Es gibt schon Gründe, die Menschheit für nicht ganz verloren zu halten. Die Mehrheit tut oftmals nicht wirklich etwas dafür, aber in den meisten Gruppen, Staaten, Völkern etc. tauchen sie dann doch auf: die „Einen“. Ich mag den englischen Begriff „The one“ ganz gerne, weil da im Subtext ein wenig „der Auserwählte“ mitschwingt.
Bezug zum Taxi? Hier isser:
Gruppen von jugendlichen Fahrgästen sind mitunter schwierig. Das hat viele Gründe, einige davon sind hormoneller Natur. Desweiteren gerate ja auch ich gerade mit 31 Jahren in eine Grenzregion, in der das eine Generationenfrage werden könnte. Aber in jeder dummen Gruppe befindet sich ein eher cleverer Mensch (sowie sich in erträglichen Gruppen auch meist ein Dämlack befindet. Siehe hier!). Und das hilft.
Ich hatte am Ostbahnhof bereits eine halbe Stunde Wartezeit absolviert, die Soziologiestudenten unter den Fahrern können das sicher aus dem Kopf in Wartesemester umrechnen. Es kam – wenig überraschend an einem Wochenende – eine Truppe junger Leute an und sie wollten nach Tegel. Eine schöne Tour, da sind 25 € Umsatz quasi garantiert. Also von meinem, völlig uncoolen, weil in Gesetze gegossenen Standpunkt. Folglich hatte ich sofort die Diskussion an der Backe, ob ich das nicht auch für zwanzig machen könne.
In einem Anflug höchster Eloquenz mit der Rückbesinnung auf vier Jahre Nachtschicht und unter Einbeziehung ihres potenziellen Bildungsstandes äußerte ich aufs Wesentliche reduziert:
„Nö.“
Was folgt, können sich viele Nachtschichtkollegen ausmalen: Enttäuschung, Wut, kindische Arroganz …
„Dann neh’m wa halt’n nächsten!“
Glücklicherweise war der Taxistand mit wenigen Wagen belegt, noch dazu mit Kollegen, die auch nicht so recht ein Interesse daran hatten, ihren Lohn nun zu senken, nur weil ein paar Typen vorlaut waren, weil sie sich einen Cocktail zu viel geleistet hatten. Aber auch in dieser Truppe gab es „den Einen“, den vernünftigen. Er kam nochmal zu meinem Taxi und entschuldigte sich für seine Vorredner. Er bewies eine gewisse soziale Kompetenz und war mir sympathisch. Unsere Verhandlung war kurz und unbürokratisch. Am Ende stiegen die Typen ein und ich karrte sie nach Tegel. Jeden zu seiner Straße, zu seiner Hausnummer. Der „Chef“ gab mir am Ende mit glasigen Augen einen Zwanziger und torkelte ins Freie.
Das Taxameter zeigte 27,80 € an.
Hä?
Nein, das war in Ordnung. Ich hatte dem einzigen Vernünftigen vor der Fahrt bereits gesagt, wie viel es in etwa kosten würde. Da ich in Anbetracht der verschiedenen Adressen für 30 € meine Hand nicht ins Feuer legen konnte, hatten wir 32 ausgemacht und ich hatte die 12 € bereits in der Tasche, als der im Laufe der Fahrt überaus wortkarge „Chef“ mich bezahlte. Das Taxameter lief angeblich nur mit, weil die Kilometer protokolliert würden und mein Lieblingsfahrgast hatte mir zwei Dinge versprochen:
1. dass sich ohnehin keiner der anderen an die Fahrt und die Preisverhandlungen erinnern würde und
2. dass er ihnen beizeiten mal erzählen würde, was sie wirklich gezahlt hätten, sollte ersteres nicht zutreffen.
Ja, manchmal hilft Cheaten im Leben durchaus. Aber man muss an den richtigen Geschäftspartner geraten, „den Einen“ eben. 😉