WM-Auftakt

Nun ist also wieder Fußball-WM, eine Feierlichkeit, die mich jedes Mal vor Herausforderungen stellt. Zum einen ist mir Fußball als Profisport vollkommen egal, andererseits mag ich das Spiel an sich sehr. Ich kann mit dem Brimborium und Patriotismus während der WM nix anfangen, freue mich aber über die ausnahmsweise fast durchgehend sehenswerten Spiele währenddessen. Und meine „Schwäche“, keinem Land besonders den Sieg zu gönnen, macht diese Spiele dennoch vergleichsweise öde.

Statt mich um den Verstand zu trinken, um doch noch blöd genug zu werden, eines der Teams als wichtiger zu werten und den Bauch rausstreckend zu verkünden, was welcher Trainer alles falsch macht, werde ich wohl wieder die Taktik wie bei der letzten WM anwenden: einfach mal per Dekret für Uruguay* sein und das verhältnismäßig wichtig finden. Klappt nur so lala, aber es soll ja der Unterhaltung dienen und Unterhaltung ist immer gut.

Nun ist diese WM zeitlich schwierig. Im Gegensatz zu den meisten anderen müsste ich zum Ansehen der Spiele zwar nicht meine Nachtruhe schmälern, wohl aber meine Arbeitszeit – und das ist auch nicht so lustig, wenn man kein Festgehalt bekommt …

Und gleich gestern zum Eröffnungsspiel habe ich dann wieder festgestellt, wie sich die WM auf Deutschland auswirkt, wo Fußball eine so große Rolle spielt: die Straßen waren leerer als leer. Während den (wichtigen, interessanten oder deutschen) Spielen ist umfassend tote Hose auf der Straße. Alle Fans – und wer ist nicht irgendein Fan zurzeit? – sind zu Hause, in Kneipen, beim Public Viewing. An ein gutes Geschäft im Taxi ist da nicht ansatzweise zu denken. Gut, danach wollen alle schnell heim, aber Rekordumsätze kann man eher nicht erwarten im nächsten Monat. Gestern hab ich das durch längeres Arbeiten ausgeglichen, heute werde ich wohl einfach mit weniger Umsatz leben müssen … 🙁

Als Taxifahrer freue ich mich auf das Ende des Spektakels. Als gelegentlicher Zuschauer erfreue ich mich aber daran – natürlich pflichtbewusst nur so lange Uruguay gewinnt. 😉

*Uruguay war zum einen das erste WM-Land überhaupt, außerdem hatte es bei meiner Wahl zum Lieblingsland eine höhere Breitbandverfügbarkeit als Deutschland und zudem einen Präsidenten, der gelernter Blumenzüchter ist und nicht mehr verdient als ich. Natürlich ist dieses Land damit nicht besser als unseres hier, aber wenn es um die Benennung der Vorteile geht, bin ich ungefähr 99% der deutschen Fans argumentativ überlegen, das reicht mir. 🙂

Überraschung!

Öfter mal was neues! Man hält sich ja an, nicht immer nur den selben Quatsch zu machen.

Ich – als Inbegriff eines Gewohnheitstieres – komme nicht so oft von selbst auf neue Ideen, kann aber immerhin recht sicher sein, dass meine Fahrgäste da auch von alleine für sorgen. So hatte ich ja nun schon einige Leserfahrten mit Euch – allen bisher aber war gemein, dass ihr davon wusstet. Nun ergab sich die Chance, daran etwas zu ändern. Was gar nicht so leicht war.

Vor einiger Zeit nämlich meldete sich Felicitas Then bei mir. Das; traurigerweise, wenn man ehrlich ist; nicht etwa, um für mich zu kochen, sondern um mich zu fragen, ob wir es irgendwie hinkriegen würden, dass ich als Überraschung zum Geburtstag ihres Freundes Tammo auftauchen würde. Und das gestaltete sich nicht so leicht wie gedacht, denn handelsübliche Geburtstage haben den Nachteil, außerhalb meiner Arbeitszeiten zu liegen.
Am Ende waren es zwei Telefonate und mehrere Mails, bis der Plan stand, einmal wurde sogar mein Schlaf vorzeitig beendet. Aber zu guter Letzt stand ich als Überraschung mit einer noch erstaunlich kühlen Flasche Sekt in Kreuzberg und habe mal wieder zu spät gemerkt, dass Aliens sich wie vor jeder Fahrt mit anschließendem Foto meiner Frisur bemächtigt hatten.

Ganz sicher entspannter als am Vorabend, als die beiden damit beschäftigt waren, 300 Burger fürs Hoffest des regierenden Bürgermeisters anzurichten, standen sie dann pünktlich vor mir und dank viel Selbstdisziplin bin ich wohl eine gute Wahl gewesen. Die Tage davor hätte ich nämlich gerne irgendwas angedeutet, aber wie soll man das machen, wenn man weiß, dass es insbesondere von der Person gelesen wird, die es zu überraschen gilt?

So gesehen ist nicht nur vom Überraschungen nicht ganz so sehr mögenden Geburtstagskind sondern auch von der Überraschung selbst einiges an Spannung abgefallen, als wir letztlich fröhlich plaudernd zu dritt in der 72 saßen. Am Ende sind es zwei Fahrten geworden, beide schön – gerade im Vergleich zur sonst sehr mauen halben Schicht.

Gut, darüber, dass ich in einem Anflug völliger geistiger Umnachtung einmal beinahe 4 € Wechselgeld zu wenig rausgegeben habe, sollte ich vielleicht besser schweigen, aber sonst glauben ja wieder alle, sowas passiere mir gar nicht. Da will ich meinem Aufklärungsauftrag dann ja doch auch nachkommen. 😉

Wäre die angedachte dritte Fahrt noch zustande gekommen, wäre ich in dem Abend mehr Privatchauffeur als Taxifahrer gewesen, was eigentlich ganz ok war. Insofern, an Felicitas gerichtet: wenn das mit dem eigenen Chauffeur irgendwann klappt, sieh‘ das hier einfach als Bewerbungsschreiben! 😀

Und nun, abschließend, wie sicher schon erwartet: das Beweisfoto (dafür, dass sich schon wieder Aliens an meiner Frisur zu schaffen gemacht haben)

Sash, Felicitas, Tammo. Quelle: auf Autodach abgestellte Kamera.

Sash, Felicitas, Tammo. Quelle: auf Autodach abgestellte Kamera.


Pfingsten … das alte Spiel

Familienbesuch, großes Treffen im Garten zur Schlafenszeit – und dann auch noch das warme Wetter gestern: es war abzusehen, dass das ein Wochenende mit nur begrenzter Arbeitszeit werden würde. Vorhersehbar, aber trotzdem wie immer ein wenig absurd, zwischendrin mal 28 Stunden am Stück wach zu sein. Aber wie soll ich auch um 4 Uhr schon ins Bett gehen?

Meine Revanche war dann, als einziger am Tisch zu jubeln, als ausgemacht wurde, dass die große Feier nächstes Jahr anlässlich eines Geburtstages auf einen Mittwoch fällt. Haha! 🙂

Ich wurde gestern bei Twitter mal wieder gefragt, wie lange ich das mit der Nachtschicht schon und ggf. noch machen möchte. Fast alle Kollegen haben das schließlich irgendwann mal aufgegeben. An Wochenenden wie jetzt erschließt sich mir das sogar, sonst noch nicht wirklich. Ich werde wohl noch ein Weilchen dabei bleiben.

Nun, jetzt wo ich Chancen habe, wieder in meinen Takt zu kommen, beginnt mein Wochenende. Mit bis zu 37°C, wenn man dem Wetterdienst glauben darf. Da isses dann ja auch schon wieder egal, ob man bei dem Wetter arbeiten oder schlafen muss. Zumindest ich bin da in beidem recht schlecht.

Aber hey: Sommer! \o/

Uber, Taxi-Demos und all das

So wie es aussieht, wird es am 11.6.2014 eine Taxi-Demonstration gegen Uber in Berlin und anderswo geben. Ein gemeinschaftliches Aufbegehren der Taxifahrer in verschiedenen Ländern. Die Infos dazu sind noch dünn, aber das ist im Grunde auch egal. Ich weise auf die Demo zwar gerne hin, aber ich schreibe das hier nicht deswegen, sondern weil ich in letzter Zeit öfter mal kritische Kommentare über die Gegenwehr der Taxler gelesen habe.

Da ist von Taxi-Kartellen die Rede, davon, dass wir ein Monopol schützen wollen und altbacken und technophob wären und einer revolutionären App wie UberPOP den Zugang zum Markt verweigern wollten. Nun ja.

Hey, ich bin ein kritischer Mensch und setze mich selbst als Taxifahrer mit dem Gewerbe entsprechend auseinander. Was also ist dran?

Eine gewisse Technophobie würde ich dem Gewerbe gerne unterstellen, schließlich ist es mit dem Internet und den Apps noch nicht richtig warm geworden. ABER: Wie überall betrifft das nur einen Teil, das Taxigewerbe ist wahnsinnig differenziert. Ich schätze z.B., unter den MyTaxi-App-Usern über 40 Jahren ist der Anteil der Taxifahrer überproportional hoch. Wenn es Geld bringt, machen Taxifahrer vieles. Schon alleine, weil wir bisher nur wenig Geld haben. Wie weit es solche Einstellungen in die höheren Strukturen des Gewerbes schaffen, ist aber wieder eine ganz andere Frage.

Ob Taxifahrer gegen revolutionäre Änderungen sind? Nun ja, da sind wir wohl ähnlich gespalten wie der Rest der Republik.

Mein wichtigster Einwand richtet sich gegen die Monopol- und Kartell-Vorwürfe. Denn das sind schwierige Fragen, die viele Menschen in ihrer Gesamtheit nicht wirklich nachvollziehen können und vielleicht deswegen falsch einschätzen. Ja, wir Taxifahrer wehren uns gegen die Angriffe von Uber und ja, wir verlangen in diesem Rahmen, dass man Sondergesetze beibehält, die es unseretwegen gibt. Und selbst ich, der ich wirklich kein Freund von übereifrigem Protektionismus bin, kann da mitgehen.

Warum?

Mir geht es weniger um meinen Geldbeutel als um Fairness. Und einen entscheidenden Part, den Uber und sicher viele andere vergessen: Wir Taxifahrer sind Teil des öffentlichen Nahverkehrs. Ich weiß, für manchen da draußen ist Taxifahren eine Luxusdienstleistung. Für mich gewissermaßen auch. Ich fahre normalerweise mit der Bahn zur Arbeit. Aber wir schließen tatsächlich die letzte Mobilitätslücke in diesem Land. Wir sind auch da, wenn keine Bahnen fahren. Wir sind die letzte Rettung, wenn nichts mehr geht. Taxifahren ist nicht nur die bequemere und luxuriösere Variante, in Berlin von einem Club besoffen nach Hause zu fahren, weil man keinen Bock auf Warten hat. Taxifahren ist auch, gehbehinderten Rentnern auf dem Land eine Möglichkeit zu geben, vom Arzt nach Hause zu kommen, wenn die nächste Haltestelle mehrere Kilometer entfernt liegt.
Um das zu gewährleisten, werden uns Pflichten auferlegt. Jede Menge. Unsere Autos müssen Spezifikationen erfüllen, die Fahrer müssen Prüfungen bestehen, wir müssen eine gewisse Dienstzeit einhalten, wir dürfen unsere Preise nicht frei bestimmen. Im Gegenzug erhalten wir staatliche Unterstützung: es gibt Taxihalteplätze auf der Straße, wir müssen nur 7% Mehrwertsteuer erheben, sowas eben. Damit sich das Ganze rechnet, sind wir nebenbei auch Anlaufstelle für Touristen, Betrunkene, Verirrte und Besserverdienende.

Dass Limousinen uns letztgenannte Kundschaft abspenstig machen wollen, ist prinzipiell ok. Wenn sie ein Angebot haben, das die Kunden schätzen, dann gönne ich ihnen das. Ich bedauere ja selbst, dass im Taxigewerbe viel zu wenig auf die Qualität geachtet wird. Wenn sich enttäuschte Kunden andere Dienste suchen, ist das ihr gutes Recht.

Das Problem an Angeboten wie UberPOP ist also wirklich nicht, dass sie uns Kundschaft abspenstig machen. Damit müssen auch wir leben und gegebenenfalls einfach besser werden als die Konkurrenz. Das Problem ist, dass sie – gegen geltendes Recht – Fahrer ohne P-Schein einsetzen. Während wir Taxifahrer uns einer harten Prüfung bezüglich der Ortskunde stellen müssen, können sich das die Uber-Fahrer sparen. Und sparen ist das richtige Wort, denn: Ausbildungen kosten Geld. Und während Uber im Falle eines Engpasses die Preise erhöhen kann, können wir Taxifahrer das nicht. UberPOP-Fahrer dürfen Kunden ablehnen, wir nicht.

Ich weiß, in Berlin klingt das lächerlich, hier sind so viele Taxen unterwegs, man kann sich Engpässe kaum vorstellen. Aber wo bleibt die Mobilität, wenn wir einem Rentner mitteilen würden, dass seine Fahrt heute statt 10,20 € eher 56,40 € kosten würde? Einfach, weil am anderen Ende der Stadt eine Messe ist.
Taxifahren ist nicht billig. Kann es leider nicht sein, denn auch wir Fahrer müssen von irgendwas leben und es ist teuer, sich einen eigenen Angestellten mit einem teuren Gerät zu mieten, sorry. Aber wir halten die Preise dadurch halbwegs im Zaum, dass wir gute Standplätze haben, wenig Steuern zahlen und hier und da auch mal eine lukrative Touristenfahrt haben. Deswegen wird das Taxigewerbe geschützt: damit es für die dort arbeitenden Menschen drin ist, zu festen und fast schon vorhersagbaren Preisen Menschen befördern zu können, auch wenn es sich im Einzelfall mal nicht wirklich lohnt.

(Es ist wirklich ein schwieriger Balanceakt, die Zahl der Taxen hoch genug zu halten, um auch in Sondersituationen den Ansturm zu meistern und andererseits in schwachen Zeiten trotzdem genug Geld für die Fahrer einnehmen zu können.)

Es gibt Platz für Mitbewerber. Der ist durch diese Einschränkungen natürlich begrenzt, aber mit begrenzten Ressourcen haben wir alle zu kämpfen. In vielen Städten gibt es z.B. Mietwagen (meist bekannt als „Minicars“), die diese Lücke besetzen. Und eben Limousinenservices wie Uber ja eigentlich auch einer ist. Die Frechheit der Macher von UberPOP ist nicht, dass sie (teilweise – also wenn es passt) bessere Preise anbieten. Sondern dass sie sich gerne die zahlungskräftigen Kunden rauspicken, sich illegal über Beschränkungen hinwegsetzen und damit das bislang halbwegs funktionierende Modell zerschießen.

Um ehrlich zu sein: Ja, vielleicht ist UberPOP in diesem oder jenem Moment für die Kunden interessanter, da billiger. Und wir müssen alle auf unser Geld achten, nicht wahr? Aber denkt daran, womit es erkauft ist. Ich könnte als Taxifahrer auch mal hier und da einwilligen, einen Festpreis von 12 € vom Ostbahnhof zum Flughafen Tegel zu machen – aber halt nur, wenn ich von Tegel aus dann die Touristen um einen Zehner prelle. Legal kann ich das nicht machen, da die Berlin-Heimkehrer zum gewohnten Preis gefahren werden müssen – und so sehr ich stellenweise über die beschränkte Flexibilität fluche, so ist es doch auch gut, dass man als Kunde vorher einschätzen kann, was es kostet.

Mal ganz davon abgesehen, dass man sich mal überlegen sollte, wie die Uber-Fahrer bezahlt werden. Im Gegensatz zum Taxi werden 19 statt 7% Mehrwertsteuer fällig. Im Gegensatz zu z.B. MyTaxi fallen 20% Provision an statt maximal 15. Rentabel wird das erst dadurch, dass eben allerlei Auflagen, mit denen wir Taxifahrer zu kämpfen haben, nicht erfüllt werden. Und das, man kann es nicht oft genug wiederholen, illegal. Von den UberPOP-Fahrern wird noch nicht einmal eine Gewerbeanmeldung verlangt.

Natürlich sind wir Taxifahrer nicht der Nabel der Welt, nicht unfehlbar und unersetzlich. Aber ich versuche das jetzt mal mit wenigen Worten zusammenzufassen:

Ein internationales Multimillionen-Dollar-Unternehmen steigt in die deutsche Personenbeförderung ein. In ein Gewerbe, in dem tausende Einzel- und Kleinunternehmen mit Mühe und Not Geld unter dem angedachten Mindestlohn einfahren. Um das lukrativ überhaupt leisten zu können, verzichtet es auf sage und schreibe alles, was machbar ist. Da die Fahrer keinen P-Schein brauchen und kein Gewerbe, fördern sie gleichermaßen Schwarzarbeit wie mangelnden Versicherungsschutz von Fahrern und Fahrgästen. Die umfangreichen Ausbildungen oder die pingeligen Anforderungen an die Fahrzeuge ignoriert man gleich mit. Kostet ja alles Geld. Am Ende bieten sie eine 20€-Taxifahrt für 3 € weniger an. Wenn ihnen das passt. Können auch mal 50 € mehr sein, ist aber ganz selten, versprochen!

Und dann stellen die sich in den Medien als arme von Taxi-Kartellen bedrohte schützenswerte Innovationsbude hin?

Einmal jährlich TÜV, einmal jährlich Taxameter eichen lassen – überhaupt ein Taxameter kaufen!, Geld für Alarmanlagen, Dachschilder etc. pp. Ein halbes Jahr lernen auf die Ortskundeprüfung, ggf. die Schulung bei der IHK, mancherorts Geld für eine Konzession, das Einhalten von Arbeitszeiten, das Bezahlen von Steuern etc. pp …
Sicher, das alles wegzulassen, um am Ende 3 € billiger zu sein: das ist wirklich innovativ. Schätze aber, das wird bei den Richtern nicht das Wort der Wahl sein …

Das Personenbeförderungsgesetz, gegen das das Unternehmen jetzt wettert, ist in erster Linie ein Verbraucherschutz. Damit nicht jeder Depp mit jedem Auto gewerblich Personen befördern darf. Gleichermaßen sind die Hürden dort zumindest mal so niedrig, dass immer noch über Taxifahrer geschimpft wird und es unzählige Mitbewerber in Deutschland gibt, die – ob mit Minicars oder Limousinen – auch ihre Nische gefunden haben. Und wir Taxifahrer im Speziellen haben gegen ein paar zusätzliche Pflichten auch ein paar Sonderrechte, damit wir eine Versorgung garantieren können.
Die Regelungen mögen nicht perfekt sein, nicht ohne Grund wird auch bei uns im Gewerbe viel gemeckert. Aber es ist doch wohl nachzuvollziehen, dass wir uns nicht gefallen lassen, wenn die von Uber mit Dollarscheinen wedeln und behaupten, für sie würden die Regeln nicht gelten.

An dieser Stelle verlinke ich gerne den offenen Brief von Richard Leipold – jenem Unternehmer, der gegen Uber – allerdings den Limousinendienst, nicht UberPOP – eine einstweilige Verfügung (in dem Fall wegen dem illegalen Bereithalten der Autos) erwirkt hat. Ein – Respekt dafür! – wirklich sinnvoller und unpolemischer, fast schon sachlicher und konstruktiver Beitrag zur Debatte: Offener Brief von Richard Leipold

Ja, sicher: dem Taxigewerbe an sich geht es natürlich durchaus auch ums Geld. Es ist schwierig genug, in dem Gewerbe sein Auskommen zu haben und selbstverständlich ist auch das ein Grund, sich zu wehren, wenn andere mit unfairen Methoden den Markt kaputt noch kaputter machen. Schlimm genug, dass man die schwarzen Schafe in den eigenen Reihen nicht in den Griff bekommt – aber da verhallt unser Rufen nach dem Eingreifen der Politik ja auch seit Jahren. Wer glaubt, hier sei irgendein Kartell an der Macht, der sollte sich mal den Kampf der Gewerbevertretungen untereinander und den ständigen Clinch mit dem LABO reinziehen …

Zu guter Letzt:

Liebe Leute von Uber,

Taxen im Preis unter-, in der Qualität aber überbieten. Und dabei noch mehr Geld rausholen. Das ist ein echt hehres Ziel, Respekt! Aber seid Ihr wirklich so bescheuert, dass Ihr glaubt, wir hätten noch nie in den letzten 100 Jahren versucht, besser, billiger und lukrativer zu werden? Was glaubt Ihr wohl, warum wir’s nicht geschafft haben?
Das ist kein Vertrauen in die eigene Innovation mehr, das ist dumm und naiv.

Lassen Sie mich durch …

ich muss mal eben jemanden glücklich machen!

Begeisterungsfähige Kundschaft findet sich öfter mal im Taxi. Diesen Blogeintrag schreibe ich tatsächlich, um jemanden glücklich zu machen. Er war mir als Kunde vor dem Berghain ins Auto gesprungen, als Ziel hatte er eine Adresse in Prenzl’berg. War ich mir am Anfang der Fahrt noch nicht so recht sicher, ob ich das Reden nicht besser einstellen sollte, weil er etwas ruhebedürftig erschien, kamen wir dann letztlich doch gut ins Gespräch. Er war einer von jenen, die zu guter Letzt nachfragten, was genau ich nebenher machen würde, und so kamen wir auf das hier:

GNIT, den Buchvertrag, das Schreiben eben. Ein „Toll, freut mich für Sie!“ oder ein leicht skeptisches „Klingt interessant.“ kriege ich darauf oft zu hören. Er jedoch wirkte so happy wie ich, als ich die Unterschrift unter den Vertrag gesetzt hatte. Er schwärmte mir vor, dass er das Schreiben für die größte aller Künste hielt und bat mich am Ende sichtlich gerührt, dass ich doch bitte diesen kurzen Eintrag schreiben solle. Eine kleine Erwähnung, dass er mich für clever halten würde. Dann wäre er glücklich.

Ich habe mit dem Schreiben schon viel erreicht. Aber wie sollte ich nein sagen, wenn ich so fix – im Vorbeitippen quasi – auch noch einen Menschen glücklich machen kann? 🙂

Verliebt, verlobt, verheiratet

Mir ist gerade – nach 6 Jahren, boah wie schnell ich bin! – aufgefallen, dass es ein ziemlich interessantes Thema ist, was ich den Fahrgästen von mir erzähle. Und was nicht.

Ich komme jetzt wegen der Tour drauf, die ich gestern erwähnt habe, mit den beiden Typen und dem guten Trinkgeld. Wie üblich ging es ganz einfach darum, was mich nach Berlin verschlagen hat. Denn dass ich nicht von hier bin, hört man einfach. Trotz Tarnung. Wie ihr Leser alle wisst, hatte das Beziehungsgründe. Es sind noch nicht alle so lange dabei, um das zu wissen, aber die meisten haben es mal mitgekriegt.

Bei der Tour hab ich am Ende die exakt 4,20 € Trinkgeld mit den Worten „Gehste mal’n Kaffee trinken mit deiner Frau …“ bekommen. Das – so toll es ist – ist natürlich auch komisch. Hat man da jetzt irgendwem Fremdes nicht ein bisschen viel verraten? Es ist vielleicht komisch, sich das in einem öffentlichen Blog zu fragen, aber Ihr als teilweise anonyme Leser wisst sicher fast noch besser als ich, was das für ein Unterschied ist, irgendwo was reinzuschreiben, oder es jemandem von Angesicht zu Angesicht zu sagen.

Ich hab für mich die Frage mit „Ach was!“ ausreichend beantwortet, denn ehrlich gesagt gehe ich selten arg viel mehr ins Detail. Weder über mein Leben noch über das von Ozie ist damit viel gesagt. Ich bin also einer von ein paar Millionen Menschen in diesem Land, die eine Beziehung haben, buhu!

Aber so unwichtig ist das gar nicht, das Reden. Nicht ohne Grund habe ich jetzt (von einem, der der Liebe wegen Berlin verlassen hat) ein gutes Trinkgeld mit Themenbezug gekommen. Zumal ich zwei Dinge nicht gut kann: zum einen Leuten permanent „Das verrate ich nicht!“ zu sagen, zum anderen sie anzulügen.*

Wenn ich das könnte (und wollte, versteht sich. 😉 ), würde ich sowieso ständig Geburtstag haben oder die ganze Woche durch reihum meine nahe Verwandtschaft für tot erklären – schließlich wirkt sich Mitleid extrem trinkgeldfördernd aus. Das hab ich schon im Behindertenfahrdienst an Weihnachten gelernt. Aber gejammert wird auf der Straße genug, mir reicht es eigentlich, mich mit der ein oder anderen Kundschaft ehrlich zu unterhalten. Ich mach mir gerne mal hier und da das Leben durch psychologische Effekte einfacher, übertreiben muss man das ja dann auch nicht …

*da gibt es zugegebenermaßen eine Ausnahme: den Verdienst. Einer Menge Leute begegne auch ich sicherheitshalber mit der Notlüge, ich hätte gerade angefangen, bzw. bisher kaum was eingenommen, um ggf. die Chance, überfallen zu werden, zu senken. So wenig panisch ich bezüglich Überfällen bin, so wenig bin ich da leichtgläubig.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

Abonniert doch den RSS-Feed von GNIT. Mehr von Sash gibt es außerdem bei Facebook und bei Twitter.

Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Back in Town

BÄM, da bin ich wieder! Also metaphorisch gesprochen. Wirklich weg war ich nicht, aber ich hatte die letzten zwei Tage nicht wirklich Nerven für GNIT. Fragt mich nicht, warum – ich weiß es selbst nicht. Woran es nicht liegt, ist das Taxibuch. Denn auch wenn ich vergleichsweise fleißig daran schreibe (168 Seiten von 250 bisher), nimmt das gar nicht so viel Zeit in Anspruch. Meinen Blog auf Eis legen muss ich dafür nicht wirklich. Vielleicht mal kurz vor der Manuskriptabgabe im Herbst wegen viel Klein-klein, aber ich würde nicht darauf wetten.  🙂

Nö, war einfach nix spannendes passiert und ich hatte nicht vor, irgendwas spannendes zu machen. Ganz einfach. Und im Taxi saß ich sowieso nicht.

Die neue Woche fängt vielversprechend an. Meine halbe Donnerstagsschicht war so kurz wie schon lange keine mehr – wider Erwarten hat sich der gestrige Herrentag dann doch noch aufs Taxigeschäft ausgewirkt. Die letzten Jahre hab ich das immer gehofft und wurde meist enttäuscht. Gestern hat das dann auch deswegen gut gepasst, weil ich spät los bin. Richtig spät. Eigentlich wollte ich hier in meinem Zimmer nur kurz ein Regal sauber machen und die Rückwand wieder fixieren, dann hatte sich das blöde Ding aber im Laufe der Jahre – und insbesondere eines Abends, als ich nicht mehr ganz nüchtern von einem Twitter-Treffen heimkam – ziemlich verzogen und konnte nur durch zusätzliches Anschrauben einiger Komponenten wieder in Form gebracht werden. Was – in Kombination mit meinem späten Erwachen – für ziemlichen Zeitdruck am Abend sorgte.

Gut, Donnerstag. Halbe Schicht, wie gesagt. 70,00 €, dann Heimflug. Das kann sehr schnell gehen – tut es halt selten. Gestern hatte ich gleich einen Winker, danach stand ich am Bahnhof. Da war zwar die Schlange sehr kurz (hab mich als achter angestellt), aber kaum dass ich auf Position 1 war, war wieder Ruhe im Karton.

Um 22.32 Uhr – 3 Minuten vor dem nächsten Zug – kamen dann 2 Paradegestalten der Zombieapokalypse jedes Herrentags zu mir und wollten immerhin „erstmal“ nach Neukölln. Das nur auf dem zweitkürzesten Weg, und weiter ging es ja auch noch. Nach Plänterwald. Ist nicht die Welt, aber nach anfänglicher Skepsis hab ich festgestellt, dass die beiden zwar schon genug getrunken hatten, aber durchaus noch taxitauglich waren. Sehr zu meiner Überraschung, und noch mehr zu meiner Freude, gab es satte 4 € Trinkgeld auf die 18€-Fahrt. So darf das laufen! 🙂

Exakt anderthalb Stunden nach ihrem Einstieg, um 0:32 Uhr, hab ich mich nochmal für eine Kippe am Ostbahnhof gestellt. Mal gucken. Da das aber noch mindestens eine halbe Stunde zu dauern drohte, bin ich heim. Und das zufrieden. In der Zeit hatte ich nämlich insgesamt 67 € Umsatz gemacht – was zusammen mit dem ersten Winker locker über die angepeilten 70 gereicht hat. Sicher hätte ich gerne noch einen weiteren Winker zum Abschluss gehabt, aber arg viel zu toppen war an dem Verlauf eh nix mehr.

Und ich kann’s nur immer wieder sagen: So ist das leider nicht immer.

Aber gut, jetzt noch 2 Tage Mai – und dann fängt ja schon der neue Monat an. Und der darf gerne so laufen wie dieser Monat … ach, meinetwegen sogar wie die gestrige Schicht. 😉