Auch wenn er mich duzte und so vor sich herberlinerte: Hans Baecker war ein liebenswerter alter Kauz, die Art von Urberliner, die man nur noch selten findet. Aber kaum dass ich den Weg nach Prenzl’berg einschlug, wurde er unruhig:
„Sach ma, wat meinste, kost’n det?“
„Schätze mal, knapp über 20 €.“
„Ach Mensch, det is blöde! Ick hab nur noch 18 € bei – schmeiß mir einfach raus, wenn det Jeld alle is!“
Ich kann es nicht verleugnen: Ich hatte ein wenig Mitleid mit dem alten buckligen Opa und hab ihm gesagt, dass ich wegen ein paar Metern am Ende sicher nicht rummachen würde. Gegen den Gedanken allerdings sträubte er sich mehr als ich, denn er wollte auf gar keinen Fall, dass ich meine Arbeit umsonst mache.
Die Häuser zogen recht schnell an uns vorbei und er nestelte in seinem Portemonnaie herum. Seine Hände zitterten mehr und mehr und irgendwann sah er mich zerknirscht an und meinte:
„Det gloob ick ja nich! Det tut mir sowas von leid, aber ick hab die 18 € wohl doch nich mehr. Willste mir hier rausschmeißen?“
Mir haben sich zwar die Nackenhaare aufgestellt, aber da ich schon rund 12 € auf der Uhr hatte, wollte ich auch nicht kampflos aufgeben. Zum einen war es die allerbeste Zeit der Woche – da fährt man nicht mal eben eine halbe Stunde für umme – zum anderen wäre ja auch ihm nicht sonderlich geholfen gewesen, wenn ich ihn mitten im Wohngebiet 5 Kilometer von seiner Wohnung entfernt absetzen würde. Also galt es, Alternativen zu finden:
„Wollen wir vielleicht an einer Bank halten, wo Sie Geld holen können?“
„Ja klar! Mensch natürlich! Det machen wir!“
Nach relativ kurzer Zeit war klar, dass es zur Sparkasse gehen würde. Da lagen ja nun einige auf dem Weg – oder zumindest recht nahe. Ich schlug die am Bersarinplatz vor, er meinte, es gäbe unweit seiner Wohnung, direkt an der Ecke Stargarder/Prenzlauer, auch eine. Damit schien die Sache erst einmal in trockenen Tüchern zu sein. Dachte ich …
(Fortsetzung so ungefähr beinahe fast exakt um 20 Uhr)
