Der Taxifahrer, der „ja keine Ahnung“ hatte.

Das mit der Ortskunde macht Spaß. Auch wenn sie einem gerade mal abgeht. Zumindest, wenn man es sportlich sieht.

Ich hatte eine Winkerin in Friedrichshain. Fahrtziel: eine Straße im Wedding, keine sehr große. Ich hab mein Hirn durchgeknetet und mir ist nicht annähernd etwas zum Ziel eingefallen. Aber gut, erst einmal geht’s Richtung Wedding ja geradeaus. Dann trat die Kundin auf den Plan:

„Ist die Chausseestraße noch gesperrt?“

„Ich glaube schon. Ich fahre derzeit immer die Gartenstraße als Umfahrung …“

„Oh, das ist ja super!“

Bingo.

„Und dann könnten wir in die Fennstraße und dann …“

„[Aha, in der Ecke also …] Jaja, so hatte ich das vor.

Soweit fuhr es sich ganz gut. In der Fennstraße dann:

„Jetzt eigentlich nur noch die nächste rechts …“

„Keine Sorge, ich war schon auf der Bremse.“

„Gut, dann lassen Sie mich an der dritten Ecke raus, ok?“

„Ach, schon an der Ecke?“

„Ja, das reicht.“

„Meinetwegen gerne.“

„Ach, ist das schön. Letztes Mal hatte ich einen Taxifahrer, der gar keine Ahnung hatte, wo er hinfahren sollte.“

„Naja, ich war jetzt ja auch …“

„Aber der hatte wirklich GAR keine Ahnung!“

Ach so. Ja, das ist ja dann auch was völlig anderes. Und selbstverständlich nehme ich die 3 € Trinkgeld gerne an … 😉

Ja, auch wir Taxifahrer kochen nur mit Wasser, sorry.

11 Kommentare bis “Der Taxifahrer, der „ja keine Ahnung“ hatte.”

  1. Ja, ich versteh auch nicht woher der Anspruch herkommt, dass man wirklich jede Straße kennen muss. War das früher, vor Navi & co, mal gefordert?

  2. Judi sagt:

    Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit – oft sehr hilfreich *gg*
    Den „anderen“ Taxifahrer hatte ich mal in München. Ich hatte mich hoffnungslos verlaufen, habe mein in einem Parkhaus stehendes Auto (die Dinger haben in München alle hübsche Namen, den zumindest wusste ich noch, die zugehörige Straße aber leider nicht) nicht wiedergefunden und irgendwann ein Taxi bestiegen mit der Frage, ob der Fahrer mich dort hinbringen kann (am Stand, es gab also keinen Grund gleich loszubrausen). Der Fahrer bejahte und fuhr fröhlich los, um mich dann nach ein paar 100 m Fahrt zu fragen, wo das denn eigentlich ist – da sind mir dann doch mal kurzzeitig die Gesichtszüge entgleist *aaaarrrgh* :-D. Immerhin hat er dann aber über Funk einen Kollegen befragt und es doch noch gefunden. Vom Stand aus wären es zu Fuß wohl nur 200 m gewesen, per Auto etwa ein km (nach Aussage des Kollegen am Funkt), gefahren sind wir deutlich mehr, der Betrag auf der Uhr war am Ende knapp 2stellig. Trinkgeld gabs trotzdem, ich kann nicht ohne. Aber 3 € waren es nicht 😎

  3. Nick sagt:

    Ich verstehe was du meinst und gehe auch voll damit konform, dass ein Taxifahrer nicht jede kleine Straße in jedem Bezirk kennen muss.
    Deshalb frage ich mich auch immer langsam von Bezirk zu große Straße, kleinere Straße etc. vor und zeig dann entsprechend den Weg am Ende.
    Ich bin eher positiv überrascht, wenn ein Taxifahrer die Straße oder zumindest die nächstgrößere sofort kennt.
    Allerdings verstehe ich auch was deine Kundin meinte, denn es gibt tatsächlich Taxifahrer die kennen manche Bezirke GAR nicht.
    Ich wollte auch mal von FHain nach Spandau und habe dann Spandau Bahnhof erstmal als Größenordnung genommen.
    Kannte er nicht.
    Ist dann im letzten Kreisverkehr nach Falkensee abgebogen, ab da habe ich dann jede Streckenänderung angesagt.

  4. ednong sagt:

    Wie, du kennst nicht jede Straße? Also das geht ja mal gar nicht! 😉

    So wie du es beschrieben hast, müßte es aber siche rnicht die kürzeste Verbindung werden. Sinnvoll ist es ja auf jeden Fall, soviele Anhaltspunkte zu haben, dass es der Taxifahrer einordnen kann und den kürzesten Weg damit finden kann, denke ich.

  5. Frau on board sagt:

    Ich muss ganz ehrlich sagen das ich größten Respekt vor Taxifahrern in der Großstadt habe.Alleine die Gedächtnisleistung die einzelnen Strassennamen zu behalten, dann auch noch zu wissen wo die liegen und wie gefahren wird. Da ist es doch zu verschmerzen wenn der Fahrer mal nicht weiss wo es lang geht. Aber besser find ich es noch das der Fahrgast es dann nicht
    merkt 🙂 .
    Meine Ortskenntnisprüfung bestand aus 20 Fragen wovon ich 45% richtig haben musste. Bei dieser Prüfung durch zu fallen wäre schon mehr als peinlich gewesen.

    Deswegen Hut ab!!!!

  6. Bernd K. sagt:

    Ich bin immer angenehm überrascht, wenn ein Fahrer sich um eine besonders kurze und auch noch schnelle Verbindung bemüht. Wobei ich da nicht kleinlich bin. So 5 % Abweichung toleriere ich gerne. Aber vor einiger Zeit hatte ich mich mal über einen Fahrer geärgert, der nicht durch eine breite „Durchfahrt gesperrt – Anlieger frei“-Strasse gefahren ist (das machen dort alle Taxifahrer und auch viele Ortskundige). Stattdessen fuhr er kommentarlos und wie selbstverständlich ca. 500 m Umweg über zwei grosse beampelte Kreuzungen. Was würdest du machen?

  7. Bernd K. sagt:

    offtopic: Bemerkenswertes zum Thema Verkehr aus der Frühzeit der BRD. Sehenswert!
    http://swrmediathek.de/player.htm?show=8d404830-9a57-11e4-abd3-0026b975f2e6

  8. Sash sagt:

    @taxiblog bremen:
    Naja, ich denke, das ist umso weiter verbreitet, je kleiner die Stadt ist und je länger die Kutscher dort durchschnittlich im Geschäft sind. Ich hab mir bis ich vielleicht 20 war, keinerlei Gedanken darüber gemacht, weil jedes Mal, wenn ich in ein Taxi gestiegen bin, der Fahrer nur „ok“ gesagt hat und gefahren ist. Und die meiste Zeit hab ich in kleinen Nebenstraßen gewohnt. Hut ab vor diesen Kollegen!

    @Judi:
    Naja, losfahren vollkommen ohne Ahnung ist doof. Also wenn der Kunde auch keine hat.

    @Nick:
    Ach, Ausnahmen bestätigen die Regel. Wenn ich an meine ersten Tage denke … 😀

    @ednong:
    Natürlich kann man auch mal daneben liegen und ein paar Meter Umweg fahren. In dem Fall war das quasi perfekt und zudem der von der Kundin gewünschte Weg. Da konnte so gesehen nix schief laufen. Aber ja, auch alles schon passiert …

    @Frau on board:
    Ja, da gibt es sicher einen großen Unterschied zwischen Stadt und Land. Auf der anderen Seite verfeinert man auf dem Land dann doch sicher auch sein Wissen. Da kennt man irgendwann etliche Hausnummern oder Dinge, die man sich in der Stadt nie merken bräuchte: Zahnarztpraxen, kleine Läden, Hintereingänge, Öffnungszeiten etc. Ich vermute stark, dass sich das im Alltag in gewisser Weise ausgleicht und wir uns alle eine Menge Zeug merken.

    @Bernd K.:
    Ach, bei Anliegrstraßen bin ich nicht so. Wobei das eventuell auf den Einzelfall ankommt.
    Beim Film muss ich mal gucken, ob der sich mit meiner Leutung verträgt. Und wann ich Zeit habe … aber danke.

  9. Sash sagt:

    @Bernd K:
    OMG, ist der Film genial. Ich fall ja schier vom Stuhl hier … werde vermutlich trotzdem erst später weitersehen.

  10. Rosa sagt:

    Ich habe, soweit ich mich in meinem Leben erinnern kann, immer in Straßen gewohnt, die kein Taxifahrer kennt (jedenfalls nie die, die hatte). Erst in Berlin in einer sehr kurzen Einbahnstraße, dann in einem Vorort von München in einer Straße, die auf jeder Seite 4 Häuser hatte und jetzt in München in einer Nebenstraße, die zwar etwas länger ist, in der aber durch geschickte Einbahnregelung der Durchgangsverkehr verhindert wird.
    Und das nächste Problem war/ist immer noch, dass man eben auf Grund von Einbahnregelungen / Sperren für Durchgangsverkehr immer nur von einer bestimmten Seite anfahren konnte.
    Wenn der Taxifahrer der Weg zu mir nach Hause nicht kennte, dann macht mir das auch nichts, den kenn ich selbst. Schwieriger finde ich es, wenn ich den Weg selbst nicht weis.

  11. Der Banker sagt:

    Ja, ich versteh auch nicht woher der Anspruch herkommt, dass man wirklich jede Straße kennen muss.

    Das ist ganz einfach auf dem Mist der Kundschaft gewachsen.
    Was man hier von mir schon alles verlangt hat, was ich gefälligst alles zu wissen habe, geht auf keine Kuhhaut. Sämtliche gesetzlichen Grundlagen für jedwede Vorschrift, die gesamte Vollmachtenkartei, die Preise und Leistungen der Mitbewerber…

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