Herzstillstand

Na gut, einen Infarkt werde ich sicher nicht wegen des ein oder anderen Euros haben. Aber dennoch bin ich aus allen Wolken gefallen. Es war nur eine sehr kurze Tour und die Schicht war schon bombig verlaufen. Ich hätte das Auto gleich abstellen können, aber vor mir fuhr meine Bahn, was bedeutete, dass ich auf die nächste eine halbe Stunde würde warten müssen. Da kam mir eine weitere Tour sehr entgegen und ich bot einmal mehr von mir aus eine Kurzstrecke an.

Und die Fahrt war auch kurz. Eher ein Kilometer als die zwei von der Kurzstrecke abgedeckten. Und so standen am Ende 4,00 € auf der Uhr und meine nur seit rund anderthalb Minuten amtierende Beifahrerin meinte:

„Mach einfach 15.“

Aber ja, natürlich hat sie das Rückgeld gemeint, nicht den Fahrpreis. 🙁

Die eine Nacht …

Ich hoffe, Ihr habt alle die Nacht gut rumgebracht. Und das Wochenende. Auch wenn das ja eigentlich das selbe ist. Sagten zumindest Kunden am Freitagabend …

„Na, hat die Nacht erst angefangen?“

„Das Wochenende hat erst angefangen!“

„Das klingt auch gut.“

„Aber hast Recht, ist ja nur die eine Nacht.“

„…“

„Die Nacht von Freitag zu Sonntag.“

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte

War eine schöne Schicht. Hier die Karte von allem, was passiert ist, NACHDEM ich mein Umsatzziel erreicht hatte und Feierabend machen wollte:

Ich hatte schon ganze Schichten, in denen weniger los war. Quelle: Sash

Ich hatte schon ganze Schichten, in denen weniger los war. Quelle: Sash

Beschäftigungen am Taxistand

Für gewöhnlich lese, schreibe, zocke ich irgendwas am Stand. Dieses Mal kam es etwas anders. Als ich heranfuhr, diskutierte der Kollege vor mir gerade mit einer Frau. Als er mich kommen sah, fragte er gleich:

„Hast Du Kabel?“

Starthilfe also.

„Nee, leider nicht. Ich darf mit der Erdgaskiste keine Starthilfe geben …“

„Der selbe Quatsch bei mir. Hat angeblich sofort einen Elektronikschaden.“

Was will man machen? Also hat er der Frau, deren Auto schon mit geöffneter Haube auf der anderen Straßenseite stand, die Nummer einer der Zentralen gegeben und ihr nochmal die genaue Adresse genannt, an der wir uns befinden. Damit hätte es gut sein können, doch während ich mich ins Auto verzog, kam die Frau zum Kollegen zurück. Er schloß daraufhin seinen Wagen ab, was mich zum Nachsehen animierte.

„Ich schieb ihr die Kiste jetzt kurz an, hier den Hügel runter. Der Kollege würde wohl mindestens 20 Minuten brauchen.“

Also hab ich es ihm gleichgetan. Auto abgeschlossen und beim Schieben geholfen. Im Wagen selbst nahm ab kurz vor der Steigung der Kollege Platz, weil die Frau sich unsicher war, ob sie das Auto starten könne. Ich hab das ja auch noch nie selbst gemacht und es damals, als ich in der Situation war, einem Kollegen überlassen.

So stand ich also plötzlich hinter einem Auto und neben der Frau, der dieses Auto gehörte, und schob.

„Ich weiß ja nicht …“

„Keine Sorge, das klappt eigentlich immer.“

„Naja, aber wie man sieht …“

sagte sie, als der Kollege mit ihrer Kiste lautlos den Hügel hinabrollte. Aber – großes Wunder! – der Motor jaulte kurz daraufhin auf und die Scheinwerfer erwachten. Der Kollege wendete umgehend und stieg aus dem tuckernden Kastenwagen aus. Ihr Dank war groß, der Kollege und ich jedoch beeilten uns zu unseren Autos, da vor uns nun bereits erheblich Platz in der Schlange war.

„Wir stehen hier sonst ja eh nur rum …“

meinte ich zu ihm.

„Eben.“

erwiderte er.

Während wir unsere Wagen starteten, um vorzurücken, schoß ein hupender Kastenwagen an uns vorbei. Morgen retten wir dann wieder die Welt. Für heute Nacht hat es gereicht, das mal wieder mit dem Ruf der Taxifahrer zu machen. 😉

Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?

Manchmal weiß man nicht so recht, was man von Fahrgästen halten soll. Meiner kam mir zunächst mehr als nur gelegen. Kaum dass ich vom Berghain eine ordentliche Tour bis nach Schöneberg hatte, stand er quasi schon da und winkte. Eigentlich ein unauffälliger Kerl, mittelgroß, blondierte Haare, lässige Kleidung. Auffallend hübsch zwar, das aber wurde durch das Outfit aus ausgebeulten Trainingshosen und locker übergeschmissener Jacke überspielt.

Und besoffen wie ein Rudel Bundeswehrsoldaten.

Dass Deutsch nicht seine Muttersprache zu sein schien, ging komplett unter, da er sich sowieso kaum noch zu artikulieren verstand. Zunächst dachte ich an einen schwedischen Touri, aber dem schien nicht so zu sein:

„Bschein Prostitjute from Mllca!“

Es fällt mir oft leicht, die Sprache angeschlagener Leute irgendwie rüberzubringen, hier geraten wir in den Bereich der völligen Unlesbarkeit, wie man sieht. Und ob ich die ganze Geschichte, die er mir zwischen akuten Anfällen von Halbschlaf unbedingt erzählen musste, richtig verstanden habe, kann ich auch nicht sicher sagen.

Nun, er musste jedenfalls kurz zur Sparkasse am Nollendorfplatz, um Geld für die Fahrt zum Zoo zu holen. Er war angeblich Prostituierter aus Mallorca und nun ein paar Monate in Deutschland, um über die Nicht-Saison auch ordentlich Geld zu verdienen. Er könne mir also prinzipiell schon anbieten, in Naturalien zu zahlen, aber eigentlich habe er Feierabend.

Das hat mich jetzt aus verschiedenen Gründen nur wenig enttäuscht.

Eigentlich wäre er total müde, ließ er mich weiter wissen, und so wirklich gefallen würde ihm Deutschland auch nicht. Aber, jetzt würde er noch eine Runde ficken gehen und morgen würde er eine große Party schmeißen, für die er schon für 80 € beim Netto Käse, Wein und Salami gekauft hätte. Könne ich mir ja mal merken, je nachdem, was ich noch so vorhätte am Wochenende. Die Krönung des Ganzen war, dass er natürlich nicht wirklich zum Zoo wollte, sondern zum Tiergarten am 17. Juni, was unsere Fahrtstrecke (siehe Karte unten) dann etwas unnötig kompliziert gemacht hat. Zum Abschluss hat er mäßig erfolgreich versucht, mich zu umarmen und ist wie ein kleines Kind mit federnden Sprüngen im Gebüsch verschwunden.

Manchmal ist man einfach froh, nicht alles zu verstehen. 0.o

Hier die Route:


Größere Kartenansicht

PS: Ich hab jetzt mal das „klassische Google Maps“ eingebunden, das neue ist ja eine Bedienungskatastrophe sondergleichen. Kennt jemand eine gute Alternative, falls es irgendwann nur noch die neue Version gibt? Hat OSM einen Routenplaner? Ich hab nix dergleichen gefunden …

Bin mir nicht sicher …

Hin und wieder hat man Fahrgäste mehrmals. Im Normalfall fällt das sofort auf, ich bin aber nicht der Normalfall. Ich muss es gelegentlich erwähnen: Ich hab Schwierigkeiten, mir Gesichter zu merken. Menschen, die ich ich nur einmal als Fahrgast hatte, erkenne ich schlicht nicht wieder. Einzelne Ausnahmen gibt es, aber ich sehe es schon kommen, dass ich irgendwann einen Fahrgast kurz in ein Lokal reinspringen lasse und mir anschließend ein anderer einsteigt, ohne dass ich es merke. Das wird ein super Tag, da bin ich mir sicher! 😉

Während das aber wenigstens hier und da mal klappt mit dem Erkennen, ist es echt schwierig bei Leuten, die ich dazwischen ein paar Wochen oder gar Monate nicht gesehen hab. Das geht so weit, dass ich selbst Leute nicht erkenne, die ich schon dreimal gefahren habe. Was zugegeben aber noch seltener ist, als dass ich Leute dreimal im Auto habe und es keine Leser sind, die ich nicht wenigstens an Netz-Avataren oder so erkenne.

Und nun hatte ich so eine Fahrt. Am Ostbahnhof stieg mir relativ weit hinten in der Schlange ein Mann zu. Er konnte kaum deutsch, hat einen stark osteuropäischen Akzent und fragte – soweit eigentlich nicht ungewöhnlich, aber dennoch seltsam vertraut:

„Und? Wie geht?“

Nach zwei Floskeln dann das Fahrtziel: „Osler Strass“ – Osloer Straße. So weit, so unspektakulär. Dann aber meinte er:

„Erst fahre Kolleg. Kollege swei, dann Osler Strass.“

Und obwohl das jetzt wirklich ein absolut übliches vereinfachtes Deutsch von Zuwanderern war, war ich schlagartig hellwach. Denn es war nicht das erste Mal, dass ich vom Ostbahnhof eine Tour hatte mit einem Mann, der mit diesen Worten von zwei Kollegen sprach. Und das war nicht irgendeine Tour! Das war eine Tour, die mir nicht bezahlt worden war (nachdem zugegebenermaßen ICH die Hoffnung aufgegeben hatte – kann man hier und in den folgenden zwei Artikeln ausführlich nachlesen.) und die mein Nervenkostüm nachhaltig geschädigt hat. Waren die Indizien bis dahin noch dünn, so ging es nun auch just noch in einen jener Hinterhöfe, durch die ich mit dem damaligen Fahrgast auf der Suchen nach „Kollege swei“ gestreift war. Verdächtig über alle Maßen.

Aber ich hab leider keine Ahnung, ob meine Vermutung richtig ist.

Sicher, ich hab überlegt, ob ich es ansprechen sollte. Aber ich hatte hier einen netten Kerl, der zumindest dieses Mal nicht betrunken war und wusste, wo die Kollegen wohnen. Und als die kamen war alles noch viel einfacher. Einer sprach passables Deutsch, die Fahrt war absolut problemlos und am Ende wurde ich mit angemessenem Trinkgeld bezahlt. Hätte ich da wirklich mit dem vagen Verdacht ins Haus fallen sollen, der Typ würde mir Geld schulden?

Ich weiß es nicht. Vielleicht hätte ich es ja bekommen. Aber der Kerl war damals so hacke, eigentlich war es unwahrscheinlich, dass er sich – guten Willen sowieso vorausgesetzt – überhaupt hätte erinnern können. Und abgeschrieben hatte ich die Tour ja auch schon längst. Aber ein bisschen wurmt der Gedanke, dass er es war.

Naja, ich schätze, dass ich nächstes Mal wenigstens keine Sorgen haben werde. Ich bin schon beim ersten Kandidaten nicht von Absicht ausgegangen, und dieser jetzt war eindeutig in Ordnung. Wie schlecht also sollten die Chancen beim nächsten Verdacht meinerseits sein?

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Impressionen einer Fahrt

„Ach, wir kommen vom Land, da fährt man überall mit dem Taxi hin.“

„Bei uns haben die Straßen ja auch nur eine Spur.“

„Und so Züge mitten auf der Straße gibt es bei uns auch nicht.“

„Wie kann man so eine Strecke bitte laufen anstatt mit dem Taxi zu fahren?“

Ach ja, die Strecke!

Das war diese hier: