Überraschende Touren

Ist ja immer so: Normalerweise steht man stundenlang an einer Halte und wartet auf Kundschaft. Und kaum, dass man sie an Bord hat, winkt es überall.

Das konnte dieses Mal nicht passieren. Ich war gar nicht erst arbeiten, ich wollte gleich zu Schichtbeginn den Fototermin abhaken. Aber kaum, dass ich vom Parkplatz rolle, auf dem die 1925 ihre Ruhezeiten genießt … winkt es.

Zunächst hab ich abgewunken, nach einem Blick auf die Uhr (hier: NICHT das Taxameter!) bin ich aber rangefahren und hab kurz festgestellt:

„Moin! Eigentlich bin ich nicht frei und arbeite nicht. Aber wenn es nicht weit sein sollte, dann könnten wir das hinkriegen.“

„Ähm, zum Alexanderplatz?“

„Das passt noch, steigt ein!“

Besser geht es ja kaum. Die Zeit sollte locker reichen!

Am Ende tat sie das nur so knapp. Aber das lag an genau 20 Cent. Das Taxameter zeigte am Ziel 11,20 € an. Die Fahrgäste brachten gemeinsam genau 11,00 € zusammen, hatten sonst nur einen Hunderter. Bei einem Fuffi wäre die Welt ja ok gewesen, aber 100 € bei der ersten Tour? Sorry, geht einfach nicht.

Sicher: Rein des Aufwandes wegen hätte ich es bei den 11 € belassen können. Aber der eine wollte eh zur Bank und der andere hatte auch ganz offensichtlich nicht die Absicht, mir die 20 Cent nicht zu geben. Also hab ich extra deswegen noch zwei Minuten gewartet. Ich will nicht sagen, dass es das wert gewesen wäre, aber zum einen bekam ich so tatsächlich noch Trinkgeld – zum anderen: Die 20 Cent hätte ich meinem Chef geben müssen und der hätte mir dann am Monatsende ca. 10 Cent wiedergegeben. Natürlich ist das eine Einkommensverringerung um nur 10 Cent und mir damit wirklich sowas von egal. Anfühlen tut es sich halt doch nach: „Ich zahl da drauf!“

War in dem Fall ja glücklicherweise kein Thema.

Abschließend möchte ich meinem Fahrgast viel Erfolg wünschen, denn er nimmt laut eigener Aussage am Mittwoch an der Schwimm-Jugend-Europameisterschaft teil. Drückt die Daumen doch ein bisschen mit, denn er – und auch sein Begleiter – waren nett. 🙂

Poser ohne Handy

Der ein oder andere mag jetzt eine entzückende Geschichte über möchtegerncoole Fahrgäste voll triefender Ironie erwarten, tatsächlich spielt die Überschrift auf mich an.

Rumgepose ist eigentlich alles andere als mein Stil, gestern Abend hab ich’s aus beruflichen Gründen getan. Aus freiberuflichen Gründen. Ich hatte vor ein paar Wochen ein sehr ausgiebiges Interview mit einem sehr netten Journalisten der Berliner Zeitung. Der hat glaubhaft Interesse an meinem Blog bekundet und mit mir ein völlig ergebnisoffenes Gespräch geführt. Was die Quintessenz im Print-Artikel sein würde, war bis zuletzt unklar, abgeklappert haben wir alles von Verkehrspolitik bis zu untreuen Fahrgästen. Obwohl es mir schwerfiel, dieses erste „richtige“ Interview abzunicken (sowas besteht halt nur teilweise aus dem genauen Wortlaut), finde ich es nach ein, zwei vorgeschlagenen Änderungen wirklich schön. Gestern war dann der Foto-Termin.
Der schon am Telefon äußerst gelassene Fotograf, den ich vorgestern schon einmal versetzen musste, erwies sich vor Ort als noch viel cooler als erwartet. Obwohl die Lichtverhältnisse nachließen, ich ziemlich eigenwillig parken musste und er ständig neue Ideen hatte, haben wir eine sehr spaßige Viertelstunde miteinander verbracht. Wie das Ergebnis aussehen wird, weiß ich nicht – ich weiß nur, dass ich sicher wieder einmal viel zu dick rüberkommen werde. 😉
Lustig war die Session unweit des Frankfurter Tors vor allem wegen der anderen Leute: Ein halb auf dem Gehweg geparktes Taxi und ein Typ in schwarzen Klamotten, der sich vor einem Fotografen ans Auto lehnt, weckt Interesse. Irgendwann kam sogar eine Kellnerin aus dem nächsten Restaurant und sagte:

„Unsere Kunden können sich gar nicht mehr konzentrieren und wollen wissen, was sie hier machen. Machen sie Fotos für Werbung?“

Sicher. Und ich bin auch nur meiner Oberweite wegen Model geworden … 🙂

Als der Fotograf dann auch noch zufällig auftauchende Passanten bat, für ihn doch bitte kurz mal den Blitz zu halten, war die ganze Szene endgültig kurios. Dass meine 15 Minuten Ruhm sich auf ein paar Jahre strecken, hab ich schon bemerkt – nach all dem Trubel war ich aber froh, schnell wieder wegfahren zu können.

Auch meines Handys wegen. Das nämlich hatte schon am Vorabend ordentlich gezickt und hat nach einer kleinen Rettungsaktion meinerseits komplett die Flügel gestrichen. Was geringfügig schade ist, da ich es inzwischen ja gerne für alles benutze unterwegs. Das geht heutzutage wohl den meisten so – für mich ist es ein relativ neues Gefühl, das sich erst mit dem wirklich guten aktuellen Modell eingeschlichen hat.
Zunächst hatte ich die Hoffnung, dass sich das alles mit nur ein paar Handgriffen klären lassen würde – am Ende saßen Ozie und ich ungefähr 6 Stunden vor 2 bis 4 Bildschirmen, ohne einer wirklichen Lösung auch nur nahe zu kommen. Das Gerät liegt derzeit frisch formatiert und dennoch bootunfähig auf meinem Nachttisch. Schlimmer geht es wohl kaum. Als Vorteil ließe sich allenfalls verbuchen, dass ich mich erstmals mit dem Betriebssystem auseinandergesetzt und dabei eine Menge gelernt habe. Langfristig eine gut investierte Zeit, heute Nacht aber fehlten mir 200 € Umsatz. 🙁

Was folgt aus all dem?

1. Ihr könntet mich demnächst in der Berliner Zeitung sehen.

2. Ich frage den ein oder anderen nach seiner Handynummer, weil ich die vielleicht verömmelt hab.

Ansonsten ist alles beim alten. Ich hab noch ein paar Tage Besuch und komme nur selten ins Netz, desweiteren freue ich mich in dieser frühen Monatsphase überdurchschnittlich viel über Amazon-Klicks. Und ich wünsche Euch einen schönen Sonntag, das ist ja klar. 😀

Eingeschränkt verkehrsfähig

Eingeschränkt verkehrsfähig – eine Wortkombination, die einem so im normalen Haushalt selten begegnet, die aber bestimmt viele lustige Haupt- und Nebenbedeutungen erhält, wenn man mit ein bisschen Interesse in der juristischen Fachliteratur blättert. Mir fallen derartige Begriffe immer dann ein, wenn es eigentlich nicht wirklich passt.

Bei dem quirligen jungen Radfahrer etwa, der mich an der Kreuzung Adalbert-/Köpenicker Straße zum Halten aufforderte. An … pah! AUF der Kreuzung! Während ich für einen kurzen Fingerzeig in Richtung eines gesuchten Clubs durchaus Zeit gehabt hätte, weil ich in dem Moment alleine dastand, schien ihm die etwas exponierte Lage, in der ich die zwei Straßen gleichzeitig unbefahrbar machte, genau der richtige Platz zu sein, mit mir mal ein bisschen über die Option einer anstehenden Tour zu quasseln. Ich lasse mir ungern nachsagen, mit der StVO überpingelig zu sein, aber sowas verstehe ich nicht.

Entsprechend hab ich ihn auch stehengelassen und bin erst einmal weitergefahren, um mich hinter der Kreuzung an den Straßenrand stellen zu können – was in dem Fall von der Sache her zwar kaum viel legaler war, aber auf einen Schlag 95% der Dreistigkeit verfliegen ließ.

So besonders aufschlussreich war sein Angebot nicht. Er fragte mich, ob ich „such a bike“ – eines von diesen DB-Dingern einladen könnte und erklärte dann, dass es eigentlich um einen Kumpel geht, der „somewhere there where the music is“ auf uns warten würde. Da er mir die „few meters“ vorausfahren wollte, hab ich die Uhr erst einmal nicht angemacht. Hätte ich können, aber in so einem unsicheren Fall sind mir 1,50 € mehr nicht den potenziellen Stress einer Fehlfahrt wert. Ich begriff schnell, dass es zum Yaam gehen sollte, was nicht nur so gegenüber des Ostbahnhofs liegt, dass es beinahe sowieso auf dem Weg lag, sondern das Level der Verpeiltheit der Protagonisten auch gut erklärte.

Tatsächlich klappte dann alles. Der Kumpel stand ewartungsvoll da und wir machten uns umgehend ans Einladen seines Fahrrades, welches ebenfalls allenfalls eingeschränkt verkehrsfähig war. Der Held hatte irgendwas mit dem Code dieses Teils versemmelt und es blockierte jetzt die Weiterfahrt. Ich hab zwar keine Ahnung, wie die Dinger genau funktionieren, aber ich vermute, er hätte das Ding auch an die Station am Ostbahnhof stellen können. Er aber wollte zum Oranienplatz – was für mich zwar nicht gerade eine umwerfend ergiebige Tour sein würde, aber immer noch besser als auf eine solche erst einmal noch eine halbe Stunde zu warten. Von der Straße weg freut man sich ja über alles.

Das DB-Rad erwies sich zudem als völlig unzickig beim Einladen, so dass wir noch innerhalb der kostenfreien Warteminute des inzwischen angestellten Taxameters lospreschen konnten. Darüber, ob der Kerl nicht im Grunde noch weniger in der Lage war, am Straßenverkehr teilzunehmen als sein deaktiviertes Fahrrad, versuchte ich mir nicht allzu viele Gedanken zu machen. Vielleicht leistete ich einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Verkehrssicherheit in Kreuzberg in diesen Stunden, wer weiß?

Die Fahrt war jedenfalls problemlos, und die am Ende auf der Uhr stehenden 6,60 € las ich mit etwas zu viel Schwung vor, bevor mir einfiel, dass mir des Fahrrades wegen noch ein weiterer Euro zustehen würde. Da grinste mich mein Passagier von der Seitenbank aber bereits an und reichte mir mit großzügiger Geste einen Zehner, den ich natürlich auf jeden Fall für meine Nettigkeit behalten müsste. Da hatte ich auch keinesfalls vor, Widerstand zu leisten. 😉

War also alles in allem eine ganz nette Fahrt. Wird mich wahrscheinlich trotzdem nicht davon abhalten, den nächsten Kerl wieder für allenfalls „eingeschränkt verkehrsfähig“ (oder so ähnlich) zu halten, wenn er mich mitten auf einer Kreuzung auf einen Plausch einlädt.

S-S-S-Sonntagsschicht!

Ich bin ja Sonntags nur sehr wenig arbeitswillig. Was vor allem daran liegt, dass mein Arbeitswille in letzter Zeit insgesamt ein wenig darniederliegt. Das Sich-Aufraffen ist ja auch so ein wichtiger Punkt bei umsatzbasierter Bezahlung …

Über die heutige Nacht meckern will ich aber nicht im Geringsten. Wenn ich ehrlich sein soll, hab ich keine Ahnung, was da genau passiert ist. Die Straßen wirkten meist wie leergefegt, an irgendeiner Ecke aber stand immer wieder ein Winker. An den Ostbahnhof gestellt habe ich mich zwar auch gelegentlich, dann allerdings meist gleich auf die erste Rücke – einmal bin ich sogar direkt wieder weggekommen. Bis auf zwei Ausnahmen waren die Touren ziemlich kurz, dafür eben wie erwähnt zahlreich.

Als gegen Null Uhr hundert Euro in Sichtweite waren, wollte ich das Auto waschen und betanken. Ohne an irgendeiner Halte Stopp zu machen, verzögerte sich der Feierabend bis 2:30 Uhr, da hatte ich dann allerdings auch über 150 € auf der Uhr.

Wie turbulent der Verlauf war, lässt sich bei meinem Tracker derzeit noch ganz gut nachvollziehen.

Dieser Sonntag lief für mich deutlich besser als der Samstag – wer hätte das gedacht?

Dafür war fast alles unspektakulär. Die meisten Geschichten der nächsten Tage stammen aus der Samstagsschicht, aber da war auch wirklich was geboten …

Ich werde mich  demnächst in die Koje werfen, nicht allerdings ohne darauf hinzuweisen, dass das für heute nicht der einzige Eintrag bleiben wird.

Ich wünsche Euch allen einen angenehmen Wochenstart, kommt also zumindest mal alle fit durch den Montag! 🙂

Große Scheine …

…waren heute Nacht nicht wirklich ein Problem. Dafür war das Kleingeldfach am Ende gut ein Kilo* schwer:

"Haste mal'n Euro?" – "Ach, wenn's nur einer wäre!" Quelle: Sash

„Haste mal’n Euro?“ – „Ach, wenn’s nur einer wäre!“ Quelle: Sash

 

*OK, hab mich verschätzt. Das Portemonnaie als Ganzes wog ziemlich genau 800 Gramm.

Die Hoffnung …

…stirbt bekanntlich zuletzt.

Heute Nacht aber war da nicht viel zu machen, ehrlich.

Gut, ich könnte mich freuen, nebenbei in „Zwei, drei, vier: Wie ich eine Familie wurde“ von Maximilian Buddenbohm reingelesen zu haben. An und für sich eine gute Sache, denn in Puncto Alltagsgeschichten ist Buddenbohm für mich eines der kleinen großen Vorbilder für mich als Autor. Mein eBook „Papa, ich geh zum Zirkus! oder: Karriere – kann man das essen?“ hätte ich wahrscheinlich nie so geschrieben, hätte ich bei Buddenbohm nicht gesehen, dass man sowas kann, ja: darf.

Aber mal ehrlich: Als Fazit einer Schicht im Taxi wäre ein Link zu einem gelesenen Buch doch etwas dröge, oder?

Für einen Freitag lief es schlecht. Sehr schlecht. Mein Gesamtumsatz blieb zweistellig – was aber wiederum auch nur Teil meiner neuen Philosophie war, nicht zu arbeiten, wenn es hell ist. Ich hab seit Anbeginn meiner Taxifahrerei nicht gemocht, wenn es hell ist, also vermeide ich es nun. Das ist nicht unbedingt leicht in einer der kürzesten Nächte des Jahres, aber ich hänge dann tatsächlich lieber eine halbe Schicht mehr an. Haltet mich für bekloppt, denn das bin ich wahrscheinlich auch. 🙂

Das ein und andere Mal habe ich mich heute über meinen Job und mein Leben unterhalten – und bin immerhin nicht auf Ablehnung gestoßen. Also sollte das wohl passen …

Bleibt nur zu hoffen, dass heute in der Stadt mehr gefeiert wird als gestern. Aber Ihr macht das, da bin ich guter Dinge! 😀

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Überraschendes

Die 1925 stand recht einsam auf der zweiten Rücke, will heißen: andere Straßenseite. Ich stand bei Kollege Werner am Auto und diskutierte wie jeden Abend mit ihm die mittelprächtigen Umsätze. In solchen Situationen bin ich manchmal fahrlässig. Ich lasse das Auto offen, so lange ich es noch gut im Blick hab. Insgesamt ist der Taxistand am Ostbahnhof ja eine recht belebte Gegend, aber so lange ich binnen 5 Sekunden am Wagen bin, mache ich mir keine Sorgen, dass da was passiert. Zumal die Kollegen ja auch immer ein Auge offen haben.

Nun näherte sich eine etwas verpeilt wirkende Gestalt meinem Auto und ich konnte ausnahmsweise nicht sofort über die Straße rennen, weil ein Auto kam. Ich signalisierte meine Bereitschaft durch ein Rufen, doch der Kerl nahm mich gar nicht wahr. Als ich sah, wie er die Türe öffnete und einstieg, hatte ich kurz Panik, die aber umgehend verflog, als ich dann endlich ans Auto kam. Der Typ hatte sich einmal auf die Rückbank geschmissen und hatte die Augen zu. Soweit ja ganz gut, aber: WTF?

„Moin. Wo soll’s denn hingehen?“

fragte ich ihn, als ich mich auf den Fahrersitz schmiss.

„Nirns. Ischlafhiernur!“

„Ähm, nee. Also das wird nix!“

„Najutdannfahrnwerhalt …“

„Wohin?“

„Na, ersmaschöneweide.“

Na, aber hallo. Auch noch eine gute Tour. Hab ja nicht wirklich viel erwartet bei der Sache. Das im Übrigen auch mal als Hinweis an die Kritiker, die mein Verhalten bezüglich meines Frustfangs neulich für zu locker hielten.
Die nächsten 20 Sekunden verbrachten wir mit einer ziemlich gestammelten Unterhaltung, bis er sich aufrappelte und meinte:

„Ich kann so’n Scheiß nicht lange aufrecht halten, sorry. Bin’n Leser. Aber hey: Gute Reaktion!“

Erwischt! Voll erwischt! Ich hatte echt nicht den Hauch einer Ahnung. Aber natürlich war ich froh darum, dass die Fahrt sich nun deutlich einfacher gestaltete als mit einem Totalausfall, der im Taxi nur pennen will. 🙂

Ich war an dem Abend wirklich nicht in Höchstform, beinahe hätte Micha es sogar geschafft, mich beim Bezahlen um einen Fünfer zu bringen – was ich aber als Scherz werte, keine Sorge. War auf jeden Fall mal wieder ein sehr innovativer Versuch, hier im Blog erwähnt zu werden!

Ich bin froh, dass mich nicht alle so auf die Schippe nehmen, wenn sie mich treffen, aber ich kann über sowas durchaus lachen. Bei ’nem Fünfer Trinkgeld umso mehr. 😉