Bestes Trinkgeld ever?

Leider nein. Allerdings wäre es das gewesen, wenn der Kunde sich nicht versprochen hätte:

„So, und dann wären wir bei genau 15 €.“

„Machen sie bitte sechzig.“

Ich hätte es ja gerne gemacht, aber leider meinte er natürlich sechzehn… 🙁

In letzter Zeit hatte ich allerdings mal wieder einige komische Trinkgeldgeber. Ich hatte die „Machen-sie-11,80-€“-Frau, die wie immer genau einen Euro gegeben hat. Dann hatte ich einen ganz sonderbaren Typen, der sich nicht entscheiden konnte:

„Machen sie 16. Ach nein, sie können auch 16,50 € machen. Ist aber blöd mit dem Wechselgeld. Machen sie gleich 17. Aber 16 wäre schon auch ok, oder? Ach jetzt rede ich hier rum, machen sie 17 oder irgendwas in der Art…“

Ein paar trinkgeldlose Fahrten hatte ich natürlich auch, insbesondere die Flughafentour für 29,80 € war hart. Der Rekord dagegen liegt bei 7,40 € von einer Vorzeigerentnerin, die ich von einer Tagesreise heimgefahren habe.

Alles in allem hat es aber gepasst, die üblichen 10% sind es am Ende geworden…

Liebe Kollegen,

ich muss doch mal eine Sache loswerden:

Manchmal nervt ihr mich!

Und ja, ich meine ausnahmsweise mal nicht nur die Arschlöcher, die für Kundenschwund sorgen, sondern allerlei andere und durchaus auch sehr nette Kollegen, die ich gerne immer mal wieder sehe.

Wie kommt’s?

Inzwischen hat sich in meinem Blog, an meinen 2 bis 5 Halteplätzen und offensichtlich noch ein ganzes Stückchen weiter herumgesprochen, wie meine Wenigkeit arbeitet. Oder wie ich meistens arbeite. Kurzum: Es geht darum, dass ich oftmals am Ostbahnhof stehe und vor allem aber darum, dass ich den scheinbar gottgegebenen Funk nicht nutze.

Mal unter uns: Jeder von uns hat seine Macken, und es mag sein, dass meine an der ein oder anderen Ecke etwas ausgeprägter sind. Ich möchte an der Stelle nicht außer Streit stellen (ich hab es dem Anwalt meines Ex-Vermieters versprochen, dass ich mir diese Formulierung merke!), dass ich ein Gewohnheitstier bin und eine eigenwillige Arbeitsauffassung vertrete. Auch den Lesern möchte ich an dieser Stelle zurufen: Ich bin nicht das Taxigewerbe! Ich bin ein einzelner Fahrer mit persönlichen Ansichten und Vorstellungen!

Aber: Ich mache den Job jetzt immerhin seit rund zweieinhalb Jahren. In dieser Zeit hatte ich mindestens 99% zufriedene Kundschaft und auch ich bin zu einem sehr hohen Prozentsatz mit meiner Arbeit zufrieden. Mein Chef ist zumindest mal nicht sichtbar verärgert und abgesehen von ein oder zwei ungerechtfertigten Beschuldigungen hab ich wohl noch nie bei einem Kollegen für Verstimmung gesorgt. Also bitte: Was soll falsch daran sein, wie ich meine Arbeit mache?

Neulich hat mich mal wieder ein Kollege belehrt, dass ich ja „viel mehr Umsatz“ gemacht hätte, wenn ich jetzt die gerade ausgerufene Fahrt angenommen hätte. Kurz darauf traf ein weiterer ein, der von jenem Kollegen gehört hätte, dass „die 1925“ wohl keinen Bock auf Umsatz hätte…

Wir machen einen Job, der einem verdammt viele Freiheiten bietet. Unter anderem im Prinzip, dass wir während unserer Schicht machen können, was wir wollen. Wir müssen / sollen / wollen uns korrekt verhalten, wenn wir Kunden an Bord haben – und das tun sicher alle mehr oder weniger, mit denen ich rede. Da sind die Unterschiede marginal. Der eine ist eher genervter bei kurzen Touren, der andere unnachsichtiger bei nerviger Kundschaft, aber letzten Endes einigen sich doch alle darauf, dass wir die Kunden gerne ordnungsgemäß und heil ans Ziel bringen und gerne möglichst viel Geld auf legale Art und Weise dabei verdienen wollen.

All der andere Quatsch bezieht sich auf die Frage, wie man Kunden gewinnt, bzw. wo man sie aufgabelt. Und jeder von uns hat da andere Vorstellungen. Es gibt Kollegen, die ausschließlich am Flughafen Kundschaft aufnehmen – ja, manche von denen machen auf der Rückfahrt sogar die Fackel aus!
Manche stellen sich nach jeder Fahrt an die nächstliegende Halte und sorgen so für einen bombigen Kilometerschnitt. Andere haben ein paar Halten und fahren nur selten nach Funk. Manche haben Doppelfunk und nehmen auch die letzten Aufträge in 25 km Entfernung an, andere bedienen fast ausschließlich Stammkundschaft. Ein paar unerschrockene Neulinge verlassen sich auf die Handy-Apps und manche fahren wie ich stumm und sammeln ihre Kundschaft an ein paar Halten (gibt ja nicht nur welche mit Publikumsverkehr) und auf der Straße ein.

Jede Arbeitsweise ist für sich gesehen nicht dumm, und gleichzeitig scheint es so zu sein, dass keiner versteht, warum der andere es anders macht.

Mal im Ernst:
Flughafenfahrer? Kann ich mich ja gleich ins Wachkoma begeben!
Nur-Funker? Haha! Fehlfahrten! Selber Schuld!
Apps-Nutzer: Loser! Da gibt es ja eh kaum Kundschaft!

Wenn ich wollte, könnte ich mich also auch prächtig amüsieren über all die Problemchen, die ich mir erspare.
Aber letztlich machen wir alle zusammen das Taxigewerbe aus! Wären wir alle für die selbe (also die total beste und so!) Funkzentrale unterwegs, hätten wir auch alle weniger Fahrten über diese. Würden wir alle nur die neuen Apps benutzen, wäre es viel chaotischer und wir hätten darüber auch kaum Umsatz. Würden alle ohne Funk und Apps unterwegs sein, könnte kein Kunde mehr vorbestellen. Gäbe es die Flughafenfahrer nicht, wäre auch am Airport manchmal tote Hose und die Kunden würden sich beim Warten die Beine in den Bauch stehen.

Die Kunden in unserem Gewerbe verteilen sich auf unterschiedliche Kanäle, und wir tun gut daran, alle zu bedienen. Aber dabei muss nicht jeder alles mitnehmen. Ich fahre gern mal die Matrix-Touristen, die kein Funker haben will. Dafür wird mir halt kaum ein Kunde ins Auto purzeln, der seine Fahrten immer einen Monat im Voraus bucht.

Und wenn ich mich deswegen nicht mehr ärgern darf, dass ich ohne Funk mal wenig Umsatz habe, dann sollten auch all die vorlauten Funker mit ihren albernen Fehlfahrten mal die Klappe halten! Ebenso wie wir alle mal bereuen, uns an der falschen Halte angestellt zu haben oder in die falsche Straße eingebogen zu sein, sollten wir vielleicht auch mal akzeptieren, dass der Job mehrere Möglichkeiten bietet, um letztlich zufrieden zu sein. In die Quere kommen wir uns witzigerweise doch eher, wenn wir alle das selbe tun…

Es mag sein, dass ich nicht den allerbesten Umsatz habe – über dem durchschnittlichen Tagfahrer liege ich meist dennoch. Es ist doch nicht so, dass ich nicht mitbekomme, was in dem Gewerbe so verdient wird. Und da muss ich mich nicht verstecken! Vor allem aber: Mir reicht es im Großen und Ganzen, und es ist ganz alleine meine Entscheidung, wenn ich auf irgendwas freiwillig verzichte. Ich hab manchmal das Gefühl, dass ich mir das ein oder andere Gesabbel nur anhören muss, „weil man das halt so macht“.

Soll ich euch mal dumm von der Seite anlabern, weil ihr – für mich ziemlich unverständlich – eure Arbeit stressig findet? Ich würde mir dabei blöd vorkommen, weil ich eigentlich weiss, dass ihr vernünftige Leute seid, einen anspruchsvollen Job gut macht und ihn so gestaltet, wie er euch in euer Leben passt. Akzeptiert das bitte auch bei mir!

Im Übrigen ist ein Taxiblog ein prima Werkzeug zur Kundenakquise. Warum macht das eigentlich nicht jeder?

Wegtreten!

Paradoxale Mobilität

Ein oftmals vernachlässigter Teil des Taxifahrens ist die Nebentätigkeit als Auskunftei. Selbst in Zeiten des mobilen Internets ist der Taxifahrer am Bahnhof oder im Altstadtviertel oftmals noch beliebte Quelle für Informationen aller Art. Nicht unbedingt zu Unrecht, schließlich ist es im Prinzip unser Job, uns möglichst gut auszukennen.

Dass manche Touristen uns dabei mit Restaurantkritikern, Bordelltestern oder Hotelzimmerinspektoren verwechseln: Sei es drum!
Wer fragt, bekommt eine Antwort, und passend dazu wird in meiner Familie auch seit Jahrzehnten der Spruch „Blöde Frage: Blöde Antwort!“ weitergegeben, den ich gerne in der Praxis ausprobiere.

Ansonsten ist eine Anfrage in meinen Augen kein Problem. Gut, es soll da auch andere Kollegen mit weniger Beherrschung geben.
Zusätzlich zu den selbstverständlichen Fahrt- und den unverbindlichen Ortsanfragen kommen aber gelegentlich noch einige andere. Die Fragen nach Zigaretten, Kleingeld und direkter Hochzeit ignorieren wir hier besser mal – denn es gibt auch eher seltenes.

Vor nunmehr zwei Wochen sprach mich z.B. ein junger Mann am Ostbahnhof an und erklärte mir, er würde an einem interessanten Buchprojekt mitarbeiten. Während der ein oder andere Kollege die Ohren wohl an dem Punkt schon auf Durchzug gestellt hat, war ich erst einmal interessiert.
Mir wurde weiterhin gesagt, dass es – vereinfacht gesagt – um Bewegungsprofile verschiedener Gruppen gehen würde, die dann kartografisch festgehalten würden und mit vielen weiteren in einem Buch über Berlin Platz finden würden. Dazu würden sie noch Taxifahrer suchen.

Offenbar angetan davon, dass ich noch nicht schreiend davon gerannt bin, hat er mir auch geduldig erklärt, was mein Part an der Geschichte wäre: Ich sollte einfach eine Woche lang ein GPS-Gerät bei mir im Auto angeschlossen haben, das die Strecken mitprotokolliert. Das wäre es im Wesentlichen. Danach gebe ich das Teil zurück, enthalte eine kleine Entschädigung für meinen „Aufwand“, und damit ist gut.

Zunächst befürchtete ich, dass es just an der Technik scheitert, denn natürlich brauchte der Sender Strom, und der ist in Autos bekanntlich rar – vor allem, wenn man den Zigarettenanzünder bereits verwendet, um Strom fürs Handy abzuzapfen. Aber clevererweise hatte mein Gegenüber bereits einen Verteiler für besagte Buchse dabei, und so hab ich vor zwei Wochen dann das Ding angeschlossen und bin seither munter durch die Gegend gegurkt. Ob die Daten hilfreich sein werden, weiss ich nicht – schließlich hab ich ja durchaus ein paar Lieblingsstrecken, die ich auf Kundensuche abgrase, aber Einschränkungen wurden mir keine auferlegt.

Und nun habe ich gestern Abend das Gerät zurückgegeben und endlich wieder Platz in meiner Mittelkonsole.

Da ich jetzt schon auf diese Weise unterstützend mitgewirkt habe, möchte ich meinen geneigten Lesern natürlich das Projekt nicht vorenthalten (das naturgemäß derzeit noch Projektstatus hat und erst demnächst in Gänze zu erwerben ist), denn die Ankündigung liest sich extrem spannend:

Berliner Atlas paradoxaler Mobilität

Mal abgesehen davon, dass ich einen zweistelligen Betrag dafür erhalten hab, freue ich mich tatsächlich, wenn ich bei der Umsetzung behilflich sein konnte. 🙂

Lange Taxifahrt, hoher Preis?

Peter hat in den Kommentaren von einer ziemlich mies verlaufenen Taxifahrt erzählt. Also erstmal ist es natürlich schade, dass man sowas immer wieder hören muss!
Dann hat er aber folgende Frage gestellt:

Was ich aber nicht ganz verstehe: Warum ist es üblich für Fahrten nach “weit außerhalb” mehr zu nehmen, als nach Taxameter? Der Tarif ist für mich die Obergrenze was ich zahlen möchte, egal wie weit es geht. Aber gerade für weite Strecken (die dann irgendwann zwangsläufig außerhalb des Pflichtfahrgebietes liegen) hatte ich eigentlich einen Rabatt erwartet. Deswegen bin ich verwundert, dass es sogar anders herum sein soll!?

Ja, das ist auch eine der unverständlichsten Problematiken im Taxigewerbe: Warum sind lange Fahrten besonders teuer?

Dazu muss man zwei Dinge betrachten: Zum einen die umsatzbasierte Bezahlung von uns Fahrern und zum anderen die Existenz des Pflichtfahrgebietes und seine Bedeutung.

Zur Bezahlung: In irgendeiner Form sind die Fahrer im Taxigewerbe meist am Umsatz beteiligt. Im Extremfall wie bei mir besteht der ganze Lohn ausschließlich aus einer Umsatzbeteiligung. Sollte man also nicht selbständig sein (dann kann man seinen Lohn ja quasi frei bestimmen) kostet man einen guten Teil des Umsatzes. Ich selbst kriege 45% des Umsatzes als Bruttolohn laut Arbeitsvertrag – in der Rechnung meiner Chefs dürften das mit Lohnnebenkosten über 50% sein.
Bei einer weiten und damit schnellen Fahrt (Autobahn, Landstraße) verdiene ich als Fahrer also ziemlich viel. Während ein Fahrer mit Stundenlohn vielleicht für die 100 km Wegstrecke nur die Stunde hin und eine zurück à 10 € gezahlt bekommt, würde ich in der Stunde Hinfahrt mal eben 60 € verdienen. Das Rechenbeispiel ist nur grob und orientiert sich am Berliner Tarif, der für alle Kilometer ab dem achten 1,28 € beträgt.

Jetzt betrachten wir zwischenrein mal das Pflichtfahrgebiet. Das Pflichtfahrgebiet ist die Stadt (oder der Landkreis) in dem wir mit dem Taxi unterwegs sind und eine Beförderungspflicht haben. Sprich: Dort müssen wir hinfahren und dort dürfen wir auch Kunden aufnehmen. Verlassen wir dieses Pflichtfahrgebiet für eine weite Strecke, dann müssen wir zwangsläufig leer wieder zurückfahren, da wir außerhalb (bzw. im Pflichtfahrgebiet der anderen Stadt) nicht berechtigt sind, Kunden aufzunehmen – außer wenn wir direkt bestellt sind. Auch das hat seinen Sinn, schließlich gelten dort andere Taxitarife, auf die unsere Taxameter nicht eingestellt sind – und die Kollegen dort wollen ja auch von etwas leben. Um es kurz zu machen: Für eine Fahrt weit außerhalb des Pflichtfahrgebietes entstehen uns (also unseren Chefs) Kosten für die leere Fahrt zurück.

Die Kombination dieser Dinge sorgt dann für den höheren Preis:
Wenn ich für 128 € 100 km weit weg fahre, dann muss mein Chef bereits für den Fahrer rund 60 bis 70 € einplanen. Wenn wir dann von den üblichen Betriebskosten eines Autos von 25 bis 35 Cent pro Kilometer ausgehen, kommen wir schnell an den Punkt, wo der Chef rechnerisch ein Minus macht, weil diese Kosten für 200 km (Hin- und Rückfahrt) anfallen – also 50 bis 70 € betragen.
Auch hier: Die Werte sind sehr grob, sie dienen nur der Veranschaulichung.

Dass das bei Peters doch noch recht kurzer Strecke bereits viel ausgemacht hat, glaube ich nicht, mein Chef sagt mir auch, dass ich bis zum Berliner Ring ohne weiteres nach Taxameter fahren kann. Aber grundsätzlich ist es eben so, dass bei einer weiten Fahrt der Rückweg mit eingepreist werden muss. Denn die Tarife sind im Hinblick auf die Gegebenheiten des Pflichtfahrgebietes ausgehandelt. Dort decken sie auch die üblichen Leerkilometer bis zur nächsten Halte etc. ab, bei allem was darüber hinausgeht, kann die Sache eben anders aussehen.

Ich möchte im Übrigen klarstellen, dass das in anderen Kreisen gleich ganz anders sein kann, wenn dort die Entlohnung der Fahrer oder die Tarife besonders von Berlin abweichen!
Grundsätzlich – also auch ohne die Fahrerlöhne zu betrachten – lässt es sich darauf herunterbrechen, dass man bei weiten Strecken die Rückfahrt auch bezahlen muss, weil das Taxi diese Strecke zwingend leer zurücklegen muss.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig zur Klärung beitragen.

Ich wäre übrigens froh, wenn ihr mir solche Fragen per Mail zukommen lasst. Ich hab zwar das Formular „Frage an Sash“ gelöscht, aber meine Mailadresse findet sich unter Kontakt und Impressum immer noch. Per Mail kann ich sie persönlicher beantworten (wenn ich keinen Artikel daraus mache) und dann gehen sie nicht verloren unter einem Artikel oder einer Seite, wo sie thematisch nicht so wirklich passen 🙂

Polizei und Verkehr

Als Taxifahrer kommt man nicht umhin, gelegentlich mit dem uniformierten Teil der Bevölkerung in Kontakt zu kommen. Zum einen hat man tatsächlich mal Anliegen, bei denen sie eine Hilfe sein können, zum anderen sind Nachts auf Berlins Straßen sowieso fast nur Taxen und Polizeifahrzeuge unterwegs. Von kleinen Konflikten bezüglich der Verkehrsregeln ganz zu schweigen. 😉

Ich will jetzt aber gar nicht so weit ausholen bezüglich meines Verhältnisses zur Polizei, ich wollte mich einfach mal ein bisschen beschweren über den Umgang einiger Staatsbediensteter mit der StVO.

„Dass die Polizei alles darf“ ist ja leider ein weit verbreitetes Bild in der Gesellschaft. Das wird im Allgemeinen durch die Medien gestützt, und ebenso wie eine erschreckend hohe Anzahl an Menschen in diesem Land bei schweren Verbrechen eine Körperverletzung seitens der Beamten für durchaus angemessen empfindet, so finden auch viele es ganz normal, dass im Verkehr für die Gesetzeshüter eben genau die Gesetze anscheinend nicht gelten. Abgesehen von denen, deren Bildungsniveau schon bei den Überschriften der Bild an seine Grenzen stößt, lehnen die meisten es vielleicht noch ab, wenn die Polizei wie bei „Alarm für Cobra 11“ schwere Verkehrsunfälle mit Todesfolge für eine legitime Ermittlungsarbeit hält, beim alltäglichen Rasen und Nötigen lächeln viele dann doch und tun es als Kleinigkeit ab.

Warum eigentlich?

In erster Linie sind Polizisten selbst im Dienst normale Verkehrsteilnehmer und haben sich im Interesse der Sicherheit an die selben Regeln zu halten wie jeder andere auch. Sie stehen nicht über dem Gesetz – wenn man nicht an den inzwischen berühmten „Richter Bleifuß“ gerät, dessen abenteuerlich egoistische Auslegung der StVO aber sicher auch bald ein Ende haben wird.

Ich hab nun wirklich kein großes Interesse am Erbsenzählen und finde es durchaus in Ordnung, wenn mal der gesunde Menschenverstand hier und da zu Ungunsten des gesetzlichen Wortlautes verwendet wird. Aber warum bitte wundere ich mich inzwischen, wenn ich mal auf ein Einsatzfahrzeug treffe, das sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält?

Neulich bin ich erst wieder auf der Autobahn im ach so gefährlichen Tunnel von einem silber-blauen Geschoss mit 150 Sachen überholt worden. Wo soll denn da bitte mein Gefahrenbewusstsein herkommen?
Und was das Einsetzen von Blaulicht und „Einsatzhorn“ angeht, haben einige in Berlin ein bisschen Nachschulung nötig. Während ein gemeinsames Mannschaftsfrühstück beim McDonalds am Ostbahnhof offenbar als Bedingung für Blaulicht ausreicht (Ich vermute mal „Abwendung von schweren gesundheitlichen Schäden“ nach §38 StVO), hatte ich nun auch schon öfter mal Begnungen mit dängelnden Gesetzeshütern, die auf ihr Anliegen glaubten, mit Hupe oder Lichthupe hinweisen zu müssen – wohl im Wissen darum, dass sie eigentlich gerade keine Sonderfahrrechte genießen.
So wurde ich neulich erst genötigt, in der (zugegeben schmalen) Adalbertstraße rückwärts zu fahren, bloß weil ein übereifriger Polizist seine Fahrzeuglänge beim Abbiegen falsch eingeschätzt hat und sich damit zwischen mir und der Fahrbahnbegrenzung eingekeilt hat. Aber sowohl mein Fahrgast als auch ich waren uns einig, dass es den Ärger nicht wert gewesen wäre, einfach zurück zu hupen und zu warten…

Für mich persönlich besonders ärgerlich ist das ständige Halten der Einsatzfahrzeuge am Taxistand am Ostbahnhof. Eine Menge Falschparker blockiert da ständig den Betrieb und sorgt für Verwirrung, da bedarf es wirklich keiner Polizisten mehr, die das auch noch vormachen. Was wohl passieren würde, wenn wir mal deren Parkplatz dort vor Ort als Halte benutzen?

Ganz widerlich sind natürlich die Typen, die sich – wie Klaus eindrucksvoll geschildert hat – Sonderrechte auch noch rausnehmen, wenn sie gar nicht im Dienst sind, und sich auf ihren Status berufen, sobald ihnen jemand ein Vergehen zum Vorwurf macht, bzw. sogar damit drohen, ihre Funktion auszunutzen, um einem das Leben schwer zu machen.
Aber wahrscheinlich sind das genau die Polizisten, die ihr Einsatzfahrzeug hier beim Kaiser’s vor meiner Türe auf dem Behindertenparkplatz abstellen, wenn sie sich ihr Mittagessen holen. In diesem Fall mit dem Behindertenparkplatz kann man meiner Meinung dann allerdings darüber nachdenken, ob nicht das Verhalten selbst sozusagen schon die Berechtigung begründet…

Arbeitnehmer im Taxigewerbe

Man gewöhnt sich ganz schön an Luxus.

Ich meine jetzt damit gar nicht so sehr den materiellen, sondern viel mehr auch den emotionalen. Ich schreibe hier verdammt viel darüber, warum mein Job mir Spaß macht und warum ich ihn so gerne habe. Das liegt zu großen Teilen an den Fahrgästen, bzw. natürlich auch daran, dass ich mit Menschen relativ gut umgehen kann.

Der Verdienst – sind wir mal ehrlich! – gehört weniger dazu, die Arbeitsbedingungen dagegen umso mehr. Das betrifft schon ganz einfache Dinge: Wenn ich zur S-Bahn komme, und meine Bahn am Bahnsteig steht, dann renne ich aus Prinzip nicht mehr! Entweder sie ist noch da, wenn ich einsteige, oder ich hab noch 5 Minuten zum Lesen. Diese Vorstellung, ich müsste eine Bahn erwischen, um pünktlich bei der Arbeit zu sein… die kommt mir inzwischen grotesk vor.
Ich hätte zum Beispiel am Freitag meine Abrechnung machen müssen. Die meisten Kollegen rechnen ein- oder mehrmals die Woche ab, sprich: Bringen Cheffe das Geld vorbei – ich selbst mache es nur monatlich, weil ich dafür früher aufstehen muss und eine Stunde Bahnfahren. Jetzt hat mir Freitag aber mal sowas von gar nicht gepasst. Ich war müde, bin spät aufgestanden, und zudem war es der letzte Tag in 2 Wochen, in denen ich das Auto nicht hatte. Also hab ich kurzfristig angefragt, ob ich auch am Montag abrechnen könne. Ich bin zwar schon davon ausgegangen, dass es geht – aber man möchte ja nicht als der dastehen, der sich reihenweise Extrawürste gönnt.

War aber kein Problem.

Gestern hatte ich das Auto vor der Türe, sowieso nicht geschlafen und beschlossen, meinen Chefs die Freude zu machen, wenigstens früh vorbeizukommen, damit sie danach ihre Ruhe haben zum Arbeiten.
Entgegen der landsläufigen Meinung arbeiten nämlich tatsächlich auch Chefs – und meine gehören zu denen, mit denen ich bestimmt nicht tauschen wollte…

(Also jetzt nicht nur wegen mir als Arbeitnehmer… 😉 )

Was mir am Taxigewerbe gefällt, sind die flachen Hierarchien. Nicht mal unbedingt, weil ich dadurch als Arbeitnehmer besser dastehe, sondern weil ich es grundsätzlich interessanter finde, Menschen mehr auf Augenhöhe zu begegnen, als eventuell bestehende Machtgefälle in welche Richtung auch immer auszunutzen.

Das ist natürlich nicht nur bei uns im Gewerbe so, beziehungsweise auch nicht überall bei uns. Ich hab ja aber durch Zufall den richtigen Arbeitgeber gefunden, und so kam es dann, dass ich bevor ich unser Büro betreten habe, von Cheffe selbst zum Chinesen gegenüber gewunken und dort zum Essen eingeladen worden bin.
In meinen Augen war das eine wirklich gute Atmosphäre, um z.B. die Sache mit Einkaufswagen und dem Rücklicht zu besprechen. Während unser firmeninterner Schrauber gleich in Aussicht gestellt hat, dass es wegen der blöden Ersatzteilpolitik von Opel sein könnte, dass wir sogar gleich zwei neue Rücklichter brauchen könnten, hat mein Chef sich im Wissen um die eigentlich sehr nette Kundschaft später erst einmal an den PC gesetzt, um nach gebrauchten Teilen zu suchen. Was daraus wird, weiss ich noch nicht – ich hoffe mal, er wird fündig!

Zunächst haben wir aber tatsächlich noch ein paar Worte übers Schreiben verloren, denn eine der Taxizeitungen in Berlin sucht offenbar verzweifelt nach Content jeder Art. Dass ich blogge, wissen die Leute in der Firma ja inzwischen, wenngleich mein Chef sagt, er liest nicht hier, weil er es für indiskret halten würde. Naja, jedenfalls versucht also gerade ausgerechnet er mich in meiner zeitintensiven Nebenbeschäftigung zu fördern und mich nicht unter Wert weiterzuvermitteln. Das hat auch was 😀

Die Abrechnung selbst war eigentlich nicht der Rede wert – wenn man mal davon absieht, dass es ohnehin das einzige Mal im Monat ist, dass ich meine Chefs persönlich sehe. Alles weitere klärt man ja heute mit Mails und SMS, gelegentlich dann noch via Telefon.
Nun bin ich also wieder auf dem laufenden Stand bezüglich der Geschehnisse in der Firma, hatte trotz etwas „Arbeit“ (an einem freien Tag) einen entspannten Nachmittag und freue mich ehrlich gesagt aufs nächste Mal.

Vielleicht werde ich es eines Tages bereuen, dass ich nicht zugunsten einiger hundert Euro mehr im Monat einen anderen Beruf ergriffen habe. Das kann schon sein, und das sollte sich auch jeder gut überlegen, der gerne Taxifahrer werden will, weil er im Internet ein paar lustige Geschichten gelesen hat – aber gerade bin ich hier genau richtig!
Und in Anbetracht der Tatsache, dass ich nebenher künftig noch mehr schreiben will, bin ich sogar eigentlich als Angestellter genau richtig in diesem Gewerbe.

Kauft das Buch!

Wie kam Sash eigentlich zum Taxifahren? Das beschreibt er in seinem ersten eBook "Papa, ich geh zum Zirkus!".

Immer dranbleiben!

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Noch ein Blog?

Kleiner Tipp: Sash hat noch einen zweiten Blog, auf dem es auch gelegentlich was zu lesen gibt.

Wagen umgekippt

Ja, man könnte sagen, dass ich heute Nacht in einen Unfall verwickelt war. Und es ist wahr: Ein umgekippter Wagen hat dabei eine wichtige Rolle gespielt. Bevor jetzt aber jemand die Pressemeldungen nach überschlagenen Autos absucht: Ruhig Blut! Eigentlich ist gar nix schlimmes passiert. Sämtlicher Schaden ließ sich übersichtlich auf folgendem Foto festhalten:

Knapp am Totalschaden vorbei, Quelle: Sash

Knapp am Totalschaden vorbei, Quelle: Sash

Ja, das ist das rechte Rücklicht der guten alten 1925. Und das Loch war dort bis gestern noch nicht. Wie aber zur Hölle schafft man das? Und was hat das mit umgekippten Wagen zu tun?

Aaalso: Am Ostbahnhof trat Kundschaft an mich heran, und sie hatten anbei einen – na, wer errät es? – Einkaufswagen. Der war voll bepackt mit mindestens einem Wocheneinkauf, und all diesen Inhalt gedachten die drei Leute, in mein Taxi zu schaufeln. Warum nicht? Ich hatte von dort schon einmal eine Einkaufstour, und auch wenn der Weg wieder nicht lang zu werden versprach, finde ich es eigentlich gut, dass die Leute überhaupt auf die Idee kommen, eine Taxe dafür zu nutzen. Wenn es zum Laufen zu weit, mit dem Bus zu umständlich und ein eigenes Auto nicht vorhanden ist, dann sind wir doch eigentlich keine schlechte Wahl.

Nun wird dieser Einkauf aber wohl leider ein bisschen teurer als geplant werden.

Als sie nämlich den Wagen möglichst nahe an mein Auto heranschieben wollten, übersahen sie das Ende des Bordsteins. Ein Rad des Wagens sackte ab, und das ganze Gefährt ist mit vernehmlichem Krachen gegen mein Auto gekippt. Dabei hat sich eine Kante direkt durch die Plexiglasabdeckung des Rücklichtes gebohrt – wie man anhand des Fotos ja auch erahnen kann.

Erstmal sieht es nach Glück im Unglück aus: Im Grunde ist das ja nur ein billiges Plastikteil. Es wurde kein Lack zerkratzt, selbst das Licht mit allen Birnen etc. ist noch heil. Allerdings ist nun die Frage, ob das in der Werkstatt einfach so ausgetauscht werden kann, oder ob da – und das befürchte ich – gleich ein komplett neuer Korpus fürs Rücklicht angeschafft werden muss.
Ich hoffe nur, dass das alles in allem glimpflich ausgeht, denn es waren wirklich herzensgute Leute. Obwohl sie nicht wissen, ob sie eine Haftpflicht haben, haben sie nicht mal eine Sekunde rumlamentiert, ich habe ein Schuldeingeständnis mit Adresse, ein Trinkgeld und viele Entschuldigungen gekriegt. Ich fände es ehrlich gesagt schade, wenn der Mist jetzt viel mehr als ’nen Fuffi kostet… 🙁