Es gibt gute Gründe, jungen Leuten kein Auto zu geben, das mehr kann als sie. Oder mehr kann, als sie können sollten. Mit den gemütlichen Familienkutschen meiner Eltern hab ich nach dem Bestehen meines Führerscheins genügend Mist gebaut, um irgendwann zu wissen, was zu viel des Guten ist. Ob es mir, meiner Berufswahl oder irgendwelchen anderen Leuten gut getan hätte, hätte ich Zugriff auf ein Auto jenseits der 200 PS gehabt, wage ich zu bezweifeln. Jetzt umso mehr.
Wir Taxifahrer stehen ohnehin im Ruf, zu fahren wie die letzten Rüpel und Rampensäue. Ein gutes Beispiel dafür war ich nie – obwohl ich mir die 5 bis 15 km/h über Vmax ja auch nicht abgewöhnen kann. Zumindest an manchen Stellen. Am Wochenende war ich mal wieder Beifahrer im Taxi und ich habe zwei Dinge gelernt:
Erstens stimmt das Klischee mit den Heizern unte den Taxifahrern durchaus mal und zweitens kann ich nun besser verstehen, dass Kunden sich doch so selten beschweren. Ich hab es nämlich – obwohl ich Blogger bin und das immer wieder sage in dem Fall auch nicht gemacht. Ich war einfach zu sehr beschäftigt mit mir und der Welt (wir haben das Taxi zum Krankenhaus genommen, weil ich kaum Luft gekriegt habe), als dass ich mich um einen Fahrer kümmern wollte, der sowieso demnächst geblitzt wird. Ich hab z.B. einfach vergessen, mir die Konzessionsnummer für eine spätere Beschwerde aufzuschreiben.
Am Anfang war ich richtig froh, dass er ein wenig flott war. Warum nicht? Ging ja immerhin ins Krankenhaus. Wir haben zwar klargestellt, dass es so gesehen kein dringender Notfall war, aber gepasst hat es mir. Die erste Ampel hat er gleich bei Kirschgrün genommen. Knapp, aber immerhin. Dann ist der die Landsberger mit locker 80 entlanggeschossen (wobei ich um die Uhrzeit dort auch locker 70 gefahren wäre), was eigentlich nur dann gewundert hat, als er um die Ampel am Blumberger Damm zum Abbiegen noch kriegen wollte, plötzlich nochmal hochbeschleunigt hat. Sonntag morgens um 4 Uhr waren die Straßen natürlich frei – aber bei Ampeln bin ich ja doch ein wenig skeptisch …
Aber alles in allem war es keine Traumfahrt mit dem jungen Typen. Dass er kurz angefragt hat, wie er von uns aus am Besten fahren soll, hat mich nicht gestört. Ich kenne das bestens: Da steht man mal in einer anderen Ecke und überlegt, wie das jetzt von dieser Seite aus ging. Er hatte definitiv noch im Kopf, wo das UKB lag, ist wahrscheinlich noch nie von Marzahn aus rangefahren. Dass er dann zusätzlich zum schnellen – und auch wirklich hektischen – Fahren gemeint hat, er müsse sich die Hälfte der Strecke mit einem Kumpel unterhalten, hat die Sache abgerundet. Zugegeben: er hat gefragt, allerdings eher rhetorisch. Trotz wirklich sehr netter Gesprächsfetzen mit uns am Anfang war binnen zwei Minuten in dem Auto klar, dass wir eine weitere Erledigung in einer langen Liste waren. Schnell schnell weg mit uns und ansonsten fährt er, macht er die Ansagen, ist es sein Wagen. Kann man machen, machen sogar viele Kollegen so, bei mir sitzt der Dienstleistungsgedanke etwas tiefer. Zumal mit netter und hilfsbereiter Kundschaft.
Geschäftsmänner mit iPod im Ohr, die gerne schnell zum Flughafen wollen, lieben den Typen wahrscheinlich. Der würde die 12 Minuten vom Ostbahnhof zum SXF schaffen, zum BER wahrscheinlich auch.
Ich hab mich selten so überwinden müssen, aber er hat nur einen Euro extra gekriegt. Für Null hat es nicht gereicht, denn wie gesagt: grundsätzlich war er ja nett und zumindest tempomäßig engagiert – aber seine Strafzettel gegenfinanzieren wollte ich dann auch nicht über Gebühr …
