Arbeitnehmer im Taxigewerbe

Man gewöhnt sich ganz schön an Luxus.

Ich meine jetzt damit gar nicht so sehr den materiellen, sondern viel mehr auch den emotionalen. Ich schreibe hier verdammt viel darüber, warum mein Job mir Spaß macht und warum ich ihn so gerne habe. Das liegt zu großen Teilen an den Fahrgästen, bzw. natürlich auch daran, dass ich mit Menschen relativ gut umgehen kann.

Der Verdienst – sind wir mal ehrlich! – gehört weniger dazu, die Arbeitsbedingungen dagegen umso mehr. Das betrifft schon ganz einfache Dinge: Wenn ich zur S-Bahn komme, und meine Bahn am Bahnsteig steht, dann renne ich aus Prinzip nicht mehr! Entweder sie ist noch da, wenn ich einsteige, oder ich hab noch 5 Minuten zum Lesen. Diese Vorstellung, ich müsste eine Bahn erwischen, um pünktlich bei der Arbeit zu sein… die kommt mir inzwischen grotesk vor.
Ich hätte zum Beispiel am Freitag meine Abrechnung machen müssen. Die meisten Kollegen rechnen ein- oder mehrmals die Woche ab, sprich: Bringen Cheffe das Geld vorbei – ich selbst mache es nur monatlich, weil ich dafür früher aufstehen muss und eine Stunde Bahnfahren. Jetzt hat mir Freitag aber mal sowas von gar nicht gepasst. Ich war müde, bin spät aufgestanden, und zudem war es der letzte Tag in 2 Wochen, in denen ich das Auto nicht hatte. Also hab ich kurzfristig angefragt, ob ich auch am Montag abrechnen könne. Ich bin zwar schon davon ausgegangen, dass es geht – aber man möchte ja nicht als der dastehen, der sich reihenweise Extrawürste gönnt.

War aber kein Problem.

Gestern hatte ich das Auto vor der Türe, sowieso nicht geschlafen und beschlossen, meinen Chefs die Freude zu machen, wenigstens früh vorbeizukommen, damit sie danach ihre Ruhe haben zum Arbeiten.
Entgegen der landsläufigen Meinung arbeiten nämlich tatsächlich auch Chefs – und meine gehören zu denen, mit denen ich bestimmt nicht tauschen wollte…

(Also jetzt nicht nur wegen mir als Arbeitnehmer… 😉 )

Was mir am Taxigewerbe gefällt, sind die flachen Hierarchien. Nicht mal unbedingt, weil ich dadurch als Arbeitnehmer besser dastehe, sondern weil ich es grundsätzlich interessanter finde, Menschen mehr auf Augenhöhe zu begegnen, als eventuell bestehende Machtgefälle in welche Richtung auch immer auszunutzen.

Das ist natürlich nicht nur bei uns im Gewerbe so, beziehungsweise auch nicht überall bei uns. Ich hab ja aber durch Zufall den richtigen Arbeitgeber gefunden, und so kam es dann, dass ich bevor ich unser Büro betreten habe, von Cheffe selbst zum Chinesen gegenüber gewunken und dort zum Essen eingeladen worden bin.
In meinen Augen war das eine wirklich gute Atmosphäre, um z.B. die Sache mit Einkaufswagen und dem Rücklicht zu besprechen. Während unser firmeninterner Schrauber gleich in Aussicht gestellt hat, dass es wegen der blöden Ersatzteilpolitik von Opel sein könnte, dass wir sogar gleich zwei neue Rücklichter brauchen könnten, hat mein Chef sich im Wissen um die eigentlich sehr nette Kundschaft später erst einmal an den PC gesetzt, um nach gebrauchten Teilen zu suchen. Was daraus wird, weiss ich noch nicht – ich hoffe mal, er wird fündig!

Zunächst haben wir aber tatsächlich noch ein paar Worte übers Schreiben verloren, denn eine der Taxizeitungen in Berlin sucht offenbar verzweifelt nach Content jeder Art. Dass ich blogge, wissen die Leute in der Firma ja inzwischen, wenngleich mein Chef sagt, er liest nicht hier, weil er es für indiskret halten würde. Naja, jedenfalls versucht also gerade ausgerechnet er mich in meiner zeitintensiven Nebenbeschäftigung zu fördern und mich nicht unter Wert weiterzuvermitteln. Das hat auch was 😀

Die Abrechnung selbst war eigentlich nicht der Rede wert – wenn man mal davon absieht, dass es ohnehin das einzige Mal im Monat ist, dass ich meine Chefs persönlich sehe. Alles weitere klärt man ja heute mit Mails und SMS, gelegentlich dann noch via Telefon.
Nun bin ich also wieder auf dem laufenden Stand bezüglich der Geschehnisse in der Firma, hatte trotz etwas „Arbeit“ (an einem freien Tag) einen entspannten Nachmittag und freue mich ehrlich gesagt aufs nächste Mal.

Vielleicht werde ich es eines Tages bereuen, dass ich nicht zugunsten einiger hundert Euro mehr im Monat einen anderen Beruf ergriffen habe. Das kann schon sein, und das sollte sich auch jeder gut überlegen, der gerne Taxifahrer werden will, weil er im Internet ein paar lustige Geschichten gelesen hat – aber gerade bin ich hier genau richtig!
Und in Anbetracht der Tatsache, dass ich nebenher künftig noch mehr schreiben will, bin ich sogar eigentlich als Angestellter genau richtig in diesem Gewerbe.

18 Kommentare bis “Arbeitnehmer im Taxigewerbe”

  1. Aro sagt:

    Oh je, für ein Taximagazin schreiben. Das RAL 1015 ist in meinen Augen der letzte Scheiß, journalistisch, stilistisch, ein reines Lobbyblatt und schlecht gemacht. Das neue Blatt (den Namen hab ich vergessen) fand ich extrem langweilig und das Taxi-Magazin, für das ich mal gearbeitet habe, gibt es seit ein paar Jahren nicht mehr.
    Was mich an den Zeitschriften besonders stört ist, dass sie seitenweise Reklame für Autokauf machen. Sei es in Form von Anzeigen oder getarnt als Bericht. Völlig unseriös. Außerdem komme ich als angestellter Fahrer extrem selten in die Situation, ein neues Taxi kaufen zu müssen.

    Ne, ich hoffe darin nichts von Dir zu lesen (bzw. nicht wieder…), aber ich bin mir sowieso sicher, dass solch ein Freigeist wie Du da nicht wirklich erwünscht ist.

  2. ednong sagt:

    Eigentlich wollte ich ja ganz anders anfangen, aber „Freigeist“ hat es mal wieder getroffen 😉

    Ich denke, dass du wirklich sehr viel Glück hast mit deinen Chefs. Nettes Arbeitsklima dazu und alles, was dir so entgegen kommt. Bis auf den Verdienst vielleicht. Aber irgendwas ist ja immer. 😀

    Es ist auf jeden Fall angenehm, bei dir lesen zu dürfen und dich gefunden zu haben. Klar, wie die Zukunft aussieht, das weiß man nicht. Ich hoffe, daß sie zumindestens spannend bleibt hier.

  3. Sash sagt:

    @Aro:
    Klar, verschissene Lobbyblätter sind das alles. Keine Frage. Was die Trennung zwischen Werbung und „journalistischen“ Texten angeht, stehen sie zweifelsohne auf einer Stufe mit der Bild.
    Auf der anderen Seite sind es Blätter fürs Gewerbe. Dass da Lobbyismus an erster Stelle steht, finde ich noch verhältnismäßig normal. Zumindest einen Text werde ich der RAL 1015 geben, und das wird eine Abrechnung mit der baldigen Tariferhöhung sein.
    Zugegeben, es ist ein Tanz auf dem Drahtseil – aber auch solche Blätter sind nur schlecht, weil schlechte Leute sie schreiben. Ich werde mich da sicher nicht übermäßig reinhängen, aber der ein oder andere Text ist vielleicht als Gegengewicht ganz gut.
    Wenn sie nicht drucken wollen, was ich schreibe: Bitte! So wie es aussieht, werde ich ohnehin kein Honorar erhalten, das mich zur Bestechlichkeit verführen könnte.
    Was ich versprechen kann ist nicht, dass ich nichts für die schreibe. Aber ich verspreche, dass ich nur das schreibe, was ich will!

  4. Sash sagt:

    @ednong:
    Und ich möchte mal anmerken, dass meine Chefs für die Branche ebenfalls sehr gut bezahlen!
    Was die Zukunft bringt? Ich werde es auch erst in selbiger erfahren 🙂
    Aber Tatsache ist, dass ich neben dem Blog versuchen werde, gelegentlich auch ein bisschen Geld mit Schreiben zu verdienen. Ob das klappt: Mal sehen.
    Ansonsten hab ich mich übrigens in der heutigen Nacht explizit dagegen entschieden, hier Werbung einzublenden – obwohl das sicher nicht die dümmste Idee wäre. Ich lege es also nicht darauf an, um jeden Preis käuflich zu sein 🙂

  5. ednong sagt:

    Dann laß dir eins gesagt sein, lieber Sash: Freigeister sind nicht käuftlich.

  6. ednong sagt:

    Und du bist ja verdammt früh auf den Beinen …

  7. Sash sagt:

    @ednong: Das weiss ich 🙂
    Und: früh? Ich hab seit 30 Stunden vielleicht zweieinhalb geschlafen…

  8. Sicarius sagt:

    „Entweder sie ist noch da, wenn ich einsteige, oder ich hab noch 5 Minuten zum Lesen.“

    Hach, ihr verwöhnten Großstädter. IWenn ich nicht renne, dann darf ich ne Stunde oder mehr warten bis wieder was kommt — wenn überhaupt!

    Ich weiß, ich weiß: „Dann nimm‘ dir doch ein Taxi“ 🙂

  9. Christian sagt:

    Hi Sash!

    super Blog mit außergewöhnlichem Thema und sehr gut geschrieben! Vielleicht solltest du ein Buch mit lauter Taxireportagen rausbringen, an spannendem Inhalt mangelt es dir ja offensichtlich nicht 🙂

  10. reasoner sagt:

    Ich gestehe.

    Ich bin einer von Ihnen

    und ich lese hier seit einiger Zeit mit. Ich mag Freigeister.

    @aro
    Die andere Taxi-Zeitung heißt Taxi-Vorfahrt. Beide Zeitungen sind nicht immer unterhaltsam, meistens aber informativ. Was fehlt? Lockere Beiträge von lockeren Leuten. Von Sash zum Beispiel. Er wäre eine echte Bereicherung, da sich nur Wenige finden, die gute Beiträge schreiben können und wollen.

    Ich läse einen Beitrag mit großem Vergnügen, in dieser oder in jener Zeitung.

    Die lästigen Autohändler tragen Kohle in die Verlage. Sonst wären sie längst nicht so breit.

    @Sash
    Mach das mal! Sein lassen kannst du es jederzeit.

  11. Sash sagt:

    @Sicarius:
    Ja, da ist man als Großstädter verwöhnt. Trotzdem rennen hier abertausende Leute täglich zur Bahn…

    @Christian:
    Naja, Reportagen sind eher nicht so mein Ding. Kolumnen schon eher. Das Buch braucht trotzdem noch Zeit 🙂

    @reasoner:
    Man muss Aro aber echt in dem Punkt Recht geben, dass die Werbeanzeigen leider oft als redaktionelle Texte „getarnt“ sind.
    Ich werde trotzdem mal sehen, ob sich da was ergibt…

  12. sternburg sagt:

    Falls es jemanden interessiert: Ich lese ganz gerne ab und an hier, meistens fühle ich mich gut unterhalten und öfters habe ich auch wissenswertes gelernt. Und an diesem Zustand würde sich exakt nichts ändern wenn Du ein paar Silbertaler für dezent eingebundene Werbebanner einstreichen würdest.

    Ich gehe mal nicht davon aus, dass Du Dir dein Kind hier mit irgendwelchen assigen Layer-Reklamen zerschießen würdest (nebenbei: auch das würde mich nichts angehen), sondern darauf achten würdest, dass das ganze danach genau so angenehm und zugänglich ist, wie vorher. Dann würde ich persönlich mich nicht im geringsten darüber ärgern (warum auch?), sondern mich im gegenteil dafür freuen, dass Du wenigstens ein kleines Stückchen für deine Arbeit entlohnt wirst. Wenn ich es schon nicht mache..

    Es ist natürlich Dein Bier. Aber bitte verzichte nicht nur deshalb darauf, weil Du denkst, ich oder sonstwer fänden das unangebracht. Wenn Du es hingegen einfach nicht willst: dufte, habe nichts gesagt.

  13. Aro sagt:

    Informativ? Ich finde die ellenlang dahingesülzten Beiträge eher einschläfernd, selbst wenn mich das Thema interessiert. Ob die seitenlangen Abhandlungen einfacher Situationen durch den Rechtsanwalt, die speudo-lockere Sprache („Atze und Icke, wir sind ja so balinerisch“) oder die ständigen eifersüchtlerischen Angriffe auf den gegnerischen Verband. Meine Mitarbeit beim Taxi-Magazin Berlin konnte ich rechtfertigen, weil es eben eine Zeitschrift für die Fahrer war (deshalb lag sie auch an allen wichtigen Halten aus) und weil es nicht um diese ätzende Funktionärspolitik ging.

    Warum werden keine neuen Hotels aufgelistet (die es ja derzeit zuhauf gibt)? Wieso nicht die wichtigsten zu erwartenden Verkehrsumleitungen? Warum keine praktischen Tipps im Umgang mit Fahrgästen, Polizei oder Ordnungsamt, warum nicht über unsere Rechte als angestellte Fahrer? Stattdessen wird regelmäßig über Automessen und Taxitage in Leipzig oder sonstwo berichtet, was für uns Berliner Fahrer absolut keinen Wert hat. Die Angriffe auf andere Verbände sind offenbar wichtiger.

    Übrigens meckere ich nicht nur. Ich habe mehrmals versucht, mit dem Verlag ins Gespräch zu kommen, auch in durchaus freundlichem Ton. Das wurde immer ignoriert, Fragen und Verbesserungsvorschläge sind offenbar nicht erwünscht.

    Das von dir angesprochene Magazin Vorfahrt ist da auch nicht besser. Da wird genauso gegen die beiden anderen Verbände gestänkert, da wird Werbung genauso als Artikel verschleiert. Praktischer Wert = Null.

  14. waldnase sagt:

    Jeder soll den Job ergreifen können, was demjenigen oder derjenigen Spaß macht bzw. auch dessen Kompetenzen entspricht! Und dann sind alle fröhlich und bloggen drüber;o)

  15. Wolfram sagt:

    @Rea…: Hey, Du auch hier? Wie läufts mit Deinem Job als Zentralenleiter? Laß den (funklosen?) Sash doch mal für Euer Zentralenblatt schreiben, das wär doch die Krönung schlecht hin… dann les ich das auch *grins* Liebe Grüße!

  16. Sash sagt:

    @sternburg:
    Danke für den netten Kommentar. Was ich hier dauerhaft machen werde, weiss ich noch nicht. Kann schon sein, dass es mal Werbung gibt. Aber wenn, dann irgendwo ein oder zwei gekennzeichnete Banner, passend zum Thema und ganz ganz sicher keine Layer-Scheiße! Niemals!
    Tatsächlich ist es aber bei einem Blog wie diesem gar nicht so leicht, was zu finden – wenn man nicht völlig blödsinnig und wahllos AdSense oder dergleichen reinschmeißen will.

    @waldnase:
    Ja, im besten Falle läuft es so 😀

    @Wolfram:
    Die wichtige Frage ist dabei sicher nicht, ob mich jemand lässt – erstmal muss ich das als unzuverlässiger Schreiber auch hinkriegen 🙂

  17. Nils sagt:

    Ich möchte da mal ins gleiche Horn wie Sternburg stoßen: Du machst Dir da zu viele Gedanken. Ich könnte es absolut nicht nachempfinden, wenn sich hier jemand wirklich daran stoßen würde, wenn hier dezent ein wenig Werbung eingeblendet würde. Und wer sich darüber wirklich aufregt, der hat Deine Texte ohnehin nicht „verdient“. Ganz einfach.
    Ich würde auch mal behaupten, dass Du dadurch maximal ein Prozent der Leser verlieren würdest (auch wenn vermutlich mehr Leite etwas anderes behaupten würden) – vermutlich sogar gar keinen.
    Ich als Leser wäre für die zahlreichen, umfangreichen und sehr unterhaltsam und gleichermaßen lehrreichen Inhalte gerne bereit, durch den Konsum von Werbung zu bezahlen. Auch, wenn Du das hier aus Spaß an der Freude machst, so darfst Du für Deine Mühen ruhig ein bisschen Geld verdienen. Und shcließlich hast Du ja auch (minimale) Kosten für Hosting, Strom und Computerverschleiß. 😉 Probier Adsense doch ruhig einfach mal aus. Versuch macht kluch. 😉

  18. reasoner sagt:

    Hi Taunus!

    Bin ja am Schrauben ;-). Ich kann allerdings seine und Aros Einwände nachvollziehen. Die gegenseitige Anmache in den Zeitungen müsste nicht sein.

    Zitat Aro: Warum werden keine neuen Hotels aufgelistet (die es ja derzeit zuhauf gibt)? Wieso nicht die wichtigsten zu erwartenden Verkehrsumleitungen? Warum keine praktischen Tipps im Umgang mit Fahrgästen, Polizei oder Ordnungsamt, warum nicht über unsere Rechte als angestellte Fahrer?

    Ich leite das an den Chef-Red. Liedtke weiter. Also an die Vorfahrt. Bei Herrn Hochfeld beiße ich auch auf Granit. Das sind vernünftige Vorschläge, die man aufnehmen kann. Beide Zeitungen sind natürlich auch auf lesbare Beiträge angewiesen. Die Anwaltsausführungen überblättere ich selbst auch bloß.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: