Alaaf und Helau!

Berlin ist nicht gerade eine Karnevalshochburg. Meine ursprüngliche Heimat auch nur bedingt, aber immerhin bin ich Faschingsumzüge gewöhnt und hab die ein oder anderen Highlights durchaus im Kopf, meist in Form vager Erinnerungen an irgendwelche Familienausflüge.

Und nun hatte ich einen im Taxi.

Nein, keinen echten Jecken, sondern einen echten Berliner. Aber der war nun nach Köln gereist und hatte dort zelebriert, was alle dort zelebrieren:

„Und um ehrlich zu sein: Es war echt lustig. Da machen ja wirklich alle mit! Das ist ja auch mal was ganz eigenes! Die sind da alle kollektiv bescheuert für ein paar Tage und das macht echt Spaß!“

Ich hatte gleich meine Lieblings-„Ausrede“ parat:

„Naja, hier sind halt alle das ganze Jahr über ein bisschen verrückt – da braucht es wohl keine Extrawoche …“

Daraufhin erzählte er mir einen Witz, den er nun neu gelernt habe:

„Wenn in München alle besoffen sind und komische Klamotten tragen, dann ist klar: Oktoberfest!
Wenn in Köln alle seltsame Klamotten tragen und einen im Tee haben, dann ist klar: Es ist Karneval!
Wenn in Berlin alle blau sind und sich in bescheuertem Outfit auf die Straße trauen, dann ist klar: Es ist Wochenende!“

Ja, so ist es wohl. 🙂

Religionskritik anhand von 72 Jungfrauen

Der Fahrgast war etwas älter als ich und überraschte mich etwas mit seiner ersten Frage nach ein bisschen Smalltalk:

„Denkst, ich bin Moslem, oder?“

„Hab ich bisher nicht drüber nachgedacht. Biste einer?“

„Weiß nicht. Nicht so richtig, glaub ich. Also meine Familie schon mehr so, aber ich, nee …“

So weit, so seltsam die Themenwahl. Davor hatten wir es ungelogen übers Wetter. Wie er auf die Religion kam, kann ich nicht nachvollziehen. Und dann folgte ein Monolog, den ich als Atheist nicht besser hinbekommen hätte:

„Weißt Du, manche glauben ja zum Beispiel auch an die Geschichte mit den 72 Jungfrauen. Ich mein‘, sind die noch ganz knusper? Was für’n Stress! Jetzt mal ehrlich, wenn Du mal in einer längeren Beziehung warst, dann weißt Du, das wird was mit dem Sex, dann passt das irgendwann. Nicht mehr nur dieses Rein-raus, dieses Gerammel wie Kraftsport, sondern mehr so gut, weißt Du? Und dann nochmal alles von vorne? Der ganze Mist, alles wieder neu lernen mit Frauen, die noch gar keine Ahnung haben? Und dann auch noch 72 davon!? Ey, das hat doch mit Paradies nix zu tun, das ist ganz klassisch das, was ich mir unter einer Hölle vorstelle!“

Ja, vielleicht sollte er dann wirklich von einer religiösen Überzeugung Abstand nehmen, die dergleichen verspricht … 😉

Wenn die Fahrgäste bewerten

Ich fahre ja derzeit nicht für irgendeine App, die den Kunden eine schnelle Online-Bewertung erlaubt. Und obwohl natürlich jeder für sich eine Dienstleistung wie eine Taxifahrt bewertet, kriegt man’s auf der anderen Seite halt nur selten mit. Vielleicht mal ein Lob ganz am Ende, mehr aber halt auch nicht.

Und nun stand der Fahrgast da, während ich vorrückte. Ich sprang gleich raus, um den Kofferraum aufzumachen.

„Ach kiek, nu isser bis zu mir vorjefahr’n!“

Ich hab den Kofferraum aufgemacht.

„Wow, na Platz is‘ mal jenuch.“

Wir sind eingestiegen.

„So, hoher Einstieg is‘ auch schon mal jut!“

„Wo soll’s denn hingehen?“

„Graefestraße, kennste?“

„Sicher. Oberer oder unterer Teil?“

„Na dit wird ja immer besser hier!“

Der war offenbar ernsthaft angetan. Da hätte ich wohl auch auf dem Bildschirm die 5 Sterne bekommen. 🙂

Richtig gut war dann aber, was nach dem Bezahlen noch kam:

„Sach ma‘, brauchste Silber? N‘ Zehner könnt‘ ick dir kleinwechseln.“

„Das wäre natürlich hervorragend. Nett, dass Sie fragen!“

„Na hör ma! Man kann ja wohl mal kostenfrei mitdenken. Am Ende kommt’s auf uns alle an!“

Ich gebe also auch 5 Sterne. 😉

Rückseite die zweite

„Man sieht sich immer zweimal im Leben!“ – dieses Sprichwort sollte vielleicht um die Worte „ob man will oder nicht“ ergänzt werden. Der Kunde kam mir nicht bekannt vor, zumindest zunächst. Als er dann aber seine Adresse nannte und mit der Wegbeschreibung anfing, da wusste ich sehr schnell, dass ich schon mal was über ihn geschrieben hatte. Aus Gründen.

Nachzulesen ist die Fahrt von vor fast drei Jahren hier: Rückseite!

Clubs zum Davonrennen?

Sisyphos, 3.15 Uhr.

Zwei junge Leute steigen ein und einer der beiden fragt:

„Reichen 7 € bis zum S-Bahnhof Rummelsburg?“

„Sicher. Selbst zum Ostkreuz kostet es nur 6,80 €.“

„Na dann zum Ostkreuz! Je weiter weg, desto besser!“

„Mal gucken, wo Du dann anhälst …“

Es gibt Spaßvögel da draußen … man glaubt es manchmal gar nicht.

Die Fahrt war extrem kurz, im wahrsten Sinne nur einmal ums Eck wollte der reichlich stramme alte Kerl. Er war mühsam und nicht eben zielstrebig auf mein Taxi zugetorkelt und fiel mit einem lauten Ächzen in den Sitz.

„Enlm!“

„Was bitte?“

„Engeldamm, hab ich doch gesagt!“

Ich hab das mal so stehen lassen und bin losgefahren.

„Na ma‘ kieken, ob ick nich‘ einschlaf untawegs!“

„Ach, bei den paar Sekunden bin ich optimistisch.“

„Wenn, dann kannste einfach weiterfahren. Mal gucken, wo Du dann anhälst …“

Keine schlechte Idee, die Fahrt ein wenig zu verlängern. Also für mich. Für ihn … aber egal.

„HAHA, WAR NUR SPASS, VERSTEHSTE!?“

Inzwischen waren wir im Engeldamm.

„Wo soll ich denn jetzt genau halten?“

„Hab doch gesagt: Fahr hin, wo Du willst. HAHA, SPASS MEIN LIEBER! Da vorne is‘ ok.“

Ich glaube, arg viel weiter hätte ich den Spaß auch kaum ausgehalten …

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Der Taxifahrer, der „ja keine Ahnung“ hatte.

Das mit der Ortskunde macht Spaß. Auch wenn sie einem gerade mal abgeht. Zumindest, wenn man es sportlich sieht.

Ich hatte eine Winkerin in Friedrichshain. Fahrtziel: eine Straße im Wedding, keine sehr große. Ich hab mein Hirn durchgeknetet und mir ist nicht annähernd etwas zum Ziel eingefallen. Aber gut, erst einmal geht’s Richtung Wedding ja geradeaus. Dann trat die Kundin auf den Plan:

„Ist die Chausseestraße noch gesperrt?“

„Ich glaube schon. Ich fahre derzeit immer die Gartenstraße als Umfahrung …“

„Oh, das ist ja super!“

Bingo.

„Und dann könnten wir in die Fennstraße und dann …“

„[Aha, in der Ecke also …] Jaja, so hatte ich das vor.

Soweit fuhr es sich ganz gut. In der Fennstraße dann:

„Jetzt eigentlich nur noch die nächste rechts …“

„Keine Sorge, ich war schon auf der Bremse.“

„Gut, dann lassen Sie mich an der dritten Ecke raus, ok?“

„Ach, schon an der Ecke?“

„Ja, das reicht.“

„Meinetwegen gerne.“

„Ach, ist das schön. Letztes Mal hatte ich einen Taxifahrer, der gar keine Ahnung hatte, wo er hinfahren sollte.“

„Naja, ich war jetzt ja auch …“

„Aber der hatte wirklich GAR keine Ahnung!“

Ach so. Ja, das ist ja dann auch was völlig anderes. Und selbstverständlich nehme ich die 3 € Trinkgeld gerne an … 😉

Ja, auch wir Taxifahrer kochen nur mit Wasser, sorry.