der Boxhagener Straße lediglich zu einem der bekannten Hotels am Alex. Damit blieb die Tour unter 10 €, aber gerade bei Winkern würde ich mich ohnehin nie auch nur ansatzweise über die Streckenlänge beschweren.

Es war ein Pärchen, Ende 30 vielleicht und vermutlich so in etwa der letzte lebende Manta-Witz. Er eher prollig gekleidet, Oberlippenbart und Vokuhila, sie mit knappem Jeans-Röckchen und blonder Dauerwelle allerdings nicht weniger klischeebeladen. Für das Auftreten waren sie aber wirklich angenehme Fahrgäste. Wir fanden schnell ins Gespräch und im Grunde wollten sie sich nur über die Großartigkeit Berlins unterhalten. So ganz ohne eigenes Wissen mussten sie auch gar nicht auskommen, die Einfahrt auf die Karl-Marx-Allee kommentierten sie selbst völlig richtig und ihnen schien vor allem daran gelegen, die Größe der Stadt zu bewundern:

„Na, det is ja nu richtich weit, ne?“

„Sagen wir es so: für Berlin ist es ein recht kurzer Weg.“

„Nu ja, wir fahr’n ja aber nu schon ewich hier lang.“

„Ach, ewig. Insgesamt sind das so um die drei Kilometer.“

„Drei? Das waren doch mindestens schon fünfzehn! Durch Dessau wären wir da schon lange durch!“

Der witzige Nebeneffekt ihrer falschen Einschätzung war, dass sie meine Ortskenntnis für diese wirklich lehrbuchhaft einfache Fahrt so gnadenlos überschätzten, dass ich am Ende ungelogen beklatscht worden bin dafür, dass ich ihr Hotel gefunden hab. Bei nur 4 mal abbiegen!

Dass sie mir mit ziemlich überschwänglicher Geste erlaubten, aus den 8,40 € ganze neun zu machen, hab ich abschließend einfach mal versucht, mit Dessauer Verhältnissen zu erklären. Ich wäre dankbar, wenn mir niemand diese Illusion raubt.

23 Kommentare bis “Dessauer Straßenkenntnisse”

  1. LGMA sagt:

    Applaus kostet in Dessau nen Euro, hab ich gehört …

  2. Jan sagt:

    Als gebürtiger Dessauer, der 19 Jahre seines Lebens dort verbracht hat, kann ich guten Gewissens sagen: Ja, von dieser Sorte laufen dort einige rum. War auch ein Grund dafür, dass ich die „Flucht ergriffen“ habe und viel Raum zwischen mich und Dessau gebracht habe 🙂
    Das Ding ist, in Dessau bist du wirklich schnell durch die Innenstadt. Oder sagen wir es so: Es gibt zwei große Hauptstraßen, die sich kreuzen (B184 und B185). Bei halbwegs grüner Welle brauchst du vielleicht 10 Minuten von einem Stadtende zum anderen. Kein Vergleich zu Berlin 😉

  3. Letzter lebender Manta-Witz 😀
    Herrliche Beschreibung 😉

    Ich dachte diese Gattung ist für immer ausgestorben …

  4. elder taxidriver sagt:

    Nur mal ne Frahre, kost‘ ja nichts:
    Hast Du eigentlich Heino (in allen Darreichungsformen) im Angebot , bei Musikwünschen?
    Mit freundlichen Grüßen..

  5. elder taxidriver sagt:

    70er Jahre, Funkauftrag Philharmonie für Heino: Einer meinte: ‚Da müßt‘ ‚ ich ja meine Mutter schicken‘. Der nächste:
    ‚Erkennste gleich, mit dem Blindenhund der‘.

    Und bei der Gelegenheit:
    Einmal sagte einer über Funk: Hab‘ gerade die Tochter von Harry Belafonte gefahren, ooch war die süß‘. Und dann die Kommentare..Einer fragte: ‚Hat se Dir was vorjesungn?‘ Und dann der nächste: ‚Nee, hat ja ne Banane jegessen‘.

  6. Zero the Hero sagt:

    Für Dessauer Verhältnisse sind 60 Cent viel Geld. Legs an und leb von den Zinsen!

  7. Aro sagt:

    Na ja, die Dessauer Straße war gerade mal bis etwa 1865 außerhalb Berlins und ist mit schätzungsweise 400 Meter vom PoPl entfernt eigentlich recht zentral, oder? Außer natürlich, man sieht die Welt von Marzahn aus 😉

  8. Roichi sagt:

    Also Google spuckt zwei Straßen aus. Wen wundert’s.
    Die sind aber beide nicht annähernd Richtung Marzahn.

  9. Klaus sagt:

    @Aro
    Und ich dachte schon, der Sash ist nach Lankwitz gezogen. 😉

  10. Aro sagt:

    I@Klaus
    Ins Tierheim? Ne, da wohnt er jetzt schon näher dran 🙂

  11. Sash sagt:

    @Jan:
    Ach, eigentlich wollte ich jetzt nicht zwingend auf Dessau einprügeln … 😉

    @Busfahrer & Taxifahrer:
    Bislang ging ich auch davon aus!

    @elder taxidriver:
    Nee, Heino hab ich nicht am Start. Weder live noch auf Konserve 😉

    @Zero the Hero:
    Wo gibt’s dafür nennenswerte Zinsen? Dessauer Kreissparkasse oder was? 😉

    @Aro:
    Aber wenn man die Welt von Marzahn aus sieht, dann gibt es noch eine Dessauer, die bestimmt noch länger außerhalb Berlins lag … 😉

    @Roichi:
    Du schreibst das auch zusammen, stimmt’s? 😉

    @Klaus:
    Ach, i wo! Ihr wärt doch die ersten, die das mitkriegen.

  12. Roichi sagt:

    Da hat mich google dann erwischt, wie es aussieht.
    Kurz vor Ahrensfelde gibt es wohl noch eine Dritte Straße mit dem Namen.
    Und die ist wirklich in der Nähe vom Tierheim.

  13. Aro sagt:

    @Roichi
    Gemeint war allerdings das alte Tierheim in Lankwitz 🙂

    Na, da wurde ja jetzt hier eine Konfussion ausgelöst.

  14. Sash sagt:

    @Roichi:
    Witzigerweise war das bei mir die erste, die mir angezeigt wurde 😉

    @Aro:
    Ja, da hast Du die Diskussion ganz schön abgelenkt. 😀

  15. Roichi sagt:

    @ Aro

    Ist mit schon klar.
    Der Zufall hat trotzdem etwas.

  16. Monika Ritscher sagt:

    Einfach nur armselig.

    Ich höre immer alle Taxifahrer jammern, wiel sie’s angeblich so schwer haben. Alle verarmt …

    Und dann so ein kundenfeindlicher Beitrag. Die sollen Ihnen wohl ihr Geld rüberreichen, ohne Sie mit Arbeit zu belästigen?

    Glücklicherweise haben Sie ein Foto von sich reingestellt. Und glücklicherweise gibt es noch andere Taxifahrer, die sich nicht wie selbst gefühlte Kaiser aufführen.

  17. Aro sagt:

    @Monika Ritscher
    Ach Gottchen, es war heute ein schlechter Tag für Sie, oder?

    Keine Ahnung, wo Sie hier Kundenfeindlichkeit entdecken. Würden Sie hier etwas genauer lesen, dann würden Sie nicht solch einen Müll schreiben.

  18. Monika Ritscher sagt:

    @Aro
    Lassen Sie Ihre billige Diffamierung.

    Wenn man Taxifahrer antrifft, die keine Lust zur Beförderung (die eigentlich Berufspflicht ist) haben, und dann diese hämischen Ergüsse eines Taxifahrers liest, der von seinen Fahrten leben will, und dem ich bei meinem nächsten Beförderungswunsch auf seiner größenwahnsinnigen (inakzeptablen) Ebene begegnen könnte, antwortet man schon ein wenig deutlicher.

    Vielleicht hab ich aber einfach nicht realisiert, dass das hier eine „Fan“-Seite für einen selbstgefälligen Taxifahrer ist, die nur Selbstbeweihräucherung und Beweihräucherung durch seine ergebenen Anhänger duldet.

    Pech gehabt.

  19. Aro sagt:

    @Monika Ritscher
    Keine Ahnung, wo Sie hier die Unterstellungen entdeckt haben, die Sie behaupten.
    Aber ok, kotzen Sie sich mal ruhig aus, das kann ja auch mal helfen.

  20. elder taxidriver sagt:

    Sowas humorloses habe ich ja lange nicht gelesen wie von der verehrten Leserin hier. Sashs Beiträge in dem Blog hier zeichnen sich, wie ich finde, durch eine hohe literarische und menschliche Qualität aus. Wenn hier überhaupt etwas ‚armselig ‚ sein sollte, dann höchstens ihre, der Leserin , Empfindungs – und Beurteilungsfähigkeit . Und die Art wie sie schreibt. Man kann solchen Reaktionen aber nun mal nicht entgehen: Jedes ausgesprochene Wort erregt den Gegensinn, so ähnlich sagte Goethe es.
    Mein Eindruck ist: Sash ist durchweg weniger ’selbstgefällig ‚ als selbstlos bis zur Selbstverleugnung..

    Und, was alles der Leserin fehlen mag: ‚Gegensinn ‚ hat sie reichlich. Ist aber völlig ok. Gibt keine Punkte in Flensburg dafür…
    Und , wenn sie wüsste , wie groß Sashs ‚ Lust zur Beförderung‘ ist.. Da würde sie sich wundern.
    Nur, dann hätte sie mehr lesen müssen hier auf dem Blog, kann man ja von keiner verlangen.. .

    Das wars, was ich zu diesem Thema eröffnend und auch abschließend sagen wollte.

  21. Sash sagt:

    @Monika Ritscher:
    Der Witz an der ganzen Geschichte hier ist, dass außer Ihnen niemand armselig oder unfreundlich ist. Kritik ist etwas wunderbares, so sie fundiert ist, das kann ich bei ihren Beiträgen nicht einmal im Ansatz erkennen. Z.B. würde ich gerne einmal den Anlass für die Behauptung, der o.g. Beitrag sei kundenunfreundlich, wissen.
    Sofern es schon daran scheitert, brauchen Sie sich über den Tonfall, der ihnen entgegen schlägt, überhaupt nicht wundern. Die Leute hier sind es gewohnt, Meinungsverschiedenheiten sachlich und ohne arrogantes Arschlochgehabe zu klären.

    Vorerst gehe ich mal davon aus, ihre undifferenzierten und grenzdebilen Einträge sind das übliche Rumgetrolle und möchte Sie deswegen darum bitten, der Fairness halber auch ein Foto zu veröffentlichen. Zum einen einmal, um nicht als feiges Würstchen dazustehen, zum anderen, damit kultivierte Taxifahrer auch wissen, mit wem sie sich besser nicht die Schicht versauen sollten.

    So, jetzt waren wir beide mal zickig und ich bin gespannt, ob wir jetzt nach dem Remis auf eine sachliche Ebene zurückkehren können.

  22. Aro sagt:

    Liebe Monika Ritscher,

    Sie haben Recht. Ja, doch, wirklich, Sie haben Recht. Auch mit dem, was Sie hier => http://is.gd/hTDJJu geschrieben haben.
    Der Sash ist ein ganz übler Zeitgenosse! Einen Bart hat er, wie der Teufel persönlich und es würde mich nicht wundern, wenn er unten sogar einen Pferdefuß hätte. Dieser Prolo ist es nicht wert, auf unseren sauberen Straßen zu fahren.

    Und ja, es stimmt: Dies ist wirklich „eine ‚Fan‘-Seite für einen selbstgefälligen Taxifahrer…, die nur Selbstbeweihräucherung und Beweihräucherung durch seine ergebenen Anhänger duldet“
    Ich war lange Zeit ebenfalls Mitglied der Sashology-Gemeinde, aber Sie haben mir die Augen geöffnet, so dass ich mich künftig davon fernhalten werde. Ich habe deshalb heute extra schon einen groooßen Bogen um die Taxihalte am Ostbahnhof gemacht, damit ich diesem Sash nicht mehr begegnen muss.

    Danke, dass Sie mir die Wahrheit aufgezeigt haben. Unser Land braucht viel mehr solche Menschen wie Sie.

    Danke!

    P.S.
    Möchten Sie von mir auch ein Foto haben?

  23. Oliver sagt:

    Also ganz ehrlich, Sachsen-Anhalt ist enorm prollig mit einer überdrehten Mentalität, und in Dessau laufen haufenweise Idioten Prolls rum. Da ist die Berliner Assoziation passend.

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